slashy tears

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Kind des Lichtes



Part 1

Wir sind so schön.
Wir sind so jung.
Unendlich geil,
wir sind so dumm.

Lächelnd schiebe ich das schwarze Samtband meinen linken Arm herauf, bis ich es etwas weiter über der Armbeuge eng zuziehe. Ich kann spüren, wie sich das Blut langsam zu stauen beginnt.

Wir sind verwöhnt
und elegant.
Wir sind brutal
und doch charmant.

Ich hebe meinen Blick, sehe in die verschwommenen Augen irgendeines Menschen, der mir an diesem Abend Gesellschaft leistet. Ich fühle mich einsam. Aber ich bin es nicht. Leider.
Obwohl… ich wäre nun gerne bei Lauri. Ja, meinem Lauri.
Manchmal glaube ich, er ist der Einzige, der mir helfen könnte von diesem ganzen Scheiß los zu kommen. Wenn ich es denn wollte. Aber ich denke, ich würde es vermissen.

Wir sind so hip.
Wir sind so cool.
Ein bisschen bi.
Ein bisschen schwul.

Lauri. Seine Nähe ist wie der reinste Schnee für mich. Unschuldig und doch voller Laster.
Sex mit ihm gleicht wohl dem goldenen Schuss, der einen irgendwann glücklich sterben lassen wird.

Meine Augen beobachten, wie der Fremde über der kleinen, lodernden Flamme einer weißen Kerze, das Heroin, welches auf einem kleinen silbernen Löffelchen ruht, zum Brodeln bringt.
In mir tobt ein Sturm aus Vorfreude, anfänglichen Entzugserscheinungen und Lust.

Wir sind so wild
und so versiert.
Knallhart und
perfekt programmiert.

Ich werde ungeduldig. Aber nicht nur ich, sondern auch die Hand dieses Typen. Er zittert leicht, als er das flüssige Gold mit der kleinen Spritze aufzieht. Fasziniert betrachte ich das kleine Plastikgebilde. Ein Schütteln erfasst meinen Körper.

Der Horizont rückt näher
und alle sind Stars.

Sanft grinst er mich an. Ich erwidere seine Geste und strecke ihm meinen Arm hin.
Er setzt die Spritze an, wirft mir einen letzten lüsternen Blick zu und pumpt das Glück in meine Venen.
Ich ziehe in einem letzten Moment des klaren Bewusstseins das Samtband aus und sehe dem Fremden zu, wie er sich selbst in andere Sphären schießt.

Wir leben wie die Götter
und dann beißen wir ins Gras.

Vor meinen Augen tanzen Lichter, Wärme erklimmt meinen ganzen Körper und ich kann endlich vergessen, dass es eigentlich Lauri ist, den ich brauche.
Ich beuge mich etwas nach vorn und schiebe dem Fremden meine Zunge in den Hals.
Er wird mich ficken. Das war der Deal. Das ist es wert.
Ich stütze mich hinter mir auf dem Boden ab, als er sich langsam über mich beugt.
Mir schwindelt es etwas.

Die Schatten werden länger
wir kennen keinen Neid.
Verschwende deine Jugend.
Verschwende deine Zeit.

Wie ein Berserker macht er sich über mich her. Er ist vermutlich doppelt so alt wie ich.
Aber er ist nur Mittel zum Zweck. Es macht mich nichts aus. Ich bin schon lange taub. Ich kann nur noch fühlen, was Lauri mir gibt.
Hastig, fiebernd entkleidet er sich. Ich kenne nicht einmal seinen Namen. Er hat keinen Namen und kein Gesicht für mich. Aber er hatte Stoff. Und er hat einen Schwanz.
Mein Glück und mein Verderben.
Unsere Küssen werden wilder, irgendwie unkontrollierter und irgendwie beängstigend.
Als er seine gesamte Lust in mich hinein rammt bin ich so unsagbar dankbar für den Rausch, den er mir zuvor ermöglichte, den ohne ihn müsste ich nun vermutlich vor Schmerzen sterben.

Willkommen- ihr Kinder des Lichts
Ihr seid willkommen-
willkommen im Nichts.

Sein alter, schwitzender Körper reibt sich ekstatisch an meinem. Ich hasse ihn. Ich brauchte ihn.
Ich wünschte, es wäre Lauri der nun über mir schwebte und nicht ein Anflug der Ohnmacht.
Verdammt. Ich darf nicht verschwinden!
Ich presse die Augen fest zusammen. Das Stöhnen dieses Mannes nahe meinem Ohr treibt mich noch fast in den Wahnsinn. Ich will, dass er damit aufhört.
Mein Innerstes schmerzt unsagbar. Er reißt alles in mir wie mit einem Messer auf.
Seine Stöße werden immer schneller, in mir keimt Hoffnung, dass dieser Alptraum endlich sein widerliches Ende finden könnte.
Nach wenigen Augenblicken sackt er erschöpft auf mir zusammen. Sein Körper ekelt mich an. Ich würde ihn am liebsten von mir stoßen und ihm dann das Gesicht zerschlagen.
Aber ich rühre mich nicht. Wer weiß, was er mit mir machen würde, wenn ich gegen unsere Abmachung verstoße. Eine Nacht mit mir für einen kleinen, liebevollen Schuss.
Träge rollt er sich von mir runter und kommt unmittelbar neben mir zum Stillstand. Mein Arm berührt ihn. Ich ziehe ihn zurück. Suche den Abstand den ich eigentlich die ganze Zeit zwischen uns wissen wollte.
Ich starre verunsichert auf meine nackten Füße.
War's das jetzt? Das wäre zu schön. Aber die meisten dieser Männer geben sich mit einem einfachen Fick nicht zufrieden.
„Kleiner, hat es dir nicht gefallen?“, er rückt wieder näher an mich heran, streichelt über meinen Bauch, streichelt mich an einer Stelle, die nur noch auf Lauris Berührungen reagieren kann. Zu oft missbraucht. Zu oft ausgenutzt. Zu oft benutzt. Zu oft.
„Doch. Natürlich hat es das.“, lüge ich dem Fremden ins Gesicht.
Bitte, lass mich gehen. Ich komme leider langsam von meinem Rausch runter. Das fühlt sich nicht gut an.

Wir sind obszön.
Wir sind so frei.
Unendlich scharf
und voll dabei.

„Bitte tu mir einen Gefallen. Du Goldjunge.“
Jedes seiner Worte widert mich mehr an.
Er greift nach meiner rechten Hand und führt sie- langsam über meine eigene Haut streichend- an meine Lenden.
„Ich will, dass du es dir selbst machst.“

Wir sind skurril.
Total verrückt.
Ziemlich kaputt.
Doch hübsch geschmückt.

Ich nicke resignierend. Was soll ich denn schon machen? Ein Deal ist ein Deal.
Wenn Lauri mich so sehen würde. Er würde diesem Kerl bestimmt die Hölle heiß machen und mir helfen.
Und als ich nach kurzem Zögern Hand an mich anlege ist es sein Bild, welches mir eine Erektion erst ermöglicht.

Wir sind so wild.
Und auffrisiert.
Dekadent und
zweckoptimiert .

Ich schließe meine Augen. Ich wünsche mich in seine Arme. Ich wünsche mir seine Hand an meinen Schwanz. Ich wünsche ihn in mir.
Ich wünsche mir so unendlich viel, was ich wohl niemals bekommen werde oder kann.
Ich lege meinen Kopf in den Nacken, denke mich an einen Ort, weit weg von hier. Irgendwo hin, ganz egal. Hauptsache mein Lauri ist mit mir dort.
Nach kurzer Zeit vernehme ich raues, abstoßendes Stöhnen nahe bei mir.
Ich wage es kaum, öffne aber dennoch ein Auge und muss mit ansehen, wie sich dieser Fremder aufgrund meines jämmerlichen Anblicks selbst einen runterholt.

Wir sind so chic.
Wir sind frivol.
Ein bisschen high,
ein bisschen hohl.

Ekel in seiner reinsten und unbarmherzigen Form kriecht meine Kehle hinauf.
Als dieser Mensch in seine eigene Hand kommt, erkenne ich meine eigene Armseligkeit.
Ich fühle mich unbeschreiblich erbärmlich.
Ich stoppe meine Handbewegung. Starre diesen Mann nun förmlich an. Was tue ich hier eigentlich?
Lohnt es sich wirklich?
Ja. Leider ja. Es muss sich lohnen. Anders hat dies alles doch keinen Sinn.
Der Fremde schaut auf zu mir, als er meinen entsetzen Blick bemerkt, neigt er fragend seinen Kopf zur Seite.
Aus seinen Augen dringt ein Ausdruck, der wohl eher einem Kind bestimmt sein sollte, als mir.
Soll das Mitleid sein?
Er soll mich verdammt noch mal nicht so ansehen! Er kann sich diesen beschissenen Blick für seinen Sohn sparen, der wohl kaum älter als ich selbst sein dürfte.
„Was ist los?“, er beugt sich zu mir herüber, streicht mir eine meiner viel zu langen Strähnen aus dem Gesicht und dann an meiner Seite entlang.
„Es tut mir leid, aber... ich denke, es ist besser, wenn ich jetzt gehe.“
„Du willst schon gehen? Ich weiß nicht, ob ich das erlauben kann.“
Seine Hand an meinem Hals, dreht mein Gesicht brutal zu dem seinen.
„Ich will aber gehen.“
„Was du willst interessiert mich erst in zweiter Linie.“
„Aber...“, noch ehe ich diesen Satz zu seinem Ende bringen konnte, presst er seine Lippen auf meinen Mund und schiebt seine Zunge so erbarmungslos in mich, wie vor einiger Zeit noch seinen Schwanz in meinen Körper.

Wir leben schnell
und radikal.
Was um uns ist,
ist uns egal.

Ich stoße mich von ihm ab. Schiebe uns mit all meiner Kraft auseinander.
Der Fremde stößt einen wütenden Laut aus und rappelt sich auf.
Bedrohlich steht er über mir. Mir wird ganz anders. Der gnädige Rausch klingt vollkommen ab. Aber ich muss mich zusammenreißen.
„Ich gehe jetzt!“, gebe ich bestimmt als Antwort auf diesen unmenschlichen Kuss.
„So hatten wir das aber nicht vereinbart!“
„Ich weiß, aber das ist mir egal! Ich will nach Hause gehen!“, um meinen letzten Worten den nötigen Nachdruck zu verleihen, habe auch ich mich erhoben.
Er ist bestimmt fast zwei Köpfe größer als ich und wesentlich besser gebaut. Mir wird anders.
Warum lasse ich mich denn auch immer auf Dinge ein, von denen ich genau weiß, dass sie mich nur tiefer in die Scheiße reiten werden?
Langsam beginne ich meine Sachen vom Boden aufzusammeln.
Ich habe ein bisschen Angst, denn der Mann regt sich nicht. Ich hatte eigentlich erwartet, dass er mich zurückhalten würde. Notfalls mit Gewalt.

Wir brauchen Feuer,
wir atmen Benzin.

Unsicher sehe ich ihn an, als ich alles zusammen gesucht habe und vorsichtig in meine Shorts schlüpfe.
„Du hast recht... wir sollten wohl besser nach Hause gehen.“
Verdutzt weiche ich einen Schritt vor ihm zurück, als er auf mich zukommt.
„Du brauchst doch keine Angst vor mir zu haben. Du kleiner Dummkopf.“, sein Lächeln sagt mir aber dennoch nicht so wirklich zu.
„Du bist ja völlig verkrampft.“, sanft streicht er über meinen Brustkorb, während ich unsicher seine Finger mit den Augen verfolge.
Dann schließt er mich in seinen kräftigen Armen ein.
„Was hältst du davon, wenn ich dir eine kleine weiße Linie ziehe und wir noch mal über alles reden? Der Abend hat doch so schön begonnen, das wollen wir doch jetzt nicht einfach so durch irgendwelche dummen Gedanken kaputt machen, nicht wahr?“, sein Atem an meinem Hals.
Und so sehr nun selbst der kleinste Funken Vernunft in mir schreit, ich sollte besser das Weite suchen, so bleibe ich dennoch hier.
Hier, bei diesem Freund mit den alles wiedergutmachenden Stoff.

Schatten, Drogen,
Schwänze, Kokain.

Teil 2
Völlig übermüdet und wohl auch fast schon verkatert schleppe ich mich die letzen Stufen zu Akis Wohnung hoch. Killer-hang-over.
Mit zittriger Hand fische ich meinen Schlüsselbund aus meiner Hosentasche und suche im schummrigen Licht des Treppenhauses den richtigen Schlüssel.
Als ich ihn nach einigen Momenten hektischen Suchens endlich gefunden habe, sticht ein entsetzlicher Schmerz durch meinen Körper. Dümmlich grinsend überlege ich, ob ich alt werde und langsam nichts mehr vertragen kann...
Unkoordiniert versuche ich den Schlüssel in die passende Öffnung zu schieben. Aber dieses Scheißteil will einfach nicht das tun, was ich will...
"Los, pass schon du Drecksding!", murmle ich kichernd vor mich hin und stelle kurz darauf fest, dass diese Situation wohl kein Lachen verdient hat.
Mein Körper schmerz immer noch von diesem Arschloch. Aber wenigstens hatte er mir das gegeben, was ich gewollt und gebraucht hatte. Aki und Lauri hatten ja kein Geld für mich, erst dieser Kerl konnte mir geben, wonach es mich drängte.
Verdammt, wieso passt dieser Schlüssel denn nicht?!
Wütend kratze ich einige Augenblicke lang planlos über das Schlüsselloch, ehe sich die Tür wie durch Zauberhand öffnet.
Vor mir steht Lauri. Er trägt nur Shorts und sieht so verdammt gut aus, obwohl er wohl gerade erst wieder aufgewacht ist.
"Danke Lauri.", ich grinse so unschuldig, wie es mir in diesem Moment möglich ist.
"Kein Ding. Komm rein. Und sei im Gottes Willen leise. Aki darf nicht mitbekommen, dass du erst so spät kommst."
"Okay.", gebe ich zurück, wobei es mir egal ist, ob Aki wach werden würde. Es ist ja doch egal, was ich tue, für ihn gilt alles als falsch.
Ich versuche geradeaus, an Lauri vorbei zugehen, beginne aber, als mein Kreislauf endgültig seinen Dienst versagt, zu taumeln. Ich kann mich gerade noch so an dem Türrahmen meines Zimmer festhalten.
"Lauri...", ich muss schon wieder lachen, "... kannst du mir nicht helfen? Du siehst doch, dass ich dich jetzt brauche..."
Sogleich eilt er auf mich zu, packt unter meine Arme und hievt mich wieder auf die Beine.
Dann setzt er sich in Bewegung und bringt mich in sein Zimmer, wo er mich ohne ein weiteres Wort auf seinem Bett absetzt.
Ich kippe nach hinten um und breite meine Arme aus. In meinem Kopf dreht sich alles.
Ich möchte mal wissen, was dieser Dreckskerl mir da nur gespritzt hat.
Neben mir setzt sich Lauri auf die Bettkante. Ich fühle, wie er mich beobachtet und bekomme eine Gänsehaut.
So verweilen wir eine ganze Zeit. Er sitzt nur stumm da und ich kann mich aufgrund meines kaputten Körpers nicht wirklich bewegen...
Plötzlich steigt mir der widerliche Geschmack von Magensäure den Hals herauf.
Ich stöhne gequält auf, ehe ich mich hastig aufrichte, mich über das Bett beuge und mein Innerstes nach außen kehre. Meine Kotze spritzt in alle Richtungen und es tut mir so leid.
Lauri starrt mich noch immer stumm an, während ich mich nach Halt suchend in die Kante seiner Matratze kralle.
Als mein Magen fast völlig entleert ist, sehe ich ihn an. In meinem Mund brennt es wie Feuer und in meinem Kopf will es sich einfach nicht aufhören zudrehen.
"Suvi? Geht es dir gut oder soll ich was für dich holen?"
Wie fürsorglich er doch ist. Er muss mich einfach lieben...
Seine Hand legt sich auf meiner Schulter und verbrennt dort siedend heiß meine Haut.
"Was zu trinken.", bringe ich zwischen erneutem Nachluftschnappen und Würgen hervor.
Sofort erhebt er sich um mir meinen Wunsch zu erfüllen. Ich fühle mich so scheiße, ich meine... wie komme ich denn dazu auf seinen Boden zu kotzen? Habe ich mich denn inzwischen wirklich so gering unter Kontrolle? Kann das sein?
Ich erhebe mich mühsam und knie mich in die Mitte seines Bettes in der Hoffnung, mein Kreislauf macht mit.
Lauri kehrt mit leisen Schritten und einer Wasserflasche zu mir zurück.
"Tut mir leid.", sage ich leise und voller Reue.
"Ach was, da kannst du doch nichts dafür.", dann setzt er sich wieder an seinen Ausgangspunkt und reicht mir die Wasserflasche, die ich dankbar entgegen nehme.
"Stimmt. Eigentlich ist es nur die Schuld von diesem Arschloch! Er hatte gesagt, es wäre erstklassiger Stoff...", ich lache kurz und spöttisch auf, "... und jetzt sieh mich nur an..."
Ich kann es einfach nicht fassen wieso ich mich nun so fühlen muss.
Rasch schraube ich die Falsche auf und trinke hastig einige Schlücke. Ich muss diesen ekligen Geschmack einfach loswerden!
"Kann passieren."
Ich nicke zustimmend und rufe mir mein Verlangen nach diesem Mann neben mir wieder in das gesteinigte Gedächtnis.
Ruckartig lasse ich mich neben ihm nieder und lege wie selbstverständlich meine Hand auf seinen Oberschenkel. Aber es ist bei Weitem nicht selbstverständlich. Nein, es ist jedes Mal etwas Besonderes für mich.
Ich sehe in seine Augen.
"Lauri, wie kann ich das wieder gut machen? Ich mach das nachher gleich weg. Versprochen.", ich grinse ihn unsicher an.
"Musst du nicht. Du hast für heute schon genug durchgemacht."
Mein Grinsen wird breiter. Was er sich doch immer für Sorgen um mich macht.
"Nein, das kann ich nicht auf mir sitzen lassen. Kann ich es denn überhaupt nicht irgendwie gutmachen?"
"Na ja... es gäbe da schon etwas..."
Dies war das Freizeichen, auf das ich gewartet hatte. Ich weiß, was er will. Ich weiß, was er mag. Ich weiß, was er liebt: Mich und das, was nur ich mit ihm tun kann.
Ohne eine weitere Reaktion seinerseits abzuwarten schiebe ich meine Hand in freudiger Erregung seinen Oberschenkel hinauf.
Er zieht scharf die Luft ein.
Als ich zu ihm aufsehe, glimmen seine Augen in einem förmlichen Rauschzustand auf.
"Entspann dich einfach.", flüstere ich und er nickt.
So wie immer.
Dies sind die wenigen Momente in unserer Beziehung, in denen mich ein kleines Machtgefühl beschleicht.
Spielerisch streiche ich mit meinen Fingern über seinen Schritt und mein Herz beginnt zu rasen.
Ich richte mich auf und knie mich anschließend vor ihm nieder. Dann dränge ich mich zwischen seine Beine. Er stöhnt leise auf.
Sanft küsse ich die Innenseite seines Oberschenkels. Seine Haut ist so weich und jedes noch so feine Härchen hat sich aufgestellt. Aber dies ist nicht das Einzige...
Langsam lasse ich meine Hände über seine Seiten gleiten, greife den Rand seiner Shorts und ziehe sie mit einer fließenden Bewegung fort von ihm.
Sein Anblick lässt mich sämtliche Ereignisse der letzten Stunden vergessen. Er entschädigt mich einfach für alles.
Es liegt wohl die pure Genugtuung in meinem Lächeln, als ich mich wieder etwas weiter nach oben begebe und vorsichtig ein paar einzelne Küsse um seinen Bauchnabel hauche.
Dann taucht meine Zunge darin ein. Ich kann fühlen, wie in Lauri die Erregung immer weiter ansteigt. Er verkrampft etwas.
Ich schiebe seine Schenkel etwas weiter auseinander und rücke näher an ihn heran.
Seitlich seines Beckens krallt er sich in das Lacken, droht es zu zerreißen. Ich atme tief durch.
Neckisch beiße ich in die Haut seitlich seines Hüftknochens, der sich unter seiner leicht gebräunten Haut abzeichnet. Er ist ein Meisterwerk an Perfektion. Und er gehört mir.
Zärtlich lecke ich mit meiner Zunge weiter zu jener Stelle um die sich doch immer alles dreht.
Mein Herz schlägt hart in meiner Brust, als ich einen ersten Kuss an seiner Erektion hinterlasse und sogleich krallt er sich schmerzhaft in meinen Haaren fest.
Nach kurzem Zögern erfülle ich ihm seinen Wunsch, um den er wohl innerlich immerzu bittet.
Als ich ihn völlig in meinen Mund nehme, stöhnt er laut auf und sein Griff in meinen Haaren wird erbarmungsloser. Schmerzen durch ziehen meiner Kopfhaut, so wie meinen restlichen Körper. Ich habe das Gefühl mich kaum noch bewegen zu können, aber für meinen Lauri muss ich mich zusammenreißen.
Er beginnt sich unter meinen Küssen zu winden, seine Stimme dringt immer gebrochener an meine Ohren.
Sein ganzer Körper beginnt zu beben, ich kann fühlen, dass er bald soweit ist.
Bald werde ich ihn bis an die Grenze getrieben haben.
Mir wird immer heißer und ich beginne zu zittern.
Es dauert nicht lange bis er endlich -für uns beide erlösend- kommt. Ich muss einfach alles in mir aufnehmen, was er mir gibt.
Alles von ihm ist viel zu kostbar um es zu verschwenden.
Ich liebe ihn. Alles von ihm.
Aus Lauris Körper schwindet die Anspannung. Er fällt erschöpft in sich zusammen.
Wie ein Kartenhaus, das ich erbaut hatte.
Einen kleinen Augenblick verweile ich vor ihm. Einen kleinen Augenblick lang beobachte ich, wie sich sein wunderschöner Brustkorb rhythmisch auf und ab bewegt und mich allmählich ruhiger werden lässt.
Ich erhebe mich, kämpfe kurz mit meinen schwachen Beinen und gehe dann los, um etwas zu holen, um die Sauerei aufzuwischen.
Ich fülle einen Eimer mit Wasser, fülle ordentlich Putzmittel mit Sommerblütenduft, der mir den Magen erneut umdreht, und kralle mir die Zigarettenschachtel die von ihm auf dem Küchentisch liegt und gehe zu ihm zurück.
Als ich den Raum wieder betrete läuft leise eine von Lauris seltsamen alten Bands, während er zufrieden auf dem Bett liegt.
Ich werfe ihm die Kippenpackung zu und mache mich an die Arbeit alles aufzuwischen.
Wieder kann ich seinen Blick auf mir spüren. Wie ich es doch liebe...

Part 4

Es ist Montag. Ich hasse Montage. Aber am meisten hasse ich die Tatsache, dass Montage immer wieder den Anfang zu einer kleinen Entzugskur darstellen. Die Zeit zieht sich jede verdammte Woche wie Kaugummi, wenn ich keine Ablenkung habe.
Ich schlendere ein wenig durch die Helsinkier Einkaufsstraße, schiebe mich durch die Menschen, die alle zur Arbeit gehen. Ich nicht. Ich gehe heute nicht in die Schule. Ich gehe Montags im Allgemeinen nur selten zur Schule. Bringt doch eh nichts.
Von Weitem kann ich schon den Hafen sehen. Innerlich freue ich mich, denn ich mag diesen Ort sehr. Ein Ort wo man trotz vieler Menschen für sich sein kann. Ein Ort der Ruhe.
Als ich sehe, wie gerade ein großes Frachtschiff in den Hafen einläuft, verschnellere ich meinen Schritt. Ich liebe das Schauspiel der Taue, die die Matrosen und Hafenarbeiter schwungvoll durch die Lüfte werfen um dann den Kahn zu entladen und ihn anschließend wieder auf seine Reise zu schicken.
Irgendwie kommt mir das sehr vertraut vor. Lauri lädt seine Gefühle bei mir ab und schickt mich dann wieder fort, auf eine Reise, die doch wieder zu ihm führt.
Ich seufze und kicke nachdenklich eine schon etwas rostige Dose vor mir her.
So wie sie aussieht, bin ich nicht der Erste, der dies mit ihr tut. Und wieder diese Vertrautheit.
„Hey!“, schreit es hinter mir. Ich will zuerst gar nicht reagieren, aber dann legt sich mir eine Hand auf die Schulter und dreht mich mit einer kräftigen Bewegung um.
Er. Das Arschloch. Der Dreckskerl. In mir zieht sich alles zusammen.
„Na? Was treibst du denn hier? So alleine...?“
„Nichts. Ich schlage die Zeit tot.“, gebe ich schulterzuckend zur Antwort.
„Heißt das, du hast gerade nichts vor?“
„Warum fragst du?“
„Na ja, ich habe da was, was dich interessieren könnte...“, überlegen grinsend neigt er abwartend den Kopf zur Seite und ich bemerke, dass seine Haare zu kurz sind, als das sie sich dieser Bewegung anpassen könnten, so, wie es Lauris Haare immer tun.
In meinem Bauch kribbelt es unruhig, während mein Kopf das Für und Wider abwägt; bzw. ein Wider sucht - aber keines findet.
„Was genau hast du denn?“
„Ein paar kleine Freudenpillen.“
„Verstehe...“, ich senke nachdenklich mein Haupt, denke aber nicht nach, zögere es nur heraus, „... und was willst du dafür haben?“
Er blickt sich kurz suchend um, wobei ich ihm nicht abnehme, dass er etwas sucht, er kennt sich hier bestimmt aus...
„Komm mit!“, ohne auf seine Antwort zu warten, lasse ich mich bereitwillig von ihm durch den Hafen führen, hin, zu den öffentlichen Toiletten.
Ich hasse diese Orte, aber was tut man nicht alles...
Hastig stößt der Fremde die Tür auf und schickt seine Augen auf die Suche nach jemandem, der sich hier eventuell noch aufhalten könnte, aber wir sind alleine.
„Da rein!“, herrscht er mich an und deutet auf die Toilettenkabine ganz links im Raum.
Ich gehe hinein, er folgt mir und verschließt die Türe hinter sich.
Es ist eng, es stinkt und ich bin angewidert.
Ich sehe den Mann an. Abwartend. Fragend. Süchtig.
Er beginnt hektisch seine abgewetzte Jeans zu öffnen.
„Halt.“, sage ich bestimmt und er schaut unruhig zu mir herab.
„Erst die Pillen.“, fordernd schiebe ich ihm meine offene Handfläche hin und deute ihm, mir die Drogen zu geben.
„Fein.“, er nickt verständnisvoll und kramt sie aus seiner Hosentasche heraus. Es sind viele - Sehr viele. Ich wünschte, sie würden alle mir gehören.
„Drei. Mehr nicht.“
Ich nicke nervös. Drei sind besser als keine...
Ich nehme den Stoff entgegen; werfe mir sogleich eine ein und die restlichen beiden lasse ich in meiner Tasche verschwinden.
Und so wie die Pille meinen Hals herunter wandert, so fühle ich diese beruhigende Taubheit in mir aufsteigen.
„Jetzt bist du dran.“, frivol lächelnd zieht er sich die Hose herunter, legt seine Hände auf meiner Schultern und drückt mich bestimmt zu Boden auf die Knie.
Ich weiß, was ich zu tun habe. Leider weiß ich auch, wie sich das für mich anfühlen wird, aber die Vernebelung meines Geistes wird alles Leid lindern und die Demütigung in Grenzen halten.
Ich schließe die Augen, und nehme seinen halberigierten, alten Schwanz in meinen Mund und er schmeckt so widerwärtig.
In meinem Kopf beginnt sich alles zu drehen. Der Mann klatscht mit seinem schweren Körper gegen die Wand der Kabine und stößt mir entgegen. Ich schaffe es meinen Würgereflex zu unterdrücken und versuche mich woanders hin zu denken. Aber es funktioniert nicht, da sein Stöhnen mich hier hält und mir verdeutlicht, dass dies alles gerade tatsächlich geschieht.
Vor meinen geschlossenen Augen beginnen bunte Lichter, den Nordlichtern gleich, zu tanzen. Und dann übermannen sie mich. Ein Sturm aus Farben reißt mich in die Tiefe und es wird kalt.
Ich höre ihn nicht mehr stöhnen, ich höre mich nicht mehr atmen; atme ich noch?
Mein Kopf schlägt auf dem kalten Fliesenboden der Toiletten auf und ich kann nichts mehr fühlen.

Verwirrt blicke ich mich um. Wo bin ich? Ich bin immer noch hier- in dieser Welt. Aber wo genau?
Dann stürzt die Erinnerung wie ein Wasserfall aus Schmerzen auf mich ein.
Dieser abstoßende Mann ohne Namen, die Toiletten, die drei Pillen...
Hastig durchsuche ich meine Tasche und alle meine anderen. Aber die Pillen sind weg.
Seufzend lehne ich mich gegen die Kabinenwand. Ich fühle mich zum ersten Mal seit Langem wieder mal verarscht und missbraucht. Dieses Gefühl hatte ich schon lange nicht mehr und so reißt es mich innerlich auf und ich zittere und ich fühle mich so entsetzlich schmutzig und ich weine.
Ich will nach Hause.

Zu Hause angekommen verkrieche ich mich in meinem Zimmer. In einer Ecke; wie ein Insekt versuche ich mich vor dem Licht zu verstecken, welches ich durch den Rollladen draußen ausgesperrt habe. Oder habe ich mich eingesperrt?
Ich zittere noch immer. Fast wäre ich auf dem Heimweg zusammengebrochen, aber ich habe es geschafft. Wenigstens etwas.
Etwas, das ich habe. Im Moment fühle ich mich leer. Ich habe nichts. Und wenn ich Lauri Glauben schenken sollte, habe ich nicht einmal mehr ihn, wenn ich ihn denn jemals gehabt hatte.
Als ich meine Arme um die Beine schlinge um mich noch kleiner zu machen, frage ich mich ob diese Gedanken nicht einfach nur allesamt auf einer Art somatisches [=körperlichen] Trauma zurück zuführen ist. Entzugserscheinungen oder Ähnliches...
„Suvi?“
Ich erschrecke. Lauri ruft mich. Ich will nicht, dass er mich so sieht. Ich senke meinen Kopf.
„Suvi!“, er klingt bestimmter. Dann öffnet er meine Zimmertür, etwas Licht umgibt ihn und hüllt ihn in Helligkeit ein. Er sieht aus wie ein Engel.
Rasch geht er hinüber zum Fenster öffnet den Rollladen und sieht sich um. Als sein Blick mich trifft, erstarrt er. So schlimm sehe ich also aus...
„Suvi, was ich passiert?“, wiederholt er meinen Namen, als hatte er Angst, ich könnte ihn vergessen.
Mit seinen Händen umklammert er meine Schultern und schüttelt mich. Immer hektischer.
Er tut mir weh.
Er sieht so aus, als sorgte er sich um mich. Was hat das zu bedeuten?
„Suvi! Verdammt noch mal! Sprich mit mir!“
Würde ich ja gerne, aber ich weiß ihm nichts entgegen zubringen. Wieso lässt er mich hier nicht einfach sterben...
Ich raffe mich zusammen, hebe meinen Kopf und sehe ihn an. Langsam kniet er sich vor mir nieder, redet mit mir, aber ich kann ihn nicht verstehen. Es hat doch alles keinen Sinn
„Geh weg, du...“, meine Stimme bricht weg. Ich weiß nicht einmal, wieso ich ihn wegschicken wollte. Ich will ihn doch nur an mich fesseln. So, wie ein suizidgefährdeter Mensch die Thanatomanie [= krankhafte Neigung zum Selbstmord] an sich gebunden hat, will ich ihn an mich binden.
„Das hättest du wohl gerne! Ich gehe erst, wenn du mir gesagt hast, was mit dir los ist!“
Lauri verstärkt den Druck seiner Finger auf meinen Körper. Aber ich spüre es kaum noch.
„Wieso bin ich dir nicht egal, wenn du mich nicht liebst?“, frage ich unter der Aufbringung meines ganzen Mutes, denn ich fürchte mich vor seiner Antwort.
„Weil...“
Er schweigt. Er weiß es selbst nicht. Oder er will es sich nicht eingestehen.
„Was ist denn los?“, er legt seinen Kopf zur Seite und seine Haare geben der Schwerkraft nach. Ich liebe ihn.
„Du. Ja, du bist los. Aber das kannst du noch nicht verstehen.“
„Ich? Nein, sag sowas nicht. Ich habe kein Recht deine Gedanken so zu verseuchen, dass du traurig wirst.“
Er macht mich traurig? Ist es denn wirklich er, der mich traurig macht? Soll das heißen, dass ich nicht durchdrehe und alles die Schuld der Drogen ist? Sollte wirklich er die Droge sein, die mich kaputt macht? Das kann ich nicht glauben.
Ich habe ihn zu dieser Droge werden lassen.
„Du weißt es nicht, aber ich habe dir das Recht bei unserem ersten, verfluchten Kuss gegeben.“
Ja genau, sein erster Kuss, glich meinem ersten Schuss.
„Das hättest du verdammt noch mal nicht tun dürfen!“
Ihn küssen oder mir die Nadel zu geben?
In seinen Augen sehe ich Wut.
„Hallo? Schon jemand da?“
Wir zucken beide etwas zusammen, als Aki laut die Haustüre hinter sich zuschlägt.
Lauri erhebt sich. Sein Blick bleibt auf mir kleben.
„Wisch dir die Tränen weg. Und komm nachher zum Essen.“, dann wendet er sich um und geht.
Ich bleibe zurück.
Und ich wische mir die Tränen weg. Dann harre ich weiter aus. Worauf ich warte, weiß ich nicht. Ich bin so dumm.
„Suvi! Komm und deck den Tisch, wir wollen jetzt dann essen!“
Seufzend erhebe ich mich, bringe meinen kaputten Körper in eine stehende Position und gehe in die Küche.
Wortlos beginne ich Akis Wunsch zu erfüllen. Ich habe aber keinen Hunger.
„Ja, klar geht es mir gut, Suvi. Mein Tag war klasse! Danke, dass du fragst!“
Laut lässt er das Besteck auf den Tisch fallen, an dem Lauri sitzt. Das ist so demütigend. Ich bin doch kein Kind mehr...
„Fick dich!“, murmle ich leise, aber er konnte es gut hören, da bin ich mir sicher.
„Suvi, ich bin gerade sehr versucht dich ohne Essen zurück in dein Zimmer zu schicken!“
„Ich hab eh keinen Bock auf diesen Fraß...“
Noch bevor Aki auf meinen Satz reagieren kann, gehe ich zurück in mein Zimmer. In seiner Anwesenheit hätte ich sowieso keinen einzigen Bissen herunterwürgen können.

Part 5

Laut dem Zuschlagen der Haustüre ist Aki wohl gegangen. Ich weiß, dass er es ist, der gegangen ist, weil er eine unverwechselbare Art hat die Tür zu schließen.
Er steckt den Schlüssel von außen in das Schloss und schließt dann ab. Keiner sonst macht sich die Mühe. Freak.
Mich überkommt das Bedürfnis die Unterhaltung mit Lauri fortzuführen und so wage ich mich zurück in die Küche. Ich gehe so langsam, dass meine Schritte nicht wirklich zu hören sind.
Lauri sitzt auf einem der Küchenstühle, den er weit zurück gekippt hat und hin und her wippt, während er verträumt aus dem Fenster starrt. Ich könnte Stunden verbringen ihn zu beobachten. Aber ich muss ihn sprechen.
„Lauri?“
Er zuckt zusammen und ehe ich reagieren kann, gibt sich der Stuhl mitsamt Lauri der Schwerkraft hin und sie landen mit einem wohl schmerzhaften Klang auf dem Boden der Küche.
„Oh Gott! Lauri!“, rufe ich erschrocken und ich eile zu ihm; ich will ihm helfen.
Lauri greift blind in die Luft und ich greife seine Hand mit der meinen und hieve ihn mühsam auf die Beine. Es tut mir leid.
„Scheiße.“, flüstert er und fährt sich über den Hinterkopf. Seinem Gesichtsausdruck zufolge hat er große Schmerzen. Und ich bin schuld daran.
„Das tut mir leid. Ich meine, ich wollte doch nicht, dass...“
„Klappe.“, fährt er mich böse an, aber seine Augen entschuldigen sich sogleich bei mir dafür.
Sein Blick wirkt befremdlich, ich frage mich, was in seinem Kopf vorgeht.
„Lauri, was hast du?“, ich traue mich kaum zu fragen. Aber ich muss es wissen. Ist er wütend auf mich?
Sachte gehe ich ein paar kleine, zaghafte Schritte auf ihn zu. Ich bete, dass er mich nicht von sich stoßen wird.
Als er nicht reagiert, lege ich vorsichtig meine Arme um ihn und meine Hände beginnen seinen Nacken sanft zu kraulen.
„Nichts. Es ist nichts.“, er schüttelt abwinkend den Kopf.
„Was hältst du davon, wenn du dich ein bisschen hinlegst... nicht, dass du eine Gehirnerschütterung oder sowas hast.“
Sorgenvoll sehe ich ihn an. Der Schmerz ist zwar aus seinem Gesicht gewichen, aber er sieht nicht so aus, als ginge es ihm gut.
Er nickt stumm und ich führe ihn in sein Zimmer und lege ihn dort in sein Bett.
„Autsch.“, stöhnt er, als er sein Haupt auf der Matratze niederlegt. Er tut mir leid; nur wegen mir hat er jetzt Schmerzen.
„Geht's?“
„Immer doch.“, grinst er unbeholfen und legt seine Hand in meinen Schoß, als ich mich im Schneidersitz neben ihn setze.
Es beginnt zu kribbeln. Ich fühle wieder, dass ich lebe und noch da bin.
Ich frage mich, ob Lauri wie der Schnitt einer Rasierklinge ist. Ich weiß, dass es Menschen gibt, die Schmerzen brauchen, um zu wissen, dass sie noch nicht taub sind. Ich glaube, Lauri ist meine Klinge...
Ich lächle ihn an. Und vielleicht ist es wieder falsche Euphorie oder Dummheit, die mich mein vollstes Vertrauen in ihn legen lässt, als ich meine Stimme erhebe:
„Lauri, darf ich dir was sagen? Ich wüsste sonst nicht, mit wem ich darüber sprechen könnte...“
Ja, in der Tat weiß ich niemanden sonst. Oder habe ich niemanden sonst?
Er nickt stumm.
„Ich frage mich, ob mich niemand sehen kann. Ich meine, sieht denn wirklich niemand außer dir, dass ich eigentlich gar nicht so bin? Nicht einmal Aki? Kann niemand sehen, dass ich vielleicht doch ein bisschen mehr Hilfe bräuchte, als gedacht?“
„Suvi. Ich bin in Sachen Ratschlägen bei Weitem nicht der Bewandertste, aber eines kann ich dir mit Gewissheit sagen: Alle sind sie taub und blind.“
„Was soll das heißen?“
„Kleiner, die Leute werden immer erst dann zu Sehenden, die hören können, wenn es in den Nachrichten um einen weiteren Selbstmörder geht. Dann sind sie plötzlich alle tierisch betroffen, aber solange du noch strampelst und von alleine kämpfst, interessierst du sie einen feuchten Dreck.“
Während er spricht und ich versuche ihm zu folgen, streicht seine Hand so unschuldig immer weiter mein Bein herauf und hinunter- immer höher.
„Ich sage es, wie es ist: Du wirst erst dann erreichen, was du willst, sobald du es nicht mehr aus eigener Kraft schaffen kannst.“
„Du meinst also, Resignation ist sozusagen der letzte Ausweg?“
„Nicht direkt, aber das kommt so hin.“
„Und was soll ich tun, wenn du mein Antrieb bist?“
„Vergiss mich.“
Ihn vergessen? Wie könnte ich nur? Ihn vergessen, den, der mich am Leben hält, der als einzige Alternative zum Heroin an meiner Seite wandelt...
„Lass mich ehrlich sein, ich glaube, du brauchst professionelle Hilfe, was die ganze Scheiße hier angeht... ich denke nicht, dass ich dir dabei helfen kann, von diesem Scheiß loszukommen.“
Aber genau das ist er doch... meine Hilfe - die einzige...
Als er versucht sich auf seinen Ellbogen abzustützen, drücke ich ihn wieder nieder und setze mich auf seinen Schoß.
Fragend sieht er mich an. Aber sollte es denn nicht mein Blick sein, der fragend sein sollte?
Als mir die Antwort sich wieder in mein Bewusstsein drängt... Alles ist verdreht. Er ist es doch, der immer wieder zu mir kommt. Er ist es doch, der mich nicht alleine lässt und nicht aus meinen Gedanken verschwindet.
„Mensch Lauri, wenn wirst du endlich bemerken, dass du es bist, der mich braucht.“
„Ich brauche dich nicht. Das glaubst du doch nicht ernsthaft?!“
Ich halte kurz Inne. Was soll ich sagen? Er ist immer noch so unsicher. Er kann es noch nicht sehen. Ich bin doch der Einzige, der von seiner Neigung wissen darf.
„Ach ja? Und wenn ich nicht mehr bin, wer tut dann das mit dir?“
Vorsichtig beuge ich mich zu ihm hinunter und küsse ihn.
Seine weichen Lippen entspannen sich unter dem Druck der meinen. Er will mich doch. Und er will mich nicht von sich gehen lassen. Die vollkommene gegenseitige Abhängigkeit.
Wir verlieren uns in einem ungezügelten Kuss und Lauri krallt sich in meine Haare, drückt meinen Kopf nach hintern und leckt langsam, lauernd über meine Haut.
Wie ein Blitz durchfährt mich die Lust, als ich mir vorstelle, was er gleich mit mir tun wird.
Rasch erhebe ich mich und entkleide ihn. Ich will nicht mehr länger warten. Ich brauche ihn.
Ich bemerke, dass meine Hände zittern, die Auf- und Erregung wühlt meinen Körper so auf, wie es sonst nur das goldene Gift könnte.
Sachte beuge ich mich über ihn und hauche unzählige Küsse auf seine wunderbare Brust. Er schmeckt so gut. Er schmeckt nach Hoffnung und Liebe.
Ich inhaliere tief seinen unverkennbaren Duft.
Kurz richte ich mich auf, um auch mich von meinem Pullover zu befreien, denn er wird mir eindeutig zu heiß. Als ich ihn zu Boden werfe, bemerke ich, wie Lauris Blick starr auf mir ruht. Mich überrollt eine weitere Welle der Lust und ich kann nicht sagen, an welches Ufer sie mich mit Lauri spülen wird.
„Liebe mich! Lauri, verdammt noch mal, ich will, dass du mich jetzt liebst!“, fordernd presse ich meine Lippen auf die seinen und meinen Körper auf ihn. Ich kann fühlen, wie er unter mir unrhythmisch atmet; und sein Herz schlägt wie ein Hammer gegen seine Brust und gegen mich.
Vorsichtig schiebe ich meine Hand zwischen unsere Körper, kratze über Lauris heißen Bauch und küsse jeden Zentimeter seiner leicht salzig schmeckenden Haut. Ich bringe ihn zum Kochen.
Plötzlich legen sich seine Hände auf meine Schultern und er drückt mich neben sich in die Kissen. Sachte beugt er sich über mich und seine Augen studieren mich liebevoll und angefüllt mit Verlangen.
„Liebe mich. Bitte.“, ich konnte nicht mehr, als flüstern oder hauchen. Mehr kann meine Stimme in diesem Moment nicht mehr.
Sanft beginnt er mit seinem Zeigefinger über meine hektisch atmende Brust zu streichen. Und geht tiefer. Ich atme schneller. Er geht weiter. Ich schließe die Augen und ziehe scharf die Luft ein, als er am Rand meiner Shorts entlang streicht.
Und dann ist es in mir. Es steigt auf und schaltet meinen Verstand aus. Ich bin nicht mehr in dieser Welt. Nein, ich fliege mit Lauri fort und wird werden uns dort lieben...
Ich greife nach seiner Hand und schiebe sie noch ein wenig tiefer. Ich will, dass er fühlt, wie sehr ich mich nach ihm verzehre.
Ich stöhne leise auf, als er etwas zu drückt.
Dann beginnt er mit zittrigen Fingern erst den Knopf meiner Jeans zu öffnen, dann meinen Reisverschluss; dann zieht er alles von mir fort.
Kurz, wie der Flügelschlag eines Schmetterlings streift seine Hand meine Erregung, während er mich mit seinen feuchten Küssen übersät.
Ich drehe mich etwas zur Seite und ziehe auch ihm den unnützen Ballast aus Stoffen aus.
Keinen Augenblick dauert es, bis er sich wie wild auf mich stürzt und der ganze Raum mit uns in flammendem Verlangen ertrinkt. Ich habe das Gefühl es quasi von der Decke tropfen zu sehen...
Neckisch versenkt Lauri seine Zähne in meinem Nacken und ich kralle mich in seinen Rücken, wo die Haut nachgibt und meine Nägel in seinem Fleisch versinken.
Ich lecke, sauge an seinem Brustkorb, will ihn betören, ihn fordern – herausfordern.
Vorsichtig legt er sich auf mich. Ich habe ihn also so weit, dass er nicht mehr länger warten kann.
Er drängt sich zwischen meine Beine und ich kann seine Erektion deutlich an meiner fühlen.
Es bringt mich um den Verstand.
Ich könnte Amok laufen... nur um ihm zu zeigen, wie sehr ich ihn will.
„Liebst du mich?“, stöhne ich als er sich sachte an mir reibt.
„Ja. Natürlich.“
Ich schließe die Augen. Seine Worte hallen in meinem leeren Kopf wieder. Ich wusste es. Er liebt mich.
Ich streiche liebevoll über seinen Rücken, aber seine Augen beruhigen sich nicht. Im Gegenteil. Sie wirken schon fast bedrohlich düster. Er packt meine Hände und drückt sie seitlich meines Kopfes in das Kissen; ich beginne zu lächeln. Er macht mich so glücklich.
Und dann ist er in mir.
Mit dem ersten Stoß verschwinden seine Augen von mir. Er sieht mich immer noch an, aber er sieht mich nicht mehr. Er ist nicht mehr hier.
Mit jedem weiteren Stoß presst er mich tiefer in die Matratze. Wir beginnen, uns wieder zu küssen. Es entfacht ein Kampf zwischen uns. Ich will ihn schlichten und so lecke ich sachte über seine zitternde Unterlippe.
In meinem Körper steuert alles auf ein brutales Ende zu. Mein Atem wird immer schneller, immer hektischer.
Lauri bewegt sich immer schneller in mir und vereinzelt tropfen Perlen seines Schweißes auf mich nieder.
Er ist einfach nicht mehr hier.
Ich greife mit meinen Händen nach seinem Kopf, ziehe ihn zu mir herab und küsse ihm den Schweiß von der Stirn.
Sein Atem in meinem Gesicht. Aber er atmet nicht mehr. Nein, er hält ihn an und ergießt sich mit einem finalen infernalen Stoß in mir.
Dann verharrt er einen Augenblick. Er fängt sich wieder und kehrt dann in die reale Welt zurück.
Schwer atmend legt er sich neben mich, ich fühle, wie er zu mir herüber sieht. Aber ich drehe meinen Kopf nicht. Ich starre immer noch über mich, wo er eben noch war, jetzt ist es die Decke, die mich zerquetschen könnte. Das sollte sie auch tun, denn jetzt könnte ich glücklich sterben.
„Siehst du? Ich habe dir doch gesagt, du brauchst mich. Und du liebst mich auch.“, ich erwache aus meiner Starre und hauche ihm einen Kuss auf die Stirn.
„Du liebst mich. Und ich habe es die ganze Zeit gewusst.“
„Ja, ja...“, er seufzt und dreht sich von mir weg.
Ja, ja, Erkenntnis ist nicht einfach. Besonders nicht, wenn diese einem klar macht, dass man abhängig ist. Das weiß ich, mein Liebster.
„Was hast du?“, frage ich nach kurzem Zögern doch.
„Nichts.“
„Lüg doch nicht. Ich höre es dir doch an.“, ich greife nach seiner Schulter und drehe ihn zu mir herum. Wobei mein ausgelaugter Körper mich fast daran gehindert hätte. Lauri hat die letzen Kraftreserven aus mir heraus gevögelt.
„War es nicht gut? Hast es dir nicht gefallen?“
„Doch, aber... ach, vergiss es einfach, ja? Tu mir den Gefallen.“
„Fein, wenn du nicht darüber sprechen willst.“
Ich rutschte näher an ihn heran, will mich in seinen Arm legen, um wieder Kraft zu sammeln.
„Geh jetzt bitte.“
Ich sehe ihn verdutzt an. Er hat mich noch nie einfach so weggeschickt. Das tut weh, aber ich will nicht, dass er es mir ansieht. Er meint es vermutlich auch nicht so, wie er es sagt.
„Geh einfach. Ich will jetzt alleine sein. Ich muss nachdenken.“
Er will über uns nachdenken. Er denkt über mich nach. Hoffentlich. Vielleicht aber auch nicht. Vielleicht denkt er ja auch darüber nach, wie er für immer allein sein kann. Ohne mich?
„Schon klar.“, sage ich, erhebe mich, sammle meine Kleidung vom Boden auf und lasse ihn alleine.
Sein Wille geschehe. Immer. Und immer wieder.
Sein Wille wird mich kaputt machen.


Part 6

Mittwochabend.
Mit gesenktem Haupt sitze ich auf der Rückbank des Streifenwagens.
Meine Armbeuge schmerzt. Dabei wollte ich mich doch nur in andere Sphären schicken.
Der Trip klingt ab und das Ruckeln, das durch den Wagen geht, wenn er über Schlaglöcher fährt, verursacht mir Übelkeit.
Mein Körper ergibt sich der Fliehkraft völlig. Ich bin zu schwach um mich aufrecht zu halten.
Ich weine ein bisschen. Jetzt wird mich Lauri so sehen. Das will ich nicht.
Ich will, dass er mich nur als den sieht, der ich wohl nicht einmal sein kann.
Er wird von mir enttäuscht sein. Vermutlich wird er mich dann wieder von sich fort schicken.
Mit eine fahrigen Bewegung streiche ich mir ein paar Tränen weg und sehe auf. Vorne im Auto sitzen die Arschlöcher, deren Schuld es ist, dass Lauri mich so sehen wird. Neben mir sitzt noch einer. Ich würde ihm am liebsten in das beschissene Gesicht spucken. Aber ich kann mich nicht dazu aufraffen, mich zu bewegen.
So warte ich auf mein Ende.
Ich hoffe, er wird mir verzeihen können.
Ich hasse mich dafür.
Ich hätte doch nach Hause gehen sollen.
Hätte ich mich nur ein bisschen besser beherrschen können, hätte mich meine verdammte Sucht nicht in die Bahnhofstoiletten getrieben, dann hätte ich es bis nach Hause geschafft und die Bullen hätten mich nicht erwischt.
Das Auto kommt zum Stillstand. Wir sind also hier.
„Dort sind sie?“, fragt mich eine der Stimmen des Gesetzes von vorne und deutet aus dem Fenster.
Das Semifinal.
„Ja, da sind sie.“
Gott sei Dank hat mir Aki eine Nachricht hinterlassen, wo sie heute sind, sonst hätten sie mich aus dem Gefängnis abholen können. Ich gehöre doch nicht in den Knast!
Man kann mich doch nicht einsperren. Das geht doch nicht.
Die beiden Polizisten steigen aus. Deuten dem Dritten an meiner Seite mit mir auszusteigen.
Sie gehen unterdessen in den Club.
Grob herrscht der Bulle mich an, greift nach meinem Arm und zerrt mich aus dem Auto. Ich kann mich kaum erheben, geschweige denn stehen.
„So zugedröhnt bist du also?“
Ich sehe ihn nicht an. Ich muss mich hier von niemandem demütigen lassen. Das kann ich auch alleine.
„Hast du deine Zunge verschluckt?“, er stößt mich hart in die Seite.
„Nein.“, erwidere ich leise und studiere ihn von der Seite.
Mein Blick geistert sein Bein herauf. Auf Hüfthöhe trägt er einen Schlagstock und eine Pistole.
Ich fühle wieder Tränen in meine Augen steigen. Ich habe Angst. Was soll denn jetzt werden?
Lauri wird mich bestimmt nicht wieder an sich heran lassen. Wer würde das schon?
Mein Kreislauf verschwindet in einem weiteren Moment der Schwäche, mein Körper fällt zurück, knallt gegen den Streifenwagen.
„He Junkie! Zerkratz den Lack nicht!“
Ich presse meine Augen zusammen. Kann ich mich denn nicht einfach wegdenken? Ich will hier nicht sein. Nicht mehr. Und nie wieder.
Von weitem dringen bekannte Stimmen zu mir. Aki, er tobt. Verständlicherweise. Lauri? Ich höre ihn nicht.
Vorsichtig öffne ich meine Augen, hebe den Kopf und stelle mich wieder aufrecht hin.
„Lauri!“, ich versuche auf ihn zu zugehen, aber das Arschloch neben mir, packt mich und reißt mich zu sich zurück. Wieder knalle ich gegen den Wagen, dieses Mal ist es nicht meine Schuld.
Die Vier kommen vor uns zum Stehen. Aki hört einfach nicht auf mich fertig zu machen. Ich halte das nicht aus!
Lauri. Warum sagt er nichts? Nur ein Wort und alles könnte gut werden. Lauri...
Er nimmt seinen Blick nicht von mir; er durchbohrt mich. Es schmerzt. Und das Gift lässt endgültig nach.
Ich sehe, wie ich Lauri verliere.
„Aber du liebst mich doch trotzdem noch...“, flüstere ich leise zu ihm, ich hoffe, er hat mich gehört. Dann ziehe ich die Nase hoch und versuche meine Augen dazu zubringen nicht mehr zu weinen.
Lauri sagt immer noch nichts. Vielleicht hat er mich nicht gehört.
„Lauri?“, eine weitere Stimmt ruft nach ihm. Eine Frauenstimme. Lauri hat sie gehört. Er dreht sich nach ihr um. Dort torkelt eine blonde Frau auf ihn zu. Was will sie von ihm? Wer ist sie?
Als sie ihm um den Hals fällt, lächelt er. Wieso?
Warum tut er das? Was gehr hier vor?
„Lauri, was soll das?“, sage ich wütend. Und hoffe, dass ich die Antwort nicht kenne.
Er wendet sich zusammen mit dieser Schlampe zu mir um.
Meine Augen weiten sich.
Er und sie. Er mit ihr.
Ich kann fühlen, wie mein Herz zerspringt und es fühlt sich so an, als ob die beiden auf den Scherben noch ficken würden.
Ich ziehe meine Augen zusammen, bis ich fast nichts mehr sehen kann.
„Nein! Du liebst mich! Was willst du mit dieser Schlampe?“, ich deute in blinder Wut auf die Frau in seinem Arm.
Sie wird alles kaputt machen. Sie wird ihn mir wegnehmen! Ich kann es spüren!
Sie ist der Teufel!
„Siehst du denn nicht, dass diese Frau dort, Satan mit High Heels ist? Sie ist der Teufel, sie will uns doch nur trennen!“
„Was redest du da? Lauri, was sagt er da?“, schaltet sich nun Aki ein. Er stört.
„Ich... was soll ich sagen? Seht ihn euch doch an! Er ist völlig zugedröhnt! Du glaubst dich nicht diesem Gelabere!“
Was sagt er da? Ich bin nicht zugedröhnt! Ich fühle mich so klar wie lange nicht mehr, allerdings glaube ich, dass Lauri nicht ganz bei sich ist.
„Warum leugnest du unsere Liebe? Lauri, warum?“
„Liebe? Suvi! Wach doch auf! Es gibt keine Liebe! Ich liebe dich nicht! Ich habe dich niemals geliebt!“
Jedes seiner Worte gleicht einem Messerstich in meinen müden Leib, dann dreht er die Klinge wieder und wieder um.
Lasse mich verbluten in diesen Worten.
Wieso habe ich es nicht gesehen?
„Lauri, was hat das zu bedeuten?“
Lauri schiebt dieses Miststück mit den blonden Haaren von mir. In ihrem Gesicht spiegeln sich tausend Fragen wieder. Ihr Blick starrt mich unsicher an. Ich wünschte, ich könnte sie töten. Diese Schlampe.
„Nichts. Das hat alles absolut nichts zu bedeuten! Er...“, er deutet auf mich. Er weiß also noch, dass es mich gibt, „... er bedeutet mir rein gar nichts.“
Meine Knie drohen nach zu geben. Wieso sagt er das? Mein Körper wird von Heulkrämpfen geschüttelt.
„Und wieso hast du mich dann so gerne gefickt, wenn ich dir nichts bedeute und du mich niemals geliebt hast? Du Heuchler!“, schreie ich gegen die Schwäche in meinem Körper an.
Was tut Lauri da nur mit mir? Er hat doch gesagt, dass er mich liebt. Das geht doch nicht.
„Du hast mit ihm geschlafen?“
„Ich...“, und dann stürzt Aki sich auf Lauri und verpasst ihm einen Kinnhaken. Ich hasse ihn! Niemand darf Lauri wehtun! Außer mir...
„Jetzt bleiben Sie doch bitte ruhig!“, die beiden Polizisten, die Lauri und Aki zu mir geführt hatten, reißen die beiden auseinander.
„Du Arschloch und ich habe es nicht einmal bemerkt!“, jetzt ist Lauri das Ziel von Akis Beschimpfungen. Er hat es verdient.
Ich weiß nicht, was er tun könnte, um zu sühnen, was er mir angetan hat.
Ich weiß nicht, was er tun könnte...
Ich weiß, was ich tun könnte- tun kann...
Ich schiele rüber zu dem Drecksackpolizisten, der dieses Spektakel belustigt mit ansieht.
Es muss schnell gehen. Schnell und schmerzlos. Ja, keine Schmerzen mehr für mich. Es reicht jetzt. Jetzt ist es an der Zeit Lauri leiden zu lassen.
Unbemerkt öffne ich den Druckknopf, der den Lederriemen zur Halterung des Revolvers an des Polizisten Hüfte festhält.
Ich bebe am ganzen Körper. Und dann ziehe ich die Pistole heraus. Der Bulle zuckt erschrocken zusammen.
„Nein! Lass den Scheiß, Kleiner!“, schreit mich der Polizist an und alle Augen ruhen auf mir und ich werde ruhig.
Jetzt hören mir also endlich einmal alle zu...
Ich lächle beruhigt und betrachte meinen Ausweg, der so freudig in meiner schwachen Hand liegt.
„Mach keinen Scheiß, Suvi! Bitte!“
Keiner bewegt sich. Sie haben alle Angst. Vielleicht wissen sie ja jetzt wie sich meine Angst anfühlt. Vielleicht spürt Lauri ja nun, wie ich mich fühle.
„Lauri, sag mir sofort, dass du mich liebst! Du spielst doch hier nur ein Spiel.... bitte...“
Ich weine Sturzbäche aus Unsicherheit und Angst.
Ich liebe ihn doch so. Es tut weh.
„Kleiner, gib mir einfach meine Waffe wieder... komm schon. Du willst das alles doch auch nicht.“
„Schnauze, du Idiot! Ihr seid alle Idioten! Keiner von euch weiß, was ich will.“
Ich breche fast zusammen. Die Kontrolle über meinen Körper wird mir fast vollständig entrissen. Ich nehme nichts mehr um mich wahr. Da ist nur noch Lauri.
„Ich will nur dich, Lauri. Nur dich.“
„Nein. Suvi. Du kannst mich nicht haben. Sei doch vernünftig.“
„Heuchler! Aber fürs Bett war ich dir gut genug!“
Dann sehe ich nicht einmal mehr Lauri richtig. Die Tränen in meinen Augen lassen alles verschwimmen.
„Ja. Warst du...“
Um uns herum redet alles auf mich ein. Aber ich bin taub.
Ich entsinne mich an eine Unterhaltung mit Lauri... Resignation als einziger Ausweg zur Hilfe. Ich helfe mir selbst.
Ich schweige. Ich weiß nichts mehr zu sagen. Ich mache es ja doch nur schlimmer.
Ohne dass ich es will, entsichere ich den Revolver. Jetzt ist ja doch alles egal.
Ich werde von allen Seiten angeschrieen, aber die Leute um mich herum sagen einfach nichts.
Ich senke meinen Blick, betrachte die Pistole lange; dann lege ich sachte meinen Finger um den Auslöser.
Ich sehe zu Lauri.
„Ich hatte noch nicht mal eine Chance es richtig zu machen.“
Niemals habe ich etwas richtig gemacht. Jetzt sehe ich, dass Lauri selbst der größte Fehler war, den ich begehen konnte.
Ich hasse mich dafür; denn ihn trifft nicht wirklich die Schuld.
„Aber irgendwann muss man doch etwas richtig machen können.“, füge ich leise hinzu und weiß, dass ich nun das Richtige tun werde.
Zum ersten Mal in meinem Leben...
Ich winkle meinen Arm an, drücke den Lauf an meine Schläfe, wo er eisig kalt zur Ruhe kommt. Ich zittere nicht mehr.
„Ja, und du wirst so vieles richtig machen. Ohne mich...“
Ohne ihn?
Nein. Das geht nicht. Nicht ohne ihn. Aber ohne mich.
„Ich mache es wieder gut... ich verspreche es dir. Aber bitte mach keinen Scheiß.“, seine Stimme bricht weg. Mein Wille bricht zusammen.
„Du kannst es nicht wieder gut machen. Und so wenig, wie ich eine Chance hatte, wirst du sie jetzt bekommen.“
Schließe die Augen. Alles ist still. Alles wird gut.
Ich bin ruhig und ich fühle, dass ich das Richtige tu.
Zum ersten und zum letzten Mal.
Dann drücke ich ab.

~fin~


TBC



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