slashy tears

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Schneeengel


Part 1

Da steht er.
Kleiner, kaputt gedrogter Schneeengel.
Da geht er. Nein, da torkelt er über die Tanzfläche zu uns herüber.
Er lächelt benommen. Er sieht so verloren und zerstört aus.
Er sieht heiß aus. Er ist heiß.
Er muss einfach ein Engel sein.
Tanze, Engel. Tanze im Schnee. Tanze mit dem Schnee in deiner Nase und dem flüssigen Gold in deinen Adern.
Seine fast pechschwarzen Haare hängen ihm wirr ins Gesicht, auf seinem schwarzen Shirt abgebildet: Jesus am Kreuz, so leidend wie mein Engel selbst. Seine zerrissene Jeans hängt locker an seinen Hüften, nur der braune, abgewetzte Ledergürtel hält sie an ihrem Platz.
Als er uns fast zum Greifen nahe ist, beginne ich leicht zu lächeln, vielleicht auch bewusst verführerisch.
Wann immer ich ihn sehe, will ich ihn haben. Ich muss ihn haben. Er soll mir gehören.
Ich bin ein Arschloch und bei Gott nicht stolz darauf. Aber ich bin eben ein Mann und er auch… na ja, jedenfalls wird er irgendwann einmal einer werden.
„Hey…“
Und seine Stimme verzaubert mich, so, wie sein verschwommener Blick.
Nur nicht aus den Augen lassen.
Wenn er mein kleiner Bruder wäre, würde ich ihn zu Hause einsperren, dass kein Mann der Welt ihn haben könnte. Außer mir.
Aber ich bin nicht sein Bruder.
Er ist ja nicht mein Bruder. Er ist Akis.
„Aki, kannst du mir n paar Euro leihen?“
„Warum sollte ich? Das Geld sehe ich ja doch nicht wieder...“, antwortet ihm Aki gefühlskalt und neigt fragend seinen Kopf zur Seite.
„Bitte Aki! Ich brauche es wirklich dringend!“, er greift flehend nach seinen Händen, umschließt sie und drückt zu.
Aki entzieht sich seinem Griff, stößt ihn zurück.
Wie kann er nur...
„Und wofür bitte schön?“
Und wieso bitte schön fragt er so blöd? Wir wissen es doch alle.
Kleiner Schneeengel.
„Aki! Du bist echt so ein Arschloch!“
Am liebsten würde ich ihm helfen. Aber ich halte mich stumm raus.
Wie immer bin ich nur Beobachter, nicht Täter. Nicht immer.
„Lauri! Du hast doch bestimmt etwas Geld dabei, das du mir geben könntest.“
'Oh keiner Prinz, sieh mich doch nicht so fordernd an.', denke ich und stelle mir vor, wie ich ihn mir nehme.
„Sorry Kleiner, heute nicht.“, lüge ich und beobachte, wie seine Brust sich bei jedem verzweifelten Atemzug hebt und senkt.
Ich darf ihn nicht so anstarren. Ich kann nicht anders.
„Ihr seit so gemein!“, schnaubt er wütend, wie ein Kind, dass er eigentlich noch ist.
So jung und so verdorben. So benutzt. So unverstanden. So unerfüllt. So sexy.
Und dann geht er wieder, kehrt uns einfach den Rücken zu und geht.
Mein Blick klebt wie Honig an seinem Hintern.
Diese Sünde.
„Lauri, was soll ich nur mit ihm tun?“, fragend sieht mich Aki durch seine Brillengläser an.
Was soll ich ihm sagen? Ich wüsste so einiges, was ich mit ihm tun würde...
Ich zucke einfach gleichgültig mit den Schultern und nehme noch einen Schluck von meinem Bier.
„Verdammt. Und wieso habe ich ihr nur zugesagt, dass er bei uns unterkommen kann, wenn er Stress mit unseren Eltern hat?“
„Weil du ein guter großer Bruder bist. Er ist doch besser bei uns aufgehoben, als auf der Straße.“
„Denkst du? Ich weiß ja nicht, ob das so sinnvoll ist, wenn er die ganze Zeit über alleine in unserer Bude herum lungert. Am Schluss klaut er noch Sachen, um an Geld zukommen.“
„Ach was. Er wird uns schon nicht so enttäuschen.“
Mich sowieso nicht. Alleine sein Anblick stellt mich völlig zufrieden.
Und wenn er eine Sünde sein sollte, so würde ich dem widersprechen, denn er ist Luzifer selbst. Wie gesagt, ein Engel. Ein Engel, der aus dem Himmel in den Schnee dieser Welt gefallen ist.
So unschuldig und berechnend.
„Ich traue ihm nicht. Vielleicht schleppt er irgendwann seine zugedröhnten Freunde zu uns. Dann laufe ich Amok, das verspreche ich dir!“
Ich gebe wieder einmal keine Antwort, schaue lieber meinem Kleinen zu, wie er sich an den Hals einer, mir unbekannten, wohlproportionierten Frau wirft.
Na ja, irgendwie kommt er immer an das Geld, das er so dringend benötigt.
Kleiner, schlauer Bruder.
„Boah! Ich kann mir das nicht länger mit ansehen! Lauri, komm! Lass uns abhauen, bevor ich mich vergesse!“, Aki stößt mir seinen Ellbogen hart in die Seite, ich schnappe nach Luft.
„Okay, wenn du meinst. Ich sag ihm eben Bescheid.“
Aki nickt ungeduldig und deutet mir, dass er draußen auf mich warten wird.
Ich bahne mir meinen Weg durch die Menschen. Stoße mit einigen zusammen, beachte sie allerdings nicht, denn ich habe nur noch Augen für einen.
„Suvi?!“, ich packe ihn an der Schulter und ziehe ihn aus der Umarmung der Fremden, die mich so gleich wütend anfunkelt.
„Was gibt's Lauri?“, seine Lippen bringen mich um den Verstand.
„Wir gehen.“, gebe ich monoton zurück.
Er nickt und sieht sich suchend wohl nach Aki um.
„Aki ist schon draußen. Soll ich ihm was ausrichten?“
„Nein. Ich habe ja nen Schlüssel.“
Diesmal nicke ich. Und dann kann ich nicht anders.
„Suvi, wenn du willst, kannst du gerne heute Nacht noch bei mir im Zimmer vorbei schauen. Ja?“
„Klar. Mal sehen.“, er lächelt zuckersüß und ich umarme ihn kurz zur Verabschiedung.
Dann geht jeder seines Weges. Jeder an seinen Platz im Leben.
Ich zu einem warmen, zwar selten wirklich bewohnten, zu Hause und er zu irgendwelchen Menschen.
Draußen erwartet mich Aki schon völlig eingeschneit.
Der erste Schnee in diesem Jahr.
Aki grinst breit und wirft mir einen Schneeball entgegen, dem ich gerade noch so ausweichen kann.
„Lass uns schnell heim gehen, ich hab echt keinen Bock eingeeist dort anzukommen.“
„Schon klar.“, ich schließe mich seinem zügigen Tempo an.
„Sollte ich mir ernsthaft Sorgen um ihn machen?“
„Ich weiß nicht. Manchmal habe ich das Gefühl, er weiß genau, was er tut. Und dann... dann sieht er so verloren aus.“
Aki nickt mit dem Kopf, wobei er somit kleinen Schneeflocken den Weg in seinen Nacken ermöglicht, die er dort fluchend wegstreicht.
„Er muss von diesen Scheiß Drogen wegkommen! Soll ich dir was verrücktes sagen?“
„Hm?“, ich schiebe gelangweilt Schnee vor meinen Schuhen her. Es langweilt mich langsam richtig, wenn Aki über seinen Bruder spricht.
Immer nur diese Sorgen.
„Ich hatte ehrlich gehofft, er könnte sich bei uns ändern, da er dann nicht mehr seine nichtsnutzigen Freunde um sich hat, aber ich habe mich wohl geirrt...“
Resignierend lässt er den Kopf hängen, ignoriert die Flocken, die nun auf seiner Haut im Nacken schmelzen.
„Abwarten. Irgendwann kommt er noch dahinter, was für einen Scheiß er gerade durchzieht...“, und während ich so mit Aki spreche, fühle ich mich so heuchlerisch. Denn in meinem Kopf kreist nur Suvi. Ja, wie ich ihn mir immer wieder nehme und er dabei meinen Namen stöhnt.
„Vielleicht hast du ja Recht.“
„Ja, vielleicht.“

Später wache ich aus meinem tiefen Schlaf auf, werde aus der Traumwelt gerissen.
Da mein Zimmer unmittelbar neben der Eingangstüre ist, kann ich dort jedes Geräusch hören.
Suvi kommt nach Hause. Ich wende mich zu meinem Wecker um, es ist kurz vor fünf Uhr in der Frühe.
Ich will gar nicht wissen, was er so lange getrieben hat...
Immer hektischer klirrt sein Schlüsselbund gegen das Holz der Türe, immer nervtötender schabt der Schlüssel auf der Suche nach dem passenden Loch vergebens über selbiges.
ich stöhne genervt auf und beschließe dem ein Ende zu setzen, ehe Aki von diesem Radau auch noch wach wird.
So erhebe ich mich und gehe, nur in Shorts gekleidet, zur Türe und gebiete meinem kleinen zugedröhnten Schneeengel Einlass.
„Danke Lauri!“, er grinst mich etwas überrascht an, als ich ihm öffne. Aus seinem Munde dringt sehr penetranter Alkoholgeruch und um seine Augen haben sich tiefe, dunkle Ringe geschlungen.
Aber seiner Schönheit kann einfach nichts etwas anhaben.
„Kein Ding. Komm rein. Und sei um Gottes Willen leise. Aki darf nicht mitbekommen, dass du erst so spät kommst“
„Okay.“, er stolpert an mir vorbei, taumelt einige Schritte und hängt sich, nach Halt suchend, an den Türrahmen meines Zimmers.
„Lauri...“, er kichert benommen, „.. kannst du mir nicht helfen? Du siehst doch, dass ich dich jetzt brauche...“
In dem Moment, als ich ihm buchstäblich unter die Arme greife, um ihn in mein Zimmer zubringen, weiß ich, dass ich ihn viel mehr brauche, als er mich.
Mühsam hieve ich ihn dann auf mein Bett, er fällt rücklings darauf und breitet seine Arme aus.
Es sieht von oben herab betrachtet aus, als würde er seine unsichtbaren Flügel ausbreiten und schon bald fortfliegen.
Ich setze mich tonlos neben ihn auf die Bettkante, beobachte ihn, wie er leise atmet und sich dann müde über sein Gesicht streicht und gähnt.
Ich will ihn.
Immer.
Immer wieder.
Jetzt.
Aber ich sitze nur starr da. Ich kann einfach niemals damit anfangen.
So sehr mein Verlangen mich auch treiben mag, ich würde ihn niemals zwingen wollen.
Ausnutzen vielleicht, aber niemals zwingen.
So sitze ich da und warte, bis er wieder bereit ist unser Spiel zu spielen.
Ich will spielen, ich will die Fiktion, er sei mein Eigen, haben. Ich brauche sie.
In mir kribbelt schon alles vor freudiger Erwartung auf ihn, auf seine Berührungen, auf sein Tun, einfach nur auf ihn.
Er seufzt leise, gequält, richtet sich hastig auf und kotzt anschließend auf den Parkettboden neben uns.
Sein Inneres trifft mit einem widerwärtigen Geräusch dort auf und spritzt wohl in alle Himmelsrichtungen.
Ich wende mich zu ihm um, dort ist er. Krallt sich mit den Händen an den Rand meines Bettes, kniend und kotzend, scheint wie eine anmutige Katze, ist aber keine. Nur ein, sich übergebender, Engel.
Luzifer kann kotzen. Stelle ich müde grinsend fest und hoffe, ihm geht es nun nicht allzu schlecht, denn schlafen lassen will ich ihn noch nicht.
„Suvi? Geht es oder soll ich was für dich holen?“, ich lege meine Hand auf, die von ihm mir zu gewandet Schulter.
Meine Hand wird sofort heiß. Ich muss mich so beherrschen, wie ich es eigentlich gar nicht will.
„Was zu trinken.“, bringt er zwischen gequältem Aufstöhnen und nach Luft schnappen hervor und schon bin ich auf dem Weg, um ihm seinen Wunsch zu erfüllen.
Ich eile durch die Wohnung, natürlich so leise, wie nur irgend möglich, und kralle mir in der Küche eine Flasche mit stillem Wasser.
Wieder in meinem Zimmer angekommen, kniet Suvi aufgerichtet inmitten meines Bettes und sieht so unbeholfen aus.
„Tut mir leid.“, sagt er leise und so reuevoll.
„Ach was, da kannst du doch nichts dafür.“, ich setze mich wieder auf meine Stelle des Bettes und gebe ihm die Wasserflasche.
„Stimmt. Eigentlich ist es nur die Schuld von diesem Arschloch! Er hatte gesagt, es wäre erstklassiger Stoff... und jetzt sieh mich nur an...“, er lacht ungläubig auf und trinkt hastig einige Schlücke.
„Kann passieren.“, gebe ich monoton als Antwort, weil ich es ehrlich nicht hören will.
Als er sich völlig gefasst unmittelbar neben mich setzt und mir seine Hand auf den Oberschenkel legt, sieht er so klar aus.
„Lauri, wie kann ich das wieder gut machen? Ich mach das nachher gleich weg. Versprochen.“, und dann grinst er mit diesem unbeschreiblich unschuldigen Lächeln, dass man nur hat, wenn man noch so jung ist, wie er.
Mit dem Alter geht alles verloren. So auch genau dieses Lachen.
„Musst du nicht. Du hast für heute schon genug durchgemacht.“
„Nein, dass kann ich auf mir sitzen lassen. Kann ich es denn überhaupt nicht irgendwie gut machen?“
„Na ja... es gäbe da schon etwas...“
Aber ehe ich es ihm näher erläutern kann, streicht seine Hand schon meinen Oberschenkel herauf.
Ich ziehe scharf die Luft ein.
Jede verdammte Berührung von ihm steckt mich sofort in Brand.
Ich sehe in seine Augen, diese glimmen unter all dem Rausch dunkel und bestimmend auf.
„Entspann dich einfach.“
Ich nicke langsam und lasse ihn gewähren. So wie immer.
Als er seine Finger sachte über meinen Schritt streichen lässt und sich während dessen aufrichtet und dann vor mir niederkniet, stöhne ich einmal leise auf. Er macht mich verrückt. Ich glaube, für ihn und das, was er tut, wäre ich im Stande Morde zu begehen.
Ich kann fühlen, wie sein Mund scheu, aber herrschend, über die Innenseite meines Oberschenkels streift und sein Atem, der meine Haut trifft, ist so unglaublich heiß.
Seine Hände gleiten über meine Seiten und greifen den Rand meiner Shorts und ziehen sie langsam, so unfassbar langsam, über meine Beine nach unten, fort von mir.
Wellen der Erregung durchströmen mich bei jeder noch so kleinen Bewegung, die er macht. Ich halte es schier nicht aus. Ich könnte schreien und ihn mir nehmen, aber das, was er vor hat, ist fast noch besser.
Sanft haucht er einige verlorene Küsse um meinen Bauchnabel und taucht letztlich mit seiner Zunge darin ein.
Ich lege meinen Kopf in den Nacken und stemme meine Füße fest auf den Boden.
Suvi drückt meine Schenkel etwas mehr auseinander und drängt sich dazwischen.
In Gedanken beschwöre ich ihn es endlich zu tun und mich nicht mehr weiter hier leiden zu lassen.
Nun bin ich es, der sich mit seinen Händen an der Kante des Bettes festkrallt. Nach Halt suchend.
Sachte beißt er in die Haut seitlich meines Hüftknochens und leckt dann zärtlich mit seiner Zunge, immerzu heiße, alles versengende, Spuren hinterlassend, zu meiner...
Ein Kuss, auf einer viel zu empfindlichen Stelle, ich kralle mich mit meinen, inzwischen schweißnassen, Händen in seinen Haaren fest.
Ich kann nicht mehr.
Dann tut er es. Er nimmt mich in seinen heißen Mund auf, der dem Feuer der Hölle nicht ähnlicher sein könnte.
Ich winde mich unter seinen Küssen, seiner Zunge, die nichts hinterlässt, als brennende Spuren und Atemlosigkeit.
Und wenn er nun das Leben Stück für Stück aus mir heraus saugt, will ich, dass er niemals damit aufhört und mich tötet. Dafür lohnt es sich.

Killed by an angel.

Er treibt mich immer mehr an den Rand, mein ganzer Körper bebt, in mir zieht sich alles zusammen.
Erregung schwemmt Verstand Meilen weit weg. Es wird vermutlich eine Ewigkeit dauern, ihn wieder zu finden.
Alles dreht sich. Alles dreht sich um ihn.
Ich stöhne immer unkontrollierter, weiß nicht, woran ich mich noch halten kann, als ich ich endlich, erlösend, in seinem Mund komme.
Und als er all das schluckt, was ich ihm gebe, weiß ich, dass er mein Verhängnis ist.

Kurz darauf geht er, lässt mich mit meiner ermattenden Erschöpfung alleine.
Ich wälze mich einmal quer über mein Bett, strecke mich nach meiner Stereoanlage und schalte ein.
The Cure... Galore,ein steinaltes Album, aber was soll ich machen? Die neue Zeit bring zwar Fortschritt, aber nicht in der Musik.
So trällert also Robert Smith just like heaven und die muntere Musik lullt mich völlig ein.
Ehe ich ganz weg döse öffnet sich meine Zimmertüre und ein breitgrinsender Suvi kommt zu mir zurück.
In seinen Händen hält er zum einen eine Zigarettenschachtel, die er mir zuwirft, und einen großen, blauen Eimer mit ordentlich Putzwasser darin.
Ich nicke ihm dankend zu und zünde mir genüsslich eine Kippe an.
Ich inhaliere den Rauch, so wie seinen Duft.
Aufmerksam beobachte ich sein Tun. Als er sich bückt, um alles aufzuwischen, könnte ich ihn mir schon wieder nehmen.
Die CD springt einen Song weiter... Friday I'm in love...
Ich schmunzle ein wenig und stelle dann aber fest, dass heute ja schon Samstag ist.
Wobei ich mir nicht sicher bin, ob es wirklich Liebe oder doch nur triebhaftes Verlangen nach ihm ist.
Leider liegen diese beiden Dinge kaum trennbar neben einandern.
Luzifer kann kotzen und es dann wieder aufwischen.

Part 2

Müde schlage ich die Augen auf. Sehe mich erst irritiert um, da ich mir nicht sicher bin, ob Suvi bei mir genächtigt oder nur vorübergehend Freude bereitet hat.
Aber das Bett neben mir ist leer. Ich seufze und richte mich unter lautem Gähnen auf.
Heute ist Sonntag. Tag ohne Arbeit. Ich freue mich kurz darüber, aber die Freude hält nicht lange an.
Wieso ist alles um mich herum nur so sehr von Kurzlebigkeit gezeichnet?
Dann stehe ich auf, ziehe mir meine Shorts und einen Kapuzenpullover an.
Langsam begebe ich mich in die Küche, von der starker Geruch nach frischem Kaffee mich warmherzig begrüßt.
„Guten Morgen Lauri!“, trällert mir Akis neueste Freundin entgegen.
„Morgen Ana...“, nuschle ich in mich hinein und mache auf dem Weg zur Kaffeemaschine einen großen Bogen um sie.
Ich weiß nicht. Es ist ja nicht so, als würde ich sie nicht ausstehen können, aber so wirkliche Sympathien kann ich einfach nicht für sie entwickeln.
Ich nehme mir eine Tasse aus einem der Küchenschränke, die über der Anrichte hängen, und schenke mir Kaffee ein.
„Wann ist Suvi gestern nach Hause gekommen? Ich habe euch spät noch gehört...“
Ich wende mich zu ihr um. Und irgendwie kann ich Aki doch verstehen. Sie ist sehr hübsch.
Aber nicht so hübsch, wie er.
Ich sehe mich suchend nach Aki um, aber er schläft wohl noch.
„Gegen fünf.“
Sie nickt nachdenklich.
„Sag es bloß nicht Aki. Das gibt sonst nur wieder Ärger, den wir alle nicht brauchen.“
„Okay. War er sehr... zu?“
„Ana, das sollte dir egal sein, weil es dich nichts angeht. Verstanden?“
„Ist ja gut. Brauchst mich deshalb nicht gleich so anfahren!“
Sie zieht scharf die Luft ein. Also ein ganz normaler Sonntagmorgen:
Ich streite mich mit Akis Ische, trinke Kaffee, den sie gemacht hat und denke an meine liebste Sünde, die es zu beschützen gilt.
„Steht heute etwas an?“
„Normalerweise nicht... wieso? ...willst du wieder Akis Geld für teure Drinks ausgeben?“, den letzten Teil diese Satzes habe ich nicht laut ausgesprochen, auch wenn mir danach gewesen ist, aber ich habe Aki versprochen seine Freundinnen nicht wieder so herablassend zu behandeln oder mit ihnen zu schlafen.
Mal sehen.
„Nur so... ich hätte irgendwie Lust auszugehen.“
„Dann geh doch, niemand hält dich zurück.“
„Das hättest du wohl gerne... und am besten hängst du mir noch seinen Junkie-Bruder an den Hals, damit ihr eure Ruhe habt!“
„Halt bloß die Füße still.“, ich stelle die, noch fast volle, Tasse in die Spüle und dränge mich an Ana vorbei.
„Ich kann einfach nicht verstehen, wie ihr es zulassen könnt, einen 17-jährigen Jungen so leben zu lassen!“
„Und ich kann es einfach nicht verstehen, wieso du dich da einmischst! Ich will dein dummes Gelabere nicht hören!“
Wütend schlage ich hinter mir die Küchentür zu und begebe mich ins Wohnzimmer, wo ich sogleich den Fernseher anschalte.
Was ich mir ansehe, ist egal, Hauptsache bunt.
Ich muss aus diesem verdammten schwarzweißen Leben raus.
Leider kann ich das momentan nur durch Suvi. Ich bin abhängig.
Ich bin derjenige, der einen Entzug bräuchte, nicht er.
Doch noch etwas müde lege ich mich nach ein paar Augenblicken der Länge nach auf die Couch.
Ich gähne erneut und strecke mich ausgiebig.
Vor mich hindösend höre ich nach einiger Zeit, wie Aki und der kleine Bruder sich wieder streiten.
Ana die Verräterin.
Hätte sie dicht gehalten, wäre jetzt alles so schön ruhig und ich könnte mich weiter entspannen.
Ich wäge kurz ab, ob der Aufwand diesen Streit zu schlichten sich lohnen würde, beschließe aber dann doch nicht einzugreifen, da es mich ja eigentlich auch nichts angeht.
Ich habe lediglich meine kleinen Spielchen mit Suvi, alles andere ist nicht mein Metier.
So drehe ich mich genervt um und versuche mich wieder in meinen Dämmerschlaf zu flüchten.
Vergebens.
Aki und Suvi werden immer lauter.
Von Aki hagelt es nur Vorwürfe, während Suvi eher schweigend alles über sich ergehen lässt.
„Du kannst mich echt mal kreuzweise! Du hast doch keine Ahnung!“, eine Tür wird geknallt und da ich von Suvi nichts mehr höre nehme ich an, es war die seine.
„Lauri, kannst du mal mit ihm reden. Ana hat erzählt, dass sie ihn heute um fünf gehört hat, wie er heim getorkelt ist!“
„So? Hat sie das?“
„Allerdings!“, zischt es aus der Küche und ich frage mich, was wohl wäre, wenn Ana einfach so ein grausamer Unfall ereilen würde...
„Rede du mit ihm. Auf dich ist er besser zu sprechen...“
„Wenn du das sagst.“, antworte ich, nicht ohne ein inneres Grinsen und mache mich auf den Weg zum Zimmer des Engels.
Vom Inneren des Raumes dringt leise etwas Musik zu mir. Undefinierbar.
Ich klopfe an.
„Verpisst euch doch alle ihr blöden Wichser!“
Die Musik wird lauter.
Ich schüttle, wohl etwas mitleidig, den Kopf und trete dennoch ein.
Bäuchlings liegt er auf dem Bett. Einfach so. In seiner ganzen Schönheit und nickt sachte mit dem Fuß, der frei über der Bettkante hängt, im Takt mit.
„Hey...“, ich trete an ihn heran, setze mich vor ihm auf den Boden und sehe ihn abwartend an.
„Ach, du bist es. Sorry, hab ich nicht so gemeint...“
„Schon klar.“
„Lass dich von den beiden doch nicht ärgern. Besonders nicht von der kleinen Schlampe.“
Er hebt seinen Kopf an, sieht zu mir und nickt ernst.
„Schlampe ist das richtige Wort.“, er grinst ein wenig diabolisch und dreht sich ruckartig um, starrt dann an die Decke.
„Wieso versteht mich hier keiner?“
„Weil niemand weiß, wie es ist, du zu sein.“
„Aber du verstehst mich doch. Oder? Wieso verstehst du mich?“
„Ich verstehe dich nicht.“
Kein Verständnis von mir. Nur Begierde, die alles toleriert, was er tut.
„Doch, doch... das tust du. Du weißt es vielleicht nur einfach nicht.“
Suvi richtet sich auf, geht um mich herum, geht zu seinem Schreibtisch und holt von dort eine Schachtel mit Zigaretten, bietet mir dann eine an.
Dankend lehne ich ab, während er sich einen Glimmstängel aus dem kleinen Papiergebilde zieht und ein Feuerzeug holt und sie damit anzündet.
Tief inhaliert er das blaue Gift, dem wir beide gleichermaßen verfallen sind.
„Sobald ich 18 bin, werde ich meinen eigenen Weg gehen, dann wird mich hier nichts mehr halten... außer...“
Er kniet sich vor mir nieder.
„Was, wenn mich bewusst hier nichts mehr hält und es mich dann aber zerfrisst, weil ich hätte wissen müssen, dass du mich hier gehalten hast.“
Es durchfährt mich wie ein Blitz. Was zur Hölle spricht er da?
„Ja, was ist, wenn du es eigentlich bist, weshalb ich noch hier bin?“
„Hör auf so einen Müll von dir zu geben!“
Ich versuche so streng wie möglich zu klingen, aber innerlich kann er mir nur leid tun.
In seinem Kopf ist es also geschehen...
Er hat alles durcheinander gebracht und verwechselt.
„Nein! Du verstehst nicht! Ich frage mich, ob ich dich vermissen werde... denkst du, ich werde dann einfach so nicht mehr an dich denken können?“
Er nimmt einen heftigen Zug von der Zigarette und dann fällt er mir um den Hals und seine Flügel umgeben uns, wie ein Schutzschild aus vergiftetem Rauch und gleißendem Licht.
„Du ... du denkst an mich?“, frage ich nach einem kurzen Moment des Zögerns und weiß nicht, was ich als Antwort hören will.
„Ja, immer.“
Immer.
Es hallt in meinem Kopf wieder, bricht sich an meiner Schädeldecke und strömt tausendfach in mein Bewusstsein zurück.
Ich schlucke einmal trocken.
„Das darfst du nicht. Wir... wir lieben uns doch nicht. Wir verlangen nur nach einander...“
„Was sagst du da?“, er löst sich ruckartig von mir, hinterlässt nur kalte Spuren auf mir.
„Keine Liebe, Suvi... nicht für uns. Nicht zwischen uns. Du weißt es doch auch, wir dürften es nicht.“
„Aber dennoch haben wir es getan!“
„Ja, aber nur, weil ich es wollte.“
„Da siehst du es doch!“
„Genau. Ich will dich. Aber nicht lieben. Ich brauche dich...“
„Brauchen? Du benutzt mich! Sag es doch!“
Seine Augen, so von Enttäuschung geflutet, sein Blick, geschwängert von kindlicher Naivität, die sterbend dahinschwindet.
„Das ist es also, was dich immer wieder zu mir getrieben hat...“, er schüttelt ungläubig den Kopf, „ich hatte immer geglaubt, du würdest mich lieben.“
„So kann man sich täuschen.“
„Allerdings.“
Ich weiß, ich sollte nun bis zum Rand gefüllt mit Reue sein, kann aber nicht.
Meine Begierde lässt keinen Platz mehr für andere Gefühl ihm gegenüber.
„Es tut mir leid. Ehrlich. Ich wollte nicht, dass du dir Hoffnungen machst.“, lüge ich ihm dreist ins Gesicht und erinnere mich mit einem schönen Gefühl im Bauch an gestern Nacht.
„Gut.“
Schneeengel kratzt sein zerbrochenes Herz vom Boden der Tatsachen ab und steht dann auf, will wohl fortfliegen, bleibt aber hier, bei mir.
„Gut?“, fragend lege ich meinen Kopf etwas schief, frage mich, was gut sein soll, wenn wohl alles alles andere ist, als gut.
„Ja, gut. Dann lass uns einfach immer so weiter machen.“
„Was?“, auch ich erhebe mich nun, sehe in seine Augen, die wohl niemals wieder so viel Reife in sich tragen werden, wie jetzt.
„Ja, wir machen einfach so weiter. Das ist das Beste für dich und auch ich werde mich damit abfinden können. Denn irgendwann wirst du mich auch lieben. Und auf diesen verfluchten Tag werde ich hier warten.“
Sachte streiche ich dem weinenden Luzifer eine Träne von seiner Wange und schließe dann ihn in meinen Armen ein.
Fein, ich bekomme weiterhin, was ich will und er kann weiterhin so blind durch sein Leben stolpern.
Alles bleibt beim Alten. Ich bin zufrieden und küsse ihn.
Er legt seine Hände an meine Hüften und zieht mich näher an sich heran, dann schiebt er fordernd seine Zunge in meinen Mund.
Und ich kann mich an keinen zuvor Kuss entsinnen, der so ehrlich war, wie dieser.


Part 3

Es ist Montag. Ich hasse Montage. Ich denke, mit dieser Einstellung bin ich nicht alleine.
Gott sei Dank, dass dieser Montag endlich sein qualvolles Ende gefunden hat. Ich strecke mich etwas, gähne und sinke dann tiefer in meinen Sitz in der Straßenbahn.
„Lauri?!“
Ich schrecke hoch und blicke mich verwirrt um.
Breit grinsend setzt sich ein Mädchen mir gegenüber hin.
Wer zur Hölle ist sie?
„Ja bitte?“, frage ich nach einem Augenblick der Überlegung und lege meine Stirn in Falten.
„Mensch Lauri, jetzt sag aber nicht, dass du dich nicht mehr an mich erinnerst!“, sie schlägt elegant die langen Beine übereinander und lächelt mich mit, zur Seite geneigtem, Kopf an.
Noch ehe ich etwas zu meiner Verteidigung sagen kann, legt sich mir eine Hand auf mein rechtes Knie.
„Ich bin's, Emma.“
Emma?
„Emma?“
„Jetzt enttäuschst du mich aber! So betrunken kannst du doch gar nicht gewesen sein!“, sie lacht leise auf und streicht sich ihre langen blonden Haare aus dem Gesicht.
„Kann ich das nicht? Bist du dir sicher?“, ich versuche die Stimmung durch mein Lachen etwas aufzulockern.
Scheint auch ganz gut zu funktionieren.
„Na gut, ich helfe dir auf die Sprünge: wir haben uns vor ein paar Wochen im Semifinale kennen gelernt und na ja... der Rest ist eine Geschichte, die ich gerne wiederholen würde.“
Ich kann mich zwar ums Verrecken nicht an sie erinnern, aber ich verabrede mich trotzdem mit ihr auf Mittwochabend. Wieder ins Semifinale, vielleicht kehrt ja dort meine Erinnerung an sie zurück.
Ich weiß nicht mehr wer sie ist, aber vor meinem inneren Auge sieht die Vorstellung, wie sie nackt unter mir liegt, sehr gut aus.
Ich lächle freundlich, als sie sich erhebt und mir sagt, sie müsse nun aussteigen, freue sich aber sehr auf mich.
Wir geben uns ein Küsschen und ich kann tatsächlich einen Blick in ihr Dekoltee werfen.
Ich beschließe für mich, dass es doch Schlimmeres als Montage gibt.
An der nächsten Station steige auch ich aus. Kaum habe ich die die überfüllte S-Bahn verlassen, umarmt mich auch schon eisig kalt die Winterluft.
Mein Atem steigt über meinen Kopf in den Himmel, sieht aus, wie Zigarettenqualm, ist aber leider keiner.
Langsam schlendere ich nach Hause, eigentlich sollte ich mich beeilen, wenn ich nicht erfrieren wollte, aber aus einem unerfindlichen Grund lasse ich mir sehr viel Zeit.
Ich stelle mir vor, wie ich es mit Emma treibe.
Wie gut sie sich anfühlt.
Wie sie duftet.
Wie ihr Körper zu beben beginnt.
Ich hoffe, wenn ich nun heim komme, ist mein kleiner Schneeengel auch da, denn ich bekomme Lust auf ihn.
So beschleunige ich mein Tempo, hetze mich selbst, als würde ich verfolgt werden, die letzen paar Meter über die Straße und dann in unsere Wohnung.
Ich hole tief Luft, ehe ich seinen Namen rufe.
„Suvi?“
Keine Antwort.
„Suvi!“, rufe ich schon weitaus lauter.
Wieder keine Antwort.
Das darf doch nicht wahr sein! Wo treibt er sich schon wieder rum?
Ich ziehe mir rasch meinen Mantel aus, werfe ihn über die Garderobe und hetze in sein Zimmer.
Es ist stockdunkel, die Rollläden sind heute noch nicht geöffnet worden.
Ich taste mich durch die Dunkelheit, die nur durch das einfallende Licht, das durch die, von mir geöffnete, Türe einfällt, erhellt wird.
Am Fenster angekommen reiße ich den Rollladen herauf und lasse, fast schon gleißendes, Licht das Zimmer fluten.
Ich sehe mich erneut um und erstarre bei dem Anblick, der sich mir bietet.
„Suvi!“, ich stürme zu Luzifer, der zusammen gekauert und zitternd auf dem Boden in einer Ecke sitzt und immerzu apathisch vor und zurück wippt.
„Suvi, was ist passiert?“
ich umklammere mit beiden Händen fest seine schmächtigen Schultern und beginne ihn, in der Hoffnung, ihn aus seiner Starre zu holen, zu schütteln.
„Suvi! Verdammt noch mal! Sprich mir mit!“
Dann hebt er seinen Kopf, seine, von Tränenflüssigkeit, verklebten Augen sehen mich leidend an.
Ich knie mich vor ihm nieder, rede immerzu auf ihn ein, aber er erwidert mich rein gar nichts.
Und es scheint mir, er sei ferner jeder Welt, als er endlich zu mir spricht.
„Geh weg, du...“, seine Stimme bricht in sich zusammen. Ich fühle mich seltsam.
„Das hättest du wohl gerne! Ich gehe erst, wenn du mir gesagt hast, was mit dir los ist.“
Ich verstärke den Druck meiner Hände auf seine Schultern, wenn ich nun wollte, könnte ich des Engels Flügel brechen.
„Wieso bin ich dir nicht egal, wenn du mich nicht liebst?“
„Weil...“, ich kann ihm keine Antwort geben. Keine, die ihn oder mich zufrieden stellen würde.
Ich weiß nicht, wieso er mir nicht egal ist.
„Was ist denn los?“
Ich senke meine, bis eben sehr laute, wohl bedrohlich erscheinende, Stimme, lege meinen Kopf schief und streiche ihm eine zerzauste Strähne aus dem hübschen Gesicht.
„Du. Ja, du bist los. Aber das kannst du noch nicht verstehen.“
„Ich? Nein, sag sowas nicht. Ich habe kein Recht deine Gedanken so zu verseuchen, dass du traurig wirst.“
„Du weißt es nicht, aber ich habe dir das Recht bei unserem ersten, verfluchten Kuss gegeben.“
„Das hättest du verdammt noch mal nicht tun dürfen!“
Ich muss mich beherrschen. Ich ringe um die Beherrschung meiner Hand, die kurz davor war ihn zu ohrfeigen.
„Hallo? Schon jemand da?“
Wir zucken beide etwas zusammen, als Aki laut die Haustüre hinter sich zuschlägt.
Ich erhebe mich, besehe den weinenden Luzifer zu meinen Füßen, der mir in diesem Moment so naiv, wie noch niemals zuvor, erscheint.
„Wisch dir die Tränen weg. Und komm nachher zum Essen.“
Ich wende mich um und lasse ihn alleine.
Ich atme tief durch, gehe dann in die Küche, wo Aki bereits seine Einkäufe auf die Küchenschränke und den Kühlschrank verteilt.
„Hei! Na? Alles klar bei dir?“
„Passt schon.“, schnaube ich und lasse mich auf einen der vier Küchenstühle fallen, die in engem Abstand um den viel zu kleinen Tisch herum stehen.
„Und selbst?“, frage ich nach einiger Zeit, obwohl es mich nicht wirklich interessiert.
„Gut, gut. Sag mal, ist Suvi da?“
„Ja, der ist in seinem Zimmer.“
Kurz darauf lässt Aki einen pädagogischen Lockruf erklingen und bittet klein Luzi um Mithilfe beim Tischdecken.
Wortlos und mit gesenktem Haupt betritt er den Raum und beginnt seine Aufgabe zu erfüllen.
„Ja, klar geht es mir gut, Suvi. Mein Tag war klasse! Danke, dass du fragst!“
Aki lässt unter einem lauten Klirren das Besteck auf den Tisch, an dem ich sitze, fallen.
Suvi zuckt zusammen.
„Fick dich!“, murmelt er leise, aber dennoch deutlich hörbar.
„Suvi, ich bin gerade sehr versucht dich ohne Essen zurück in dein Zimmer zu schicken!“
„Ich hab eh keinen Bock auf diesen Fraß...“
Und noch ehe Aki seiner erzieherischen Raserei freien Lauf lassen kann, ist Suvi schon wieder entschwunden.
„Ich dreh noch durch! Das wird immer schlimmer mit ihm!“
Resignierend lässt Aki sich mir gegenüber auf einem Stuhl nieder, nimmt die Brille von seiner Nase und reibt sich mit der freien Hand über das Gesicht.
„Was soll ich nur tun...“
„Da fragst du den Falschen.“
Ja, den völlig Falschen. Denn das, was ich mit ihm mache, was ich ihm antue, ist wohl noch falscher, als alles andere.
In meinem Bauch kehrt wieder das Gefühl zurück, das mich eroberte, als ich meinen kleinen Suvi dort so zusammen gekauert in seinem Zimmer aufgefunden habe. Es fühlt sich so neu an und erinnert mich an das Gefühl der Reue. Aber nicht nur an diese. Es ist viel mehr.
„Ach, verdammt...“, resignierend seufzt Aki leise auf und erhebt sich.
„Tut mir leid Lauri, aber mir ist eben der Hunger vergangen. Sei mir nicht böse.“
„Bin ich sicherlich nicht.“
Als er geht lächle ich ihn aufmunternd an, aber er reagiert nicht.
Wieso nur habe ich das Gefühl, dass, egal, was ich sagen oder tun werde, alles ein Ende nehmen wird, das mir nicht gefallen wird.
Entweder ich bestärke Aki in der Unternehmung Suvi zu ändern und ihm zu helfen, was zur Folge hätte, dass er wieder zurück zu seinen Eltern müsste und weg von mir, oder er bleibt, zerstört alles und sich selbst langsam aber sicher, während ich nur zusehen kann und schlussendlich wohl Akis Freundschaft verlieren werde, wenn der kleine Engel alles auffliegen lässt. Was er bestimmt tun wird.
Ich rücke mit meinem Stuhl näher an das Fenster heran, lasse meinen Blick die befahrene Straße, entlang schweifen.
Dort unten huscht Aki vorbei. Er wirkt gehetzt. Hetzt sich selbst auf einer Flucht, die ihn doch nur wieder zu uns zurück führen wird.
Ich lehne mich ein wenig zurück, kippe vorsichtig den Stuhl soweit nach hinten, bis er nur noch auf zwei Beinen steht und wippe nachdenklich hin und her.
Was kann ich nur tun? Was sollte ich tun?
Verdammt, wieso macht sich ein Gewissen immer nur bemerkbar, ohne nützliche Tips zugeben?
„Lauri?“
Ich zucke zusammen und ehe ich überhaupt die Chance habe durch Rudern mit meinen Armen das Gleichgewicht wieder zu bekommen, schlägt mein Kopf hart auf dem gefliesten Küchenboden auf.
„Oh Gott! Lauri!“, hallt es zu mir, und in meinem Kopf wieder.
Als ich nach Hilfe suchend in die Luft greife, greift Suvis Hand und zieht mich mühsam wieder auf die Beine.
„Scheiße.“, murmle ich und streiche vorsichtig über meinen Hinterkopf.
Es pocht, es schmerzt, es tut einfach nur scheiße weh.
„Das tut mir leid. Ich meine, ich wollte doch nicht, dass...“
„Klappe.“, monoton erklingt meine Stimme und meine Augen studieren seine zerbrochene Mimik.
Es scheint, als habe ich genau diesen Schlag auf den Kopf gebraucht, um zu erkennen, dass es wohl eher darum geht, Aki zu helfen und Suvi eben nicht...
Seine, von Unschuld ersäuften, Augen sehen mich besorgt an. Luzifers Porzellanmaske beginnt zu bröckeln.
Wie lange wird es wohl noch dauern, bis auch die anderen ihn als den gefallenen Engel erkennen, der er eigentlich ist?
„Lauri, was hast du?“, er geht vorsichtig, als habe er Angst, ich würde ihn von mir stoßen, einige Schritte auf mich zu und legt schließlich sanft seine Arme um meinen Hals, während seine Hände sachte meinen Nacken kraulen.
Falle tiefer, während ich diesem armen Teufel schon wieder verfalle.
„Nichts. Es ist nichts.“
Falle tiefer, während das Netz aus Lügen mich sachte auffängt.
„Was hältst du davon, wenn du dich ein bisschen hinlegst... nicht, dass du eine Gehirnerschütterung oder sowas hast.“
Ich nicke stumm und folge ihm, als er mich langsam in mein Zimmer führt und dort aufs Bett legt.
„Autsch.“, jammere ich kaum hörbar, denn selbst das Kissen schmerz an meinem Kopf.
„Geht's?“
„Immer doch.“, grinse ich unbeholfen und lege meine Hand in seinen Schoß, als er sich im Schneidersitz neben mich setzt.
Er grinst mich von oben herab an. Schelmisch. Ungezogen.
„Lauri, darf ich dir was sagen? Ich wüsste sonst nicht, mit wem ich darüber sprechen könnte...“
Wieder stummes Nicken.
„Ich frage mich, ob mich niemand sehen kann. Ich meine, sieht denn wirklich niemand außer dir, dass ich eigentlich gar nicht so bin? Nicht einmal Aki? Kann niemand sehen, dass ich vielleicht doch ein bisschen mehr Hilfe bräuchte, als gedacht?“
„Suvi. Ich bin in Sachen Ratschlägen bei Weitem nicht der Bewandertste, aber eines kann ich dir mit Gewissheit sagen: Alle sind sie taub und blind.“
„Was soll das heißen?“
„Kleiner, die Leute werden immer erst dann zu Sehenden, die hören können, wenn es in den Nachrichten um einen weiteren Selbstmörder geht. Dann sind sie plötzlich alle tierisch betroffen, aber solange du noch strampelst und von alleine kämpfst, interessierst du sie einen feuchten Dreck.“
Ich streiche sachte sein Bein auf und ab, immer näher...
„Ich sage es, wie es ist: du wirst erst dann erreichen, was du willst, sobald du es nicht mehr aus eigener Kraft schaffen kannst.“
„Du meinst also, Resignation ist sozusagen der letzte Ausweg.“
„Nicht direkt, aber das kommt so hin.“
„Und was soll ich tun, wenn du mein Antrieb bist?“
„Vergiss mich.“
Oh mein Gott, ich bin so ein guter Mensch. Aki könnte glatt stolz auf mich sein.
„Lass mich ehrlich sein, ich glaube, du brauchst professionelle Hilfe, was die ganze Scheiße hier angeht... ich denke nicht, dass ich dir dabei helfen kann, von diesem Scheiß loszukommen.“
Ich versuche mich auf meinen Ellenbogen abzustützen, aber Suvi hält mich davon ab, in dem er sich rasch auf meinen Schoß setzt.
Ich sehe ihn wohl fragend an, aber er schüttelt nur den Kopf.
„Mensch Lauri, wann wirst du endlich bemerken, dass du es bist, der mich braucht.“
„Ich brauche dich nicht. Das glaubst du doch nicht ernsthaft?!“
Und ich kann es von mir selbst nicht begreifen, dass sich meine Vernunft ihren Weg an die Oberfläche gebahnt hat und mein ganzes Verlagen, meine Besessenheit nach ihm, langsam zu besiegen scheint.
„Ach ja? Und wenn ich nicht mehr bin, wer tut dann das mit dir?“
Vorsichtig beugt er sich zu mir herunter und küsst mich.
Und ganz plötzlich fühlt es sich wie das erste Mal an.
Es fühlt sich nach Abhängigkeit und trügerischer Wahrheit an.
Seine Zunge streicht liebevoll über meine Lippen, als ich sie öffne lasse ich nicht nur alles in einem wilden Kuss enden, sondern beginne aufs Neue ein Spiel, das sich viel zu gut anfühlt, eines, das so falsch doch gar nicht sein kann. Nicht falsch sein darf.
Ich vergrabe meine Finger in seinen Haaren, die nun störrisch über unser beider Gesichter fallen, drücke seinen Kopf nach hinten und lecke über die zarte, junge Haut an seinem Hals.
Er schmeckt unwiderstehlich. Wie immer. Ja, immer wieder. Nur niemals aufhören mir dieses Kind zu nehmen.
Luzifers Haut schmeckt nach Sünden.
Seine Hände schieben sich drängend unter mein Shirt und ziehen es hektisch nach oben.
Suvi erhebt sich leicht von mir, um mich zu entkleiden.
Ich beobachte ihn dabei. Jede seiner Bewegungen zieht den Garn aus Heuchelei enger um mich und jeder Atemzug, der sich einen Moment später mit seinen Küssen auf meine Brust legt, treibt mich weiter an den Rand, von dem aus es kein Zurück mehr gibt.
Ich schließe die Augen und beschließe für mich, dass Wiederstand ja doch nur zwecklose Zeitverschwendung ist.
Als ich meine Augen wieder öffne, kann ich gerade noch sehen, wie er seinen Pullover zu Boden wirft.
„Liebe mich! Lauri, verdammt noch mal, ich will, dass du mich jetzt liebst!“
Fordernd presst er seine Lippen auf die meinen und seine Haut legt sich wie Seide auf mich.
Eine Welle der Erregung erfasst mich und spült mich dort hin, wo es weder Gut noch Böse gibt.
Ich seufze leise auf, als er seine Hand fordernd zwischen unsere erhitzen Körper schiebt.
Er kratzt grob über meinen Bauch und haucht zeitgleich die wunderbarsten Gefühle auf mich.
Ich lege meine Hände auf seine Schultern und hieve ihn von mir herunter.
Es muss mein Spiel bleiben. Ich spiele mit ihm.
Sachte lege ich ihn neben mich auf die Matratze und beuge mich über ihn.
Ich sehe, wie seine Brust sich bei jedem Atemzug bewegt und ich glaube zu sehen, wie sein Herz für mich schlägt.
„Liebe mich. Bitte.“
Seine Worte waren nur gehaucht aber der Ausdruck in seinen Augen hat mich förmlich angeschrieen.
Und ich will ihn lieben.
Mein Körper, ja, selbst mein Kopf, verlangt nach ihm.
Ich fahre mit meinen Fingern langsam über seine Brust, seinen Bauch, tiefer.
Ich streiche am Bund seiner Shorts entlang, die deutlich sichtbar unter seiner tiefsitzenden, zerfetzten Jeans sitzt.
Suvi greift nach meiner Hand und führt sie weiter nach unten, drückt sie gegen seinen Schritt, wo ich sein Verlangen deutlich spüren kann.
Es kribbelt in mir und Gänsehaut folgt.
Sein leises Aufstöhnen bringt mich letztlich dazu, unsere kleine Grenze zu überschreiten.
Und egal, wie oft es wir schon mit einander getrieben haben, egal, wie oft wir es noch tun werden, es wird sich immer so neu anfühlen. Neu und einfach gut.
Ich öffne mit zittriger Hand den Knopf und den Reißverschluss seiner Hose, ziehe sie dann hektisch zusammen mit seiner Unterwäsche nach unten.
Streife dann, als er so völlig nackt unter mir liegt kurz seine harte Erektion und lasse meine Lippen über seine Haut wandern, wo sie feuchte Spuren hinterlassen.
Ich kann fühlen, wie er sich daran macht auch mich meiner Hose zu entledigen.
Einen Moment später liegen wir beide eng umschlungen auf diesem Bett in meinem Zimmer und die Luft beginnt zu brennen.
Ich kann den Sex jetzt schon riechen.
Und dieser Odeur nimmt mir den Verstand. Ich versenke meine Zähne liebevoll in Suvis Nacken und seine Nägel graben sich in meinen Rücken, was uns beide gleichermaßen zum Stöhnen verleitet.
Mit seinem Mund saugt er an meinem Brustkorb.
Lockt. Betört. Fordert.
Fordert mehr von mir. Ich will ihm alles geben.
Vorsichtig lege ich mich auf ihn, auf diesem glühend heißen Körper, der so vollkommen mein ist.
Ich dränge mich zwischen seine Beine.
Kurz treffen sich unsere Blicke und ich kann sehen, wie seine Augen von diesem Schleier leerer Träume erlöst werden.
Ich ficke den Teufel.
„Liebst du mich?“
„Ja. Natürlich.“, stöhne ich, als seine Erregung meine berührt und mir mit der Wucht eines Vorschlaghammers mit diesem Gefühl der Kopf völlig leer gefegt wird.
Mit jedem weiteren Kuss, jeder weiteren Berührung, jedem weiteren Stöhnen schießen wir uns weiter in den Himmel.
Wir reißen uns die selbstauferlegten Masken von den Gesichtern und geben uns so hin, wie wir sind.
Luzifer und ich.
Der Engel und ich.
Dieses Sündenspiel kann keine Sühne, keine Buße der Welt wieder ungeschehen machen.
Fahrig streichen seine Hände unkontrolliert über meinen Rücken, machen mich verrückt.
Ich greife sie, drücke sie seitlich seines Kopfes auf die Matratze.
Sein Gesicht. Sein Lächeln...
Kurz frage ich mich, wieso er unbedingt mich und die Drogen für dieses Lächeln benötigt.
Als ich dann in ihn eindringe ist mir sein Gesicht plötzlich wieder egal. Nur sein Körper.
Diese Hitze in ihm, die mich nun umgibt, treibt meinen Verstand an ferne Ufer, wo sie in Form purer Lust angespült werden.
Ich presse ihn tiefer in die Kissen. Mit jedem Stoß, immer tiefer.
Seine Lippen führen einen schon fast wütenden Kampf gegen die meinen, bis er sachte über meine zitternde Unterlippe leckt.
Suvi lässt mich fühlen, wie sehr er mich will. Ich stoße härter zu und sein Stöhnen erfüllt den Raum.
Ich bewege mich immer schneller in ihm, will ihn besitzen und dann zerstören.
Nach mir die Sintflut über ihn.
Meine Gedanken überschlagen sich. Willenlos, kopflos, hemmungslos.
Ich lasse von seinen Händen ab, greife seitlich zu seinem angewinkelten Bein und drücke dies nach oben.
Immer weiter, immer tiefer.
Suvi drückt mich zu sich herunter. Unsere Gesichter befinden sich unmittelbar voreinander, sein Atem an meiner Wange.
Seine Augen, halbgeschlossen, wie im Fieberwahn, funkeln lasziv und ganz leise raunt er meinen Namen.
Als er mich noch näher auf sich zieht und mir hingebungsvoll die kleinen Schweißperlen von meiner Stirn leckt, überkommt es mich.
Ich stöhne laut auf und erlöse mich selbst in seinem Inneren.
Schwer atmend lege ich mich nach einem Augenblick der Ruhe neben ihn.
Ich sehe ihn an. Er starrt an die Decke, sieht auf eine beängstigende Art und Weise so glücklich aus.
Ich reibe mir mit meiner linken Hand über das Gesicht, verteile dort großzügig meinen Schweiß.
Es scheint mir, als würde nach diesem Akt jedes andere Gefühl nicht mehr spürbar sein. Ich bin völlig taub für alles andere, außer für ihn.
„Siehst du? Ich habe dir doch gesagt,du brauchst mich. Und du liebst mich auch.“, breitgrinsend haucht er mir einen Kuss auf die Stirn und ich würde ihn am liebsten fragen, auf was für einem beschissenen Trip er jetzt gerade ist.
Koks oder doch mal wieder Heroin?
Oder bin wirklich ich der Grund für diesen Scheiß?
„Du liebst mich. Und ich habe es die ganze Zeit gewusst.“
Ich wünschte, ich könnte ihm nun einfach das Maul stopfen. Ich will es nicht hören.
Ich will nicht hören, was er zu sagen hat, was er denkt, oder fühlt.
„Ja, ja...“, seufze ich genervt und drehe mich auf die Seite.
„Was hast du?“
„Nichts.“
„Lüg doch nicht. Ich höre es dir doch an.“, er greift meine Schulter und dreht mich zu sich herum.
Ich rolle nur mit den Augen.
„War es nicht gut? Hat es dir nicht gefallen?“
„Doch, aber... ach, vergiss es einfach, ja? Tu mir den Gefallen.“
„Fein, wenn du nicht drüber sprechen willst.“
Er rutscht näher an mich heran. Aber ich will jetzt einfach nur alleine sein.
„Geh jetzt bitte.“
Seine fragenden Augen werden mich irgendwann noch in den Wahnsinn treiben.
„Geh einfach. Ich will jetzt alleine sein. Ich muss nachdenken.“
„Schon klar.“, schnaubt er, wohl etwas verletzt.
Er sucht auf dem Boden seine Kleidung zusammen, setzt seine Maske auf und verlässt mich wieder.

Part 4

Es ist endlich soweit. Es ist Mittwochabend. Schon seit zwei Tagen habe ich regelrecht auf diesen Tag hin gefiebert.
Ich weiß nicht, wieso, aber ich bin regelrecht davon besessen mal wieder eine Frau zu haben.
Ich werde Emma haben.
Wartend sitze ich noch alleine an der Theke des Semifinales. Vor mir eine halb leere Flasche Bier, neben mir zwei schon etwas betrunkene, verzweifelte Ehemänner, die sich lauthals ihr Leid klagen.
Mein Tip an sie wäre ein junger Liebhaber. Aber ich halte meine Klappe. Es geht mich ja nichts an.
Der Club ist heute außergewöhnlich überfüllt. Aber vermutlich findet heute einfach nur eine Party hier statt, von der ich noch nichts wusste und trotzdem live dabei bin.
Endlich fühle ich, wie sich eine Hand auf meine Schulter und ein Kuss auf meine Wange legt.
Ich wende mich um und sehe in das bildhübsch Gesicht von Emma.
Ihre sündigen Lippen, ihre großen Augen und ihre schon fast zu perfekte Nase...
„Wollen wir uns dort hinten an einen Tisch setzen? Ich hatte was reserviert für uns...“
Selbst ihre Stimme erscheint mir in diesem Moment wie die reinste Wolllust.
Ich nicke, erhebe mich und folge ihr ohne ein Zögern.
Und als wir an unserem Platz angekommen sind, an dem, ihren Worten zufolge, es das erste Mal mit uns angefangen hat, beginnen wir auch so, wie beim letzen Mal...
Mit harten Drinks und ein wenig Fummelei.
Und je schneller die Zeit vergeht, desto voller wird der Club, bis letztlich das Unvermeidbare passiert...
Bekannte Gesichter gesellen sich zu uns.
Aki und seine blöde Ische.
Aber ich tue so, als würde ich mich freuen sie hier anzutreffen.
Aki erinnert sich an Emma. Aber er trinkt ja schließlich auch nie so viel wie ich.
Vorsichtig lege ich meine Hand auf Emmas Schenkel, sie lächelt mich verheißungsvoll an.
Und so lasse ich meine Finger weiter aufwärts wandern, unter ihren kurzen, fast nicht existenten, Minirock.
Sie, Aki und Ana unterhalten sich angeregt über... irgendwas. Ich höre ihnen gar nicht zu, bin in Gedanken schon ganz wo anders...
Mit meinem Blick fixiere ich die tanzende Menschenmenge. Körper bewegen sich rhythmisch vor meinen Augen, schwitzen, berühren sich. Ich werde geil.
Doch plötzlich erscheint ein Störfaktor in diesem Bild. Zwei Polizisten schieben sich suchend über die Tanzfläche.
Verwundert weise ich die anderen Drei auf meine Entdeckung hin.
„Razzia?“, Ana zuckt mit den Schultern. Aber ich glaube, sie irrt sich.
Aki haucht ihr, wie einem dummen, naiven Kind einen verständnisvollen Kuss auf die Wange und streicht über ihr Haar.
Als die Bullen allerdings direkt auf uns zusteuern, zieht er seine Hand zurück.
Wir verstummen. Ich überlege kurz, wer von uns wohl derjenige ist, mit Dreck am Stecken.
Insgeheim hoffe, ich, dass sie Ana einbuchten werden...
„Aki Hakala?“
Aki nickt und reicht den Polizisten die Hand.
Also, mit Aki hatte ich ja gar nicht gerechnet. Wenn jemand eine weiße Weste hat, dann doch er.
„Lauri Ylönen?“, wendet sich schließlich einer der beiden Aufpasser zu mir um.
Ich schlucke einmal trocken.
„Ja?“
„Würden Sie beide uns bitte mit nach draußen folgen? Es geht um Suvi Hakala. Er hat gemeint, wir sollten sie als seine Erziehungsberechtigten benachrichtigen.“
„Verdammt! Was hat er den jetzt schon wieder verbockt?“
Schnaubend erhebt sich Aki und ich tue es ihm gleich.
Ana und Emma lassen wir unwissend zurück.
Auf dem Weg nach draußen erklärt uns einer der beiden Männer in Uniform, dass sie Suvi völlig zugedröhnt am Hauptbahnhof aufgefunden hätten zusammen mit einer ordentlichen Dosis Heroin in den Adern und einem kleinen Päckchen Koks in der Tasche.
Aki dreht völlig am Rad, während ich nur schweigend dabei bin.
Stummer Mittäter.
Dann kann ich ihn sehen, dort steht er.
Kleiner, kaputt gedrogter Schneeengel.
„Lauri!“, er will auf mich zu fallen, aber ein dritter Polizist, der dort an dem Streifenwagen mit ihm gewartet hatte, hält ihn zurück.
Ich glaube, in Suvis Augen Tränen zuerkennen, aber in dem dämmerigen Licht der Straßenlaternen kann ich das nicht genau ausmachen.
Aki unterhält sich mit den Bullen, brüllt von Zeit zu Zeit seinen kleinen Bruder an.
Ich nicht. Ich stehe nur da uns starre diesen, viel zu tief gefallenen, Engel an.
„Aber du liebst mich doch trotzdem noch...“, flüstert er mir leise zu und zieht die Nase hoch.
Er sieht so zerstört aus.
Ich reagiere nicht auf seine Worte, stehe nur geblendet von seinem Anblick dort unter diesem schwarzen Nachthimmel.
„Lauri?“, Emmas Stimme dringt von weiter weg zu mir, ich wende mich um, sie torkelt langsam und sexy auf mich zu.
Ein kleines Lächeln huscht über mein Gesicht, als sie mir um den Hals fällt.
„Lauri, was soll das?“
Ich wende mich zusammen mit Emma wieder zu Luzifer um, dessen Herz wohl in diesem Moment von der Wirklichkeit zermalmt wird.
Endlich wacht er auf.
Seine Augen verdunkeln sich, formen sich zu kleinen Schlitzen.
„Nein! Du liebst mich! Was willst du mit dieser Schlampe?“, er deutet wütend auf meine Begleitung und erntet somit die Aufmerksamkeit aller Anwesenden.
Was zur Hölle tut er da? Wie soll ich das Aki erklären?
„Siehst du denn nicht, dass diese Frau dort, Satan mit High Heels ist? Sie ist der Teufel, sie will uns doch nur trennen!“
„Was redest du da? Lauri, was sagt er da?“, Akis Blick trifft mich wie ein Vorwurf aus Eisen.
„Ich... was soll ich sagen? Seht ihn euch doch an! Er ist völlig zugedröhnt! Du glaubst doch nicht diesem Gelabere!“
„Warum leugnest du unsere Liebe? Lauri, warum?“
„Liebe? Suvi! Wach doch auf! Es gibt keine Liebe! Ich liebe dich nicht! Ich habe dich niemals geliebt!“
Netz aus Lügen...
Ich versuche zwanghaft diese Situation für mich zu retten.
„Lauri, was hat das zu bedeuten?!“, Aki geht einige bestimmte Schritte auf mich zu und ich schiebe Emma von mir.
„Nichts. Das hat alles absolut nichts zu bedeuten! Er...“, ich deute auf diesen Engel mit dem Gold in den Adern, „...er bedeutet mir rein gar nichts.“
Ich kneife meine Augen zusammen, hoffe, das dies alles nur ein Alptraum ist. Aber als ich die Augen wieder öffne, bin ich immer noch gefangen.
„Und wieso hast du mich dann so gerne gefickt, wenn ich dir nichts bedeute und du mich niemals geliebt hast? Du Heuchler!“
Stellt Luzifer mich bloß? Luzifer stellt mich mit dem Rücken an die Wand.
„Du hast mit ihm geschlafen?“
„Ich...“
Ohne meine Antwort abzuwarten, trifft Akis Rechte meinen Kiefer.
Liquides Kupfer füllt meinen Mund mit Geschmack.
„Jetzt bleiben Sie doch bitte ruhig!“, die beiden Polizisten, die uns eben noch gemeinsam zu Suvi führten, müssen uns nun brutal auseinander reißen.
„Du Arschloch! Und ich habe es nicht einmal bemerkt!“
Schnaubend beschimpft er mich und ich weiß, dass ich jedes Wort der Schande verdient habe.
„Nein! Lass den Scheiß, Kleiner!“, hören wir den dritten Bullen rufen und drehen uns zu ihm um.
Seine erschrockenen Augen fixieren Suvi. Er hält diabolisch grinsend eine Waffe in der Hand.
„Mach keinen Scheiß, Suvi! Bitte!“
Wieder ungeordnete Gedanken. Fluchtgedanken, aber ich bin angewurzelt. Tatendrang und Lähmung.
„Lauri, sag mir sofort, dass du mich liebst! Du spielst doch hier nur ein Spiel... bitte...“
Er weint. Er zittert. Er schluchzt. Er liebt mich wirklich.
„Kleiner, gib mir einfach meine Waffe wieder... komm schon. Du willst das alles doch auch nicht.“
„Schnauze, du Idiot! Ihr seit alle Idioten! Keiner von euch weiß, was ich will. Ich will nur dich, Lauri. Nur dich.“
„Nein. Suvi. Du kannst mich nicht haben. Sei doch vernünftig.“
„Heuchler! Aber fürs Bett war ich dir gut genug!“
Ich bekomme nicht mehr mit, was um uns herum geschieht, es gibt nur noch Suvi, die Waffe und mich.
Stimmengewirr schließt uns ein, aber es bleibt still.
„Ja. Warst du...“,resignierend senke ich meinen Kopf. Wieso tötet er mich denn nicht einfach?
Ich hätte es doch verdient.
Suvi sagt nichts mehr. Sein ganzer Körper bebt und über seine Wangen rinnen Bäche aus Tränen der Erkenntnis herunter.
Ich weiß nicht, was ich tun soll.
Jetzt tut es mir leid.
Ein leises Klicken bringt alle Geräusche zum Verstummen.
Luzifer hat die Waffe entsichert und sieht sie fragend, nach einer Antwort suchend, an.
Das Stimmengewirr wird lauter und hektischer. Ich höre einfach nichts.
Ich beobachte nur. Voyeur in diesem Martyrium.
Er legt den Finger liebevoll um den Auslöser, dann blickt er auf zu mir.
Seine Augen sind völlig leer, sein Gesicht hat all seine Unschuld abgelegt.
Seine Tränen versiegen.
„Ich hatte doch noch nicht einmal eine Chance es richtig zu machen.“
Seine leisen, zerbrochenen Worte liegen schwer in der Luft.
„Aber irgendwann muss man doch etwas richtig machen können.“
Er winkelt seinen Arm an, drückt den Lauf des Revolvers fest an seine Schläfe.
„Ja, und du wirst noch so vieles richtig machen. Ohne mich...“, wispere ich, aber meine Worte gehen unter.
„Ohne dich kann nichts richtig werden. Ich wollte doch nur, dass du mich liebst.“
Mir fehlen alle Worte, bin festgeredet, bin überfordert, bin verängstigt.
„Ich mache es wieder gut... ich verspreche es dir. Aber bitte mach keinen Scheiß.“, ich gehe vorsichtig einen Schritt auf ihn zu.
„Du kannst es nicht wieder gut machen. Und so wenig, wie ich eine Chance hatte, wirst du sie jetzt bekommen.“
Dann drückt er ab.
Meine Ohren rauschen, während sein lebloser Körper gegen das Auto klatscht.
Blut fließt unkontrolliert zu Boden, er hat kein Gesicht mehr. Keine Make mehr. Keine fragenden Augen mehr.
Luzifer, der gefallene Engel kehrt heim, gen Himmel. Ich weiß es genau.
Und immer wenn es schneien wird, werde ich wissen, dass es ihm besser geht, als hier bei mir.



~fin~



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