slashy tears

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~Stuck on you- 10 Dinge, die ich an dir hasse~

Chapter 1

Jetzt sitze ich wieder hier, auf einer der Boxen auf der Bühne, beobachte dich und wünsche mir nichts sehnlicher als dass du weißt, wie ich mich fühle.
Doch ich werde es dir nicht sagen und du würdest mich vermutlich sowieso nicht verstehen.
Also belasse ich es dabei, so, wie schon die ganze letzte Zeit über werde ich es für mich behalten.
Es ist zum kotzen, bricht mich innerlich, doch es geht nicht anders.
Kurz schaust du auf, unsere Blicke treffen sich, mich durchfährt ein Blitzt und dann lächelst du auch noch.
Wieso tust du das?
Klar, das tust du immer, du bist ein freundlicher Mensch.
Ich mag dein Lächeln, um genau zu sein, ich liebe es.
Du wendest dich wieder von mir ab, kontinuierst mit deiner Arbeit.
Dein schwarzes Haar fällt dir immer wieder ins Gesicht, vor die Augen und immer wieder streichst du es genervt zurück.
Du bist ganz neu in der Crew, verhältst dich aber so, als wärst du von Anfang an dabei gewesen.
Ich frage mich, wie es wohl anfühlen mag, dich zu berühren, denn du scheinst so weit entfernt von mir.
Es ist seltsam, wie kann man ein so großes Verlangen nach etwas haben, was man noch nie zuvor getan hat?
Ich möchte so gerne wissen, wie sich deine Lippen anfühlen und ob du so umwerfend küssen kannst, wie es dein Lächeln erahnen lässt.
Du bist der Jüngste, strahlst aber eine Erfahrenheit aus, wie, ach ich weiß nicht wer.
Es ist ja sowieso unmöglich dich zu vergleichen.
Seit zwei Wochen bist du bei uns, seit zwei Wochen bist du der Grund dafür, wenn ich meine Einsätze verpasse oder mich total versinge.
Es ist schrecklich.
Vor allem schrecklich peinlich, aber du lachst nie.
„Lauri? Wir wollen jetzt gehen!“, Aki winkt mich zu sich.
Einen letzten Blick werfe ich noch auf dich und dann schließe ich mich den anderen an.
„Bis Morgen!“, der Klang deiner Stimme holt mich noch einmal zurück, ich drehe mich um, wieder dein erwartungsvolles Lächeln.
„Ja, bis dann Janosch...“, ich seufze kurz.
Ich mag deinen Namen, Janosch, außergewöhnlich, wie du auch.
„Lauri! Träum nicht, sondern setzt einen Fuß vor den anderen!“, Pauli gibt mir einen leichten Klapps gegen den Hinterkopf und holt mich so mit wieder zurück in die Konzerthalle, reißt mich aus der Welt, in der es nur dich und mich gibt.
„Mensch Lintu, was ist zur Zeit mit dir los?“
„Nichts, was soll schon sein?“, das nehmen sie mir ja doch nicht ab, die Jungs kennen mich viel zu gut, sie wissen genau, wann alles in Ordnung ist und wann dies nicht der Fall ist.
„Weißt du was du brauchst?“, Eero legt seinen Arm freundschaftlich um mich.
„Was denn?“, ich runzle gespannt die Stirn, will seinen Vorschlag eigentlich nicht hören, brauche ihn nicht hören, denn ich weiß, was ich brauche...
„Urlaub...ganz einfach. Du bist überarbeitet... nach der Tour solltest du vielleicht einfach mal wieder zu Janne fliegen oder so.“
„Hm... vielleicht mach ich das ja.“, ich lächle gekünstelt und setzte mich in die hinterste Ecke des Busses.
Möchte alleine sein.
Möchte nicht alleine sein.
Möchte alleine sein, mit dir.
Ich liebe es, wenn deine braunen, fast schwarzen Augen mich mustern, während du mir zu hörst, wenn ich versuche mich zu artikulieren.
Denn mehr kann ich nicht tun wenn du da bist, ich kann nur versuchen einen halbwegs vernünftigen Satz raus zu bringen.
Ich glaube ich würde draufgehen, wenn das mit dir raus käme.
Wie würde das wieder in den Zeitungen zu lesen sein?
Lauri Ylönen, 25-jähriger Frontman der Rockband The Rasmus, schwul.... mehr dazu auf Seite fünf...
Ich bin Rockstar, das ist das Problem, die Medien stürzen sich auf jedes noch so banale Detail aus meinem Leben und pushen es hoch, zu einer Schlagzeile.
„Lauri du Pflaume!“, bum, schon hab ich ne Plastikflasche am Hirn.
„Was denn?“, genervt schlage ich die Augen auf und schaue zu Aki.
„Nix, ich wollte dich nur wecken, wir sind da-ha!“, er deutet durch die getönte Scheibe hindurch, auf das große Gebäude vor uns, das Hotel.
„Heute Abend wollen Pauli und ich noch mit n paar Jungs von der Crew um die Häuser ziehen. Magst du mit kommen?“
„Hm... warum nicht? Ist Janosch auch dabei?“
„Jay? Joa, klar doch... wegen ihm gehen wird doch erst. Er meinte hier rennen n paar nette Mädels rum.“
Ein Stich ins Herz, ein Schlag ins Gesicht.
„Na, er wird es ja wissen...“, etwas stiller kamen diese Worte über meine Lippen.
Stimmt, du weißt es, dir rennen zig Mädchen hinter her.
Ja, du mit deinen 22 Jahren, deinem tollen Körper und diesem verdammten Lächeln.
An der Rezeption gibt’s wie fast immer ein Problem.
Beim letzten Mal hatte Eero die Reservierungen verschlampt, mal sind wir im ganz falschen Hotel, das war dann doch echt ne Ausnahme, aber das ist alles schon passiert.
Genervt gehe ich zu einer der Sitzgruppen und lasse mich erschöpft in einen der großen Sessel fallen.
Möchte mal wissen, wo jetzt schon wieder das Problem liegt.
„Toll, hat Eero mal wieder toll hinbekommen.“, Pauli lässt sich neben mir nieder, streicht sie durch die kurzen Haare.
„Was ist los?“
„Er hat... sich falsch ausgedrückt, jetzt haben wir halt Doppelzimmer...“
„Naja, ist ja kein Weltuntergang, wieso regt er sich dann so auf?“
„Ihn kotz es an, dass die Tussi hinterm Tresen ihn so dumm an macht.“
„Kann ich verstehen... ich wäre jetzt auch lieber unter der Dusche, als hier.“
„Duschen, was für n glorreicher Gedanke... ich riech schon meinen eigenen Schweiß, das ist nicht gut... ganz und gar nicht gut.“, er lacht kurz auf.
Naja, es gibt sicherlich Angenehmeres, als nach einem Konzert noch ewig auf die Dusche zu warten, aber wir können das ja nicht ändern.----
Chapter 2

Wasser.
Endlich duschen! Es war zwar ein halber Kampf mit Aki, dass ich zuerst durfte, aber er hat dann doch noch aus Mitleid mit mir nachgegeben.
Das heiße Wasser rinnt an mir herunter und ich weiß einfach nicht, wie ich mich fühlen soll.
Soll ich es gut finden, dass ich heute Abend mit dir und den anderen ausgehen werde?
Oder soll ich realistisch sein und mich selbst daran erinnern, dass du heute Nacht nicht alleine schlafen wirst? Weil du ein hübsches Mädchen, so um die 17, vielleicht auch 18 Jahre abschleppen wirst?
In mir frisst sich ein Gefühl hoch, dass ich nicht so wirklich zu zuordnen weiß.
Doch ich weiß, worauf es hinaus laufen wird.
Schnell stelle ich das Wasser auf kalt, denn so etwas kann ich mir nicht erlauben, nicht jetzt nicht hier, nicht, oder doch gerade nicht wegen dir.
Das eisige Wasser lässt mich kurz zusammen zucken, ich bekomme starke Gänsehaut.
Wenn du wüsstest, was du in mir auslöst.
Naja, was würdest du dann tun? Würdest du mich dann immer noch mit den selben Augen ansehen?
Würde dein Lächeln immer noch mir gelten?
„Ylönen! Mach vorwärts! Du hast das Zimmer leider nicht für dich alleine!“, Aki klopft gegen die Tür und wieder, wie im Bus, ist er der Grund dafür, wieso ich aus meinen Gedanken gerissen werde.
„Ist gut, bin ja schon fertig...“, ich drehe den Hahn zu und steige aus der Duschkabine, tropfe dabei den Fliesenboden voll.
Macht nichts, denn Aki und sein Ordnungsfimmel erledigen das...
Vom Heizkörper ziehe ich mir ein Handtuch und wickle es mir um die Hüften, ein kurzer Blick in den Spiegel, nicht gut...
Ich seh voll schlimm aus, ich habe ganz eingefallene Wangen.
Ich esse zu wenig.
Das weiß ich ja auch, aber ich kann nichts essen, nicht zur Zeit, habe dazu nämlich die selbige nicht und meist auch keine wirkliche Lust dazu.
„Wird das heute noch mal was?“
„Ist ja gut...“, ich beuge mich zur Tür und schließe dies auf, Aki tritt zu mir.
Wartet nicht, bis ich raus bin, beginnt sich gleich auszuziehen.
Seine Klamotten legt er säuberlich, wie immer, auf den Rand der Badewanne, dann dreht er sich zu mir um, betrachtet mich.
Ich habe das Gefühl, ich werde rot, ich will nicht, dass er sieht, was die Tour aus mir gemacht hat.
„Lauri... du solltest echt mal etwas mehr essen... du siehst echt...sorry...“, er bricht ab, beugt sich nach vorne und zieht sich eine Socken aus.
„Schon gut, ich seh scheiße aus...“
„Ich wollt’s dir jetzt halt nicht so direkt sagen... aber du sahst schon mal besser aus.“, es folgen ganz ungeniert seine Boxershorts.
Ich kann ihn nicht mehr ansehen.
Weiß nicht mal wieso, habe ihn doch schon so oft so gesehen, er mich auch, doch seit du aufgetaucht bist, ist alles anders.
„Weißt du, wo dein Problem ist?“, er steigt in die Dusche.
„Du wirst es mir gleich sagen, oder?“, ich will ihm nicht zu hören, obwohl ich Akis Spekulationen immer sehr lustig finde.
„Du stresst dich immer selbst, wenn ich das auch tun würde, dann würde ich auch so aussehen. Schau mich an... ich bin die Ruhe in Person.“, er stellt das Wasser an, die Scheiben beschlagen etwas.
„Manchmal.“, widerspreche ich ihm leise und rubble mir meine Haare mit einem etwas kleinern Handtuch trocken.
„Manchmal? Immer!“
„Wenn du das sagst...“, ich zucke mit den Schultern und lasse ihn im Bad alleine.
Müde lasse ich mich in meine Hälfte des großen Doppelbettes fallen und verschränke die Arme hinterm Kopf, dann schließe ich die Augen.
Als ob es verflucht ist, tanz sofort dein Bild vor meinem inneren Augen.
Ich will heute Abend eigentlich nicht mehr weg gehen, bin zu müde, doch das Verlangen dich zu sehen ist einfach zu groß.
Auch wenn du heute mit mir was trinken wirst, nach einiger Zeit werden wir uns dumme Zeug erzählen, weil der Alkohol sein Übliches tut und dann werden wir uns an Frauen oda Mädchen ran machen.
Ich werde dies nur tun, damit es nicht auffällt.
Vielleicht werde ich mit einem der Mädchen schlafen, die sich auf uns einlassen und das tun immer welche.
Ich werde mich danach scheiße fühlen und dir aber trotzdem, wenn du mich am nächsten Morgen danach fragst sagen, dass es geil war.
War es aber nicht, ich werde so gut wie nichts fühlen, außer hinter her.
Und das wird sich nicht gut anfühlen.

Chapter 3

„Was wollt ihr mehr? Hab ich euch zu viel versprochen?“, stolz lässt du deinen Blick durch den vollen Club schweifen.
So weit das Augen reicht sind junge und hübsche Mädchen da.
Wieso fühle ich mich nicht mehr gut dabei? Wieso ist es nicht mehr wie früher?
Der heutige Abend wird die Hölle werden.
„Ein Spielchen gefällig?“, Aki schaut gespannt in die Runde, ich kenne seine Spielchen und mag sie nicht so wirklich.
Etwas verzweifelt greife ich nach meinem Bier und trinke rasch einige Schlücke daraus.
„Nur nicht so schüchtern meine Herren...“
„Gut, ich bin dabei!“, ich schaue auf, sehe, wie du in Akis ausgestreckte Hand einschlägst.
„Was ist mit die Lauri? Unser Obermacker muss da doch auch dabei sein! Komm schon... oder hast du Angst zu versagen?“
„Ne, diesmal ohne mich, bin nicht so in Stimmung.“
„Mensch Lauri, ich denke dir würde das aber mal wieder gut tun...“
was mir mal wieder gut tun würde? Sicherlich nicht eines dieser leichten Mädchen, bei weitem nicht.
Wie gerne wäre ich jetzt zu Hause in Finnland, würde mich abends mit Hanna treffen und mit ihr über meine Sorgen sprechen.
Ihr werde ich es erzählen, wenn wir zu Hause sind, sie versteht mich, sie unterstützt mich immer, in jeder Hinsicht meines Lebens.
Ich bin echt verdammt dankbar, dass ich sie als Schwerster habe.
„Lauri? Also? Was ist? Bist du dabei oder nicht?“, du siehst mich herausfordernd an, hast ein unbeschreiblich schönes Glänzen in deinen schwarzen Augen.
„Ja, geht klar.“, ich nicke stumm und sehe mich um.
„Lintu, lass dich doch nicht immer auf so n Scheiß ein.“, ich drehe meinem Kopf zu Pauli, er sieht mich so an, wie ich es vermutlich auch tun würde.
„Lass mich doch machen...“
„Ja, machst du ja eh... aber treib’s nicht zu weit.“
„Ne, Lauri treibt’s bestimmt genau richtig!“, du lachst kurz auf und deine Stimme jagt mir einen angenehmen Schauer über den Rücken.
„Entschuldigung?“, ich drehe mich nach der Stimme um, sie gehört einer hübschen Frau, so um die 20 vielleicht, sie lächelt mich nett an.
„Ja?“
„Ich weiß, das kommt jetzt voll dumm, aber bist du nicht Lauri?“
„Tja meine Liebe, sieht so aus, als hättest du den Jackpot geknackt!“, Aki grinst versaut und bietet ihr einen Stuhl neben mir an.
So und spätestens jetzt ist mein Schicksal für den heutigen Abend beschlossen.

Sie ist wirklich schön, ihr blondes Haar ist ganz weich, genau, wie ihre Lippen, früher hätte mich solch ein Mädchen vermutlich schier um den Verstand gebracht, aber wegen dir ist alles anders und ich kann es einfach nicht verstehen.
Sina ist ihr Name und sie tut mir jetzt schon leid, denn ich denke ich muss sie enttäuschen.
„Lauri?, lass uns doch ins Hotel gehen...“, haucht sie verführerisch in mein Ohr und alles in mir schreit nein.
Sie beginnt wieder meinen Hals und den Nacken zu küssen.
Du und Aki sehen mich erwartungsvoll an, jetzt gibt’s kein Zurück mehr, sonst kommt ihr vielleicht noch auf den Gedanken, dass etwas mit mir nicht in Ordnung ist.
„Lauri, geh ruhig... wir bleiben noch ne Weile hier ich komm erst so um zwei nach, ok?“
Ich nicke stumm und nehme Sinas Hand, führe sie durch den Club nach draussen.
Von dort aus sind es nur noch wenige Meter bis zum Hotel.
Doch ich wünschte mir, der Weg würde sich länger ziehen, um das herauszuzögern, was ich eigentlich nicht will, aber nicht mehr ändern kann.
Es ist meine eigene Schuld, ich hätte sie ja abwimmeln können, oder gar nicht erst mit kommen, aber ich lass mich ja immer zu leicht überreden.

Chapter 4

Sina drückt mich nieder, in die Kissen des großen französischen Hotelbettes.
Küsst mich stürmisch, fordernd und ich kann einfach nicht darauf eingehen.
Lauri, verdammt noch mal, reiß dich zusammen!
Du bist ein Kerl und jetzt tu verdammt noch mal, was von dir erwartet wird!
Ich packe ihre Schultern und wende das Blatt, liege jetzt über ihr und bedecke ihren Hals mit Küssen, die eigentlich alle für dich bestimmt sind.
Sie stöhnt leise, kaum hörbar auf, als ich beginne ihre Bluse zu öffnen.
Sie hat eine wunderschöne Silhouette, sie ist eigentlich wirklich atemberaubend.
Meine Finger kreisen vorsichtig um ihren Bauchnabel, ihre elfenbeingleiche Haut wird von Gänsehaut geflutet.
Ich habe das schon so oft getan, unzählige Male bin ich mit einem dieser Mädchen auf einem Zimmer verschwunden und gab sie immer erst dann frei, wenn ich bekommen hatte, was ich wollte.
Ich wusste was ich wollte und weiß es auch jetzt noch.
„Lauri...“, sie beginnt meinen Hals zu küssen und geht tiefer, schiebt dann ihre Hände unter mein Shirt und zieht leicht daran, ich habe verstanden.
Kurz lasse ich von ihr ab um es mir auszuziehen, ihre Hände beginnen über meine Brust zu streichen.
Wieso kann sich das nur nicht mehr so gut wie früher anfühlen?
Innerlich bin ich total angespannt, habe eine gewisse Angst, eine Angst, die vermutlich jedem Mann nicht unbedingt fremd ist.
Was ist, wenn ich nicht kann?
Wenn der Kopf will, doch der Körper nicht?
Wie soll ich ihr das dann erklären?
„Lauri... du bist so verkrampft. Lass mich dir helfen.“, ehe ich auf ihr Angebot reagieren kann drückt sie mich zur Seite, willenlos lasse ich mich fallen.
Sina beginnt meine Hose zu öffnen, erst den Gürtel, die Knöpfe, dann den Reißverschluss und Gott sei Dank, es lässt mich nicht kalt.
So dankbar war ich glaube ich schon lange nicht mehr, dieses Gefühl spüren zu dürfen. Ich habe es also nicht verlernt...
Nicht verlernt, obwohl ich mich neu orientiert habe.
Erleichtert lasse ich den Kopf in die Kissen sinken und schließe die Augen.
Doch ich will nicht, dass sie das tut, nicht mit mir.
„Sina... lass das. Bitte, das brauchst du nich tun.“, ich nehme ihre Hand und ziehe sie zu mir rauf, sie legt sich in meinem ausgestreckten Arm und ich kann ihr ansehen, dass sie nicht weiß, was sie nun tun soll.
Ich lächle ihr entgegen und streiche ihr eine Strähne aus dem süßen Gesicht.
„Du bist echt so komisch, wie du im Fernsehen immer rüber kommst...“, sich grinst etwas unbeholfen und ich kann mir ein leichtes Kopfschütteln nicht verkneifen,
„Wieso?“
„Das könnte ich dich auch fragen... ich meine was machst du hier?“
Etwas stutzig über ihre Frage zögere ich mit meiner Antwort.
„Siehst du, du weißt es selbst nicht. Du willst das doch gar nicht...“
„Denkst du?“, ich runzle die Stirn, sie richtet sich auf.
„Denken? Lauri, ich bin nicht blind... innerlich sträubst du dich doch voll dagegen...“
etwas mitleidig huscht ihr Blick kurz über mich, ich fühle, wie mir die Hitze ins Gesicht steigt, ich werde etwas rot, einmal schlucke ich trocken.
„Ist schon gut... ich kann dich ja zu nichts zwingen...“, wieder ihr Lächeln, das mir leicht abwertend entgegenkommet.
Ich schweige, was soll ich ihr schon sagen? Das sie recht hat und das ich das sogar nie wollte?
„Sina, ich weiß jetzt echt nicht, was ich sagen soll... ich, weißt du...“
„Schon gut, lass stecken...“, sie steht auf und zieht sich ihre Bluse wieder an, langsam und sorgfältig schließt sie alle Knöpfe.
Dann, sieht sie mich wieder an.
„Ist nicht so schlimm... und keine Angst, ich verrat’s keinem.“, sie legt ihren ausgestreckten Ziegefinger auf ihre Lippen, zwinkert und geht dann wortlos.

Chapter 5
Kann mich wieder nicht ablenken, alles dreht sich nur um dich.
Ich versuche seit zwei Stunden schon vergebnes zu schlafen, kann einfach nicht, muss immer zu an dich denken.
Aki ist immer noch nicht da, das heißt, du bist auch noch in der Bar, in der Bar bei den Mädchen.
Ich traue mich gar nicht daran zu denken, was du heute Nacht vielleicht noch tun wirst.
Vermutlich?
Nein, eher ganz sicher.
Du bist ein Draufgänger, dir kann keine, keiner widerstehen, nicht einmal ich.
Ich fühle mich seltsam, seit das mit dir angefangen hat, ist es, als stünde ich neben mir und könnte mich beobachten, wie ich dich anhimmle.
Das ist einfach abgrundtief lächerlich.
Wieso zum Teufel musstest du kommen?
Doch ich kann, darf dir nicht die Schuld daran geben, dass ich dich liebe, das wäre nicht fair, du kannst ja nichts dafür.
Lustlos drehe ich mich auf den Bauch und schalte den Fernseher an, erst zappe ich gelangweilt und unkonzentriert durch alle Kanäle, bis ich dann auf einem der vielen Musiksender hängen bleibe.
Anouk, ich kenne sie nicht, aber ich muss ja immer offen für alles Neue sein, offen für alles Neue mit dir.
Ja, das wäre schön...
Dann beginne ich mich auf den Text zu konzentrieren, irgendwie stimmt mich das alles zu sentimental...
„Lost in time I can't count the words
I said when I thought they went unheard
all of those harsh thoughts so unkind
'cos I wanted you
And now I sit here I'm all alone
so here sits a bloody mess, tears fly home
A circle of angels deep in war
'cos I wanted you
weak as I am, no tears for you
weak as I am, no tears for you
deep as I am, I'm not ones fool
weak as I am
So what am I now? I'm loves last hope
I'm all of the soft words I once owned
if I opened my heart, there'd be no space for air
'cos I wanted you...“
ja, ich will dich, bei mir, einfach dich.
Das Gefühl zu wissen, dass du zu mir gehörst und sei es nur für eine Nacht.
Bravo Herr Ylönen! Träum du ruhig weiter...klein Prinzesschen?...Aufwachen!
Lauri, du hängst viel zu sehr Dingen nach, die du nie haben wirst!
Das ist nun wirklich eine ernüchternde Erkenntnis, doch das ist die Wahrheit.
Ja, manchmal sollte ich wirklich nicht so sehr meinen Träumereien nachhängen und mich mehr auf die wirkliche Welt konzentrieren...
Die Jungs halten mich doch schon längst total abgehoben, weil ich in letzter Zeit nie bei der Sache bin... immer nur bei dir.
Ja, verdammt noch mal und schon wieder...immer nur bei dir!
Ist es ein Fluch?
Wenn ja, wie kann ein Fluch ein so angenehmes Gefühl auslösen?
Genervt, belästigt, als Opfer meiner eigenen Gedanken richte ich mich auf und gehe raus, auf den Balkon des Hotelzimmers.
Meeresblick, so schön, wie das Licht der Laternen etwas die Straße und den Strand erleuchtet, wenige Menschen schlendern noch durch die Nacht, sprechen leise miteinander.
Über was sie reden, kann ich nicht verstehen, dafür bin ich zu weit oben...
Leider, es würde bestimmt eine Ablenkung darstellen.
Ein kühler Wind kommt auf, ich beginne zu frieren und muss mich darüber wundern, was ich doch für ne Memme geworden bin.
Hier ist es immer kalt und jetzt?
Jetzt ist Sommer und ich friere wegen so einem lauen Lüftchen.
Ich weiß nicht, ich bin doch zur zeit sowieso immer hin und her gerissen.
Kalt und heißt, vernünftig und dumm, fast naiv...
Ich weiß nicht, ich habe doch alles was ich will.
Nein, ich hatte alles, was ich wollte.
Erfolg, die Musik, Frauen...ja, ich konnte, kann sie alle haben, doch ich will nicht mehr.
„Lauri? Bist du da?“, Akis Stimme dringt zu mir, ich wende mich nicht um, habe keine Lust,
„Ja, ich bin hier draussen...“
Schritte kommen näher, bis sie letztlich an meiner Seite zum Stillstand kommen.
„Wie war’s noch?“, ich wende meinen Blick nicht vom Wasser unter uns ab.
„Ganz gut...“
„Ganz gut?“, das ist jetzt nicht sein Ernst? Mehr nicht?
„Na gut...es war der Hammer! Kaum warst du... verdammt! Du würdest dir in den Arsch beißen, wenn du wüsstest, was du noch für Geschosse verpasst hast!“
„Gut möglich...“, etwas desinteressiert zucke ich mit den Schultern.
„Was geht zur Zeit mit dir? Du hast das Leben, das sie jeder Mann wünscht und nutzt es nicht aus! Ich versteh dich nicht...“
Wie denn auch? Wie soll er mich verstehen, wenn ich mich nicht mal selbst verstehe?
Aber da muss es doch mehr im Leben geben, als nur leichte Mädchen, Sex, Alkoholexzesse und Parties...
Klar, ich habe dieses Leben genossen, in allen Zügen ausgekostet, doch irgendwann ist die Luft raus.
Was hab ich noch davon?
Nichts, die Mädchen sind weg und wenn der Rausch vorbei ist, bleiben doch nur Schmerzen im Kopf und ein böses Erwachen.
„Ich bin müde... ich geh jetzt schlafen...“, gedankenverloren dränge ich mich an dem leicht irritieren Aki vorbei und schleppe mich zum Bett.
„Lauri, du brauchst echt Urlaub...“
„Gute Nacht!“, ich ziehe mir die Decke bis unter die Nase.
„Nein, das ist mein ernst, du bist irgendwie voll ausgebrannt...“
„Gute Nacht Aki!“, ich habe jetzt wirklich keinen Bock auf sein Gelaber.
Klar, er meint es gut, macht sich Sorgen um mich, seinen Freund, doch es ist mir echt egal.
Es tut mir leid, dass ich ihm nicht zu hören will, denn ich weiß worauf das hinausläuft.
Er wird mir schlussendlich nur erzählen, mit was für Frauen ich die Nacht hätte mir um die Ohren schlagen können und das die jetzt leider alle bei dir sind...ganz toll.

Chapter 6

„Hallo? Erde an Zombieschwester!“, Eero gibt mir einen leichten, nicht Bösegemeinten Tritt in den Hintern, nur um mich wieder zurück in die Halle zuholen.
Soundcheck...
Ich mache einen Fehler nach dem anderen, Aki, hinten an den Drumms liegt inzwischen fast auf dem Boden vor lachen über meine Dusseligkeit, die ich heute an den Tag lege.
Dann blicke ich erneut zu dir, du sitzt zusammen mit den anderen Bühnenarbeitern in Mitten der Halle und siehst uns zu.
Du lächelst mich einmal kurz aufmunternd an, vermutlich tue ich dir Leid.
Ja, es tut dir vielleicht leid, da du weißt, wie unangenehm mir meine eigenen Fehler sind.
Ich bin ein Perfektionist, war es schon immer, aber in letzter Zeit lasse ich mich gehen.
Ich habe schon mit dir darüber gesprochen, du hattest Verständnis, führtest es auf den ganzen Stress zurück.
Naja, wie man sieht irrst auch du dich.
Meine Stimme ist lässt nur noch erahnen, was sie einmal gewesen sein könnte.
Es ist schlimm, ernüchternd zu sehen, dass sie Spuren des Partylebens, dass ich pflegte zuführen, zum Schein noch führe, nicht ohne böse Erinnerungen an mir vorbei gezogen sind.
An manchen Tagen hatte ich trotz meiner starken Gewichtsabnahme ein richtig aufgedunsenes Gesicht, der Alkohol war schuld, ist schuld.
Auch weiß ich heute, ich hätte nich mit dem Rauchen anfangen sollen...
Hinterher ist man immer schlauer.
Fast immer, ich nicht unbedingt, ich kenne mich, ich werde voraussichtlich die selben Fehler noch einmal tun.
„Lauri?!“
Erschrocken zucke ich zusammen,
„Ja?“, ich wende mich zu Pauli um, es sieht böse aus, verständlich.
„Entweder du tust jetzt wenigstens so als läge dir was am Soundcheck, oder wir lassen es für heute sein!“
„Nein... ich reiß mich zusammen.“, ich greife nach dem Mirkophon, wickle mir aus Gewohnheit das Kabel einmal um mein rechtes Handgelenk.
Vielleicht tue ich es, weil ich Angst habe es Mic sonst zu verlieren? Ich weiß es nicht.
Etwas verlieren ist nie gut... ich bin kein guter Verlierer und das wissen alle.
Und heute Abend werde ich wieder etwas verlieren, wieso?
Tja, das frage ich mich eigentlich immer selbst.
Würde verlieren, wenn ich mich wieder mit diesen Mädchen begnüge?
Nein, nicht direkt.
Eher die Hoffnung verlieren, dich näher bei mir zu haben.
Jemals näher an dich heran zu kommen.
Aber ich muss mir eingestehen, ich habe es noch nie versucht.
Ich bin feige, ja und das weiß ich auch.
Doch ich kann damit leben, wie mit so vielem, inzwischen jedenfalls habe ich gelernt mit gewissen Dingen um zugehen.
Zwangsläufig musste ich es lernen...
Ich werde durch die beginnende Musik aus meiner so mühsam erschaffenen Gedankenwelt gerissen, bin im Hier und Jetzt und habe es geschafft meinen Einsatz nicht zu verpassen.
Das ist doch schon mal was...

Chapter 7

„Und genau das ist der Punkt meine Herren!“, du artikulierst wild mit deinen Händen in der Luft herum.
„Ihr seid Männer, Musiker und keine Püppchen!“
Ich beginne zu lachen, du bist total betrunken und die eben von dir an gesprochenen „Herren“ sind inzwischen auf drei Restposten geschrumpft.
Aki, du und ich.
Du und ich... hört sich gut an.
Ich nehme einen Zug von meiner Kippe, wir, also die Restposten sitzen noch unten in der Hotelbar, jeder vor seinem Bier.
Gedankenverloren beginne ich an der Rasierklinge um mein Handgelenk zu spielen.
Frage mich, was wohl passiert wäre, wenn sie nicht stumpf wäre...
Aber das sind nun alles nebensächliche Dinge, ich richte meinen Blick wieder zu dir.
„Leute ich mach mich jetzt auch mal vom Acker! Ist ja schon...“, er versucht an die Uhr, etwas entfernt von unserem Tisch zu sehen,
„Keine Ahnung... aber spät...also gute Nacht ihr zwei Süßen!“
„Bis Morgen...“, du klopfst ihm noch einmal auf die Schulter, ehe er geht.
„Also? Wir sind also die letzten Kämpfer?“
„Sieht so aus...“, ich zucke unbewusst mit den Schultern während du den leeren Platz, den Aki neben mir hinter lassen hat füllst.
Als du dich richtig hinsetzt, berührst du mit deinem Fuß mein Bein, ein kleiner, aber für mich deutlich spürbarere Stromschlag fährt durch meinen Körper.
„Lauri, kann ich dich mal was fragen?“, eindringlich und bittend schaust du mich an, mir wird heiß.
„J...j... ja klar...immer doch.“, ich nehme hastig einen Zug von meiner Zigarette, du kommst mit deinem Gesicht dem meinen immer näher,
„Hast du’s schon mal mit zwei Frauen gemacht?“, du hast nur geflüstert und entfernst dich nun wieder von mir.
Was hatte ich denn erwartet, was du tun würdest? Mich küssen?
Etwas erleichtert blase ich den Rauch aus, denke kurz nach.
Denke tatsächlich über deine Frage nach, habe ich schon einmal? Wollte ich denn?
Du beobachtest mich dabei, ich kann fühlen, wie dein Blick auf mir, meinen Lippen ruht, bis ich dir antworten werde, wirst du ihn ach nicht von mir nehmen.
„Wieso fragst du?“, ich ziehe eine Augenbraue hoch.
„Du weichst meiner Frage aus...“, du grinst wohlwissend, du kennst meine Antwort, du kannst mich richtig einschätzen.
Ich nicke mit einem Schmunzeln im Gesicht, denn ich kann mir denken, was jetzt kommt.
„Wie war’s?“, du drehst dich gespannt zu mir.
Ich komme mir vor, wie dein Mentor, aber was soll ich dir schon beibringen?
„Weiß nicht...“
„Würdest du es wieder tun?“, du umklammerst das Bier fest mit deiner Hand, nimmst einen Schluck daraus.
„Wohl eher nicht...“
„Keine gute Erfahrung?“, auf einmal wirkst du besorgt, du siehst mich fragend, fordernd nach einer Antwort an.
Doch klar, bis vor zwei Wochen hätte ich es auf jeden Fall wieder getan...vielleicht sogar mit drei Frauen...
Doch wegen dir nicht mehr.
„Nicht direkt... ich würd’s nur eben nicht wieder tun.“
„Verstehe...“
Ich glaube nicht, dass du das wirklich verstehst. Aber gut...
„Wieso fragst du?“, ich weiche mit meinem Blick von dir ab, starre dem blauen Dunst nach, der vor meiner Nase tanzt.
„Weiß nicht...“
„Nicht? Dann hättest du nicht fragen brauchen...also? Wieso?“
„Naja, man sollte doch für alles offen sein, oder?“, aus dem Augenwinkel kann ich sehen, wie du wieder einen Schluck von deinem Bier nimmst.
„Naja... ja, für alles offen sein.“
Ja, das wäre toll, wenn du für alles offen wärst.
„Weißt du, das Leben ist doch eigentlich zu schade es mit immer dem gleichen Scheiß zu vergeuden, oder? Ja, witzig... wem sag ich das!“, du schlägst dir selbst mit der Handfläche gegen die Stirn.
Hm, ja, wem sagst du das? Ausgerechnet mir, dem, der zur Zeit Dinge denkt, die er noch bis vor n paar Wochen für undenkbar gehalten hat.
„Naja, also ich denke doch... das Leben ist zu kurz... man sollte alles mal getan haben.“, wieder sehe ich dich an, du grinst zufrieden, wieso nur?
Stellt dich meine Antwort so zufrieden?
Kann das sein?
„Ich bewundere dich wirklich.“, du klopfst mir loben auf die Schulter, ich zucke ungewollt zusammen.
„Warum denn das bitte?“
„Du hast so ein tolles Leben. Kannst dir nehmen, was du brauchst, was du willst.“
„Denkst du... ich bin von so einigen Dinge so weit entfernt, ich werde sie nie erreichen.“
„Sei doch mal nicht immer so n Schwarzdenker, weißt du...“, du unterbrichst deinen Satz, beginnst laut los zu lachen.
„Schwarzdenker... schau dich an...“
auch ich kann mein Lachen nicht unterdrücken.
Wenn du lachst, es ist wie ne ansteckende Krankheit, oder aber der Fluch, so wunderbar.
„Naja, also sie doch nicht immer so ein Pessimist... ja, das war jetzt besser... also, du hast doch bis jetzt auf nichts verzichten müssen, also, du wirst sehen, du kannst alles erreichen!“, du hebst kampfbereit unter ständigem Lachen deine geballte Faust in die Luft und ich kann nicht anders, ergreife sie.
Irritiert siehst du mich an, ich lasse aus Reflex einen Kampfschrei los und du verstehst und lachst wieder.
Meine Hand kann die deine nicht so ganz umfassen, du bist eher groß geraten, so auch deine Hände.
Und wie gerne würde ich sie jetzt küssen, dich küssen.
Ich möchte wissen, wie du dich anfühlst, ob sich meine Erwartungen wohl erfüllen würden?
Wohl eher nicht, denn ich weiß eigentlich nicht einmal ansatzweise, wie ich mir dies vorstelle.
„Ähm...Lauri?“
„Ja?“, ich schüttle kurz meinen Kopf, um wieder einen klaren Gedanken fassen zu können.
„Meine Hand...“, du deutest mit deinem Kopf zu deiner Faust, die ich immer noch fest umklammert halte, ruckartig ziehe ich meine Hand zurück und spüre, wie mir die Hitze ins Gesicht steigt.
„Manchmal sollte ich mir echt Sorgen um dich machen...“, du schmunzelst und tätschelst mir mitleidig über den Kopf, jeder andere hätte dafür eine drauf bekommen, wegen meinen Haaren, aber du...nicht.
„Wieso tust du’s dann nicht?“
„Mir Sorgen machen?“, du runzelst ungläubig die Stirn,
„Sehe ich so aus, wie deine Mama?“
„Ne, Gott sei dank nicht...“
„Eben... was machen wir jetzt, nach dieser Erleuchtung?“
wenn ich dir jetzt die ehrlich Antwort darauf geben würde, würdest du mich endgültig als schrägen Vogel anschreiben.
Ich find es immer so süß, wenn du dich über meinen „Kopfschmuck“ amüsieren kannst, deine Witze sind nicht böse gemeint, nur ehrlich.
Deine Ehrlichkeit kann ich ertragen, besser als die von zum Beispiel Aki.
Klar, Akis Späße können ganz unterhaltsam sein, aber sie sind meist sexistisch und nach ner Weile nur noch nervend...
Er liebt es einfach sich über irgendwelche „Bräute“ zu unterhalten und darüber zu fantasieren, was man mit ihnen so alles machen kann.
Aber du, nein, dein Humor ist wesentlich erträglicher...
„Weißt du, was wir hier auf alle Fälle noch tun müssen?“
Ich schüttle stumm den Kopf und drücke dann meine Kippe im Aschenbecher vor mir aus.
„Zum Strand! Der ist doch grade um die Ecke, oder?“
„Ja, aber was willst du da? Ist doch n bisschen kalt zum Baden, oder?“, ich runzle die Stirn und du siehst mich mit deinen fast schwarzen Augen etwas enttäuscht an.
„Naja, einfach so mal runter, morgen, mit den anderen...was saufen, oder so...“, du zuckst ratlos mit den Schulter und ich denke nur, wie gerne ich alleine mit dir am Strand wäre...
ich würde sogar mit dir schwimmen gehen, obwohl ich ja eher der wasserscheue Typ bin, zu mal kurze Hosen ja nun mal gar nicht mein Ding sind...
„Doch, da gibt’s nix, das machen wir morgen... ich organisier das schon...“, mit einem Mal erhebst du dich, irritiert folgt dir mein Blick.
„Lauri, du schaust wie n Leichenwagen... ich dachte wir wollten ins Bett?!“, du legst dein unschuldiges Lächeln auf und wieder überkommt mich der Drang nach einem Kuss von dir.
„Ja, wollten wir das?“, du antwortest auf meine Frage mit einen heftigen Nicken, wobei deine längeren, schwarzen Haare etwas ins Gesicht fallen.
„Ja, richtig...wollten wir...“, auch ich stehe nun von meinem Hocker auf und bemerke, dann letztlich auch, dass ich einige Bier in mich rein gekippt hatte.

Chapter 8

„Jetzt rennt doch nicht so!“
„Ja, verdammt! Sehen wir aus wie Hyper-Packesel?“, wir beide versuchen leicht verzweifelt den anderen noch hinter her zu kommen.
Aber jeder, jeweils einen Kasten Bier in den Händen ist das nicht so einfach...
„Ihr seid Mitte zwanzig, ich denke doch, dass man da annehmen kann, dass ihr n bisschen Kondition habt... besonders du Mr. Pretty in Black...“, Pauli dreht sich wieder nach vorne, in Richtung Meer.
„Mr. Pretty in Black?“, du runzelst die Stirn,
„Find ich gut!“, wieder ein wunderbares Lachen von dir.
Als wir auch am Strand ankommen, haben sich die anderen schon mit Handtüchern im Sand ausgebreitet und sind gerade dabei ein kleines Lagerfeuer zu machen.
Erschöpft lasse ich den Bierkasten zu Boden sinken und setzte mich darauf.
Es ist erschrecken zu sehen, wie sehr meine Kondition in letzter Zeit immer drastischer abnimmt.
Ich kann es mir nicht erklären.
Nein, falsch, ich will es mir nicht erklären, kenne die Tatsachen, leider bin ich mir ihnen bewusst.
Und leider versuche ich die Fakten immer wieder im Alkohol zu ertränken, vergebens.
Ich starre zu dir rüber, die sitzt neben Pauli schnürst dir gerade fluchend deine Wandenhohen Chucks auf.
Sie sind schon ziemlich mitgenommen, schmutzig und verwaschen.
Du hast mir mal erklärt, wie wichtig dir diese Schuhe sind, du liebst sie...
Und ich? Was habe ich noch, das ich liebe könnte?
Alles ist gegangen, oder ich habe es mir selbst entrissen, durch meinen stetigen Egoismus, mit der Überzeugung ich könnte alles, der Überzeugung, mir könnte nichts etwas anhaben, oh, wie habe ich mich geirrt.
Und nun, nun ist die einzige Liebe, die ich noch habe, ein Verlangen nach dir.
Gelassen pfefferst du den zweiten Schuh zur Seite und stehst auf, alle blicken nun zu dir auf, du beginnst du grinsen,
„Also, ich weiß ja nicht, was ihr hier tun wollt, aber ich gehe schwimmen!“, hastig, ziehst du dir dein Shirt über den Kopf, bei jeder Bewegung, spannen dich die Muskeln an deinem nahe zu perfekten Körper an.
Dann öffnest du deine Hose und sie folgt dem gleichen Weg, wie deine Schuhe und das Shirt, in den Sand.
Du bist ein Traum.
Traum und Alptraum zu gleich.
Dein verschmitztes Grinsen weicht nicht, erst als sich auch Aki und Jyrki erheben und es dir lachend gleich tun wirst du ernster, siehst mich an,
„Was los, oh du großer Vogel des Wahnsinns? Kommst du nicht mit?“
„Ne, ich hab’s nicht so mit Wasser... schon gar nicht, wenn Fische und so n Kram drin sind.“, ich winke dich mit meiner Hand ab.
Nun fällt mir auf, dass ich die ganze Zeit in den Sand starre, ich kann dich nicht an sehen, nicht, wenn du so vor mir stehst, ich habe Angst vor der Reaktion meines Körpers.
Und alleine die Vorstellung daran lässt in mir eine unerträgliche Hitze wachsen.
„Du bist ernsthaft so ne Memme? Komm schon, lass uns nicht hängen...“, und dein Blick, der mich trifft, als ich doch zu dir aufsehe, er fleht mich an, ich will widerstehen.
Versuche es wirklich, doch es geht nicht.
Zögern erhebe ich mich, ziehe mir etwas beschämt mein Tanktop aus.
Ich weiß, ich bin abgemagert und jetzt sehen es alle.
Vermutlich reden die Fans auch darüber, klar, ich verkoche fast bei den Gigs, doch die Blöße vor den Fans will und werde ich mir nicht geben.
Mein Stolz verbietet es mir.
Kritisch sieht mich Eero an, es ist, als könne ich seine Gedanken lesen und es tut weh.
Na gut, man könnte sagen, ich habe es verdient, sicherlich stimmt das auch, aber nicht vor dir.
Vor dir wünschte ich, ich könnte wie früher sein.
Früher schien alles einfach und simpel, nicht so filigran und so erdrückend wie heute.
„Mach hinne!“, Aki deutet mit dem Kopf aufs Meer, auf das du langsam zu gehst.
Die Sonne wirft deinen langen Schatten über den Strand.
Ich wünschte ich könnte ihm verschwinden, ich hasste es, im Schatten von anderen Menschen zu stehen, meine viel zu großer Ehrgeiz trieb mich aus dem Dunkeln.
Doch heute treibt mich die Ernüchterung zurück, dort hin, wo alles begonnen hat.
Bei einer Leidenschaft, könnte ich sie bei dir wieder finden?
Würdest du mir überhaupt die Chance dazu geben, sie bei dir zu suchen?
Mit einem kaum hörbaren Klirren schlägt mein Patronengürtel gegen einer der Bierkästen, als ich ihn zu Boden fallen lasse.
Schweren Herzens netledige ich mich noch meiner Hose.
Und so, in Boxershorts gehen wir zum Wasser, hinter dir her.
Die kühlen Wellen umspielen meine Fußfesseln, als ich dich sehe, durchfährt mich ein Schauer, wie du dich kopfüber in die Wellen stürzt.
Ich sehe an mir herunter, alle meine Härchen haben sich aufgestellt, Gänsehaut, überall.
Ich hasse Wasser, jedenfalls in diesen Dimensionen.
„Muss man dich erst einladen?“, ehe ich auf Akis Lachen reagieren kann, hat er mich gepackt und stürmt auf dich zu.
Egal wie ich mich drehe und wende, ich kann mich nicht aus seiner Umklammerung befreien und so werde ich unsanft in das salzige Nass gedrückt.
Das Wasser schlägt über Aki und mir zusammen.
Meine Luft bleibt weg und meine Augen brennen.
Hustend tauche ich wieder auf, nur, um gleich wieder unter getunkt zu werden.
Als ich wieder an die Oberfläche tauche, sehe ich in dein lachendes Gesicht.
„Na? Lebst du noch, oder wirst du die schwärzeste Wasserleiche der Welt?“
„Einigen wir uns auf die Wasserleich, ja?“
Du nickst mir energisch entgegen, und streichst dir dann wieder, wie so oft deine Haare aus der Stirn und wischst dir einige Tropfen aus dem Gesicht.
Doch an deinem Kinn rinnen immer noch unzählige herunter und wie in Zeitlupe schlagen sie auf der Wasseroberfläche auf.
„Du frierst ja voll!“, du deutest auf meine Brust, ich sehe an mir herunter, wieder diese Gänsehaut.
Manchmal erschreckt mich deine kindliche Direktheit richtig, dann fühle ich mich alt und ausgebrannt, dabei trennen und nur drei Jahre.
„Ja, ja, mit ist kalt...ähm...ich geh mal lieber wieder raus.“, ich quäle mich zu einem Lächeln, wie so oft in letzter Zeit, stellt lächeln eine Qual da.
Ich kämpfe mich gegen die Wellen an, zurück zum Strand, der weg scheint mir endlos und anstrengend.
Zwei äußerst bekannte Eindrücke, jedenfalls zur Zeit.
Endlose Fragen, anstrengende Nächte.
An meinen nassen Füßen bleibt der Sand hängen und ich hinter lasse noch eine kleine Wasserspur hinter mir.
„Wie? Ist die Wasserratte schon fertig mit schwimmen?“, Pauli lacht einmal herzhaft auf und widmet sich dann wieder seinem Bier.
„Lauri, du siehst nicht gut aus... geht’s dir nicht gut?“, Eero runzelt die Stirn, wieso fragt er? Er kennt meine Antwort ja doch, mir geht es beschissen.
„Ne, alles ist bestens!“, etwas entrüstet über meine Lüge greife ich mein Tanktop und ziehe es mir über den Kopf.
Es ist als schützen mich meine Klamotten vor Angriffen in Form von der Wahrheit, wenn ich mich nur gut genug verstecke.
Manchmal, nein, immer, fühle ich mich ziemlich naiv.
Ich will gar nicht wissen, was die anderen über mich denken.
Was bin ich wohl für sie?
Ein schwarzer Spinner?
Magersüchtiger Sänger?
Ausgebrannter Freak?
Vorbild?
Nein, Lauri, hör auf zu träumen, das war einmal...
Einmal vor einer mir wie eine Ewigkeit erscheinenden Zeit.
„Hier...“, ich wende mich um, Aki drückt mir ne Flasche Bier in die Hand, na dann mal Prost...
Ich nicke Pauli zu, der gerade mit dem Flaschenöffner einen kleiner Kampf führt...
Er wird verlieren...
Unbeholfen grinse ich in mich hinein.
Unbeholfen schütte ich dann auch den Rest des Bieres in mich hinein.
Ja, Bier, Alkohol, wie immer...

Chapter 9

„Also ich finde, es la-hangweilig...“, du gähnst quer über das kleine Feuer in der Mitte unseres Kreises.
„Ja, so der Renner ist das auch nicht... wir wärs mit nem Spielchen?“, toll, Akis Standartsatz, wenn es um Nachtaktivitäten geht.
„Was schlägst du vor?“, ich runzle desinteressiert die Stirn und nehme noch einen Schluck Wodka, ich schmecke es eigentlich schon gar nicht mehr, geht runter wie Wasser.
„Wahrheit oder Tat!“, Aki klatsch sich selbst lobend auf die Schulter.
„Das ist ne Schnapsidee...“, Pauli schüttelt den Kopf.
„Ja, davon kannst du ausgehen!“, er nimmt sich die Wodkaflasche zur Hand und drückt sie liebe voll gegen seine Brust.
„Ach, kommt schon, das könnte doch echt witzig werden...“, etwas erschrocken blicke ich dich an.
War das jetzt dein Ernst?
„Ja, why not?“, auch Jyrki nickt zustammend.
Super, wenn sich mal wieder alle einige sind...klasse.
„Ich fang an!“
„Ne, ne, Janosch, Alter vor Schönheit... Lauri, du fängst an...“
„Ich will aber nicht... Janosch kann ruhig machen...“, ich nicke dir aufmunternd zu.
Doch was soll mir dein Blick nun sagen?
Du durchlöcherst mich, unbewusst?
Ja, du tust alles unbewusst und jede Sekunde, die du mich anblickst kommt mir wie eine Ewigkeit vor.
Manchmal kommt es mir so vor, als würden Welten uns trennen, du in deiner kleinen heilen Welt, mit rosa Wölkchen und ich hier, die Bühne, auf dem Serviertablett der Gesellschaft mit einem Druck in der Brust, der mich schier zerspringen lässt.
Und keiner bemerkt es, will es bemerken.
Solange ich nur singe und einen auf böse mache sind sie zufrieden.
Sie, die Menschen, die ja nur das Beste für mich wollen.
Ich schaue auf, Eero, er sitzt da, wie ein Fels in der Brandung, er starrt mich an und ich weiß, was er denkt.
Als sich unsere Blicke treffen grinse ich.
Ich denke dass ich dies tue, weil ich weiß, was ich schon alles getrunken habe.
Eero schüttelt den Kopf, wirft seinen Blick wieder etwas sehnsüchtig aufs Meer.
Er vermisst seine Frau.
Ich würde meine Frau auch vermissen.
Die anderen lachen sich schon darüber kaputt, wie Pauli verzweifelt versucht auf einem Bein „time to say goodbye“ zu singen.
Ich nicht, ich bin betrunken, doch zum lachen motiviert mich das schon seit längerer Zeit nicht mehr.
Schade eigentlich...
War immer sehr lustig gewesen...
Es ist einfach scheiße, wenn einem das Lachen vergeht und man egal, was man tut, es nicht zurück kommt.
Ich frage mich, ob Alkohol einen Sinn hat, wenn er nicht die Laune heben kann.
Manchmal, wenn mir Fans Fotos unter die Nase halten, damit ich darauf unterschreiben kann, erschrecke ich über den Anblick.
So sehe ich aus.
Kayal, total verschmiert, eingefallene Wangen, totenblass und glasige Augen.
Sie wissen es alle.
Ich selbst bin machtlos dagegen, die Leute sind nicht blind.
Doch ich stelle mich blind, will nicht wirklich erwachen um die Wahrheit zu sehen.
Und in Mitten meiner gefakten Welt stehst du.
Momentan dreht sich alles um dich.
Ich sehe auf zu dir, du legst gerade lachend einen kleinen Walzer mit Jyrki über den Sand, bis ihr beide zu Fall kommt, dann sieht mit Aki ernst an,
„Lauri, ich finde ja, jeder sollte mal das Vergnügen haben...“, er sieht versaut zu Eero, dann zu Janosch und ich weiß jetzt kommt...
„Dich mal zu küssen...“
Ein Stich, Schmerzen in der Brust und keine Luft, die zum Atmen bleibt.
„Nein, kannst du vergessen...“, du schüttelst energisch den Kopf.
„Ne, keinen Rückzieher machen, meine Herren, wenn ihr schon mitmacht, dann aber auch richtig!“, Aki erhebt sich, krallt sich deine Hand und zieht dich von Jyrki runter, schiebt dich auf mich zu, mein Herz...
Oh Gott, Herz, wenn du nur jetzt auf mich hören würdest, dass wäre toll:
Bitte bleib stehen und lass mich tot umfallen...
Wieder diese elendige Hitze, sie frisst sich unaufhaltsam in mir hoch, steigt in meinen Kopf.
„Ich sag’s dir aber, wehe du beißt mich...“, du wirfst mir einen vorwurfvollen, ermahnenden Blick zu.
Du rückst näher an mich heran.
Alle um uns werden still, das Lachen der anderen verstummt, bis nur noch das Knistern des Feuers zu hören ist.
Und ich kann mein herz hören.
Mein verdammtest Herz, das immer noch schlägt.
„Augen zu und durch...“, du schließt deine Augen, kommst mir näher.
Sagt mir mal bitte einer, was ich hier mache?
Ich spiele ein Spiel für pubertierende Kinder und bin kurz davor dich zu küssen.
Du bist betrunken und ich wäre es gerne.
Vielleicht bin ich es auch, doch ich merke es nicht.
Nicht mehr.
Aus Reflex schließen sich meine Augen, ich lege meine Hand in deinen Nacken, ziehe dich an mich heran und als sich unsere Lippen treffen, brennt es wie Feuer.
Plötzlich, überraschend für mich, öffnest du deinen Mund, ehe ich reagieren kann, streicht deine Zunge langsam über meine Lippen.
Mir stockt der Atem.
Was tust du da?
Der Druck gegen mich verstärkt sich, deine Brust gegen meine, heiß, Feuer, ich verbrenne.
Kann meinen Mund nicht öffnen, will, bin gelähmt.
Du legst deine Hände um mich, Erlösung, mir schwindelt, doch meine Lähmung schwindet.
Unsere Zungen berühren sich, vorsichtig, ungewohnt und doch so vertraut, für mich.
Die Zeit?
Längst zum Stillstand gekommen.
Die anderen?
Allesamt verschwunden.
Die Welt? Scheint heil, dreht sich nicht mehr.
Oder doch, dreht sich... nur um dich.
Ich kann nicht mehr, wild, Flammen, ungezügelt und frei.
Ich lege meine Hand gegen deine Brust, du erdrückst mich, ich stoße dich von mir ab.
Wollte das nicht, konnte aber nicht mehr.
Ich sehe dich erschrocken an.
Bin erschrocken.
Erschrocken darüber, was du getan hast, was ich getan habe.
Bin erschrocken, wer ich wirklich bin und wer du zu sein scheinst.
Total entspannt lehnst du dich zurück und ich?
Ich kann noch nicht einmal meinen eigenen Atem wieder erreichen.
„Na, ihr geht aber ran...“, ich schaue zu Pauli, der sich etwas geschockt über die Augen reibt.
„Du kannst gut küssen...“, du leckst dir lasziv über die Lippen.
Wieso tust du das?
Alkohol?
Oder hast du mich längst durchschaut?
Weißt du, wie viel dieser Kuss in mir aufgewühlt hat?
Bist du dir etwa über deine Macht, die du über mich hast bewusst?
Weißt du, dass mit dir alles steht und fällt?
Ich streiche mir immer noch fassungslos über die Lippen, die eben noch im Himmel waren.
Ruckartig stehe ich auf, alle Blicke fixieren sich auf mir.
„Ich geh zurück ins Hotel...“, schon greife ich nach meinem Rucksack und ziehe mir die Träger über die Schultern hoch.
„Ich komme mit...bin schon ziemlich müde.“
Entsetzt sehe ich dich an.
Wieso zum Teufel willst du mit?
Ich möchte gerne alleine sein, wieso verhinderst du das?
Ich möchte, muss meine Gedanken ordnen und mir klar werden, was der Druck in meiner Brust zu bedeuten hat.
Aber gut, ich kann dich ja doch nicht davon abhalten, denn schon ziehst du mich an meinem Rucksack hinter dir her.
Ich kann den anderen nur noch zu winken.
Schweigen kämpfen wir uns durch den Sand, kein Wort kommt über deine sanften Lippen.
Wie ich mich doch immer gefragt habe, was es für ein Gefühl wäre, dich zu küssen.
Und es war, wie ich es erwartet hatte, unerwartet und beängstigend.
Beängstigend fesselnd und erdrückend, fordernd und bändigend.
Du hast mich bebändigt und doch fühle ich mich frei.
Das Ernüchternde ist, dass man erst weiß, wie weh Liebe tut, wenn sie das Herz bereits wund gerieben hat.
Und ich brauche dich, um diese Liebe zu ertragen, denn alleine kann ich das nicht.
Du siehst zu mir, sagst vor erst nichts, beobachtest mich.
Unsicher?
Ich auf jeden Fall, aber du?
Du, siehst wie immer, selbstsicher und überzeugt aus.
„Lauri?“, ich möchte in dem Klang deiner Stimme ertrinken, untergehen und nicht mehr auftauchen.
Aus dieser Welt schwinden, in dir, mich auflösen, erlöst sein, von dem Druck, der von allen Seiten auf mich eindrückt und mich in die Ecke drängt.
„Hmm?“, ich kann dich nicht ansehen.
„Das vorhin war mein Ernst...“
„Was?“, ich schlucke einmal trocken und schaffe es dann doch dir in die Augen zu sehen.
„Naja, ich bin ja nicht schwul oder so was...jedenfalls hoffe ich das mal...“, du lachst.
Du lachst über dich selbst, über deine Worte.
Ich jedoch nehme dich ernst.
„Aber du kannst echt gut küssen...“, verlege fährst du dir mit deiner Hand durch das zerzauste Haar.
„Danke...“
„Passt schon...“
Ja, so ein Satz kann nur von dir kommen.
„OK, pass mal auf...“, du bleibst stehen, siehst mich eindringlich ein.
„Also, du erinnerst dich noch an unser Gespräch in der Hotelbar?“
Ich nicke mit dem Kopf, natürlich erinnere ich mich noch daran, wie könnte ich auch nur eines deiner Worte vergessen?
„Wir waren uns doch einig, dass man für alles offen sein sollte, oder?“
„Ja...ja, das waren wir...“
Bitte, bitte, bring mich jetzt nicht in Verlegenheit... bitte tu mir das nicht an.
„Weißt du... also, ich meine, alles mal ausprobieren und so, ja?“
„Ja?“, mir wird heiß.
Ahne ich, was du jetzt von mir willst?
Schwindel, Angst und Ungewissheit.
Ich warte deine Frage, deine Forderung oder vielleicht auch deine Bitte ab.
Und die Zeit, bis du wieder Luft holst, um wieder Worte klingen zu lassen, zieht sich endlos und deine Augen haften unabwendbar auf mir.
Von weiter weg dringt noch das Lachen der Jungs zu uns, aber kaum hörbar.
„Lauri, ich weiß, dass klingt jetzt komisch und...ich halte mich selbst für verrückt, aber...“, du stoppst, schließt kurz die Augen, hälst Inne, während du nun deine Hände in den Hosentaschen deiner Baggys vergräbst.
„Ok...nein, vergiss es, das ist einfach zu absurd...“, ein Kopfschütteln von dir, du willst schon weiter gehen.
„Nein, sag’s mir. Frag mich!“, fordernd war meine Stimme erklungen und überrascht stockt mir der Atem.
„Weißt du, ich hab schon viele verrückte Dinge getan und... naja... also, mit einem Mann...“
„Schlafen?“, ich bin erschrocken über meine Forschheit, meine Ehrlichkeit.
Du nickst stumm, habe ich es etwas geschafft dich zu verunsichern, dich in Verlegenheit gebracht?
„Vielleicht bin ich neugierig oder einfach nur besoffen, aber....“, zu Ende sprechen will ich dich nicht lassen, presse meine Lippen auf deine, bringe dich zum Schweigen.
Wieder heiß, wieder Feuer.
Janosch, bitte verbrenn mich...
Ich kann nicht von dir ablassen, will und kann einfach nicht, drücke mich gegen dich.
Du fügst dich mir, bin ich es nun der dich erdrückt?
Wieder bei Sinnen löse ich mich von dir, erschrocken siehst du mich an.
„Ok...“, du streichst dir über dein leicht gerötetes Gesicht, alleine diese Geste...
ich will dich.
Und du hast es mir erlaubt, du hast dich mir angeboten, wie es schon tausende Male zuvor die Mädchen getan haben.
Doch dies mal wirft es mich aus der Bahn.
Ich würde alles für dich opfern, für ein gefrorenes Herz ohne Schmerz und Zweifel und eine brennende Seele.
Würde alles aufgeben, um dich zu lieben und sei es nur für eine Nacht.
Eine Nacht ohne Reue für dich und ohne Schmerzen für mich.
1. Ich hasse, dass mein Verlangen nach dir größer ist, als mein Verstand.
„Fein, dann... was jetzt?“, oh Gott, du, du und deine unterschwellig laszive Art.
Wieder frisst sich in mir die Frage hoch, ob du alles weißt, ob du dir bewusst bist, dass jede deiner Bewegungen meinen Verstand schwinden lässt.
Fragend haftet dein Blick auf mir.
Wieso fragst du mich?
Sehe ich so aus, als wüsste ich, was jetzt zu tun sei?
Abwarten? Anfangen?
„Zum Hotel?“, ich bringe nicht mal mehr einen ganzen Satz zu Stande.
„Ja, lass uns zurück gehen...“ und schweigend gehen wir weiter.
Was nun?
Was wird im Hotel sein? Was soll dort passieren?
Wirst du es bereuen?

Chapter 10

„Lauri, ich meine, wann? Oder wie?“, du runzelst die Stirn, deine schwarzen Augen weiten sich ein wenig und ich habe keine Antwort.
Soll ich ehrlich sein?
Hier.
Jetzt.
Am besten Sofort, noch im Fahrstuhl, der sich gerade in die Höhe erhebt und ein seltsames Gefühl in die Beine treibt.
Ich fühle mich schwer.
„Weiß nicht...“, Schulterzucken.
Für den Bruchteil einer Sekunde überkommt mich das Verlangen nach dir, deinen unglaublichen Lippen, doch ich zwinge mich zur Beherrschung.
„Ich fühle mich komisch dabei...“, die Tür springt auf, der fünfte Stock, wir sind da.
Wohin nun?
Zu mir?
Zu dir?
Oder doch getrennte Wege gehen?
„Naja, mir geht’s nicht anders...“, ich versuche zu lächeln.
Doch es schmerzt mich, dass ich nicht einmal mehr für dich ehrlich Lachen kann.
Ich bin kalt geworden.
Zerbrochene Träume, die Welt ist wieder in sich zusammen gefallen.
Mein Lieblinsspiel ist längst das Spiel namens „Glücklichsein“ geworden.
Ich bin gut darin, alle glauben mir.
Manchmal.
„Gib mir noch ne Nacht um drüber zu schlafen, ja?“
„Natürlich...“, ich nicke.
Ich würde dir alle Zeit der Welt geben, nur um dich glücklich zu machen.
Glücklich, wie ich nicht wieder sein kann.
Getrennte Wege.
Zwei Türen knallen, fallen laut ins Schloss.
Ich lasse mich niedersinken, falle in mein Bett.
Ich vergrabe, wie vor Scheinwerfern oder Kameras mein Gesicht im Kissen.
Ich zittere leicht.
Wieso tust du mir das an?
Du weiß es.
Ich weiß es einfach.
Da ist eine Gewissheit, unerklärbar für mich selbst, einschüchternd und bedrückend ernst.
Was denkst du über unsere Nacht?
Wirklich nur ein Abendteuer?
Hoffentlich.
Hoffentlich nicht.
Ich muss duschen, ja, Wasser, alles weg waschen, was es nicht weg zu waschen gibt.
Nur versuchen die Gedanken los zu werden.
Mühsam erhebe ich mich, als ich mich auf meinen Armen abstützen will, klappen sie fast unter meinem gewicht zusammen.
Ja, das habe ich manchmal, einfach schwache Momente, in denn mein Körper nicht mehr so will, wie ich.
Alles ist zu leeren Wünschen geworden.
Dinge, die ich vielleicht nicht wieder haben werde, kann.
Einfach ohne Druck im Nacken einen Song schreiben.
Schreiben, wie früher, um die Gedanken zu befreien, die mich nieder drückten.
Ohne Angst haben zu müssen, es gefällt keinem, für mich schreiben.
Oder einfach so durch Helsinki schlendern, vielleicht mit meiner Liebe an der Hand.
Man weiß wirklich immer erst, was man hatte, wenn es einem entrissen wurde.
Ich verstehe es nicht und das zieht mich runter.
Gerne würde ich jetzt trinken.
Finnischen Wodka, ich vermisse ihn.
Noch ein paar tage, dann sind wir wieder zu Hause...
Trinken, aber was bringt das schon?
Ich fühle es doch ncith mal mehr, alles ist leer und kalt.
Doch wenn ich bei dir bin, scheint es so, als gäbe es doch noch ein wenig Hoffnung.
Einfach so, mit dir ist etwas wunderbares aufgetaucht.
Ich drehe den Hahn auf, das Wasser wärmt sich langsam auf, während ich mich aus ziehe.
Die Klamotten werfe ich wie immer ungeachtet in den Raum.
Das Bad ist so klein, dass fast der gesamte Boden mit schwarz bedeckt ist.
Ich steige mit einem großen Schritt in die Duschkabine ein, das Wasser ist heiß.
Heiß, wie...
Nein, ich denke schon wieder an dich.
Verdammt.
Du bist vermutlich der beste Fluch, der je über mich ausgesprochen wurde.
Ich weiß nicht, wem ich für dich danken soll.
Gott oder doch dem Teufel.
Ich streiche mir über das Gesicht, betrachte meine Hände, so dünn und gebrechlich- geworden.
Alles ist so geworden.
Ich war mal anders.
Ein echtes Lachen, ich habe oft gelacht.
Ja, bis der Druck zu groß wurde.
Hatte Angst zu versagen, hatte Angst den Anforderungen nicht gerecht werden zu können und ja, so, wie ich war, wurde ich ihnen nicht gerecht, wurde darunter vergraben.
Suche mich bis heute noch.
Könntest du mich nicht an mein Ziel bringen?
Oder mir wenigstens dabei helfen ihm näher zu kommen?
Doch zu erst muss ich dir näher kommen.
Ich falle, drohte zu zerschmettern, doch du hast mich kurz vor dem Boden aufgefangen.
Du weiß noch nicht, was ich dir zu verdanken habe.
Jeden einzelnen Tag, alles wegen dir.
Ich wollte es eigentlich nicht mehr ertragen.
Nicht so.
Nein, ich wollte mich nicht töten, niemals.
Dazu bin ich zu feige.
Aber ausbrechen aus meinem goldenen Käfig.
Weg fliegen von allem, was mein Leben aus machte.
2. Ich hasse dich, weil du mich hier hälst.
Immer wieder wasche ich mir meine Haare, nicht bei der Sache.
Es erscheint mir paranoid und krankhaft und diesmal stoppe ich mich, ich lasse das Shampoo einfach aus meiner Hand gleiten.
Ein dumpfer Aufschlag.
Ich drehe mich um, mit dem Rücken zum Raum, face against the wall...
Wasser fließ über mein Gesicht und wieder werde ich von dem Gedanken an dich eingeholt.
Ein Schaudern durchfährt mich, alleine die Gewissheit, dass du nur ein Zimmer weiter liegst, löst dies alles in mir aus.
Ich brauche dich, ich will dich und genau dies sehe ich, wenn ich an mir herunter sehe.
Ich will dich.
Das Verlangen wohnt in mir und ist nicht bereit mich alleine zu lassen.
Ich lehne mich mit der Stirn gegen die kalte Fliesenwand.
Ich will nicht, dass mein Körper dies mit mir macht, doch die Kontrolle bleibt mir verwehrt.
Gedanken an dich, unterdrücktes Verlangen, dem vielleicht doch noch nachgegeben werden kann.
Doch noch nicht jetzt.
Mir ist heiß.
Innerlich brenne ich, obwohl ich eigentlich längst ausgebrannt bin.
Ich dachte immer, etwas Erloschenes sei unwiderrufbar verloren, doch du hast mir das Gegenteil bewiesen.
Du hast mir so einiges gezeigt und nun erwartest du von mir, dass ich dir dafür etwas gebe?
Oder soll ich etwas von dir nehmen?
Ich möchte mich in dir verlieren, mich für dich aufgeben.
Mich vergessen.
Und das Gefühl geht nicht aus meinem Körper.
Ich habe ja doch keine Wahl.
Kann mich nicht an dir auslassen, mich nicht, noch nicht, mit dir fallen lassen.
Hastig stelle ich das Wasser auf kalt, wie Eis rinnt es an mir herab.
Ich ziehe scharf die Luft ein, Kälte, überall.
Und das Gefühl schwindet so rasch, so schleichend, wie es gekommen war.

Chapter 11


“…the one I love is striking me down on my knees
the one I love drowning me in my dreams…”, ich setzte die Gitarre ab,
“Sentimentaler Scheiß…”, ich stöhne genervt auf, sehe dich an, du nickst.
„Genau!“
„Was? Ich meine... gefällt es dir nicht?“
„Doch...sehr...“, du stehst auf, ich schaue dir wehmütig nach.
Du gehst zu Jari und Pauli, die sich gerade an einem Tisch eine Pizza teilen, du nimmst dir auch ein Stück.
Siehst zu mir,
„Willst du auch was?“
Ich schüttle den Kopf, kann nicht essen.
Es schmeckt ja doch nach nichts.
Alles hat seinen Geschmack verloren, ob du ihn zurück bringen kannst, wird sich noch zeigen.
Manchmal frage ich mich, wie es wohl ist, anders als ich zu sein.
So wie du? Unbeschwert und...ich weiß nicht, frei?
Du hast den ganzen tag über kein Wort über die Sache mit uns verloren.
Wieso quälst du mich so?
Machst du das gerne, oder bist du wirklich verunsichert?
Ich kann keinen Weg finden, es zu beschreiben.
Es ist einfach so über mich gekommen, das mit dir. Und alles was ich tun kann, ist es zu verstecken, hinter einer weitern Fassade meines Lebens.
Was würdest du tun?
Was würdest du tun, wenn du es wüsstest? Weißt du es denn nicht?
Alle Schmerzen, die ich kenne, alle Gedanken, sie leiten mich zu dir.
Ich kann mit dieser Situation nicht umgehen, ich kann es nicht.
Bring mich weg.
Ich fühle mich so alleine, einsam mit meinen Gefühlen.
Meine Worte sind kalt und ich will nicht die Wahrheit sagen.
Wenn ich sie dir sagen würde, denke ich, dass du es nicht verstehen würdest.
Denn niemand versteht mich, niemals.
Ich gehe nirgends hin,
gelange nirgendwo an.
Bring mich doch bitte nur weg.
„Ylönen? Bist du eingeschlafen?“, ich drehe mich um, Aki, er lacht mich aufmunternd an.
„Ne...“, aber ich würde jetzt sehr gerne schlafen, denn wenn ich schlafe, träume, kann ich bei dir sein.
Und wieder schleicht sich mein Blick zu dir.
Du siehst so glücklich aus, lachst und machst deine Witze mit Jari.
Ihr zwei, ihr seid wirklich die besten Freunde, so, wie ich und Pauli es mal waren.
Doch seid diesem Erfolg hat sich alles verloren, in Rauch aufgelöst.
Nur weil ich ja unbedingt weiter kommen wollte.
Ich bin ein Egoist.
Pauli hatte mich gewarnt, hat gesagt, dass ich nicht damit umgehen könnte.
Er hat recht.
Ich brauche es ihm nicht zu sagen, er weiß es.
Ich erhebe mich, gehe einige Schritt, bis mich Eeros Stimme einholt,
„Wo gehst du hin?“
Wo werde ich schon hin wollen?
In die Hölle? Dort, wo ich meine Seele gelassen habe?
„Raus...rauchen.“, schon beginne ich, wie ferngesteuert nach der Kippenpackung in meiner Hosentasche zu suchen.
Meine Hand umfasst das Rechteckige Papiergebilde und zieht es hervor.
Kurz betrachte ich es andächtig.
Meine Sucht.
Eine meiner vielen Süchte.
Nach zu viel habe ich verlangt, zu viel habe ich bekommen.
Wieso klingt es so abwertend, wenn ich sage, ich bin abhängig?
Naja, vermutlich, weil es so ist.
Eigentlich möchte ich nicht mehr rauchen.
Doch es geht nicht, ich muss.
Ich bin jung, doch ich werde müde, bin es Leid und gehe verloren.
Ich möchte schreien, doch ich habe es verlernt.
Der Rauch strömt in meinen Körper.
Und wieder frage ich mich, wie es wohl wäre nicht ich sein zu müssen.
Der Qualm brennt mir in den Augen, als er vom aufkommenden Wind dort hin getrieben wird.
Ganz leicht schleicht sich ein Zittern in mir hoch.
Schwäche.
Und doch so lächerlich.
Ich würde gerne wissen, was du denkst, wenn du mich ansiehst.
Wen siehst du?
Es ist so, als würde ich jeden Tag aufs Neue Stacheldraht um meine Handgelenke, meinen Hals schnüren und zu ziehen.
Sieht das keiner? Ich verletzte mich selbst, alleine mein Leben verletzt mich schon, ich bin längst darunter begraben.
Kalt, alles ist kalt und erstarrt, ich komme nicht weiter.
Doch dann, wie von weiter weg, Wärme, auf meiner Schulter, ich drehe mich danach um.
„Was ist los mit dir?“
„Nichts...“, und wieder lüge ich ihm schamlos ins Gesicht.
„Lauri, wir sind nicht blind, wir sind deine Freunde, also? Redest du mit uns, mit mir, oder frisst du weiter alles in dich rein?“, Eero löst seine Hand von mir, sieht mich eindringlich an und ja, fast wäre ich so weit gewesen, dass alles aus mir heraus geströmt wäre.
Alles, was ich über die Jahre verdrängt und unterdrückt habe, wäre fast zum Vorschein gekommen.
„Ich komm schon klar, glaub mir.“
„Die Frage ist nur, wie lange noch?“, mit diesen Worte geht er.
Er hatte nicht zu mir durchdringen können.
Und seine Worte sind ernüchternd und erschreckend zu gleich.
Ja, wie lange noch?
Wie lange noch kann ich verdrängen ertragen und dulden?
„Eero?“, er dreht sich noch mal um, sieht mich unsicher an,
„Kannst du bitte Janosch sagen, dass ich ihn sprechen möchte?“
er nickt nur stumm und ich nehme wieder einen Zug und wieder dringt das Gift in meinen Körper ein, es ist mir egal.
Niedergeschlagen lasse ich mich auf einer der beiden Bänke neben der Halle nieder.
Lege meinen Kopf in den Nacken, schließe die Augen, drohe mich wieder in meinem elendigen Selbstmitleid zu ertränken.
Bis ich Schritte auf dem Kiesweg höre, deine Schritte.
„Du hast gesagt, ich soll kommen...“,
das hörte sich so an, als sei ich der Boss und wenn ich etwas sage, muss dem Folge geleistet werden.
Wenn es doch nur so einfach wäre.
„Ja, ich wollte mit dir sprechen...“
Stumm setzt du dich neben mich, ich muss nachdenken, ehe ich sagen, kann, was ich will.
„Hör mal, ich will dich nicht dazu zwingen...“, verwundert schlage ich die Augen auf, sehe dich an.
Du willst mich nicht zwingen? Mir schien es eher immer umgekehrt.
„Tust du nicht.“
Du nickst bestätigend, senkst deinen Blick zu Boden und ich schnippe meine Zigarette aus der Hand.
„Ich finde es einfach nur verrückt.“, du lachst kurz auf, es ist ein befreiendes Lachen.
„Ich nicht.“, nüchtern, trocken, tonlos hatte ich dies gesagt und du siehst mich unsicher an.
„Wie meinst du das?“
„Würdest du nicht verstehen...“, wie automatisch beginne ich wieder nach meiner Kippenpackung zu tasten.
„Nicht?“
„Nein.“
„Dann halt nicht, du musst es ja wissen.“
Da, das kindliche in dir, der Trotz, ich liebe ihn.
Eigentlich kann ich es mir nicht erlauben dir etwas zu verschweigen, denn du bist in Moment alles, was mich hier hält.
Doch es geht nicht.
Vielleicht würdest du mich verstehen, aber die Gefahr, dass dies nicht der Fall ist, ist zu groß und ich will dich nicht verlieren.
Ich bemerke nun, dass die schlimmste Art jemanden zu lieben die ist, wenn man neben ihm sitzt und sie doch nie erreichen kann, so, wie ich.
„Janosch?“
„Hm?“
„Heute?“, ich habe mich kaum getraut dieses einfache und doch so filigrane Wort auszusprechen.
Du nickst.

Chapter 12

Dieser verdammte Tag wollte einfach kein Ende finden, doch nun sitze ich frisch geduscht, nervös und unsicher in einem der großen Sessel.
Es ist egal, wie sehr ich mir einrede, alles würde gut gehen, etwas sagt mir, dass es nicht so sein wird.
Und dieses Gefühl ist bedrückend nahe und real.
Ich blicke auf, du kommst auf mich zu, dein Gesicht?
Zeigt keine Regung, du sieht mich nicht an, starrst auf den Boden.
„Können wir spazieren gehen?“, deine Stimme klingt so rau, was hat das zu bedeuten? Was hast du vor?
Wortlos erhebe ich mich.
Ich hatte in der Hotellobby auf dich gewartet, wir waren sogar verabredet, du hast mich warten lassen.
Ich habe mich in Unsicherheit und Angst gesuhlt während du vermutlich noch mit Jari und Aki deine Witze gerissen hast.
Niemand lässt mich warten.
Niemand, außer dir.
Und ich bin dir nicht böse.
Du hättest mich noch Stunden warten lassen können, ich hätte gewartet, mit der Hoffnung, du würdest doch noch kommen.
Naiv.
Nun gehen wir zum Strand, ich weiß es, du hast es nicht gesagt, aber dort bist du gerne.
„Ich halte das alles für ne dumme Idee...“, du kickst einen mittelgroßen Stein mit dem Fuß vor dir her.
„Was? Wieso? Ich meine...“, ich darf nichts falsches sagen.
Wieso tust du mir das an?
Sollen wir noch warten? Sollen wir uns nicht einfach gemeinsam in meinen Abgrund stürzen?
Auch, wenn ich dich nicht mit reißen will, ich würde nun gerne.
Gerne würde ich dir den Stacheldraht um meine Handgelenke zeigen, nur damit du weißt, wie sehr es mich schmerzt dich nicht Mein nennen zu dürfen.
Ich würde mich dir öffnen, mich dir hingeben und du dürftest alles mit mir machen.
Ich verspreche dir, bei mir gäbe es keinen Widerstand zu brechen.
Bin gebrochen.
„Ich denke, dass ist einfach zu komisch, gerade zwischen uns. Ich meine, wir verstehe uns doch so gut und... würde das denn nicht alles kaputt machen?“
„Ich denke nicht.“
Ich bin ehrlich und das erschreckt mich, ich bin es nicht gewohnt meinen Gedanken in Form von Worten freien Lauf zu lassen, nicht wie sonst, immer diese vorgefertigten Antworten...
„Ich weiß nicht...“, du zuckst mit den Schultern.
Und dann sehe ich den Strand, ein paar verlassene Fischerhütten zieren ihn.
Algen sind angespült worden und die Wellen brechen leise in den Sand.
„Ich fühle mich dumm, erst mach ich dir so einen Vorschlag und dann mach ich nen Rückzieher...“
Jetzt weiß ich, das alles, was ich bisher gedacht habe, war eine lebendige Lüge.
Ich sehe, dass es nur ein ziel zu erreichen gibt, du.
Es ist ein seltsames Gefühl so ehrlich mit dir zu sein und meine Ehrlichkeit erwidert zu wissen.
Es gibt keinen Grund, keine Logik, es ist einfach so.
Wenn ich könnte, würde ich mir deinen Namen in die Haut ritzen und dich für immer auf mir verewigen.
Träume.
Es ist komisch, dass ich für dich so viel empfinde, es ist das seltsamste Gefühl, dass ich kenne und liebe.
Ich kann nicht davor fliehen, selbst wenn ich es versuchen würde...
Du bedeutest mir alles.
Eigentlich müsste es für jeden ersichtlich sein, was du mir getan hast.
Du hast mein Herz genommen, nur du weißt es nicht.
Noch nicht?
Vielleicht.
Und wieder hoffentlich.
Wir schweigen uns an.
Bedrückende Stille und doch so wunderbar.
Du schaust zum Himmel auf, streckst deine Hand aus.
Regnet es?
Auch mein Blick wandert zum, mit Wolken behangenen Firmament.
Und tatsächlich, einige kühle Tropfen prallen in meinem Gesicht auf, ehe der Himmel versucht uns zu ertränken.
Du beginnst zu lachen.
Streichst dir durch das immer nasser werdende Haar und siehst mich an.
„Also zum Hotel schaffen wir es nur, klatschnass... lass uns mal schaun, ob so ne Hütte offen ist!“, und schon rennst du los.
Und ich dir willenlos hinterher.
Ich würde dir überall hin, blind folgen.
Als du eine der kleinen Hütten erreicht hast, zögerst du nicht lange und gibst der morschen Holztür einen starken Tritt.
Ein lauter Knall lässt den Strand, lässt mich aufschrecken, als die Tür gegen die Wand schlägt.
„Was los? Angewurzelt? Oder hat Pauli recht und du verlernst zu laufen?“, mit deiner Hand deutest du durch die Tür, ich leiste deiner Aufforderung Folge.
Die Hütte ist noch kleiner, als sie von außen erahnen ließ.
Nur ein kleiner Raum, mit keinerlei Inhalt, verlassen.
Ein helles Licht erhellt das bereits in Dämmerung getauchte Gebiet verwirrt sehe ich dich an, du zuckst gleichgültig mit den Schultern,
„Gewitter?“, ich sehe dich wie gebannt an, kann nich anders.
An deinem Hals rinnen kleine Regentropfen herab, du hast Gänsehaut.
Ich will sterben.
Für dich.
Nur um meinem Verlangen nach gehen zu können.
Bitte erlaube es mir.
Ein lautes Grollen über unseren Köpfen und doch dringt es nicht wirklich zu mir durch.
„Naja, dann bleiben wir eben hier, bis das Unwetter abzieht...“, du lehnst dich mit dem Rücken zur Wand und lässt dich zu Boden sinken, wobei sich dein nasses Shirt etwas nach oben schiebt.
„Ja, wird wohl besser so sein...bevor wir noch aufm Heimweg vom Blitz getroffen werden.“
„Allerdings...wäre doch schade, wenn man zwei so nette Typen wie uns gegrillt am Straßenrand finden würde, oder?“, du lachst, streichst dir deine nassen Haare aus dem Gesicht.
Nun lasse ich mich neben dir nieder, mein Ellenbogen streift deinen Arm, ein Blitz, heißer, als die von draussen durchfährt mich.
Du siehst mich an,
„Tut mir leid, falls ich dich in Verlegenheit gebracht habe...wirklich.“
„Ist schon gut...“, ich senke meinen Kopf, stütze ihn in meinen Händen ab, vergrabe mich darin.
„Kann ich dich mal was fragen?“
„Tu dir keinen Zwang an...“, ich reibe mir über die Augen und mich überkommt der Wunsch nach einer Zigarette, doch diese liegen schön gemütlich im trockenen Hotelzimmer.
Ich seufze auf, richte mein Augenmerk auf die Decke der kühlen Hütte.
„Nerve ich dich?“
„Nein, wieso solltest du?“
„Nur so...“
„Du wolltest mich was fragen...“
„Stimmt...du wirst lachen, ich hab’s vergessen...“, du lachst, belächelst dich selbst, deine Schusseligkeit.
„Das alles ist echt verwirrender, als ich angenommen hatte.“
Was soll ich dazu sagen?
Ich bin mehr als verwirrt, ich stehe neben mir und wieder sehe ich mich, wie ich dich anhimmle.
Ich würde dich so gerne zu meinem Happy End machen.
Würdest du dich dazu bereit erklären lassen es für mich zu sein?
Oder mir eines zu bauen?
Bauen aus meinen zerbrochenen Träumen und erloschenen Hoffnungen?
Und das schlimmste ist, ich habe das alles selbst zerstört.
„Ich weiß es wieder!“
„Was?“
„Na, das, was ich vergessen hatte!“, du schlägst dir mit der flachen Hand gegen die Stirn,
„Wenn du einen Wunsch freu hättest, was würdest du dir wünschen?“
„Das kann ich dir nicht sagen...“, ich schüttle den Kopf und dein Blick fixiert mich.
„Wieso nicht? Vertraust du mir nicht?“
Doch, ich vertraue dir mehr, als allen anderen und genau das ist mein Problem.
Ich vertraue dir und ich will dich nicht mit Dingen belasten, die dich von mir weg treiben könnten.
Ich halte alles zurück, was dich von mir entfernen würde.
Ich halte mich zurück.
„Es tut mir leid... ich kann’s dir nicht sagen. Mein Geheimnis...“, unbeholfen grinse ich und ich komme mir so dumm und klein vor.
„Naja, jeder braucht sein Geheimnis...“
„Du hast auch eins?“
„Klar... doch. Naja, eins von deinen Geheimnissen ist wohl noch deine echte Haarfarbe, oder?“
„Ja, das best gehütete Geheimnis Finnlands...“
„Willst du’s mir nicht verraten?“
„Was hätte ich davon?“
„Weiß nicht...“, wieder dein Schulterzucken.
Und dein Blick verändert sich.
Er wird ernster, fester und bestimmter.
Du willst eine Antwort von mir, du willst die Wahrheit wissen.
Und ich verwehre sie dir.
Nicht unbedingt freiwillig.
Ich werde starr, als ich eine Berührung auf meinem Knie fühle, sehe dir in die Augen.
Bestimmt.
Ich kann nicht reagieren, nun bin ich angewurzelt, unfähig zu handeln.
Du schiebst deine Hand hoch, stoppst und schiebst deinen Kopf näher an mich heran.
Dein Atem streicht über meinen Hals, du zögerst, worauf wartest du noch?
Du weiß es.
Du weiß alles über mich, du weiß, was mein größter Wunsch ist und nun?
Und dann legen sich deine warmen Lippen an meine Haut, erst kaum spürbar, so zart, doch verbrennst mich.
Endlich.
Deine Hände tasten nach meiner Brust, legen sich darauf nieder und drücken mich etwas gegen die Wand, während du dich auf meine ausgestreckten Beine setzt.
Dein heißer Atem wandert aufwärts und hinterlässt eine brennende Spur von Küssen.
Unsere Lippen treffen sich.
Ich weiß nicht, wie ich mich fühlen soll, kann es nicht in Worte fassen, was du in mir auslöst.
Gefühle stehen Kopf und du scheinst immer noch so gefasst, so perfekt durchdacht in allem, was du tust, was du mit mir machst.
Deine Hände streichen über den feuchten Stoff meines Pullis, schieben sich letztlich darunter und ziehen ihn nach oben.
Bereitwillig hebe mich meine Arme an und das Oberteil landet zu meiner Linken im Staub.
Es ist mir egal, dass du mich nun so siehst.
So, wie ich bin, abgemagert und nur noch ein Bruchteil von dem, was ich einst war.
Du nimmst mich auch so, vielleicht kommt dir mein Zustand, meine Verfassung ja gelegen, so hast du eindeutig die Oberhand.
Alle Macht über mich, die ich dir nur zu gerne überlasse.
Deine Finger gleiten über meine Haut, ich vergesse meinen Namen, jedoch du hauchst ihn mir an mein Ohr und deine Zunge beginnt ihren Streifzug über meinen Körper.
Nur zögernd lege ich meine Hände auf deinen warmen Rücken, traue mich fast nicht, dich zu berühren, weil du doch immer noch so weit von mir entfernt scheinst.
Kurz stütz du dich von mir ab, sieht auf mich herab, ich lasse dich, wie aus Reflex los, habe Angst etwas falsch zu machen, doch du lächelst nur.
Und reißt dir dein Shirt über den Kopf, wirfst es zu meinem Pulli, schwarz auf schwarz liegen sie nun dort.
Ich bäume mich dir entgegen, küsse deine Brust, kann dich reichen, will dich schmecken.
Unsicher öffne ich meinen Mund und lasse meine Zunge über deine Haut streichen.
Unbeschreiblich.
Ganz langsam lehnst du dich nach hinten, legst deinen Kopf in den Nacken, Augen geschlossen.
Ich wandere mit meinem Mund abwärts, bis ich deinen Bauchnabel erreicht habe.
Mit meiner Zunge tauche ich in ihn ein, dir entweicht ein leises Stöhnen und ich will mich fallen lassen.
Abrupt drängst du mich wieder zurück, mein Rücken stößt gegen die kalte Wand und deine Lippen pressen sich auf meine, während ich spüren kann, wie deine Hände sich an meinem Gürtel zu schaffen machen.
Ich schmelze unter dir weg, bin Wachs in deinen Händen und dessen bist du dir durchaus bewusst.
Der Knopf, der Reißverschluss, alles kein Hindernis für dich.
Wie gerne ich dich auch einfach machen lassen würde ich kann mich nicht zurück halten, die Beherrschung weicht der Lust.
Draussen zucken immer wieder Blitze über das Meer und erleuchten alles, doch sie können nicht das Elektrisierende zwischen uns wieder spiegeln, nichts könnte das.
Ich schiebe dich etwas zur Seite, deine Küsse stoppen mit ihrem Spiel, ich beuge mich über dich.
Dein Körper unter meinem, deine Haut an meiner.
Mein Atem auf dir und es fällt so schwer, jeder weitere Atemzug wird mühsamer hervor gebracht als der vorige.
Du raunst meinen Namen in mein Ohr und gleich darauf zeichnet deine Zunge wieder an meinem Hals ihre Meisterwerke.
Ich liebe jeder deine Bewegungen, vergöttere all dein Tun, jede deiner Handlungen, ich will sie nicht missen müssen.
Es ist schade zu wissen, dass unsere Herzen gemacht sind, um gebrochen zu werden.
Doch diese Tatsache lässt sich momentan leicht verdrängen.
Deine Hände greifen nach dem Bund meiner Hose und ziehen ihn langsam abwärts, ein Schaudern ergreift mich.
Und mit ein paar unbeholfenen Bewegungen entledige ich mich ihr ganz.
Es ist ein bisschen kühl in der Hütte, doch jeder deine Gesten erhitz mich ungemein.
Ich keuche etwas unterdrückt auf, als du mich leicht in den Hals beißt und mich wieder zum Brennen bringst.
it’s time to burn...
Ich lege mich auf dich, vorsichtig, will dich nicht einengen, oder von mir wegtreiben.
Es ist alles so neu für mich, für dich.
So ungewohnt fremdartig und so ergreifend schön.
Ich weiß nicht, wo mir der Kopf steht, vermutlich in den Wolken, bei den Blitzen und nur von Zeit zu Zeit holt mich ein Donnern zurück.
Doch ich will nicht zurück, nie wieder, will immer hier sein, mit dir zusammen, so nah.
Deine Küsse werden fordernder, lodernder vor Leidenschaft und ich kann mich dir nicht mehr entziehen.
Brauche dich.
Will dich.
Kann nicht mehr ohne dich.
Nicht jetzt.
Wieso bin ich nur so besessen von dir?
Wieso brauche ich dich mehr als alles andere, was ich habe?
Aber habe ich dich denn?
Bist du wirklich mein?
Nein, nur für jetzt.
Für diesen Moment gehörst du mir.
Nein, wieder falsch, ich gehöre dir.
Habe mir geschworen dir nie Widerstand zu leisten.
Und dies werde ich auch nicht.
Hingabe und lockende, betörende Küsse.
Immer mehr, immer hemmungsloser, bis meine Finger dich von deiner Jeans befreien wollen.
Du stoppst, deine Lippen lassen von mir ab, du siehst mich fragend an.
Habe ich etwas Falsches getan?
Ich würde dir so gerne nun etwas sagen, doch meine Stimme ist wie von dem Verlangen erstickt.
Nur irritiert kann ich deinen Blick deuten, Unsicherheit.
Wurdest du von deinem Verstand eingeholt?
Wird die Besinnung dich mir nun entreißen?
„Lauri... das ist so absurd...“, nur ein Flüstern, mehr nicht.
Und wieder deine Küsse, wieder deine Forderung nach mehr.
Und wieder werde ich mich fallen lassen.
Kann nicht anders, will mich gar nicht wehren.
Eine deiner wunderbar, warmen Hände schiebt sich in meine Boxershorts, streicht über meinen Hintern und ich verliere den Verstand.
Er ist nur noch unnützer Ballst, der mich durch Rationalität und klare Gedanken von etwas Wundervollem abhalten könnte.
Dein Zeigefinger, verbietet mir ein weiters Aufstöhnen und streicht über meine Lippen, ich öffne wie aus Reflex den Mund und taste mit meiner Zunge nach deinem Finger.
Umkreise ihn und will ihn nicht wieder frei geben, doch du entziehst ihn mir.
Streichst damit über mein Kinn, tiefer, über meinen Hals, tiefer, über meine Brust, tiefer, über meinen Bauch.
Stoppst.
Siehst mich an, ich nicke nur, kann wieder keine Worte finden, brauche sie erst gar nicht zu suchen.
Sachte, vorsichtig schiebt sich deine Hand unter den Gummibund meiner Unterwäsche, ich ziehe scharf die Luft ein, schließe die Augen und presse meine Lippen auf einander.
Fühle dich, du berührst mich, wieder ein unterdrücktes Stöhnen, ein Aufseufzen von mir und ich denke du wirst nun lächeln.
Hitze, unbändige Hitze frisst sich in mir hoch.
Schwindel, Taumel, Delirium, ein selbst auferlegter Kampf zwischen uns beiden, den ich nicht einmal gewinnen will.
Kein Widerstand.
Nicht gegen dich, nur gegen mich selbst.
Deine Berührung so unbeschreiblich, so verstandraubend und voller Intensität.
Ich suche nach dir, nach deinem Mund, als ich ihn finde, drücke ich meine Lippen auf deine, will dir einfach alles von mir geben, mich dir hingeben und dir durch das, was wir hier tun geben, wo nach du vielleicht suchst.
Auch wenn mir nicht klar ist, was das sein könnte, doch du wirst deine Gründe haben.
Unsere Zungen vereinigen sich zu einem wilden Tanz und kommen nicht zu Ruhe.
Mein Herz, es schlägt, droht mir aus der Brust zu springen.
Wenn es noch so schlagen könnte, wie früher, würde ich daran zerbrechen.
Doch dies tut es nicht mehr.
Taub.
Manchmal.
Nur heute für dich noch einmal zum Leben erweckt.

Chapter 13

Ich weiß, ich werde es dem sterbenden Schwan gleich tun und unter gehen, doch nur für heute, für dich lohnt es sich noch ein mal alles von mir zu geben.
Mir wird immer heißer, Schwindel.
Ich will mich vergessen, alle Erinnerungen verlieren und nur noch dich in meinem Sinn haben.
Ich stöhne leise auf, unter deinem Kuss lässt sich ein Lächeln erahnen.
Auch ich möchte lächeln, kann nicht mehr.
Vielleicht habe ich es verlernt, ich bin mir nicht sicher.
Ein Meer aus Emotionen bricht über mir ein, eine einsame Liebe.
Und für den Bruchteil einer Sekunde scheint der Siedepunkt so zum Greifen nah.
Du ziehst deine Hand zurück.
Befreiung.
Gefangennahme in deinen Bann.
Dein Atem über meiner Haut, wie ein kreisender Adler, auf der Suche nach Beute.
Bitte, greif endlich zu, beende das Warten, beende mein Leiden.
Nimm alles von mir.
Bitte.
Ich streiche dir durch dein Haar, so weich.
Wieder deine Hände auf meiner Brust, der Druck in mir wird mich zerreißen.
Und du weißt, dass nur du ihn dort weg nehmen kannst, oder?
Too much love will kill you
Hoffentlich.
Du schiebst mich zur Seite, mein Rücken auf dem kühlen Boden, wie eben an der Wand.
Sachte beugst du dich über mich, dein schwarzes Haar fällt mir ins Gesicht, als du beginnst es zu küssen.
Du hast ganz weiche Haut, meine Hände umfassen deinen Körper, will dich Mein nennen können, dürfen.
Ein Traum.
Deine Zunge streicht über meine Lippen, genieße alles.
Schließe meine Augen, kann jedoch deinen Blick immer noch auf mir spüren, wie er über mich huscht, nur nicht zu lange auf einem Punkt verharrt, immer in der Angst etwas zu verpassen.
Kälte.
Du hast dich erhoben.
Fragend, flehend sehe ich zu dir auf.
Wieder dein überlegenes Lächeln.
Du ziehst dir deine Hose aus, nachdem du den Gürtel geöffnet hast, rutsch sie dir geradewegs von den Hüften, die Unterwäsche folgt...
I’m going slightly mad
Ich kann dich nicht ansehen, vielleicht würde es mir dann doch vor Scham die Röte ins Gesicht treiben.
Langsam lässt du dich über mich sinken.
Du tust alles mit Grund, du willst mich fordern, herausfordern, sehen, wie lange ich dir noch wieder stehen kann.
Nicht mehr lange.
Ich ziehe dich näher an mich, deine Brust so nah auf mir, dass ich dein Herz schlagen hören kann.
Fühlst du es auch?
Vermutlich nicht.
Wir können niemals das Gleich empfinden, fühlen, alles ist anders.
Doch es tut gleichmäßig weh.
Ich kann dich fühlen, brennend, lodernd, pulsierend zwischen meinen Beinen.
Selbst durch den Stoff meiner Boxershorts bist du mir so nahe.
Ich kann keine klaren Gedanken mehr fassen, dies wäre auch nur reine Zeitverschwendung.
Mein Atem wird schneller, gleicht sich dem deinen an.
Adrenalin flutet meinen Körper und das ist alles dein Verdienst.
Wie lange schon war nicht mehr so viel Leben in mir?
Wie lange habe ich keine Momente wie diesen mehr gehabt?
Es muss eine Ewigkeit her sein.
Wieso musste ich so lange auf dich warten?
Warum bist du nicht schon früher zu mir gekommen?
Dies ist die einzige Frage, die sich noch in meinem Kopf befindet.
Und nein, dort ist doch so viel mehr.
Mehr Verlangen nach dir.
Du darfst mich nicht wieder alleine zurück lassen.
Lasse mich nicht da zurück, wo du mich gefunden hast.
Dort will ich nicht wieder hin.
Point of no return.
Deine Hand greift nach dem Gummibund, ein erneutest Luftholen von mir.
Langsam, mich immerzu mit Freude quälend, ziehst du das letzte kleine Bisschen, das uns trennt fort.
So vollkommen Dein.
Ich habe überall eine Gänsehaut und doch verkoche ich innerlich.
Was tust du mit mir?
Ich will es nicht wissen, nur erleben, mehr brauche ich nicht, um für diesen Moment glücklich zu sein.
Glücklich, was für ein unbedeutendes Wort...
Niemand würde mich verstehen, wenn ich ihm sagen würde, ich sei nicht zufrieden.
Auch du nicht.
Doch nun, ich weiß nicht, ich fühle mich nicht mehr so leer.
Etwas gänzlich kleines ist da noch in mir und du hast es wieder zum Leben erweckt.
Vergib mir, falls ich mich in dir, mit dir verlieren möchte um dieses kleine Gefühl wachsen zu lassen, um alles andere auszulöschen.
Mein ganzes Leben lang habe ich eine einzige Lüge gelebt.
Die Realität tut so weh.
Ich war nie richtig zufrieden, wie ich es hätte sein können, sein sollen.
Du hast immer gefleht.
Du fehlst.
Deine Finger streichen über meine Schulter, zeichnen die Linien meiner Tätowierung nach, küssen sie dann.
„Sehr schön...“, hauchst du mir lobend an den Hals.
Ja, sehr schön, jedoch mit Schmerzen verbunden, wie alles in meinem Leben.
Ich bin wie eine Katze in einem Beutel, die nur noch auf den Aufprall auf dem Wasser wartet, um dann zu ertrinken.
Mehr nicht.
Doch was bin ich für dich?
Bin ich für dich nur jemanden, den du haben willst, wenn er am Boden ist?
Wenn ja, bin ich für immer Dein.
Oder willst du mich nur, wenn du mich nicht haben kannst?
Ich weiß es nicht.
Unwissend.
Deine Zunge streicht über meinen Bauch, umkreist kurz meinen Bauchnabel bevor er von einem deiner unzähligen Küsse versiegelt wird.
Ich atme laut, hörbar, so laut, wie mein Herz schlägt.
Es tut weh.
Dann kommst du wieder hoch zu mir, siehst mich mit deinen schwarzen Augen an, lächelst etwas unsicher und ich kann dir nicht ein Wort entgegen bringen.
Keine Worte könnten das wieder geben, was ich dir so gerne sagen würde.
„Jetzt gibt es kein Zurück, oder?“, ich liebe jedes deiner Worte.
„Ich will nicht mehr zurück...nie wieder.“, und ehe du mir antworten kannst, presse ich meine Lippen auf deine, will nichts mehr hören.
Liebe deine Worte, hasse sie.
Und dann tust du es.
Der Moment, den ich mir so herbei gesehnt hatte, den Moment, vor dem ich wie nichts anders in der Welt weglaufen wollte.
Ich kann dich fühlen, in mir und doch Sphären über mir.
Ich bäume mich dir entgegen.
Schmerzen.
Schmerzen der Erlösung, der Leidenschaft.
Eine Leidenschaft, die Leiden schafft.
Und ich kann es nicht aufhalten.
Wieso sollte ich auch etwas stoppen, was so viel Positives in mir aufwirbelt?
Du bewegst dich schneller, es schleicht sich heran.
Ich schließe meine Augen, alles beginnt sich zu drehen und alles verschwimmt, das einzige, was mir vor meinem Inneren noch erhalten bleibt, ist dein Gesicht.
Ich kann deinen Atem hören, schwer, angestrengt, bemüht und hastig.
Die Hitze scheint unsere beiden Körper zu verbrennen.
Trotz deiner schnellen Bewegungen haben deine Küssen keineswegs an Sanftmut verloren.
Im Gegenteil.
Sie beruhigen mich, bringen mich wenigstens wieder etwas zurück in die wirkliche Welt, die ich doch eigentlich verlassen möchte.
Feet do never touch the ground

Chapter 14

Und nun liege ich hier, in meinem Bett, im Hotel.
Alleine.
Wie immer.
Alleine, bis es an meine Tür klopft, ich schrecke auf,
„Lauri? Bist du da?“
„Ja, komm rein...“, müde, noch immer erschöpft erhebe ich mich etwas, sitze nun im Bett.
„Wo warst du? Wir haben dich gesucht...“, Pauli lässt sich auf der Bettkante nieder, die Matratze gibt etwas unter seinem Gewicht nach.
„Wieso denn? Habt ihr so Sehnsucht nach mir?“, unbeholfen, unehrlich grinse ich.
„Schön, dass du wenigstens wieder n Witze machen kannst.“, kurz verstummt er, denkt nach und sieht mich dann studierend an,
„Wir machen uns echte Sorgen um dich.“
“Braucht ihr nicht, alles ist bestens...“, und ich falle immer tiefer in das Loch der Lügen, bin eigentlich schon darin verschwunden und es tut weh meine besten Freunde zu belügen.
Belügen zu müssen.
Aber was habe ich denn auch von mir erwartet?
Langsam fange ich doch an an meine Lügen zu glauben.
Ja, ich bräuchte mir nur oft genug einreden, dass das alles hier noch Sinn macht und dass es mir gut geht und ich würde es irgendwann glauben...
Pauli redet weiter auf mich ein.
Ich sehe, wie sich sein Mund bewegt, doch keine Worte sind zu hören, sie dringen nicht zu mir durch.
„Lauri, wieso habe ich das Gefühl, dass du mir nicht zu hörst?“
Vielleicht, weil es so ist?
„Pauli ich bin müde...“
„Schon verstanden, bin ja schon weg.“, missmutig erhebt er sich.
Und wieder tut es mir leid, ich wollte ihm nicht das Gefühl geben, dass es mir egal ist, dass sie sich um mich sorgen.
Und wieder allein.
Irgendetwas stimmt einfach nicht mit mir, ich kann es fühlen.
Und die Wahrheit ist nicht so weit von mir weg, dass kannst du nicht leugnen.
Wenn ich jetzt das Licht ausmache,
wenn ich jetzt meine Augen schließe, wird die Realität mich überrennen.
Ich lebe eine Lüge.
Wenn ich alleine bin, dann fühle ich mich um so viel besser.
Aber wenn du da bist, bin ich nicht mehr alleine, wie soll ich mich dann fühlen?
Das geht jetzt schon so lange so und ich realisiere, dass ich etwas für mich brauche.
Und das bist du.
Mein Herz ist gebrochen, nun liege ich hier.
Alle meine Gedanken ersticken an dir.
Und ich will trotzdem nicht alleine sein.

Halbschlaf, ich döse, meine Gedanken lassen mich einfach nicht in den erlösenden Schlaf fallen.
Plötzlich, ein Piepen, es wird lauter und ich bemerke, dass es mein Handy ist, hastig stehe ich auf und beginne es zu suchen.
Schließlich, in meinem Eastpack finde ich es,
„Hallo?“
„Hei Babyface, na? Wie geht’s dir?“, Hanna und für keine Stimme wäre ich dankbarer.
„Geht so.“
„Hab ich dich geweckt?“
„Nicht wirklich. Wieso rufst du an?“, ich lasse mich an den kühlen Wand nieder sinken, bis ich ganz auf dem Boden des Hotelzimmers sitze.
„Naja, ich bin deine Schwester, ich vermisse dich.“, sie kichert,
„Ne, ich hab mir gedacht, ich melde mich mal wieder... wo seid ihr gerade?“
„In nem Hotel nähe Rimini, so ziemlich am Meer.“
„Oh, das hört sich schön an...und warm, hier ist mal wieder alles eingeschneit.“
Ich vermisse den Schnee, will nach Hause, will endlich wieder für mich sein können.
„Lauri, geht’s dir sicher gut? Du bist so still...“
Soll ich ehrlich sein?
Soll ich mich ihr anvertrauen.
Aber ich will sie nicht mit meinen dummen Gedanken und unrelevanten Ängsten beängstigen.
„Nein, mir geht’s ziemlich scheiße, wenn ich ehrlich sein soll...“
Stille.
Von beiden Seiten, ich habe uns beide geschockt.
Ich hebe meine Hand, taste auf dem Tisch nach meiner Kippenpackung, ich fühle das Papiergebilde und greife zu.
Hastig, immer noch schweigen hole ich eine Zigarette heraus und stecke sie mir mit meiner noch freien Hand an.
Rauch um gibt mich, es tut so gut.
„Wieso? Ich meine, ist was passiert?“
Ja, natürlich ist was passiert.
Etwas, das ich selbst für nicht real halten kann, weil es mir einfach für zu wunderbar erscheint und mich trotzdem verzweifeln lässt.
„Ja... es ist was passiert.“
Wieder eine kurze Stillephase.
„Lauri, du machst mir Angst, wenn deine Stimme so klingt, was ist passiert?“
Sie nennt mich Lauri, sie sorgt sich wirklich...
Was ist denn schon passiert?
Ich habe mit einem Mann geschlafen, einem Mann, den ich liebe, den ich brauche, für den ich nicht mehr war, als eine Erfahrung, ein Abendteuer...
„Ich erzähle es dir, wenn wir zu Hause sind, ja?“
„Nein, Lauri, bitte...“
„Ich kann dir das nicht jetzt sagen. Tut mir leid.“
„Kleiner, pass auf dich auf und mach keinen Scheiß. Versprich mir das.“
„Mhm...“, ich nicke und ich komme mir dumm vor, weil sie das ja nicht sehen kann.
„Ja, versprochen.“
Doch wie oft in meinem Leben habe ich schon Versprechungen gebrochen?
Kommt es da auf einmal mehr oder weniger überhaupt noch an?


Chapter 15

Die ganze Nacht war ein einziger Alptraum gewesen, ich hatte nicht mehr schlafen können, hatte mich immerzu gefragt ob ich es ihr denn sagen soll, oder überhaupt kann.
„Butter.“, ich sehe irritiert zu Eero,
„Lauri, die Butter...bitte“, er deutet auf die kleine beige Dose vor mir.
„Ja...ja, klar...hier.“, ich reiche sie ihm, verschwende aber weiter keine Aufmerksamkeit an seine Worte, denke an dich. Muss an dich denken.
Du warst heute morgen wie immer.
Du hast gelacht und hast mich behandelt, als sei nie etwas zwischen uns gewesen.
Schmerz.
Aber hatte ich denn wirklich etwas anders erwartet?
Nein, nicht wirklich, du steckst alles ganz schnell weg.
Du hast die Fähigkeit Dinge gleich nach ihrem Geschehen in Ordner einzuheften und als „erledigt“ zu beschriften.
Ich wünschte, ich könnte das auch.
Naja, nur ein weiterer unerfüllter Wunsch von mir.
Gut, ich sammle schon lange, habe viele, wenn nicht sogar unzählige unerfüllte Wünsche.
Es ist in Ordnung, ich habe mich damit abgefunden.
Hastig schmiert sich Eero sein Brötchen, ich kann es aus dem Augenwinkel beobachten.
Der Kaffee in unseren Tassen bebt bei jeder Unebenheit der Strasse und droht den Tisch zu fluten.
Ja, wir sind schon wieder im Bus.
Wir sind schon seit fast drei Stunden unterwegs.
Gelangweilt beginne ich aus dem Fenster zu starren, die Landschaft rast vor meinen Augen vorbei.
Ich bin müde.
Einige Autos überholen uns, das Brummen der Motoren habe ich ausgeblendet, es ist ganz still.
Plötzlich landet ein zusammengeknülltes Papier in meinem Schoß, verwundert sehe ich auf.
Aki winkt mir lachend zu, es ist so verdammt gut drauf, dass es mich fast wütend macht.
Wieso kann es mir nicht so gehen?
„Laust auf Playstation?“
Ich schüttle den Kopf.
„Bitte, lass mich nicht hängen. Komm schon... Mensch Ylü ma Schatzü bitte!“
„Aki, ich hab für so was echt keinen Nerv.“
„Du wirst immer komischer...“, er wendet sich um, weg von mir,
„Paulilein, was ist mit dir? Spielst du mit mir?“
„Why not? Aber wage es ja nicht noch mal an meinen Namen ein „lein“ dran zuhängen.“
„Ok, Paulibär!“
Er erhebt sich von seinem Fensterplatz und wankt zusammen mit Aki in den hinteren Teil des Busses.
Und mein Blick schweift wieder auf die Strasse und meine Gedanken driften davon.
Natürlich zu dir, zu wem denn sonst?
Denn du hast meine Gedanken gefangen genommen, hast sie an dich gebunden und mich an dich gefesselt.
Ich denke, ich wollte mich anketten lassen.
Freiwillig.
Mal wieder ohne Widerstand.
Erschrocken fahre ich zusammen, ein Vibrieren in meiner Hosentasche.
Rasch krame ich mein Handy heraus.
Im linken Eck des Displays blinkt ein kleiner Briefumschlag.
Eine SMS.
„Hei Lauri, kommst du heute nach dem Gig noch mit auf die Aftershowparty? Mal sehen, was dort so los ist, vielleicht ist ja auch was Brauchbares unterwegs. Janosch.“
Alleine in diesen zwei Sätzen überschütten sich Dinge, die ich nicht mehr ertragen kann.
Aftershowparty?
Wenn ich dieses Wort schon höre, wird mir ganz anders.
Dort wird es sein wie immer.
Wir werden da hin gehen, alle überschütten uns mit Lob und dann gabeln mich ein paar Mädchen auf und ich werde es mit mir machen lassen.
Wieso? Weil man den Schein wahren muss.
Und trotzdem werde ich mit dir dahin gehen.
Es ist es wert, jedes noch so große Opfer würde ich für dich bringen, nur für einen Moment mit dir.
Früher war es toll, ich habe die Parties geliebt, sie waren der Sinn jedes Konzertes.
Die Parties und die Mädchen.
Warum musste sich das ändern?
Früher habe ich mich ausgestreckt, um die Sterne zu erreichen, zu berühren, heute jedoch fallen sie auf mich herab und ich kann es nicht stoppen.
Ich will das alles nicht mehr.
„Hei Lauri?“, ich erschrecke, so sehr, dass mir fast das Handy aus der Hand fällt.
Ich bin sehr schreckhaft geworden, das ist irgendwie beunruhigend.
„Kann ich mit dir sprechen... bitte.“
Stöhnend setzte ich mich richtig hin und mache Eero Platz.
„Was ist?“, ich lehne meine Stirne gegen die kühlen Fensterscheiben und betrachte die vorbeirauschenden Landschaft.
„Lass mich ehrlich sein. Ich weiß, dass was mit dir nicht stimmt.“
„Wie meinst du das?“
„Lauri, ich kenne dich lange genug. Du bist nicht mehr der Lauri, den ich mal kennen gelernt habe.“
„Du auch nicht der Eero, also? Worauf willst du hinaus?“, es tut mir leid, dass ich hin so böse anfahre.
Doch ich will nicht darüber sprechen, schon gar nicht mit ihm.
Wir haben uns alle verändert.
Das ist normal, das bringt das Älterwerden mit sich.
„Lauri, du nimmst mich nicht ernst. Ich mach mir echte Sorgen um dich. Du trinkst sehr viel in letzter Zeit.“
„Ich hab schon immer getrunken.“
„Hör auf.“
„Womit?“, nun drehe ich meinen Kopf, so lange, bis ich in seine enttäuschten Augen sehen kann.
„Du belügst nicht nur dich, sondern auch uns, uns alle und das ist einfach nicht fair!“
„Eero, lass mich in Ruhe... bitte.“, ich möchte weinen, schreien, verzweifeln und verschwinden.
Doch nichts.
Ich bleibe hier gefangen und mehr nicht.
Kann nicht weg, nicht mehr.
Dies alles ist mein Leben.
Ich habe es mir ausgesucht und nun?
Nun ist es mehr als eine Qual.
Und wieder zieht sich der Stacheldraht langsam enger, ich kann ich schon um meine Fußfesseln spüren, er wird mich am Fortkommen hindern.
„Ich kann es dir nur immer wieder anbieten, sprich mit mir, wenn’s dir scheiße geht.“, er geht, wendet sich von mir ab und geht nach hinten zu Aki und Pauli.
Ja, lasst mich nur alle alleine.
Ich komme schon klar, ich habe ja schließlich keine Probleme...
Keine Probleme, nur dich.

Chapter 16

Der Auftritt war mal wieder reine Routine und meine Stimme war eine echte Katastrophe und alle wissen es, haben es gehört, doch nachher auf der Aftershowparty werden mich wieder alle mit Komplimenten überschütten.
Sind sie blind? Taub?
Ich war schlecht, doch dies scheint sie nicht wirklich zu interessieren.
Es sind alles Heuchler und dies Schmerz mich.
Wieso ist niemand ehrlich zu mir?
Wo nach soll ich mich richten, wenn mir niemand sagt, was ich falsch mache?
Ich laufe immerzu ins offene Messer, mache Fehler und trotzdem sagt keiner was zu mir.
Könnte ich die Wahrheit nicht ertragen?
Oder wieso schweigen sich sonst alle aus oder belügen mich?
Ich beobachte mich selbst immer wieder, wie ich die selben Fehler mache.
Auch ich hindere mich nicht daran, ich bin wie die anderen auch...
Du läufst still einige Meter vor mir, zusammen mit Pauli und der anderen, ich bilde das Schlusslicht, laufe bewusst so langsam, dass ihr mich immer wieder ermahnen müsst schneller zu gehen.
Dann kann ich das Aushängeschild des Clubs sehen...
The Show must go on
Und das wird sie auch.
Ich werde jetzt da rein gehen und meine Show abziehen und mich dann betrinken.
Nur leider kann ich nicht so viel trinken, dass der Schmerz verschwindet.
„Lauri, jetzt mach mal hinne! Hopi, hopi!“, du bleibst stehen, wartest auf mich.
Deine Augen haften auf mir, beobachten mich, wie ich meinen Schritt verschnellere und versuche mir meine Gedanken nicht anmerken zu lassen.
„Danke.“, du lächelst, alleine diese Geste treibt mir den Verstand aus.
„Wieso bedankst du dich?“, wir gehen weiter, laufen gemeinsam den anderen hinter her.
„Das du mitkommst, ich weiß, du hast keine Lust.“
„So? denkst du?“
„Denken? Ich weiß es...“
„Na, wenigstens einer.“, ich seufze auf und bleibe dann am Eingang stehen, du tust es mir gleich.
„Lauri, du brauchst einfach zeit für dich, damit du wieder weißt, wer du bist. Mehr nicht.“
Und was, wenn ich vergessen will, wer ich bin?
Verdrängen will, was ich einmal war?
Oder wenn ich diese Zeit nicht habe?
„Vielleicht... aber jetzt lass uns rein gehen, was trinken.“, ich setzte zielstrebig einen Fuß vor den andern , du folgst mir.
Der Club ist voll, voller wildfremder Menschen, die ich nicht einmal in meinem Leben gesehen habe, die mich allerdings alle besser kennen, als mir lieb ist.
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Die Zeit rennt strikt auf drei Uhr zu, ich sitze alleine an der bar, vor mir ein Bier, es schmeckt nicht, schmeckt nach nichts.
Aber nicht nich längst schon alles in meinem Leben seinen Geschmack verloren?
Nicht ganz, denn da gibt es ja noch dich...
Ich begehre dich so sehr, dass es mir schon fast als Bestimmung erscheint daran zu scheitern.
So oft träume ich von dir, dann scheint alles so perfekt, dann gebt es nur uns beide.
Doch ein Traum ist ein Wunsch, von dem Herzen Gemacht.
Und auf mein Herz darf ich längst nicht mehr hören, es würde mich nur ins Verderben bringen.
Es ist nicht rationell.
„Hei Lauri...“, eine Hand legt sich auf meine rechte Schulter, ein angenehmes Schaudern folgt.
„Kann ich mich setzten?“
Ich wende mich nicht zu dir um, nicke nur stumm.
„Wieso bist du nicht bei uns?“
„Ich möchte ein bisschen alleine sein. Mir geht es nicht so gut.“, lustlos spiele ich mit der Bierflasche in meiner Hand.
„Dir geht es scheiße und es tut mir leid, dass ich der Grund dafür bin.“
Erschrocken sehe ich auf, deine Augen sehen betrübt aus,
„Nein, nein, das bist du nicht.“
„Doch... Lauri, ich weiß es.“
Ich kann dir nicht antworten, bin wie von deinen Worten mundtot gemacht, erstarrt.
„Du dachtest wohl, mir würde das nicht auffallen.“, du lächelst unbeholfen,
„Lauri, es tut mir leid. Jetzt weiß ich, dass es falsch war, was wir gemacht haben und ... und ich kann es nicht wieder rückgängig machen.“
„Ich will es nicht rückgängig machen. Niemals...“, ich bin erschrocken über meine Ehrlichkeit.
Wieso kann ich so offen mit dir sprechen?
Wieso nur?
„Sollen wir gehen?“, du legst ganz leicht den Kopf schief, das fahle Licht umspielt deine warmen Gesichtszüge.
Ich nicke, wieder stumm.

Chapter 17

Wortlos laufen wir neben einander her, angenehme Stille, die so viel mehr ist als ruhig.
„Janosch, ich bereue es nicht, was wir getan haben, ehrlich nicht.“, ich bleibe stehen, du drehst dich zu mir um,
„Nicht?“
„Nein, ganz im Gegenteil.“, mein Herz schlägt so heftig, sodass fast jeder Schlag mich schmerzt.
Das Verlangen nach einem Kuss von dir lässt sich nur schwer unterdrücken.
Und wieder beginnt es zu regnen, Regen in meinem Inneren, der mein leeres Herz ertränkt, das nur noch einen Wunsch hat, dich.
„Manche Menschen wissen nicht, dass es gut ist, dass sie einfach da sind...“, ich gehe einen Schritt auf dich zu.
Und wieder stehe ich neben mir und kann mich dabei beobachten, wie ich den selben Fehler zum zweiten Mal mache.
Denn als sich meine Lippen auf deine legen, weiß ich, dass ich nur noch verlieren und mich glücklich schätzen kann, wenn ich mich in dir verlieren darf.
Ich stehe im Sonnenuntergang meines Lebens und du strahlst die wärmenden Strahlen aus, die mich wärmen, ehe die kalte und erbarmungslose Nacht mich verschlingen wird.
Und jetzt gibt es keinen Weg mehr zurück, um unerträglich frei zu sein...
Du legst deine Hände auf meine Brust, schiebst mich von dir weg, deine Augen, dieser durchdringende Blick, ich kann dir nicht standhalten...
Gefangen im Schmerz...
Traurigkeit und Angst, Wahnsinn und Erwartung, all diese Emotionen kamen als eines...
Und bleiben, bis du mich erlöst.
Bitte, weise mich nicht zurück, tu mir das nicht an.
„Janosch...“, ich finde keine Worte, dabei brauche ich sie wie nichts anderes in diesem Moment.
Brauche sie zur Rechtfertigung...
„Janosch, ich brauche dich.“
Gefroren.
An diesen Augenblick gekettet.
Schweigen.
„Lauri, du hast schon viel getrunken...“
Ich schüttle den Kopf, du nimmst mich nicht ernst.
„Mag sein, aber leider kann ich nicht so viel trinken, dass ich dich aus meinem Kopf bekomme.“
„Ich... ich, es tut mir leid.“
Wieso zum Teufel entschuldigst du dich jetzt?
Ich kann es nicht begreifen.
Bin fassungslos, ringe um Fassung.
Du drehst dich weg, willst weiter gehen, ich greife nach deiner Hand, hindere dich, will nicht, dass du dich von mir entfernst,
„Janosch, ich... ich...“
„Scht...“, behutsam gehst du auf mich zu, lässt deine noch freie Hand in meinen Nacken gleiten, ziehst mich zu dir.
Und ich verstehe es einfach nicht.
Du kommst mir näher, deine wunderbar dunklen Augen fixieren mich, ziehen mich in den Bann zurück, in dem ich mich schon seid geraumer Zeit befinde.
Sanft löst du deine andere Hand aus meiner Gefangenschaft und streichst mit deinen Fingern über meine Lippen.
Bin versteinert.
„Lauri, das geht nicht... das ist nicht richtig...“, dein Atem an meiner Wange, ehe ich einen zärtlichen Kuss dort fühlen kann, dann siehst du auf, zum klaren Himmel, Vollbehangen mit tausenden von Sternen.
„Kannst du die Sterne sehen?“, deine Augen leuchten.
Auch mein Blick wandert nach oben, ich nicke unsicher.
„Kannst du dann auch der Welt verzeihen und wieder glücklich sein?“, du flüsterst nur und doch hallen deine Worte in meinem Kopf.
Ob ich verzeihen kann?
Wieder glücklich sein?
Kann und will ich das denn?
„Wieso soll ich der Welt verzeihen?“
„Weil sie dich so traurig macht...“, deine Hand streicht über meine Wange, deine Finger sind kalt, wie Eiswürfel fahren sie über meine, nun so heiß erscheinende Haut.
„Hast du dich mit den Jungs abgesprochen?“
„Nein, ich bin nur nicht blind...“, deine Lippen werden von einem Lächeln umspielt.
„Die anderen denken, du bist noch zu jung um so etwas zu verstehen...“
„Deine Freunde kennen mich nicht, kennen sie dich überhaupt?“
Wie es scheint nicht.
„Nein...“, ich schüttle den Kopf,
„Nein, sie kennen mich nicht.“
„Und ich kenne dich auch nicht. Du versteckst dich, hinter all deinen Fassaden.“
Und deine Worte spiegeln nichts als Wahrheit.
„Aber du durchschaust sie...“
„Nein, tu ich nicht. Ich kann nur vermuten, was sich dahinter verbirgt. Und das gefällt mir...“, du küsst mich, sanft streicht deine Zunge über meine Lippen, bis ich sie öffne und alles in einem hoffnungslosen Kuss endet.
Nur schwer kann ich mich von dir lösen.
Hoffnungslos.
Atemlos stehen wir nun vor einander.
„Was soll ich jetzt tun?“, du legst ganz leicht den Kopf schief und runzelst die Stirn.
„Ich weiß es nicht.“
„Du bist ein Lügner, Lauri.“, wieder dein Lächeln, das meinen Verstand rauben möchte.
„Lass uns ins Hotel gehen, ja?“
„Ja... lass uns gehen...“

Chapter 18

„Du hast einen ganz roten Kopf...“, grinsend fährst du meine Lippen nach.
Ich schweige nur.
Zufrieden.
Wieso ich von diesem Gefühl beglückt werde, weiß ich noch nicht, jedoch weiß ich, dass es nicht sehr lange anhalten wird.
Leider.
Meine Hand streicht an deiner Seite entlang, du bekommst eine Gänsehaut und schmiegst dich näher an mich.
Ich kann es nicht begreifen, es tut weh zu wissen, dass dieser Moment, dieser wunderbare, kurze Augenblick des Glücks so schnell schwinden wird.
Spätestens, wenn die Sonnen sich auf ihre täglich Reise machen wird, werden wir wieder so tun, als sei nie etwas gewesen...
Und wieder ist deine Liebe wie Stacheldraht, doch ich habe mich an den Schmerz gewöhnt.
Denn die Zeit heilt keine Wunden, man gewöhnt sich nur an den Scherz und dies habe ich offensichtlich getan.
Ich habe mich daran gewöhnt.
„Ich freu mich schon so auf zu Hause...“, durch das fahle Licht einer Laterne, das ins Zimmer fällt kann ich deine Augen sehen, sie strahlen mir entgegen und ich weiß nicht, ob ich mich freuen soll.
In meinem Kopf spielt die ganze Zeit eine Melodie, ein Lied und er Inhalt wird immer der selbe sein...
Später werde ich auf einem schmalen Grad wandeln und mich daran erinnern, was wir hier haben... hatten.
Du hast mir so viele Dinge gegeben, die ich nie zu vor hatte und in allem, was ich tue, weiß ich, dass du mein Antrieb bist, immer sein wirst.
Wenn ich dich nur so erreichen könnte, wie ich wollte, würdest du sehen, mein Herz ist keine Fassade.
Die Welt erstickt mich, von Tag zu Tag mehr und deine Augen sehen dabei zu.
Sehen mir dabei zu, wie ich alles tue, um nicht gänzlich unter zu gehen.
Und nun liegst du hier bei mir und ich hasse das, was ich fühle.
Denn ich weiß, dass ich dich in meinem leben brauche, wie nichts anders.
Ich verspreche dir, ich würde alles für dich opfern, alles aufgeben.
Cos I hate the way I feel inside…
„Dir geht’s nicht gut, stimmt’s?”, deine Finger spielen mit meinen zerzausten Haaren.
„Stimmt.“, ich seufze auf, deine Berührung tut so unendlich gut, so klein sie auch sein mag.
Meine Hoffnungen und Träume wurden von meinem Stolz geschluckt.
Ich war zu stolz zu sagen, dass ich so nicht weiter machen wollte, doch nun gibt es kein zurück mehr.
Alles, was ich brauche ist in dir...
Ich bin wie eine Figur aus Glas auf dem harten, kühlen Steinboden des Lebens aufgeprallt und zerbrochen.
Ich brauche dich nun.
Du siehst, wie ich lebe, siehst, wie es mir geht, wie ich mich fühle...
Ich weiß, dein Herz würde brechen, wenn ich dich verlassen würde und nur dies hält mich hier.
Ich muss gebrochen sein, aber bitte nimm meinen Scherz fort.
Und alles, was ich sehe, ist meine Glaube .
Doch Glaube macht blind, macht verletzlich.
Mir bleibt nur noch die Frage, ob ich noch verletzt werden kann, oder ob ich mir nur noch selbst schaden kann.
All dieser Hass in mir, gegen mich, mein Leben, verschleiert langsam meine Augen.
Blind.
Make me blind, cover my eyes…
Alles, was ich vor dir verstecke, mein Herz ist kalt und die Angst von dir gestoßen zu werden halt mich fest.
Nichts wird sich verändern, bis ich erneut zerbreche.
“Lauri, sei mir nicht böse, aber ich denke, ich sollte nun gehen, bevor Aki und die anderen zurück kommen, ja?”, du richtest dich auf, siehst besorgt auf mich herab und ich nicke nur.
Dein Blick ruht auf mir, studiert mich, was erhoffst du dir zu erblicken?
Die Wahrheit?
Die würdest du nicht wissen wollen...
„Janosch, kannst du mir eines versprechen?“, auch ich habe mich nun aufrecht hingesetzt.
„Was denn?“, langsam beginnst du dich anzuziehen.
„Tu mir nie weh.“, deine Bewegung stoppt, du drehst dich zu mir, Verwunderung in deinen Augen, Enttäuschung?
Bist du enttäuscht, weil ich Angst habe verletzt zu werden oder weil ich du denkst, ich würde vermuten, dass du mir weh tun wirst?
„Nie... Lauri, niemals...versprochen“, doch dein Blich hat sich geändert.

Chapter 19

Alleine sitze ich nun hier an meinen Küchentisch, starre wie apartisch aus dem Fenster.
Seit zwei Tagen sind wir wieder zu Hause, seit zwei Tagen bin ich hier alleine...
Aber ich suche die Einsamkeit wie nichts anderes im Moment. Zu viele Gedanken erdrücken mich, zu viel Ungewissheit plagt mich und der Stacheldraht beginnt langsam aber unaufhörlich zu rosten und wenn mein Blut gänzlich geronnen ist, wird der Schmerz nur noch von dem tristen Alltag abgelöst.
Stille.
Doch Stimmen in meinem Kopf.
Aber all unsere Gespräche, alles, worüber wir einst gelacht haben wird in meinem Kopf bleiben und mich daran erinnern, dass ich einmal lachen konnte.
Du hast dich seit der Tour nicht mehr gemeldet.
Niemand hat sich seither gemeldet, nur meine Familie und die wollte ich so schnell wie irgend möglich wieder los werden.
Selbst Hanna wollte ich nicht in die Augen sehen.
Was würde sie wohl dazu sagen?
Ich, ihr kleiner Bruder eine depressive Alkoholiker-Schwuchtel...
Ich will sie nicht enttäuschen.
Ich laufe im Kreis, komme einfach nicht raus, raus aus deinem Bann.
Zerrissene Stille.
Ich sehe mich um, mein Telefon.
Kurz überlege ich, ob ich überhaupt ran gehen soll.
Und ich bleibe sitzen, warte ab, bis das Gerät verstummt und ich meine einsame Stille wieder habe.
Wenigstens dies kehrt immer wieder zu mir zurück.
Und wieder nicht.
Wieder schrillt ein Ton durch meine Wohnung, seufzend erhebe ich mich und gehe dann doch ran,
„Ylönen.“, tonlos, gleichgültig und eindeutig in meiner Ruhe gestört.
„Lauri, kommst du heute Abend mit uns mit, wir wollen um die Häuser ziehen...“, es ist Pauli.
Seine Stimme macht mich wahnsinnig, wahnsinnig in jeder Hinsicht.
Ja, er hat es gut, er ist nun zu Hause, bei seiner kleinen blonden Freundin, genau, wie die anderen beiden und ich?
„Wer ist „wir“?“
„Ähm... wir?.. Das sind Eero, Aki, Jari und ich.“
„Pauli, tut mir leid, aber ich bin wirklich nicht in der Stimmung...“, Verfassung wäre wohl das treffendere Wort gewesen...
„...um zu feiern...“, ich atme tief ein.
„Aber, dann ist es doch nur halb so witzig, wenn wir nur so wenig sind. Außerdem versteckst du dich seit unserer Ankunft in deiner Wohnung... das ist nicht gut...“
„Wenn ihr unbedingt wollt, dass noch jemand mitkommt, dann frag doch Janosch, er ist immer für so was zu haben...“, und es bereitete mit größte Überwindung deinen Namen laut zu sagen...
Wieder Stille, aber dies mal anders, Paulis Atem wird langsamer,
„Nein, Janosch wird nicht mitkommen...“
„Wieso nicht?“, ermüdet lasse ich mich wieder auf dem Stuhl in der Küche nieder, ich habe nicht richtig schlafen können.
„Er hat gekündigt...“, seine Stimme stoppt, mein Atem stoppt,
„Er wollte zurück nach Schweden.“
„Was? Wieso?“, tiefer, festsitzender Schmerz in meiner Brust, schnürt mir die Kehle zu.
„Ich weiß nicht so genau...“
„Pauli, stutz hier nicht rum, was hat er genau gesagt?“
„Er sagte, irgendwas von wegen, er wolle niemanden verletzen und...“, ich nehme das Telefon von meinem Ohr, habe genug gehört, will nichts mehr hören, nie wieder.
Ich drücke Pauli weg und werfe wütend und enttäuscht über deine Entscheidung das Gerät gegen die Wand, zerbrochen ruht es nun auf dem Parkettboden.
Ich vergrabe meinen Kopf in den zitternden Händen.
Du hast mich alleine gelassen.
Wieso?
Niemanden verletzten.
Mich nicht verletzten.
hast mir dennoch weh getan.
Aber das mein Herz nun unwiderruflich zum Stillstand gekommen ist, scheint dir egal zu sein...
Ich dachte, ich hatte dich gekannt, ich schätze, ich habe mich geirrt.
Ich dachte, ich hatte dich und ich weiß, es war nur Einbildung.
Der Tag, mein Leben ist nun längst verloren.
Zärtlichkeit mit dir, wie Gewalt ohne dich.
Melodie in diesem kurzen genüsslichen Moment, tosende Stille.
Meine Schreie, die nun keiner hört, weil niemand darauf achtet, nicht mehr.
Der einzige Mensch, vor dem ich schreien konnte, vor dem ich sein konnte, wer ich war ist weg.
Weg, weil er mich nicht verletzten wollte und es dennoch getan hat.
Und wenn ich könnte, würde ich nun weinen, doch selbst dazu habe ich keine Kraft mehr.
Alles, was ich hatte, ist mit dir gegangen, all mein Antrieb.
Du hast mir nicht ein Wort des Abschiedes gelassen, nein, du bist einfach so gegangen.
Und selbst dies ist nur ein weiter Schlag des Lebens in mein Gesicht.
Und diese Festung meiner Ängste hatte ich fast durch dich überwunden, doch nun wurde ich zurück gezerrt.
Niemand kann mich nun mehr retten, für immer verschollen.
Ich halte meinen Atem an und falle tiefer.
Scheint wie ein Gedicht an die Grausamkeit der Liebe, ich bat um Gnade, blieb ungehört.
Und Liebe ist auch nur eine Waffe, die mich von dir trennt.
Ich trage Ketten um mein Herz, tauche in die Tiefe und will nicht mehr zurück.
Deine Zärtlichkeiten waren wie die Sonne über meinem Grab, meiner Hoffnung, meiner zerbrochenen Träume.
Du warst der Mond, der meine Nacht erhellte.
Nun bist du weg, meine Welt ist leer und dunkel.
Unsere Romanze, unser Spiel, war nur das Vorspiel einer wahren Tragödie, in der ich die Hauptrolle, wie nicht anderes an mich gerissen hatte.
Schwach, mit zittrigem Körper stehe ich auf, schleppe mich in die Küche zurück, um mir eine Flasche Wodka zuholen.
Bestimmt umschließt meine Hand das kalte Glas, ich gehe durch das Wohnzimmer, es herrscht Unordnung und es macht nichts...
Leise öffne ich die Tür zum Balkon, von dort aus kann ich den Hafen sehen, das Meer.
Kaum hörbar dringt das Rauschen der Wellen zu mir, ich schließe die Augen, während meine nervösen Hände die Flasche öffnen, den Verschluss aufdrehen und ihn dann achtlos zu Boden fallen lassen.
Die Sonne schickt ihre letzten Strahlen in die Welt, ehe sie von der Nacht gefangen genommen wird.
Das Meer färbt sich orange, dann wird es blutrot.
Ich setzte an, Alkohol, letzter Weg zur Erlösung, die ich nie bekommen werde.
Wärme rinnt meinen Hals herunter, erfüllt kaum spürbar meinen Körper.
Jetzt, da du weg bist, ist alles anders und doch wie früher.
Jetzt, da ich wieder zurück gekehrt bin aus meinen Träumereien und kindlichen Wünschen, ist mir klar geworden, dass ich der Grund für dein Gehen war, bin.
Ich habe uns nie wirklich eine Chance gegeben, habe alles zum Scheitern verurteil, bevor es begonnen hatte.
Ein weiterer Schluck und der Stacheldraht erstick mich langsam.
Rost frisst sich in meinen Körper, vergiftet meine Seele.
Mein Blut gerinnt an meiner Verzweiflung, mein Herz hört auf zuschlagen und ich kann nur hoffen, dass es nie wieder so weh tun wird wie nun.
Ich werde dich vermissen, dich nie vergessen.
In meinem Herzen wirst du begraben sein und in meine Gedanken gebrannt.
Vergessen wäre mein Tod.
Und Liebe ist der Stacheldraht, der mich durch Schmerzen daran erinnert, dass ich noch am Leben bin.
Die Sonne ist untergegangen...

~the end~








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