slashy tears

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Tunnelblick

Chapter 1

Alle Blicke auf mir.
Nur mein Blick.
Ich weiß schon gar nicht mehr, wann ich angefangen habe in den Spiegel meines kleinen Badezimmers zu starren.
Und ich weiß schon gar nicht mehr, wieso.
Bin ich mal wieder besoffen?
Nein.
Nein, bin ich nicht.
Ich bin nur trunken von dem Gedanken, welche fremden Augen es sind, die mir entgegen blicken.
Ich habe den schlimmen Verdacht, dass ich es bin, der diese glasigen, toten Augen gehören.
Ja, ich bin mir sogar ziemlich sicher.
Das ist mehr, als unheimlich.
Es macht mich traurig und mich überkommt das Verlangen, mich einmal mehr zu übergeben.
Aki sagt immer, es ist scheiße von mir, wie ich mit meinem Körper umgehe.
Aber niemand hat mir zu sagen, was ich mit mir mache.
Absolut niemand.
Nicht einmal die Liebe meines Lebens. Aki.
Er hat leider von nichts eine Ahnung.
Er weiß alles. Aber er weiß es nicht.
Gar nichts.
Niemand.
Niemals.
Immer.
Alle.
Ja genau.
Alle bilden sich ein mir helfen zu können.
Aber nur ich alleine kenne die Hilfe, die ich brauche.
Die ich bräuchte.
Endlich kann ich meinen Blick von dieser Person im Spiegel abwenden und schweife damit durch das Badezimmer.
Ich bin alleine.
Aki muss arbeiten. Das müssen wir alle.
Ich arbeite an mir.
Ich sollte vielleicht versuchen nicht mehr so viele dumme Dinge zu tun, aber manchmal...
Ja, manchmal lächeln die Rasierklingen einfach so freundlich und die Stimme des Heroins rief mit einem schon fast widerlichen Flehen in der Stimme nach mir.
Diese Stimme höre ich aber schon lange nicht mehr.
Seit dem Entzug ist sie verstummt. Sie hat mich, wie so vieles alleine gelassen.
Und manchmal ist mir einfach nach kotzen zu mute.
Ich schaue an mir herunter.
Knochig.
Blass.
Tot?
Noch nicht gänzlich.
Ich bin nicht tot, aber in meiner Welt, in meinem Kopf, sterbe ich jeden Tag aufs Neue.
Angewidert rümpfe ich die Nase und beschließe, dass ich heute wirklich Ablenkung brauche.
Ablenkung von all diesem Scheiß hier.
Ablenkung...könnte man im selben Atemzug mit Verdrängung sagen, schreien, gegen eine Wand brüllen.
Alles zwecklos.
Wofür lebe ich denn genau?
Ich bin das Einzelkind reicher Eltern und bekomme sozusagen den Zucker meinen dürren Arsch hinauf geblasen.
Ich muss mich um nichts bemühen, um nichts sorgen oder gar kümmern.
Alles ergibt sich einfach so.
Und einfach so, hat es angefangen.
Aki sagt immer, es tut ihm weh zu sehen, wie ich mir selbst weh tue und mein Leben versaue.
Aber er hat keine Ahnung.
Er weiß nicht, wie schwer es ist, das Leben im goldenen Käfig zu meistern, ohne von dem Gitter zerquetscht zu werden und dann qualvoll zu sterben.
Quälen kann ich mich auch selbst, dazu bräuchte ich keinen Käfig.
Aber, wenn es nur darum ginge.
Es geht umso viel mehr und das weiß ich auch.

Chapter 2

Es ist kalt.
Es ist dunkel.
Ich fühle mich gut.
Ich bin draußen.
Ich bin nicht mehr alleine und ich hasse die Menschen, die meinen Weg kreuzen.
Potenzielle Vergewaltigter. Vermutlich werde auch ich irgendwann wieder einmal einem dieser Schweine über den Weg laufen.
Allesamt sollen sie doch zur Hölle fahren.
Ich will kotzen.
Und ich wünschte, ich könnte es hier, auf offener Strasse tun.
Doch ich tue nichts.
Ich laufe einfach weiter hin ins Leere.
Oder in die Arme eines Killers, Psychopaten...
Aus unerfindlichem Grund muss ich wegen dieses Gedanken dümmlich Grinsen.
Einmal mehr die Pein unter der Gewalt eines Fremden zu stehen würde mich vermutlich töten.
Würde mir alles einfacher machen.
Sterben.
Sterben, aber nicht tot sein.
Tot sein, aber nie gestorben sein.
Kranke Gedanken.
Ich bin krank.
Und das Beste an dieser Tatsache ist, dass ich mir dessen bewusst bin.
Ich kann stolz auf mich sein, denn manche Menschen bemerken niemals, dass sie nicht ganz rund laufen.
Eisig weht der Wind mir entgegen und peitscht wütend gegen meine Haut.
Es brennt und es treibt mir die Tränen in die Augen.
Vielleicht werden diese salzigen Zeugen meines Weges ja gefrieren und alle Gefühle mit in das Eis in meinem hässlichen Gesicht bannen.
Langsam beginnt jedoch mein Körper sich gegen diese Kälte zu wehren und ich zittere richtig, meine Zähne klappern aufeinander und ich finde das Geräusch, das sie dabei erzeugen unheimlich.
Ich finde viel zu vieles unheimlich.
Aber ich kann es nicht ändern.
Meine Glieder beginnen sich nach Wärme zu sehnen, die ich ihnen schon lange verweigere.
Aber so, wie es aussieht, sollte ich tatsächlich besser nach Hause gehen und mich übergeben oder meine Arme aufschneiden, damit ein wenig Wärme meinen Geist erobert.
Also mache ich mich gemächlich auf den Heimweg.
Sachte setzte ich immerzu abwechselnd einen Fuß nach dem anderen auf den Asphalt und schleiche durch die Nacht.
Der Hauch eines Verfolgungswahns frisst sich in mir hoch und zwangsläufig verselbstständigen sich meine Schritte, bis ich letztlich renne.
Aber ich weiß, dass da niemand war.
Es ist nur diese Gewissheit, dass ich alleine bin, vor der ich weglaufe.
Völlig außer Atem erreiche ich dann meine Wohnung und ich fühle mich dumm und klein.
Ich fühle mich so, weil ich mir nun vor Augen führen kann, dass ich doch nicht ernsthaft geglaubt hatte, dass meine Einsamkeit mich verschlingen wollte.
Aber...etwas ist da schon.

Chapter 3

Laut dröhnt Musik durch meine ganze Behausung, bis zu mir ins Badezimmer.
Wie schon einige Zeit zuvor, stehe ich wieder regungslos vor dem Spiegel und starre mich an.
Aber diesmal ist dieser Anblick, den ich mir selbst biete ein anderer.
Er ist angenehmer und lächelt mir lieblich entgegen.
Zufriedenheit.
Diesmal bin ich betrunken.
Die leere Wodkaflasche ruht zu meinen Füßen auf dem flauschigen, rosafarbenen Badezimmerteppich und erfüllt mich mit Gleichgültigkeit.
Neben mir auf der Fensterbank habe ich drei Teelichter angezündet.
Ich mag den Kerzenschein um einiges mehr, als das widerliche Licht der Sparlampen.
Die Flammen der Kerzen geben meinen Bewegungen nach, erhellen meinen Körper auf schmeichelnde Art und Weise und sind die einzigen stummen Zeugen, die ich bei mir dulde.
Und als sei mein jetziges Handeln ein, für Außenstehende, gar grausames Intro zu meiner abendlichen Prozedur, greife ich die Rasierklinge, die vor mir auf dem Rand des Waschbeckens liegt.
Fröhlich reflektiert der Schein der Kerzen auf dem silbernen Metall und ich kann etwas lächeln.
Es ist wunderschön.
Eine unglaubliche Ruhe durchstreift meinen Körper, als ich sachte die Klinge auf meine Haut drücke.
Nur langsam gibt diese unter meinem Druck nach. Vermutlich presst sich der innere Druck mit aller Gewalt dagegen, doch ich bin stärker.
Fast schon scheu beginnen sich kleine Blutbahnen über meinen Unterarm zu ziehen und mein Lächeln wird von immer mehr Freude erfüllt.
Ich vernehme keine Musik mehr, ich höre nicht einmal mehr mein eigener Atmen, falls ich denn überhaupt noch Luft hole...
Nichts ist mehr und alles bin ich.
In diesem Moment der perfekten Kontrolle über mich
Endlich bestimme ich wieder über meinen Körper.
Druck, der sich seid einigen Tagen wieder in meinem Inneren zu manifestieren begonnen hatte, strömt durch meine Wunden nach außen, wird mit dem roten Lebenssaft aus mir heraus gespült.
Ich schließe entspannt die Augen.
Genieße.
Befreie.
Erlebe.
Nehme in Gefangenschaft.
“Lauri?”
Ich zucke zusammen, ziehe aus Versehen die Klinge viel zu weit über meine Haut und viel zu tief.
“Verdammt...”, wie von Panik erfasst greife ich nach einem Handtuch und wickle es mir um den Unterarm, während Aki immer weiter meinen Namen ruft.
“Lauri? Wo steckst du?”
“Ich... bin hier!”, hastig blase ich die Kerzen aus und verstecke die Wodkaflasche unter einigen Handtüchern, die ich mit meinen blutigen Händen anfasse und somit stellenweise in rötliche Farbe tauche.
Er wird sowieso bemerken, dass ich betrunken bin und was ich getan habe.
Wieso dann dieses Versteckspiel?
Die Musik wird leise gedreht und ich kann Akis Schritte vernehmen, wie sie auf das Badezimmer zukommen.
Rasch schicke ich noch ein letztes Mal meinen Blick durch den Raum.
Habe ich auch alle zu offensichtlichen Dinger halbwegs verschwinden lassen?
Nein.
Im Waschbecken sind immer noch einige wenige Blutstropfen und die Rasierklinge ruht ebenfalls noch darin.
Dieses Spiel habe ich verloren.
“Lauri ...”, ich zuck erneut zusammen und wende mich nur langsam von dem Spektakel im Waschbecken ab, sehe auf, zu Aki.
“Was tust du da?”
“Nichts...”, und alleine für diese Aussage könnte ich mir eine Ohrfeige verpassen.
Dies brauche ich aber nicht zu tun. Aki übernimmt es für mich.
Die Haut an meiner Wange brennt und wird heiß.
Ungläubig taste ich mit meiner freien Hand danach und wünschte, ich könnte weinen.
Doch es geht nicht mehr.
“Wieso machst du diesen Scheiß?”
“Ich...ich...mir ging es nicht so gut und...”
“Und da dachtest du, du säufst dich mal eben breit und schneidest dann wieder an dir herum?!”, wütend greift er nach dem Arm, den ich schützend vor seinen Blicken in dem Handtuch eingehüllt hatte.
Seine Finger schließen sich grob um meine Wunden und brennende Schmerzen ziehen sich durch meinen Körper.
“Was soll die Scheiße? Ich dachte, du hattest mir versprochen es zu unterlassen!”
“Ich weiß, aber...”
“Ich habe genug ‘aber’ von dir gehör. Es reicht jetzt!”, ein erneuter Schlag trifft meine Wange und ruckartig geben meine Beine nach. Ich bin einfach zu schwach.
Fremde Gewalt gegen meinen Körper.
Vergewaltigung meines Geistes.
Zitternd sinke ich zu Boden, knie letztlich vor seinen Füßen nieder.
“Hör auf...”
“Was?”
“Bitte, hör auf... bitte...”, ein Wimmern, ein Flehen, ein versagender Laut... mehr sind meine Worte nicht mehr.
“Nein, du solltest aufhören! Manchmal wünschte ich wirklich, du würdest irgendwann bei deinem Rasierklingenspielchen draufgehen. Aber selbst dazu bist du nicht fähig!”
Wieso sagt er dies zu mir?
Na ja, vermutlich hat er Recht.
Sogar ziemlich sicher hat er Recht. Er hat immer Recht.
Dann endlich befreit er mich aus seiner Gewalt, lässt von mir ab.
Aber sein mitleidiger, von Wut erfüllter Blick lässt mich nicht in Frieden.
“Komm ins Bett, wenn du diese Sauerei und dich wieder in Ordnung gebracht hast!”
“Ja.”
“Und beeil dich gefälligst!”, laut fliegt die Tür zu und die plötzliche Stille versucht mich zu erdrosseln.
Ich liebe Aki.
Ich liebe den alten Aki.
Den, der mich damals immer verstanden hat und der mich in den Arm nahm und nicht in Gefangenschaft.
Aber ich weiß, tief in seinem Inneren ist er noch immer der Selbe Mensch. Ich muss diesen nur irgendwie finden.
Finden und wiederbeleben.
Ich muss mich übergeben.
Unkoordiniert stürze ich zur Toilette und kehre mein Innerstes nach Außen und der säuerliche Geschmack der Magensäure frisst sich in meinem Mund fest.
Schlaff gleitet mein Körper neben die Toilette und das Handtuch löst sich nun endgültig von meinem Arm.
Ich muss noch aufräumen. In meinem Kopf. Meine Gedanken sortieren, damit ich weiß, was ich tue.
Oder noch besser, damit ich es verdrängen kann.


Chapter 4

Still schweigend war Aki heute Morgen einfach gegen, als ich noch geschlafen habe.
Gestern hatte er mich wieder.
Wieder in Besitz genommen.
Liebe machen.
Liebe.
Abhängigkeit.
Geistige Abhängigkeit von meiner Seite aus und körperliche von ihm.
Vielleicht kommt er nur immer wieder zu mir zurück, damit er mich besitzen kann.
Damit er mit mir schlafen kann und ich ihn so befriedige, wie er es will.
Sein Wille.
Aber meine Liebe. Meine Abhängigkeit.
Das Gefühl meiner Schuldigkeit ihm gegenüber wird wohl niemals mehr verschwinden, denn er war es, der mich von meiner größten Schwäche, dem Heroin, weggezerrt hatte.
In ein neues Leben.
In ein Leben, das ich hasse.
Aber ich bin ihm dankbar.
Ich kann mich glücklich schätzen, dass er bei mir bleibt.
Er könnte vermutlich jede haben. Aber er bleibt. Bei mir.
Schwach wühle ich mich aus den Kissen und falle fast aus dem Bett. Das Schauspiel gestern Abend hat mich wieder ganz schön geschlaucht.
Mit meinen müden Beinen quäle ich mich vor den Spiegel.
Muss wissen, wie ich aussehe.
Wie Aki mich aussehen lässt.
Er wird mich sicherlich noch mehr zu Veränderungen zwingen, die ich nie wollte.
Ich will dies nicht.
Mehr.
Irgendwann wird er mich anstatt der Einsamkeit verschlingen und nichts von mir übriglassen, als nur eine jämmerliche Erinnerung.
Schade eigentlich. Aber irgendwie auch nicht.
Und da ist er wieder. Freund und Feind zu gleich.
Doch in letzter Zeit stellt der Spiegel nur noch einen bösartigen Gegner dar, der mich fertig machen will.
So auch heute wieder.
Ich sehe so aus, wie ich mich fühle.
Nicht gut. Beschissen, wenn man es genau nehmen will.
Ich hasse mich.
Ich hasse den Anblick im Spiegel.
Meine Wange scheint mir immer noch rot und unter meinem rechten Auge ist eine kleine Schwellung.
Kurz überlege ich, ob ich mir gleich den nächsten Horror reinziehen oder meinen schmerzenden Arm besser nur von mir ungeachtet unter meiner Kleidung verschwinden lassen soll.
Ich wähle letzteres.
Inzwischen hat sich mein obligatorischer, morgendlicher Brechreiz auch wieder zu Wort gemeldet. Aber heute will ich nicht kotzen.
Heute nicht.
Und ich habe das Gefühl, dass ich es niemals wieder tun sollte.
Ich weiß nicht, wieso ich dies denke.
Aber heute, an diesem widerwärtigen Morgen macht mich dieser kleine Gedanken zufrieden.
Langsam bewege ich mich ins Wohnzimmer, schalte, wohl aus Gewohnheit, den CD-Player an.
Immer noch die CD von gestern ist darin.
Aber heute finde ich die Musik nicht so unterhaltsam.
Sie treibt mir die Tränen in die Augen und wie gestern glaube ich zu hören, wie Aki nach mir schreit. Nach mir verlangt.
Verlangen.
Verlangen ihn zu verlassen.
Ich will, dass er mich verlässt.
Denn ich kann dies nicht tun.
Aber wie?
Ich möchte doch nur ein wenig Glück in mir haben.
Ein kleines Stückchen sollte doch an meinem kranken Lächeln wirklich sein und nicht gefaked.
Kopfschüttelnd schalte ich die Musik wieder ab.
Ich brauche Ruhe.
Ich brauche Klarheit.
Aki würde mich niemals verlassen. Er liebt... nein, er benutzt mich viel zu gerne, als dass er mir diesen Gefallen tun würde.
Das, was Aki und ich hatten, war Liebe. Da bin ich mir sicher.
Doch inzwischen ist er genauso ätzend, wie meine damalige Sucht nach viel zu teuren Drogen.
Damalig.
Tapsig gehe ich in die Küche.
Die Kaffeemaschine ruft fröhlich meinen Namen und vielleicht könnte ich sogar etwas essen.
Nicht viel natürlich.
Dies würde meine Magen nicht verkraften.
Aber ein wenig.
In der Küche steht immer noch das Geschirr von Aki.
Tasse.
Teller.
Brotmesser.
Tunnelblick.
Messer...



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