slashy tears

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Life could be a dream, sweetheart...




Autor: frän
Genre: slash, lime
FSK: 16
Summary: Tja, Lauris Leben könnte ein Traum sein, wäre da nicht die Ungewissheit in Bezug auf Aki und seine Liebe zu ihm, sowie die Probleme Lauris bester Freundin, Mira...

Part 1

“Wieso rennst du so?”
“Weil...”, du unterbrichst, schaust auf die Kirchturmuhr, die sich vor uns in den Himmel streckt.
Aus deinem Mund war eine kleine weiße Wolke in den Himmel aufgestiegen.
Es ist November.
Es ist kalt.
Es ist verschneit.
Und es ist toll mit dir.
“Weiß nicht...Verfolgungswahn...”
“Du hast sie echt nicht mehr alle...”
“Sagt wer?”
“Sage ich!”, und bei diesen Worten war ich dir so nah, dass deine Brille nun von meinem Atmen beschlagen ist.
“Danke, du Freak...”, gekünstelt rollst du mit den Augen, nimmst deine Brille ab und versuchst sie mit deinen Handschuhen wieder sauber zu reiben.
Schon erhebt sich vor uns der große Bahnhof und wie auf Knopfdruck wirst du wieder schneller.
Hastig packe ich dich an diesem Roten Schal, der einfach umwerfend zu deinen leicht rötlichen Dreads passt und ziehe dich zu mir zurück.
“Mach nicht so schnell! Ich glaube, wir alle müssten mal einen ‘Wie-schlendere-ich-richtig-Kurs’ besuchen...Pauli hat auch immer so n Affenzahn drauf!”
“Versuchst du witzig zu sein?”
“Ja, das tue ich...”
“Lass mich dir eines sagen Lauri, du bist gerade kläglich gescheitert.”, trocken lachst du auf und eilst auf eine der vielen blauen Metallgebilde zu, die Sitzbänke darstellen sollen.
Unbequeme Dinger, die reinste Zumutung für jeden normalen Menschen...
Doch besser als nichts.
Schnaubend lass ich mich neben dich fallen und durch die Bank geht ein kurzes Rütteln.
Ich sehe auf die Bahnhofsuhr...16. 11
In einer knappen Viertelstunde müsste mein Zug kommen.
Deiner kommt immer früher als meiner...
Das heißt, ich muss noch ein wenig ohne dich aushalten.
“Wann kommt dein Zug?”
Wieso frage ich eigentlich noch? Ich weiß es seit du es mir zum ersten Mal gesagt hast, aber es ist immer wieder toll deine Augen rollen zu sehen und dann deine Stimme zu hören.
“Um 16. 18 ...wie oft denn noch?”
Verdammt oft...
“Wieso bist du eigentlich nicht mit dem Bus gefahren, wie Pauli und Janne auch?”
“Wieso sollte ich?”
“Na, heute ist Freitag...da kommt dein Zug doch immer erst um...”
“VERDAMMT!”, ich schlage die Hände über meinem Kopf zusammen, wobei mir meine Wollmütze etwas über die Augen rutscht.
Heute fährt mein Zug erst um Viertel vor fünf!
Verdammte Hacke!
“Verfickte Scheiße!”
“Soll ich mit dir warten? Bei mir fährt noch ein zweiter Zug n bisschen später.”
“Würdest du das tun?”, erwartungsvoll schaue ich dich an, während du wohl in aller Ruhe sämtliche Pro- und Kontraargumente abwiegst.
“Ne, geht nicht...meine Ma schleift mich heute noch zum Arzt.”
Ich seufze resignierend auf,
“Bitte!”
“Lauri, es geht nicht...”
“Aki, bitte!”
“Was hätte ich davon?”
“Naja, wenn du mich jetzt alleine warten lässt, rauche ich bestimmt drei, vier Kippen, wenn du bleibst bin ich abgelenkt und...”
“Ich dachte, du wolltest aufhören mit der elenden Qualmerei...”
“Ich sagte, ich will sie eindämmen, da war keine Rede von aufhören.”
“Aber Eindämmung sind nicht vier oder mehr am Tag.”
“Das heißt, du lässt mich im Stich.”, murrend verschränke ich die Arme vor der Brust und ziehe meine obligatorische Schnute.
Wäre doch gelacht, wenn ich dich nicht rumkriegen würde...
“Wenn du es so hart ausdrückst...ja, ich lass dich im Stich.”
“Aber es ist schweinemäßig kalt und alleine erfriert man schneller!”
“Lauri, hör auf rumzuspinnen.”
“Ist ja schon gut...”, leise knurre ich in meinen Schal, während ich aus der kleinen, vorderen Tasche meines Rucksacks ein grün weißes Zigarettenpäckchen wühle.
“Ich dachte, du wolltest es Eindämmen?”
“Ich dachte, du wartest mit mir...und jetzt rauche ich!”, breit grinsend klemme ich mir die Kippe zwischen die Lippen und ziehe einen meiner dunkelblauen Handschuhe aus, nicht ohne zu bemerken, dass dein Blick jeder meiner Bewegungen argwöhnisch studiert.
Vorsichtig lege ich den Fäustling auf meinem Schoß ab und beginne den Kampf zusammen mit dem Feuerzeug gegen den eisigen Wind.
Und nach wenigen Versuchen schlagen die Flammen über und bringen die Zigarette zum rötlichen Aufglühen vor deiner Nase, die du nun unbeeindruckt rümpfst.
Ich würde dir nun zu gerne spöttisch den Rauch ins Gesicht blasen, aber dann hätte ich vermutlich einen Schneeball im Gesicht hängen und das will ich ja nun mal gar nicht.
Denn deine Einseiferei ist eine Meisterleistung und wer sich danach noch bewegen kann, hat echtes Glück gehabt.
Rasch lasse ich mein Feuerzeug wieder an seinem Platz verschwinden und ziehe meinen Handschuh wieder an.
Meine Finger sind alleine durch diesen kurzen Augenblick total kalt geworden, schmerzen sogar ein wenig.
Und vermutlich sieht mein Gesicht auch danach aus, denn du wirfst mir ein wissendes Lächeln entgegen, für das ich dich einfach nur knutschen möchte.
Doch nicht hier.
Hier sind zu viele bekannte Mitschüler, das wäre tödlich für unser beider Ruf.
Muss nicht sein.
Schweigend sehen wir uns an, während zwischen uns der blaue Dunst meiner Zigarette sich mit unseren Atem mischt.
“Sag mal, was machst eigentlich dieses Wochenende? Oder halt...heute Abend?”, unterbreche ich schließlich die Stille und du legst deine Stirn in Falten.
“So weit ich das weiß noch nichts, außer mich mit dir treffen, oder?”
“Geeeenau! Was sollen wir machen?”
“Keine Ahnung, Videos reinziehen, oder einfach nur saufen?”, lachend knuffst du mir gegen den Oberarm, doch dein Schlag dringt auf Grund meines dicken Parkas kaum zu mir durch.
Schade eigentlich, denn ich mag jede deiner Berührungen...besonders auf meiner Haut.
Leider gibt es die nicht so oft, wie ich mir das wünsche.
“Soll ich einfach Wodka und n paar Horrorfilme und so mitbringen?”
“Gute Idee...”, zufrieden sinke ich etwas tiefer auf der Bank, bis mein Rücken eine eklige Beugung machen muss, doch es ist mir egal.
Videoabende von uns beiden haben schon des Öfteren Ausmaße angenommen, die wir eigentlich nicht so geplant hatten, vor allem, wenn Alkohol unsere Gemüter zuvor gelockert hatte.
Ich bin eigentlich jedesmal dankbar, wenn es wieder passiert ist.
Unsere Freundschaft hat irgendwie was von ner Fickbeziehung, obwohl wir noch nie ‘gefickt’ haben.
Und vermutlich dies in näherer Zukunft auch nicht tun werden.
Sagen wir mal so, es ist schön dich näher als einen normalen Freund zu wissen.
“Denkst du, deine Mutter könnte mich dann am irgendwann im Laufe des Samstags heimfahren?”
“Ja, klar doch...aber wieso bleibst du nicht das ganze Wochenende über?”, genüsslich nehme ich einen Zug und die Glut meiner Kippe leuchtet fröhlich vor meinen Augen auf.
“Muss noch Mathe lernen...außerdem kommen doch Bekannte meines Vaters mit Anhang...ich soll mich n bisschen um deren Tochter kümmern...ihr Espoo zeigen und so n Scheiß halt.”
“Verstehe...”, ich nicke leicht und es kotz mich an.
Immer müssen unsere Eltern dazwischen funken und alles kaputt machen.
Naja, jedenfalls fast alles.
Ein Rauschen kommt uns näher und wird von widerlichem Quietschen abgelöst, bis der Zug letztlich vor uns hält.
Du erhebst dich wortlos, siehst mich an,
“Also, bis dann Alter, ich komm so gegen sieben.”
“Sieben...”, widerhole ich leise und nicke wieder.
“Viel Spaß noch beim Warten!”, hastig winkst du mir und verschwindest dann mit anderen Menschen im Zug.
“Ja, du mich auch...”, murmle ich, allerdings weniger genervt, denn ich freue mich schon auf heute Abend...

Part 2

Etwas hibbelig liege ich auf meinem Bett, Augen geschlossen und laute Musik an.
Es ist jetzt fast halb sechs...in weniger als zwei Stunden wirst du hier neben mir liegen. Zufrieden seufze ich und sehe dann zu meinem Fernseher, darunter steht wie immer der Recorder und massenhaft Videos sind auch am Start, obwohl wir vermutlich nur wieder zwei ansehen werden.
“Lauri?!”
Soll ich darauf reagieren?
“LAURI!”
OK, besser wär’s...
“Was denn Mama?”
“Telefon...Mira will dich sprechen!”
Ui, was will sie denn?
Hastig rapple ich mich auf und hetze zu meiner Ma, die mir schon das Teleding entgegen streckt.
“Ja, Freakzentrale Helsinki, Ylönen hier.”
“Ja, guten Tag, hier spricht die offizielle Frisöse des Vorsitzenden Ülle, ich habe neue Farbe!”
Ach du Schande...
Das hatte ich ja total verplant...heute wollte Mira mir doch die Haare neu färben.
Autsch.
“Öhm...Mira...”
“Wann soll ich antanzen? Wann wäre es dem Herren recht?”
“Weißt du Mira...Aki kommt heute Abend vorbei und...du weißt doch...”
“Ok, verstehe...”
“Sei mir nicht böse.”
“Sehe ich so aus, als wäre ich böse? Mensch Lauri, so gut müsstest du mich doch wohl inzwischen kennen. Halt dich ran!”, leise kichert sie.
Man, falls es so was wie Seelenverwandtschaft tatsächlich geben sollte, dann ist Mira meine.
Wir sind, seit ich denken kann die besten Freunde, haben schon so viel Mist zusammen erlebt.
Ich bin echt verdammt dankbar, dass es sie gibt und dass sie mich um sich haben will.
Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich manchmal sagen, sie steht auf mich, aber Mädchen sind so.
Die erzählen sich nun einfach mal Dinge, die sie vielleicht besser für sich behalten sollten...
“Aber eines sag ich dir...wenn du mir dann am Montag die Ohren vollheulst von wegen ‘mein dunkler Ansatz ist so groß, das sieht scheiße aus...’ dann vergesse ich mich, ist das klar?”
“Ja wohl!”
“Gut so...”
“Hei, aber weißt du was?”
“Nope...”, ich sehe sie förmlich vor mir, wie sie den Kopf schüttelt, wobei ihre schwarzen Haare ins Gesicht fallen und sie sich diese aus den Augen streicht.
“Soll ich Morgen Mittag bei dir vorbei kommen? Meine Alte fährt Aki heim und das läge dann auf dem Weg.”
“Auja, mach das. Dann also, bis Morgen und tu nichts, was ich nicht auf tun würde...wir verstehen uns...”
“Ja, das tun wir...also, bye.”
Übermütig werfe ich das Telefon auf meinen kleine Nachttisch neben dem Bett und werfe mich hinter her auf selbiges.
Mira weiß es.
Ich habe es ihr gleich erzählt, nachdem ich mir sicher war, dass das mit dir nicht nur so eine dumme, kindliche Schwärmerei von mir ist.
Und Gott weiß, solche Schwärmereien sind keine Seltenheit bei mir.
“Oh man...”, stöhne ich murrend auf und weiß im selben Moment nicht mehr, wieso ich dies getan habe.
Ich wälze mich auf den Bauch und vergrabe meinen Kopf im Kissen.
Ich hasse warten.
Selbst, wenn ich gern auf dich warte.
Wohl eher unbewusst taste ich mit meiner rechten Hand nach meinen Haaren, fahre so gut es eben geht durch.

Memo an mich selbst:
Am Samstag Mira davon abhalten mir die Haare neu zu färben.
Nur blondieren.
Memo Ende.

Mira ist vermutlich die gestörteste Person- nach mir- die ich kenne.
Ich weiß nicht, sie ist so...so...
Sie ist einfach miramäßig kaputt.
Alleine ihr Aussehen, ich denke, wenn ich sie nicht kennen würde, hätte ich Angst vor ihr.
Ihre endlos langen schwarzen Haare, ihre langen Kleider und die Fingernägel.
Gothik halt.
Und das durch und durch.
Aber das ist cool, sie hat ihren Stil.
Ich strecke mich einmal kurz und richte mich abrupt auf, unschlüssig sehe ich mich um.
Man, ich kann es immer noch nicht verstehen, wie du es immer wieder schaffst mich so aus der Ruhe zu bringen.
Mira meint das sei normal...liegt an der lieben Liebe.
Vermutlich hat sie Recht.
Ich liebe es mit ihr über dich zu sprechen.
Es ist toll, jemanden zu haben, vor dem ich schwärmen kann, wie ich will, die mir zwar nur mit meinem Ohr zuhört, aber trotzdem immer artig nickt.
Ich bin ein Trottel.
Aber Kurt Cobain sagte einmal: Trottel vereinigt euch...
Also bleibe ich dabei.
Plötzlich mischt sie ein kurzer heller Ton in meine Musik, ich zucke zusammen.
Die Klingel.
Du bist also endlich da.


Part 3

Schon leicht angetrunken liegen wir auf meinem Bett, irgendwie halb über einander, halb unter einander.
Ich weiß nicht.
Muss aber bestimmt ziemlich witzig aussehen und jedes Mal, wenn du dich bewegst und deine Haut über meine streicht, verfliegt die Hitze, die der Alkohol in mir entfacht hat und wird von einem Schaudern abgelöst.
Träge beobachten wir das Flimmern des Fernsehers, irgendwie ist es heute langweilig.
“Lauri, sei mir nicht böse...aber ich finde es fucking boring...”
“Dito...”, ich seufze.
Aber was sollten wir denn bitte schön jetzt noch tun?
Es ist weit nach Mitternacht, stockdunkel und draussen friert langsam die Hölle zu, so kalt ist es.
“Hei, lass uns doch was kochen. Ich habe echt Hunger!”
“Aki? Bist du schon so besoffen...oder hast du Fieber?”, ich rapple mich auf und halte meine Hand an deine Stirn.
Normale Temperatur...soweit ich das beurteilen kann.
“Nein, aber...ich wollte ja nur was konstruktives zu unserer nächtlichen Gestaltung betragen.”
“Ne, lass mal lieber...”
“Und was sollen wir dann tun?”, mit einem Gähnen und einer ausladenden Bewegung streckst du dich, während ich mich erhebe und ans Fenster gehe.
So weit, so gut, es schneit zu mindest nicht.
“Hei Aki, sollen wir vielleicht raus gehen, n bisschen rum laufen? Ich muss mir eh noch mal Kippen holen...”, ich habe versucht so gleichgültig wie möglich zu klingen, ging aber nicht so gut.
“Mensch Lauri. Rauch doch nicht so viel.”
“Ja, ja...”
“Nein, jetzt mal ernsthaft. Was du machst grenz schon an Selbstverstümmelung.”
“Ja, aber sicher doch...”, ich rolle gekünstelt mit den Augen, bis ich vorüber gehend nichts mehr sehen kann.
“Aber, ich meine, was bleibt uns anderes übrig? Erfrieren und noch n bisschen was erleben oder vor Langeweile eingehen...”
“Eben...meine Rede...also, dann ziehen wir uns mal an...will gar nicht wissen, wie scheiße kalt es sein wird.”
Tja und so machen wir uns so zu sagen an die Arbeit.
Bis wir uns letztlich ganz eingepackt haben und Eiszeit-ready sind, vergeht noch fast eine Viertelstunde.
Naja, bei dem Saustall, den wir in meinem Zimmer veranstaltet hatten auch kein wirkliches Wunder, da dauert es nun mal seine Zeit, bis man alles wieder gefunden hat.
Startbereit stehen wird dann endlich an der haustüre, werfen uns noch einmal aufmunternde Blicke zu.
“Also, worauf warten wir noch? Auf besseres Wetter?”, ich lache kurz auf,
“Ja, darauf warten wir allerdings! Aber bis das kommt, kann es noch eine Weile dauern...also, let’s go...”
Ruckartig reißt du die Tür auf und so gleich nimmt uns die fiese Kälte des Novembers in Gefangenschaft.
“Sicher, das wird DA raus wollen?”
“Mensch Lauri, wir sind Finnen, keine Memmen! Was sind denn bitte minus 15 Grad für Temperaturen? Das ist doch ein Witz...”, du greifst nach meiner Hand, gut verpackt in dicken Handschuhen, die, so scheint es mir, uns immer noch zu viel trennen...
“Jetzt komm schon!”
Und zack, wir stehen draussen.
Es ist kuhsackfinster und richtig kalt.
Also, nicht nur kalt oder so...nein, es ist richtig frostig.
Sogleich vergrabe ich mein Gesicht in meinem schwarzen Strickschal, den mir Mira vor Jahren mal geschenkt hatte, als ich krank war.
Sie sagte, er solle dafür sorgen, dass ich nicht wieder krank werde.
Bis jetzt hat es geholfen.
Und Schnupfen oder Husten bezeichne ich nicht als krank, also...
Nevermind.
“Und jetzt?”
“Jetzt gehen wir Kippen kaufen!”, zufrieden grinsend mache ich vorsichtig erste Schritte.
Gar nicht so glatt, wie ich dachte, sehr gut.
“Vorsicht!”, nach dem du mich gerade liebevoll in die Mitte der unbefahrenen Strasse geschubst hast, stelle ich schmerzlich fest:
Es ist glatt.
Und das verdammte Eis ist hart.
“Danke Aki! Das wirst du noch büßen!!!”, mühsam rapple ich mich wieder auf und klopfe mir etwas Eis von den Knien, das meine Jeans bei meiner Schlitterparty aufgesammelt hat.
“Lauri, siehst du das?”
“Was denn?”, verwundert sehe ich zu dir und wie du so da stehst, unter dieser Laterne, im Schnee, auf dem Eis.
Wunderbar.
“Ich zittere schon vor Angst!”
“Boah, mach mich doch nicht so fertig...”, es ist anstrengend so böse drein zu schauen, wenn man dich eigentlich nur küssen möchte.
Aber ich versuche es und gehe langsam, vorsichtig auf dich zu.
“Das gibt RACHE!”, ich werde schneller, komme kurz ins Straucheln, kann mich aber noch halten, kralle mich an dir fest und zusammen versinken wir in einem Schneeberg, den der Pflug schon am heutigen Morgen dort abgeladen hat.
Lachend sehe ich auf dich herab, du grinst nur und siehst mich abwartend an.
Deine Brille, ihr Sitzt auf deiner Nase, die leicht rot ist, ist etwas schief und dein Atem geht unruhig.
Was ist denn los?
Bist du nervös?
Ich kann es einfach nicht lassen und schnippe dir mit meinen dickem Handschuh gegen die Nasenspitze.
“Sehr witzig...”
“Finde ich auch.”, dein Körper unter meinem strahlt eine unglaubliche Wärme aus, ich könnte noch Stunden so verharren, ohne dich aus den Augen zu lassen.
“Lauri...ich will mich ja echt nicht beschweren...aber, du drückst gerade mit deinem Knie gegen etwas, was ich eigentlich noch brauche...”
“Oh...hähä...sori...”, hastig kraksle ich von dir runter und lasse mich neben dir in den Schnee fallen.
“Weißt du, langsam bekomme ich wirklich richtigen Hunger, meinst du, wir könnten...”, du stoppst mit deinen Worten, siehst an mir vor bei, auf die Strasse.
“Sag mal, ist das nicht Miras Auto?”, auch ich richte meinen Blick auf die Strasse, auf der gerade ein kleiner VW Käfer auf uns zu kommt.
“Ja, das ist es!!!”, lachend springe ich auf, starte alsbald ich mein Gleichgewicht gefangen habe an, wie blöd zu winken.
Und tatsächlich, das Auto wird langsamer, hält schließlich wenige Meter neben mir an, die Scheibe wird herunter gekurbelt.
“Ach du Scheiß...Mira, was ist passiert?”, ich hechte zum Auto, in dem Mira mit total verheulten Augen sitz und mich stumm an sieht.
“Nichts...es ist nichts, ich...ich...”, ihr Blick wandert an mir vorbei.
“Oh...hei, Aki.”, gequält lächelt sie, was ist bloß schon wieder passiert?
“Hei Mira... wasn los?”, du lehnst dich an das Auto, studierst ihr Gesicht, fragst dich vermutlich genau das selbe, wie ich es tue.
“Es ist...Basti...wir...”
“Dieses Arschloch!”, wütend stampfe ich auf, verenge meine Augen zu Schlitzen, wenn ich nur seinen Namen hör, könnte ich Zustände bekommen.
“Was hat er wieder getan?”
“Nichts, wir haben uns nur gestritten...und...”
“Hat er dich wieder geschlagen?”, besorgt strecke ich meine Hand nach ihrem blass geschminkten Gesicht aus, doch sie weicht zurück.
“Lauri, ich musste einfach weg von ihm...”
“Wolltest du zu uns?”
Ein stummes Nicken als Antwort.
“Fein, du weißt ja, wo du parken kannst...”, ich lächle sie aufmunternd an und gehe mit dir zurück zu dem Haus meiner Eltern.

Part 4

“Es war wieder nur wegen einer Kleinigkeit...ich weiß nicht mal mehr genau, wieso.”, kopfschüttelnd trinkt Mira einen großen Schluck aus der fast völlig geleerten Wodkafalsche.
“Ich versteh dich echt nicht...ihr streitet euch doch nur noch. Wieso ziehst du nicht einfach wieder zu deinen Alten?”
“Du bist witzig Aki, bei denen würde der Stress doch nur weiter gehen und darauf kann ich gut und gerne verzichten.”
Mira ist, als sie 18 geworden war zu ihrem Freund Basti gezogen, das ist jetzt fast zwei Jahre her und die beiden haben sich völlig auseinander gelebt...jeder weiß das, nur Mira krallt sich immer noch so an ihn.
“Ist doch eh alles scheiße!”, mit einem Seufzen wirft sie sich zurück in die Kissen meines großen Bettes.
Ich sehe zu dir, du zuckst unsicher mit den Schultern. Und natürlich, was könnten wir schon tun, wenn sie sich nicht wirklich helfen lassen will?
“Es tut mir ehrlich leid, dass ich euch auf die Nerven gehe...obwohl ihr eigentlich n Männerabend machen wolltet.”
“Laber keinen Müll! Ich hab dir gesagt, wenn was ist, kannst du kommen. Es war was, du bist gekommen. Alles ist OK, klar?”, ich erhebe mich vom Boden und lege mich neben sie ins Bett.
Es tut mir immer weh, wenn ich nicht weiß, wie ich ihr helfen kann, dabei will ich das doch so.
Ich will, dass sie glücklich ist, so, wie ich es bin, weil sie es mehr als verdient hätte.
“Ich hol unten nochmal Wodka, ok?”, ich wende mich zu dir um, du bist aufgestanden und ziehst dir deinen Pullover etwas zurecht.
“Gute Idee...”, gebe ich dir mit einem Kopfnicken zurück und du verlässt das Zimmer.
“Ich wollte euch nicht stören, ehrlich...”, Miras Blick ist stur auf die Decke fixiert.
“Tust du nicht.”
“Doch, lüg doch nicht...wer weiß, was der Abend noch für dich gebracht hätte, wäre ich nicht gekommen...sorry...”
“Hör auf rumzuspinnen, der Abend hätte nichts weiter gebracht, als einen Kater und den bekomme ich auch, wenn du dabei bist.”, grinsend piekse ich ihr in die Seite, doch sie reagiert kaum.
Eigentlich weiß ich nicht, was der Abend noch bereit gehalten hätte, wenn sie nicht aufgekreuzt wäre.
Ich möchte es auch ehrlich nicht wissen.
“Du bist einfach zu lieb.”, sachte haucht sie mir ein Küsschen an die Wange und tätschelt dann darüber, kichert leise...
“Was ist so witzig?”
“Ich glaube bald muss ich echt zu dir sagen, du solltest dich rasieren...”
“Wahnsinnig komisch...”, unsicher fahre ich mit meiner flachen Hand über mein Gesicht.
Nichts...weich, wie immer.
“Sei nicht immer so fies zu mir.”
“Tut mir leid...”
“Ja, schon klar.”
“Mira! Mobbst du Lauri etwa ohne mich? Wie kannst du es wagen?”, mit einem Hechtsprung sitzt du am Fußende des Bettes und wedelst mit zwei neuen Wodkafalschen.

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

So leise wie möglich erhebe ich mich, merke schon nach den ersten Schritten, dass wir wirklich ordentlich was weggekippt haben.
Ich sehe über meine Schulter zu euch aufs Bett.
Da liegt ihr beide, schlaft seelenruhig.
Du brabbelst von Zeit zu Zeit etwas und Mira hat ihre Hand auf deinem Bauch platziert.
Ihr seht so niedlich aus...
Grinsend torkle ich aus meinem Zimmer...das Ziel?
Badezimmer...der Wodka will die Flucht ergreifen...meine Blase platzt bald!
Hektisch mache ich das Licht an, schmeiße ich die Türe hinter mir und kurz darauf folgt die Erleichterung.
Als ich meine Hände wasche und mein Blick den Spiegel streift, kann ich mir ein leises Lachen nicht verkneifen. Scheiße man, seh ich so zerknautsch und bescheuert aus...dummer Alk...
OK, dann der Weg wieder zurück durch den dunklen Flur, in mein Zimmer
Doch ehe ich die Klinke ergreifen kann, öffnet sich schon die Tür und du siehst mich verschlafen an.
“Mira brauch viel Platz...sie hat mich aus dem Bett gekickt..”
“Nicht weinen...”
“Mach dich nicht lustig über mich...”. leidend streichst du dir über den Hintern und grinst süffisant.
“OK, ich werde es unterlassen...”, ich werfe einen Blick an dir vorbei in mein Zimmer, in dem Mira wirklich ziemlich...wie soll ich sagen? Ziemlich egoistisch das ganze Bett beansprucht...
Wortlos gehst du an mir vorbei, setzt dich auf die Treppe, die zum Stockwerk unter uns führt.
Hier oben im zweiten Stock wohnen nur Hanna und ich und Hanna ist, wie jedes Wochenende bei ihrem Freund...folglich...sturmfrei für mich!
Ich folge dir ohne zu zögern und setzte mich neben dich, wobei sich unsere Knie berühren und mir verdammt heiß wird.
“Mira tut mir irgendwie voll leid...”
“Mhm...aber sie muss selbst wissen was sie tut, auch, wenn ich stark bezweifle, dass sie weiß, was sie tut...oder besser tun sollte.”
“Stimmt...”, du nickst leicht und streichst dir dann gähnend einmal durch deine Dreads.
Wenn du nur wüsstest, wie niedlich du aussiehst, wenn du verpennt bist.
“Du weißt nicht zufällig, wie viel Uhr wir haben, oder?”
“Du unterschätz mich immer Laurilein...es ist so gegen halb sieben...”
“Und woher, wenn ich dich das fragen darf, oh großer Aki, weißt du das?”
“Dein Radiowecker hat es mir eben zugeflüstert...”
“Oh...”
Als Antwort bekomme ich nur ein amüsiertes Grinsen von dir.
“Und was sollen wir jetzt machen? Das Bett zurück erobern oder gnädig sein und das Prinzeschen schlafen lassen?”
“Letzteres...”, ruckartig erhebe ich mich, dein unschlüssiger Blick verfolgt mich.
“Also, ich weiß ja nicht, was du machen willst, aber ich werde meinen Hintern nicht hier auf der Treppe platt sitzen, sondern n Kaffee trinken. Wie sieht’s mit dir aus?”
“Koffein? Let’s go!”, freudestrahlend erhebst du dich und zusammen machen wir uns auf den ‘beschwerlichen’ Weg die Stufen herab in die elterliche Gruft auch Erdgeschoss genannt.
In der Küche pflanzt du dich sogleich bequem auf einen der vier Stühle, die um den relativ großen Esstisch stehen und grinst mich abwartend an, was ich wohl erwidere.
“Ja, was denn nun? Magst mich lieber angaffen, oder doch lieber dem Aki ne Koffeinspritze verpassen?”
ANGAFFEN!!!!
“Also, wenn du so fragst...”, ich grinse spielerisch...du nimmst mich ja doch nicht ernst.
“Ach, so ist das also?...hättest du doch gleich sagen können. Los geht’s... hier aufm Küchentisch, oder doch lieber aufm Boden?”
Scheiße!
Werde ich rot?
Ich werde rot.
Nein!
Kopf gegen Wand und das am besten ganz stark und ganz oft...
Mit einer geschmeidigen Bewegung stehst du auf, geht den einen Schritt auf mich zu, der uns noch trennte.
Sicherheitsabstand good bye... ich schlucke einmal trocken, als du dich noch ein Stückchen näher wagst.
“Also...Aki, weißt du...”, meine Stimme wird immer brüchiger.
Klasse, so könnte ich dir gleich ins Gesicht schreien, dass ich scharf auf dich bin...verdammt.
“...you let me violate you
you let me desecrate you
you let me penetrate you
you let me complicate you...”, mehr als gehaucht ist dein leises Gesinge nicht.
Doch was bezweckst du damit?
Ich runzle die Stirn, während du sachte deine Hände hebst.
Hebst sie mit solch einer Vorsicht, als wolltest du ein scheues Eichhörnchen nicht verjagen.
Ich halte den Atem an, während der deine sich sanft auf meine Haut legt, da wir uns so nahe sind...
“help me...I broke apart my insides
help me...I've got no soul to sell
help me...the only thing that works for me...
help me get away from myself...”, kaum spürbar streichen deine warmen Hände an meinen Seiten entlang, dein Gesicht ist erfüllt von einer Seelenruhe und einem mehr als versautem Grinsen.
Gänsehaut zieht ihre Bahnen durch meinen elektrisierten Körper.
Dein Flüstern tut sein übriges, ich weiß nicht, was ich tun soll?
Auf dich reagieren?
“I wanna fuck you like an animal
I wanna feel you from the inside...”, und dein Grinsen wird düsterer, was zur Hölle wird das?
Ich kann fühlen, wie du deine Nägel etwas in meine Seiten gräbst.
Scheiße, ich seh’s schon kommen, wie mir die Knie wegsacken...
Bestimmt schiebst du deinen Kopf noch näher an meinen heran, dein wunderbarer Duft umschwirrt mich. Ich weiß nicht, was ich...
“I wanna fuck you like an animal
my whole existance is gone
you get me closer to god...”lachend, löst du dich von mir, sehe ich da etwa sogar Lachtränen?
Ich sehe dich fassungslos an.
“So Ülle...jetzt ...mach mal Kaffee!”, du ringst regelrecht nach Luft und ich stehe einfach nur da und starre dich mehr oder noch mehr entsetzt an.
“Was los? Das nimmst du mir jetzt nicht böse, oder?”, feixend stichst du mir in die Seite, drehst dich einmal tänzelnd um die eigene Achse und setzt dich wieder auf deinen Ausgangspunkt, von dem aus du dieses innere Fiasko in mir ausgelöst hast.
“Ne, passt schon...”, ich schüttle kurz den Kopf, versuche mich zu fangen und beginne langsam, als sei ich ein wenig gelähmt, uns Frühstück zu machen.
“Nine inch nails...closer to god...”, gleichgültig lehnst du deinen Kopf auf deinen, auf dem Tisch angewinkelten Ellbogen ab.
“Was?”
“Na, das Lied! Man, du bist echt noch nicht ganz wach...”

Part 5

“Vorsicht!”, rasch schiebe ich meine Hand zwischen Miras Kopf und die Tischplatte, die ihr zerstrubbeltes Haupt gerade knutschen wollte.
“Sori, aber ich bin einfach so...”, ein ausgedehntes Gähnen unterbricht sie.”...müde...”
“Du solltest mal ne Hochschule fürs Partymachen besuchen...da lernt man bestimmt auch, wie man sich am nächsten Morgen zu mindest nicht anmerken lässt, dass es einem beschissen geht...”, lachend schiebst du ihr ein Glas mit aufgelösten Kopfschmerztabletten hin und Miras schmale Hand umschließt das Glas.
Tja, das war’s dann auch schon... sie ist ein gepennt...und meine Hand wird langsam aber sicher bedenklich schwer...
Du gluckst vergnügt vor dich hin.
Ja, ist mir klar, dass du das witzig findest, ist ja auch nicht deine Hand, die langsam aber sicher zu zittern anfängt.
Mit erzwungener Ruhe senke ich meine Hand und lege Miras Kopf behutsam auf den Tisch, streiche ihr noch ne Strähne aus dem Gesicht und nehme ihr das Glas weg.
“Man, wenn man’s nicht besser wüsste, könnte man annehmen, ihr wärt das Traumpaar schlecht hin.”, kopfschüttelnd lehnst du dich zurück und nippst gemächlich an deinem heißen Kaffee.
Daraufhin schweige ich, denn das, zwischen Mira und mir, an das könnte niemals eine Beziehung auch nur ansatzweise heranreichen.
Das weißt du auch.
“Sori Alter...”
“Lass mal gut sein.”, ohne meinen Blick von Mira zu nehmen greife ich nach meiner Kaffeetasse und nehme einen großen Schluck.
Der Kaffee ist längst nicht mehr heiß, oder gar warm...wir haben ihn kalt gelabert...
“Ich habe so was von keinen Bock nachher nach Hause zu gehen...zu diesem dummen Weib.”, seufzt du und streckst dich dann, wobei ich richtig sehen kann, sie sich die Muskeln an deinen Armen anspannen.
Ich hatte völlig vergessen, ausgeblendet, dass du ja in ein paar Stunden wieder gehen musst.
“Ach komm schon, so schlimm wird’s schon nicht werden! Das bisschen Babysitten kriegst du schon noch hin.”
“Ach, halt den Mu....”
“Guten Morgen, die Herren und Damen Partymacher!”
“Morgen Frau Ylönen...”
“Oh...Morgen Mama!”, fahre ich herum und sehe zu meiner Mutter, die im Morgenmantel und mit plüschigen hellblauen Hausschuhen im Türrahmen lehnt.
“Wieso seit ihr schon auf? Es ist doch erst zehn?”, mit leisen Schritten betritt sie die Küche, wirft einen kurzen, kopfschüttelnden Blick auf das schlafende Mädchen neben mir.
“Aki, wann soll ich dich denn nach Hause fahren?”
“Öhm...keine Ahnung, vielleicht so um zwölf...vielleicht auch...et...”
“Ich kann dich doch auch heimfahren, kein Problem...”
“Ach Mira, auch endlich unter den Lebenden?”
“Nur kurzfristig.”, lächelt sie verschlafen, hält sich allerdings sogleich mit schmerzverzerrtem Gesicht den Kopf.
“Na gut, weil dann würde ich mich anziehen und mal eben zum Einkaufen fahren.”
“Ja, gut...also, bis heute Abend dann.”, grinse ich breit und leere den Rest meines Kaffees in mich rein.
“Wieso? Wo treibst du dich schon wieder rum?”
“Mama, keine Panik, ich geh mit zu Mira...wegen den Haaren und so.”
“Na dann...bis später mein Junge!”, und trotz meines warnenden Gesichtsausdruckes tut sie es:
sie gibt mir einen Kuss auf die Stirn.
Klasse.
Ja, Mira und du, kringeln sich schon wie tote Regenwürmer. Ach ja, Schadenfreude kann so wunderbar sein...wenn sie sich nicht direkt auf einen selbst bezieht!
“Klappe zu! Alle beide!”, mit drohendem Finger deute ich abwechselnd auf Mira und dich.
“Ist schon gut...bloß nicht aufregen...meine Junge!”, prustend fallen sich die beiden in die Arme, während ich pissig die Arme vor der Brust verschränke.
“Wisst ihr eigentlich, dass man neben dem Wort ‘Gemein’ euer Bild im Lexikon findet?”

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Eine knappe halbe Stunde später sitzen wir drei in Miras Käfer und ‘cruisen’, wie du so schön sagst, nach Espoo.
Ich wurde, wie üblich auf die Rückbank verdonnert, mit den Worten “Der Kleinste muss hinten rein!”
Klasse...immer muss ich leiden! Wieso nur? Ach ja...immer auf die Kleinen.
“Musik!”, motze ich zwischen den Sitzen durch und deute auf ihren mittelalterlichen CD-Player.
“Was wünschst du dir denn, oh allerliebster Lauri?”
“Egal...”, schnaube ich und werfe mich wieder mit dem Rücken gegen den Sitz.
“Aki, im Handschuhfach habe ich n paar CDs rumfahren, guck mal, was dem Prinzen gefallen könnte.”
“Wird gemacht...”, mit einem lauten Knacken reißt du das Handschuhfach auf und schon fallen dir zig CDs entgegen. Typisch Mira...bloß keine Ordnung, oder so was...man könnte ja was finden...
“Kippön!”
“Boah ne, könnt ihr eure dumme Raucherei denn nicht einmal lassen?”
“Nein!”, kommt es wie aus einem Mund von der super Fahrerin und mir, ich lache und krame fast schon giggelig die Kippenpackung aus meiner Parkatasche.
“Das ist MEIN Auto...da kann ich tun, was ICH will und mit WEM ich will!”
Breit grinsend strecke ich Mira ne Zigarette nach vorne und bringe sie doch so tatsächlich zum Schweigen.
Du wirfst unterdessen motzend einer der unzähligen CDs in den Player und kurbelst sogleich die Scheibe an deiner Seite runter.
“Hier ist es ja sonst, wie in ner Dampfgrotte!”
Schön wäre es...denn, so weit ich mich erinnern kann, hat man in einer Dampfgrotte nicht sehr viel an und du...
Ach, egal.
Genüsslich zünde auch ich mir eine Kippe an und inhaliere den blauen Dunst.
Wuhu...rauchen in Miras Autolein...hat eigentlich schon Tradition. Ich kann mich an keine einzige Fahrt entsinnen, bei der wir nicht mindestens drei Kippen nieder gemacht haben. Auf längeren Strecken können es dann auch schon mal Packungen sein...
“Sag mal Aki, wer ist denn die Glückliche, die dich an der Backe haben wird?”
“Sehr witzig! Wirklich! Ich habe keine Ahnung, ich kenn sie ja noch nicht mal! Die Tochter von nem Kumpel meines Alten halt...”
Wow, vielleicht solltest du lernen, deine Freude etwas zu unterdrücken. Du hast also wirklich keinen Bock auf das alles.
“Aki, wenn’s ganz übel wird, schick mir ne SMS und Mira und ich kommen dir zur Hilfe..vielleicht könnten wir ja heute Abend dem Mädel mal zeigen, wie hier Parties gefeiert werden!”
“Ach ja? Sollen wir denn wirklich so großzügig sein?”
“Najaaaaaaaaaa....”, breitgrinsend wendest du deinen Kopf um und strahlst mich an.
Klasse. Die Sache ist beschlossen!
“Wann sollen wir antreten?”
“Um acht?”
“Sehr schön...”
“Und ich werde gar nicht gefragt, oder wie?”
“Mira: Mund zu! Auf die Strasse konzentrieren!”, feixend stichst du ihr in die Seite, siehst dann wieder zu mir.
Man, manchmal möchte ich wirklich in deinen Augen ertrinken und aufgrund deines Lächelns wegschmelzen!
Siehst du, was du aus mir machst? Ich philosophiere schon so kitschig rum!
“Jungs, ich sage es euch ja wirklich nicht gerne, aber ich kann nicht mitkommen.”
“Was? Wieso denn nicht?”, verständnislose Blick zur Fahrerin.
“Ich habe nachgedacht...”
“Wann denn? Als du besoffen warst? Oder geschlafen hast?”
“Halt die Klappe Hakala!”, sie seufzt, jetzt kommt’s...
“Ich würde das mit Basti gerne heute Abend wieder hinbiegen...okay?”
“Du willst alles wieder gut-poppen, oder wie?”
“Aki!!!”, zische ich nach vorne, ich meine, so deutlich muss man es ja nicht sagen!
“Ne, ist schon gut...er hat ja Recht...”
“Hei Mira...ich weiß, ich sag dir das jetzt schon zum millionsten Mal, aber verlass den Dreckskerl einfach!”, ich beuge mich nach vorn und streiche sachte über ihre Schulter, möchte sie beruhigen, denn das, was ich dort durch den Rückspiegel in ihren Augen erkennen kann, sind keine Freudentränen...nein...
“Aber ich liebe ihn...”
Schweigen.
Nur die leise Musik von der CD, die du eingelegt hast und das Brummen des alten Motors verhindert, dass uns die Stille in Gefangenschaft nimmt.
Toll, was soll ich denn jetzt sagen?
Für ihre Liebe kämpfen hat ja doch keinen Sinn...
”Mira, am besten gehst du alleine zu Basti nach Hause, ich denke nicht, dass es so klug wäre, dort mit Lauri aufzutauchen.”
“Und das soll heißen?”, verwundert blicke ich zwischen dir und Mira hin und her.
“Du kommst gleich mit zu mir!”
Danket dem Herrn! Halleluja!
Yeah! Der Tag wird immer besser! Doch...
“Ist das okay für dich Mira?”
“Vermutlich hat Aki Recht...”
“Ich will jetzt nichts sagen, aber ich habe IMMER Recht!”


Part 6

Stumm betrachten wir beide Emma.
Ja, Emma, heißt unsere Aufgabe für den heutigen Tag.
Und so, wie ich das sehe, brauchen wir ihr nicht zeigen, wie man Party macht...
“Wie alt bist du denn Emma?”
Verdammt gute Frage, Honey...
Wie alt wird sie schon sein? Zehn? Zwölf, wenn’s hoch kommt.
“Dreizehn!”, wirft sie dir schnippisch entgegen. Ich kann mein Kichern ehrlich nicht unterdrücken, gut, ich hatte es auch nicht vor.
Wow...so schnell kommt man an ne frühpubertäre Göre...Klasse.
“Gut und was willst du machen? Ich meine, worauf hast du Lust?”, du gehst vor ihr in die Hocke, lächelst sie lieb an.
Wieso nur habe ich das Gefühl, dass wir alle drei hierzu keinen Bock haben?
“Keine Ahnung, wohne ich hier oder du?”
Ne Zicke! Darf gelacht werden?
“Sollen wir dir etwas die Stadt zeigen?”
“Spinnst du? Hast du mal n Blick auf den Thermometer riskiert? Es ist scheiße kalt draussen!”
“Da hat sie nicht ganz Unrecht...”, gähnend verschränke ich die Arme hinter dem Kopf und lasse mich zurück auf dein Bett sinken.
“Was sollen wir denn dann tun?”
“Lass dir doch mal was einfallen...AKI!”
Du rollst mit den Augen und erhebst dich, schön, sie kann deinen Namen noch böser Aussprechen, als deine Mutter, das hat doch schon mal was...
“Magst du n Video anschauen?”
“Was für eins denn?”
Ist das nicht schön? Die neue Generation braucht keine Beschäftigung, nur Videos und PC-Spiele...hatte ich ja glatt vergessen. Moment mal...gehören wir denn nicht auch...egal.
“Such dir eins aus!”, leichtfüßig begibst du dich zu dem Schränkchen auf dem dein Fernseher steht und öffnest diesen.
Ein wahres Paradies für jeden Videojunkie befindet sich darin.
Sogleich hechtet unser kleines Püppchen aus Zucker darauf zu und beginnt eifrig die Videos in neue Reihenfolge zu bringen, bzw. Sie aus dem raus Schrank auf den Boden zu buchsieren.
“Ich hasse sie jetzt schon...”, stöhnend lässt du dich neben mir nieder und strahlst mich von der Seite an.
“Nur ein Tag...”
“Es wird ein verdammt langer Tag werden!”
“Lass uns sie doch alleine lassen und unten im Wohnzimmer unseren Spaß haben...n bisschen Musik und Alk und...joa...”, spielerisch kneife ich dir in die Seite, vorauf hin du dich breit grinsend zu mir drehst und nickst.
Es ist einfach herrlich! Deine Eltern sind mit denen, dieses Kniebeißers was Essen gegangen und das kann dauern...
“Hei ihr Turteltäubchen! AKI, ich WILL diesen Film sehen!”
“Ich eile...”, ruckartig erhebst du dich und erfüllst der kleinen Terrorqueen ihren Wunsch.

Und dann, eine knappe Viertelstunde später ist es vollbracht!
Wir beide sitzen unten auf der Couch und grölen mit Silverchair um die Wette.
Auf dem Tisch steht eine frisch geöffnete Flasche Rotwein, die auf das Holz einen roten Schimmer legt, da die Sonne durch das Glas scheint.
“Lauri, versprich mir, dass du nie, und ich meine wirklich NIEMALS so ein Terrorkind in die Welt setzten wirst!”
“Versprochen!”, grinsend proste ich dir zu und nehme einen Schluck aus meinem Glas.
“Gott sei Dank...man, so was gehört verboten! Oder zu mindest erschossen!”
“Oh yeah!”, du stellst dein Glas auf dem kleinen Tisch vor uns ab und lehnst dich wieder, ganz dicht neben mir, gegen das Polster des Sofas.
“I’m watching you....watch over me ..and I got”
“...The greatest view from here!”, Luftgitarreneinsatz deinerseits.
Ich muss lachen, du bist so niedlich. Ich wünschte, ich könnte dich nun einfach küssen und meine Hände unter dein Shirt schieben und...
Lauri! Reiß dich zusammen! Nur einen Stock über uns lauert die Reinkarnation allen Bösen aus der Hölle und wartet bestimmt nur darauf, dass wir einen Fehler machen, den sie ihren Alten petzen kann!
Ablenken...vermeiden, dass ich ne Latte bekomme... das wäre nun wichtige Dinge, auf die ich mich konzentrieren sollte...am besten erst mal noch n Schluck Alkohol zur Beruhigung.
Fast schon hastig setze ich an und trinke einige Schlucke, aus dem Augenwinkel kann ich sehen, wie du voll in einem Gitarrensolo aufgehst und...
Schon ist es passiert.
“Wah! Sori Lauri!”, Luftgitarre wird in eine Ecke gedonnert, denn der Rotweinfleck auf meinem Shirt, bzw, meiner Jeans sieht nicht ganz so sexy aus, wie du eben.
“Macht nichts...war zwar n weißes Shirt...aber meine Ma wollte eh mal wieder Sachen einfärben...”, ich stelle das Glas ab und reibe notdürftig alles großzügig in den Stoff des Shirts.
“Scheiße man, das tut mir echt leid...warte, komm, in der Küche versuch ich’s mal n bisschen raus zu waschen, ja?”, ohne meine Antwort ab zuwarten krallst du meine Hand und ziehst mich hinter dir her in die Küche.
Hektisch durch suchst du ein paar Schränke bis du letztlich n Geschirrhandtuch hervor holst, es mit Wasser tränkst und rasch über mein Shirt streichst.
Das widerliche kalte Wasser auf meiner Haut verursacht nicht gerade angenehme Gänsehaut.
“Ach, gib mir doch einfach n Shirt von dir...ist doch kein Ding.”, ich nehme dir das Handtuch weg und pfeffere es in die Spüle.
“Echt nicht schlimm?”
“Mensch Aki, so gut solltest du mich inzwischen doch kennen, dass ich wegen dem Oberteil nicht so n Aufstand probe!”, kopfschüttelnd greife ich nach dem Rand des Shirts und ziehe es mir über den Kopf.
“Ja, ich dachte ja nur...”
“Hör auf zu denken! Du siehst ja, was dabei raus kommt.”, feixend strecke ich dir die Zunge raus und stelle doch etwas begeistert fest, dass du nicht so recht weiß, wohin denn nun mit deinen Augen.
Zu mir, oder doch besser auf den Boden?
Ich könnte jetzt alles auf eine Karte setzten.
Es riskieren, dass ich eine Abfuhr bekomme.
Denn normalerweise brauchen wir einiges an Alkohol, um RICHTIG locker zu werden.
Ich halte kurz den Atem an.
Ich meine, verlieren kann ich nicht viel, mein Shirt ist eh schon versaut, also, wieso denn nicht auch wir beide?
Unsicher mache ich einen kleinen Schritt auf dich zu.
Deine Augen huschen einmal über meine, mit Gänsehaut überzogene Brust und dann zu meinen Augen.
Dein unsicheres Lächeln spricht Bände, ganze Bibliotheken könnte ich damit füllen.
“Aki, weiß du, was ich denke?”
Hektisches Kopfschütteln.
Ich greife nach deiner rechten Hand, muss mich selbst zu Ruhe zwingen. Überstützung, wäre mehr als tödlich...
Mein Daumen streicht sachte über deine weiche Haut. Wie ich es doch vermisst habe.
“Was denkst du?”
“Ich denke, es wäre toll...wenn ich dich...”, ich schiebe meinen Körper dem deinen entgegen, höre, wie unruhig dein Atem geht.
“...wenn ich dich küs...”
“AKI!”
Verdammte Scheiße!
“Er kann jetzt nicht!”, brülle ich mit dem Kopf zur Tür gerichtet Emma entgegen.
Wieso muss dieses Gör denn ausgerechnet jetzt stören?
Ich stöhne genervt auf, du tust es mir gleich.
“Was denn?”
Wieso reagierst du auf sie? Der Film ist noch lange nicht vorbei und Chips hat sie bestimmt auch noch!
“Ich muss mal!”
“Warte...ich zeig dir wo...”, rasch gehst du an mir vorbei, ich ziehe scharf die Luft ein.
“Boah ne!”, motze ich und lehne mich gegen einen der Küchenschränke.
Das darf doch alles nicht wahr sein!
Ich sehe an mir herab, alle, wirklich alle, Haare stehen mir zu Berge.
Ich friere und bin...
Nun ja...bin geil?
Joa, so würde ich das ausdrücken...
Ein Seufzen kann ich mir nicht verkneifen, das ist so frustrierend!
Du lässt mich doch tatsächlich wegen so nem dummen Balg stehen! Oben ohne! In der Küche!
F. U. C. K!
Leise dringt deine dirigierende Stimme zu mir, oh man...wieso musste das alles passieren?
Jetzt, ist es ja wohl endgültig für heute gelaufen...
Böse starre ich Richtung Tür, bewache jeden noch so kleinen Fussel, der durch einen Windhauch auch nur herein kommen könnte und erschrecke schließlich richtig, als du kommst.
“Hier, ich hab...hab n Shirt für dich.”
“Boah Aki!”, ich stapfe auf dich zu.
“Was denn?”
“Vergiss doch dieses bescheuerte Shirt endlich!”, fast etwas entsetzt entreiße ich dir das hellgraue Oberteil und donnere es auf den Boden.
“Aber...ich dachte.”
“Ich hab’s dir schon mal gesagt: lass das mit dem Denken! Du denkst viel zu viel! Tu doch endlich mal was! Ich meine, du kannst doch nicht immer nur rational durch dein Leben gehen! Das geht doch nicht!”, wow, diese kleine, laute Ansprache hat mich doch tatsächlich etwas außer Atem gebracht.
Rasch hebt und senkt sich meine Brust, von Gänsehaut keine Spur mehr.
“Lauri, weiß du...”
“Ja? Ich höre?”
“Es tut mir leid...ich...”
“Sag jetzt bitte nicht, du dachtest nur...”, vielleicht kommt diese Geste nun etwas mitleidig rüber, doch ich schüttle langsam, aber bestimmt den Kopf.
“Aki, halt einfach die Klappe...und...?”, mein Tonfall wird wieder leiser, ich beruhige mich, auch, wenn mein Herzschlag langsam aber sicher wieder Richtung Dopingmissbrauch hetzt.
Wieder greife ich deine Hand, diesmal die Linke, verhake mich mit meinen Fingern in den deinen.
Still siehst du mich an, da muss ich jetzt durch.
Durch deinen fragenden Blick, in dem ich doch verlegene Lust erkennen kann. Oder bilde ich mir das alles nur ein?
Ist mir momentan herzlich egal. Lauri, jetzt oder niemals mehr.
Das ist doch ein altes Spiel...nur dies mal ohne Alk!
Vorsichtig gehe ich einen Schritt, den letzten, der uns trennte, auf dich zu und drücke deine Hand fester.
Und du? Du tust nichts. Unsicherheit frisst sich in mir hoch. Was tue ich da?
Es scheint, als sei mein Herz Dynamit, das einen Funken ersehnt... ich sehne mich nur nach einem Zeichen, dass es okay für dich ist, was ich tue...doch nichts.
Ich lege sachte meine freie Hand in deinen Nacken, deine Dreads kitzeln meinen Handrücken Du seufzt leise.
Unsicher schiebe ich meinen Kopf näher zu dir, nehme deinen Geruch in mir auf. Du...
Nur du....und ein kleines bisschen ich...
Ich fühle mich dumm und klein, bei dem was ich tue...fast naiv...
Es ist nicht das erste Mal, doch es fühlt sich so an...
Als sich unser beider Gesichter so nahe sind, dass ich jede Pore deiner weichen Haut erkennen kann, schließe ich die Augen.
Dein Atem, auf meinen Lippen und ganz leicht drückst du meine Hand.
Mein Herz...bloß nicht schlapp machen!
Es ist jedes mal wunderbar dieser Moment...doch heute ist, scheint, alles anders.
Und dann legen sich meine Lippen auf deine, helle Lichter flackern vor meinen Augen und alles kribbelt.
Du verbrennst alle Zweifel in mir, als du den Druck gegen meinen Mund verstärkst und ich deine Hand an meinem Rücken fühle. Sachte streichst du darüber und die Gänsehaut kehrt zurück, helftiger, als zuvor.
Es scheint mir, als vergingen Stunden so, einfach so, wie wir dort in der Küche stehen und sich nur unsere Lippen berühren bis du mich aus dieser angenehmen Starre ziehst.
Sanft streicht deine Zunge über meine Unterlippe, mir brennen sämtliche Sicherungen durch.
Jetzt ist es soweit. Ich kann glücklich sterben!
Kurz drücke ich stark deine Hand, als wolle ich auch sicher gehen, dass dies alles kein Traum sei und öffne schließlich meinen Mund.
Unsere Zungen treffen sich.
Oh mein Gott, ich kann mich nicht daran erinnern, das es sich jemals zuvor so innig angefühlt hat, so innig war.
Mit einem Ruck reißt du deine Hand von meiner los, umschließt mich mit deinen Armen und drückst mich an dich. Ich kann nicht mehr.
Forschend streicht deine Zunge an meinem Gaumen entlang, wagst es dann den Kuss zu unterbrechen und widmest dich einmal meiner Halsbeuge.
Ich stöhne unterdrückt auf, als du sachte hineinbeißt.
Du hebst deinen Kopf, ich öffne langsam die Augen und dein Blick ist einfach nur niedlich. So dumm sich das nun anhören mag, es ist so...kein anders Wort fällt mir dazu ein.
“Ich dachte nicht, dass es so werden würde.”
“Ich habe ja gesagt, dass Denken voll für n Arsch ist!”, lachend ziehe ich dich wieder an mich und drücke dir einen Kuss auf die Stirn
“Das ist mehr als verrückt...und das WEIßT du auch.”
“Ich habe ja nie etwas anders behauptet...”, langsam senke ich meinen Kopf, lehne meine Stirn an die deine, unsere Nasen berühren sich ganz leicht.
Sanft streift mich dein ungleichmäßiger Atem, deine Hände rutschen an meinem Rücken entlang und ruhen letztlich etwas über meiner Hüfte an den Seiten, während dein rauer Daumen über meine Haut streicht.
Mir ist ganz heiß.
“AKI!?”, Miststück...
“Ich kann jetzt nicht!”, raunst du mit einem süffisanten Grinsen und ich kann nur zufrieden nicken.
“Danke...”, hauche dir einen Kuss auf die Lippen, doch als ich mich etwas von dir entfernen möchte, um dich ansehen zu können, schiebst du mir deinen Kopf entgegen und wieder beginnt unsere Zungenspiel.
Dein Geschmack nach etwas Rotwein in meinem Mund, deine Finger, an meiner Haut und diese wunderbare Still...
“AKI?!”, ich kneife ungehalten und genervt die Augen ganz fest zusammen, möchte diese Satansbrut aus unserer Welt verbannen.
“AKI? Was tut ihr da?”, erschrocken schiebst du uns auseinander.
Irritiert sehe ich dich an, folge dann deinem Blick zu...
Emma!
Ach du scheiße!
“Ihr habt euch geküsst!”
“N...Nein, haben wir nicht!”
Du bist ganz rot...und mein Gesicht wurde von solch einer brutalen Hitze erobert, die mich schlussfolgern lässt, dass ich genauso aussehen muss.
“Oh doch das habt ihr! Das erzähl ich meiner Mama! Und die wird es deiner Mama sagen!”
Oh. My. Fucking. God!
“Nein. Emma, hör mal...”, einmal mehr an diesem vermalledeitem Tag gehst du vor ihr in die Hocke.
“Was kann ich für dich tun, dass du dieses kleine Missverständnis für dich behältst?”
“Wieso hat Lauri keinen Pulli mehr an? Hast du ihm den ausgezogen?”
“Nein, ich hab Rotwein drauf geschüttet und wir wollten es raus waschen...”
“...wolltest du mit ihm...”, vorsichtig schiebt sie ihren Kopf an dein Ohr und flüstert ganz leise, doch ich kann ihre Worte trotzdem hören ”...Sex haben?”
Ich kann nicht anders als leicht zu schmunzeln, denn, ich hätte es nicht für möglich gehalten, aber du wirst noch röter.
“Nein, wollte ich nicht...und jetzt lenk nicht ab! Was möchtest du tun?”
“Fernsehen alleine ist stink langweilig! Kommt ihr mit?”, seufzend richtest du dich wieder auf, deutest mir kurz mit dem Kopf auf das Shirt, das noch zu unseren Füßen auf dem Boden liegt.
“Ja, wir kommen gleich nach, okay?”
“Okay! Aber küsst euch nicht wieder!”, Emma streckt uns die Zunge raus und stürmt sogleich unter lautem Poltern wieder die Stufen zu deinem Zimmer hoch.
Ich kralle mir das Shirt und beginne es mir anzuziehen.
“Scheiße! Wenn die das meinen Alten erzählt, dann...”
“Was soll schon sein?”, zupfe den Stoff zu Recht, “Sie ist n Zwerg...der glauben deine Leute doch eh nicht!”
“Wer weiß...”, schnaubend stößt du die Küchentür ganz auf und geht voran die Treppen hoch in dein Zimmer, wie hörig folge ich dir wortlos.
Ich hasse Emma!


Part 7

Völlig gelangweilt sitzen wir beide mit deinen Eltern, denen von Emma und dem Terrorkind selbst um den großen Esstisch versammelt und tun so, als ob wir das gerne tun.
Ich sitze neben dir und sehe von Zeit zu Zeit unsicher zu dir rüber. Seit Emma uns erwischt hat, bist du total still. Das macht mir, zugegeben, ein bisschen Angst.
“Ja, ja, das kenne ich! Diese faulen Säcke! Denen muss man nur mal gehörig in den Arsch treten und dann wirst du sehen, Tiimo, wie hart die arbeiten können!”
Emmas und dein Vater sind beide erfolgreiche Geschäftmänner mit eben doch nicht gerade wenig Ansehen...
“Noch was zu trinken für euch beide?”, Frau Hakala steht hinter uns, in ihrem dunkelroten Kostümchen, ihren mit Lippenstift zugeteerten Lippen und diesem aufdringlichem Parfum. Ganz anders als meine Ma, jetzt lässt sich nur drüber streiten, was schlimmer ist:
Kostümchen und Pumps vs. Bademantel und hellblaue Puschen?
“Nein, danke...”
“Für mich auch nicht...danke...”, ich schließe mich deinem Kopfschütteln an.
Wieder einmal geht mein Blick zu dir. Du hypnotisierst die weise Tischdecke und schweigst vor dich hin.
Es tut mir leid, dass ich dich in solch eine Situation gebracht habe...
Ehrlich.
Unter dem Tisch tastet meine Hand nach deiner, findet sie schließlich auf deinem auf deinem Schenkel ruhend.
Als ich sie greife, erwiderst du sogleich den Druck. Es tut so gut dich hier bei mir zu haben.
Und ich weiß einfach nicht, wie ich es wieder gut machen kann...
“Na Emma? Was habt ihr drei denn heute schönes gemacht?”, der Druck gegen meine Hand wird fester, abwartend sehen wir zu Emma.
“Videos geguggt.”, grinsend strahlt sie ihrer Übermutter entgegen. Innerlich atme ich auf, dir wird es vermutlich nicht anders gehen.
“Und Aki hat Lauri geküsst!”
Mir schnürt es die Luft zum Atmen ab, deinem Vater fällt der Sekt wieder aus dem Gesicht, deine Mutter verschluckt sich an ihrem Kuchen und...Stille.
Alles sieht uns beide abwartend an. Ich möchte sterben! Aber zu erst versuchen dich da wieder rauszuholen.
Immer hin ist das alles, so unangenehm dies jetzt ist, meine Schuld.
“Emma...hör doch auf so einen Müll zu erzählen!”, mit einem Lachen versuche ich die Situation wenigstens etwas zu entschärfen.
“Ich lüge nicht! Ich weiß doch, was ich gesehen habe!”
“Aki...?”, ui, dieser Ton deiner Mutter macht selbst mir Angst.
“Frau Hakala, ich bitte sie, das stimmt nicht...ich meine...”, ein verzweifelter Blick zu dir, du starrst unentwegt auf diese bescheuerte Tischdecke! Am liebsten würde ich dich davon losreißen und mit dir...
“Aki? Was hat das zu bedeuten?”
“Nichts...”, nur ein gebrochenes Flüstern. Ruckartig erhebst du dich, stößt sogar den Stuhl um, der mit einem lauten Knallen auf dem Parkett aufschlägt und verlässt den Raum.
Klasse...lass mich ruhig alleine...
“Lauri? Was ist hier los?”
“Äh...Bitte entschuldigen Sie mich.”, so ruhig wie möglich erhebe ich mich und gehe dir nach. In meinem Rücken kann ich sie tuscheln hören. Es tut weh.
Hastig stürme ich die Treppen zu deinem Zimmer herauf, als ich die Tür öffne sitzt du am Fußende deines Bettes und...weinst?
Wortlos gehe ich zu dir, setzte mich neben dich und nehme dich in den Arm. Ganz fest drücke ich mich an dich und es ist schön zu fühlen, dass ich nicht alleine bin.
Scheu sickern deine Tränen durch den Stoff meines Shirt, das eigentlich deines ist und dein Schluchzten erfüllt den Raum.
Ich habe dich schon des Öfteren weinen sehen, doch nicht, so. Nicht, weil ich mit daran Schuld hatte.
Beruhigend streiche ich über deinen Rücken, während sich deine Hände an mich krallen.
Hast du Angst, ich lasse dich nun alleine?
“Aki, man...es tut mir leid...”
Du sagst nichts. Aber was hatte ich auch erwartet?
“Hätte ich gewusst, dass das so scheiße läuft, dann...”
“Was dann? Lauri? Was dann...?”, du löst dich von mir, siehst mich irgendwie enttäuscht an.
Ja, was wäre dann gewesen?
“Weißt du, ich dachte...”
“Lauri, du kannst mir nicht erzählen, dass DU dachtest!”, deine Augen...es tut so weh dich so traurig zu sehen, doch was ist nun? Ändert die Tatsache, dass deine Eltern es wissen, etwas an uns? Etwas zwischen uns?
“Doch, ich meine...du wolltest es doch auch....oder?”
“Ja, verdammt! Und genau das ist unser Problem! Ich bin nicht schwul oder so was! Das ist alles nur bei dir so!”
“Was ist nur bei mir so?”, unsicher studiere ich dich, weiß nicht wohin ich sehen soll, damit mich dein, irgendwie strafender Blick nicht trifft.
“Ich fand es immer toll, wenn wir uns geküsst hatten, oder sonst was taten. Am nächsten Morgen konnte man es auf den Alk schieben... auch, wenn es eigentlich nicht Alkohol benötigt hätte dich zu küssen...”, du atmest tief ein, versuchst sichtlich dich zu fangen.
“Weißt du, heute war es anders...heute war alles anders, schon bei dir am Morgen auf der Treppe und das...dass ich dich in der Küche bei dir geärgert habe, tut mir leid. Aber ich wusste doch auch nicht, wie ich mit all dem umgehen hätte sollen.”
Fahrig streichst du dir über’s Gesicht und ich bin einfach nur sprachlos aufgrund deiner Worte.
Ich weiß nicht ein Wort, das ich dir entgegen bringen könnte.
“Es tut , mir leid...”, flüstere ich dennoch und starre auf meine Hände, die nervös am Saum deines Shirts, das ich trage, spielen.
“Lass gut sein...es ist meine Schuld, ich hätte wissen müssen, dass es falsch war.”
“Was?”, Fassungslosigkeit in meinem Gesicht. Es war falsch? Ist das dein Ernst? Das darf nicht dein Ernst sein!
“Aki, verdammt nochmal! Nichts war falsch, oder wird falsch sein! Wo steht denn bitte schön, dass es falsch ist? Wo? Aki, sag es mir!”
“Ich weiß es nicht...”
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Krisensitzung.
Familienkrisensitzung, wenn man es genau nehmen will.
Familie Hakala vs. Familie Ylönen bei Hakalas in der Küche.
In dieser verdammten Küche, wo dies alles erst so richtig angefangen hat!
“Ach kommen Sie, Tiimo, so schlimm ist das doch nicht!”, aufmunternd klopft mein Dad deinem Vater auf die Schulter. Der Rest schweigt.
“Er ist schwul! Das ist alles Lauris Schuld!”
“Nein! Ich bin NICHT schwul!”, wütend schnaubst du vor dich hin und ich kann niemandem sagen, wie weh dies alles tut und wie unangenehm, wie peinlich alles ist.
Und du machst es nur noch schlimmer.
“Wir hatten uns schon Sorgen gemacht, wieso Lauri nie eine Freundin hatte...aber, wenn das so ist, ist ja eine gute Erklärung gefunden!”, strahlend drückt mich meine Mutter an sich und zwinkert mir zu.
Sie. Macht. Mir. Angst!
“Hören Sie, was Lauri tut ist uns, so denke ich, doch herzlich egal...nur nicht mit unserem Sohn!”
“Aber wenn sie doch glücklich sind!”
“Eben!”, nickend mischt sich nun auch noch Hanna ein. Ja, sie ist auch spontan der Einladung deiner Eltern gefolgt.
“Ihr habt doch alle keine Ahnung!”, mit Wut in deinen Worten reißt du die Küchentür auf und verlässt den Raum.
Nach kurzem Zögern gehe ich dir nach, ich muss sowieso noch mal hoch zu dir, denn meine Jacke ist noch dort.
“Naja, ist er eben schwul. Ich finde das klasse!”, naja, wenigstens ist Hanna auf meiner Seite und ihre lauten Worte hallen mir nach.
“Aber wieso ausgerechnet Aki? Der blutet doch schon beim Ansetzten!”, ihr Lachen mischt sich mit dem meiner Mutter.
Ich sollte mich wohl beeilen, denn bei solchen Sprüchen sehe ich schon die Galle deiner Eltern überschäumen...
Oben ist es still, meine Jacke hast du in den Flur geworfen. Ich möchte weinen.
Langsam bücke ich mich nach dem Parka, hebe ihn auf und spiele mit dem Gedanken zu dir zu gehen, doch ich sollte mein Glück nicht überstrapazieren...bei dem Tag heute...
“Bis Montag, Aki...”, flüstere ich und bete, dass du mich nicht hasst.
Was soll ich denn tun? So sehr ich es mir auch wünsche, ich kann die Zeit nicht zurück drehen.
Wenn ich nicht zu stolz dazu wäre, würde ich nun wirklich weinen, doch diese Blöße würde ich mir nicht vor deinen Eltern geben. Vor niemandem hier...

Part 8

Freitag.
Die Tage waren vergangen, du bist mir, soweit, wie irgend möglich, aus dem Weg gegangen.
Ich fühle mich verlassen. Und ich was noch schlimmer ist, du fühlst dich nicht anders, das kann ich dir ansehen, doch wieso tust du es dann?
Ist der Gedanke, mit mir zusammen zu sein, denn wirklich so anstößig?
Anstößig?...keine gute Wortwahl...
Immer, wenn Silverchair im Radio kam, habe ich fast einen Anfall bekommen und die zweideutigen Bemerkungen meiner Mutter und Hanna haben mir fast täglich den Rest gegeben.
Es ist zwar toll, dass meine Familie, ganz im Gegensatz zu deiner, Verständnis hat, aber so leicht ist alles dann doch nicht.
Und auch heute sitzt du schweigend neben mir. Seit Tagen verfluche ich es, dass wir im Klassenzimmer zusammen sitzen, obwohl ich deine Nähe so sehr genieße.
Als der Schulgong ertönt, zucke ich richtig zusammen, denn ich habe mir heute Morgen etwas vorgenommen:
ich werde reinen Tisch machen und es hat mich schon in der zweiten Mathestunde verdammt viel Überwindung gekostet, dich um ein späteres Gespräch zu bitten.
Abwartend sehe ich zu dir rüber.
“Was gibt’s?”
“Ist das dein Ernst? Du fragst mich, was es gibt? Was denkst du denn?”
“Lass uns das nicht hier besprechen...”, rasch erhebst du dich, dein Blick fordert mich auf, dir zu folgen, was ich wortlos und widerstandslos tue.
Dir würde ich überall hin folgen.
Unser Weg führt uns zu den Toiletten, stumm hälst du mir eine der Türen der Kabinen auf und verschließt diese letztlich hinter uns.
Ganz schön eng hier...
“Es tut mir leid Aki, aber ich kann so nicht weiter machen, verstehst du?”
Du nickst stumm.
Dein Blick ist auf die weise Wand hinter mir gerichtet, vielleicht liest du einen der unzähligen Sprüche die dort mit Edding hingeschmiert worden waren...
“Ich auch nicht. Lass uns die Sache einfach vergessen...das wäre mir am liebsten. Okay?”, deine Augen, Unsicherheit, du siehst aus, wie ich mich fühle...
“Vergessen?”, widerhole ich leise und schlucke einmal trocken.
“Sag, dass das nicht dein Ernst ist...bitte.”, wieder möchte ich heulen, doch wieder ist da ein Quäntchen Verstand, dass dies unterbindet.
“Lauri, versteh mich doch...es geht nicht, selbst wenn ich wollte.”
“Du hast gesagt, du wolltest. Lüg mich jetzt nicht an.”, langsam hebe ich meine Hände, lege sie auf deine Schultern und gleite dann an deinen Armen herab, bis ich deine Hände greife. Ich möchte dich küssen, dich an mich ziehen und niemals mehr los lassen müssen.
“Du wolltest es auch...”
“Lass mich...!”, ruckartig entziehst du dich mir. Verständnislosigkeit ist alles, was sich in meinem Kopf befindet.
Wieso sagst du so was? Wieso belügst du mich?
Belügst dich doch auch...
Unverständnis, welches sich kaum spürbar in Wut verwandelt. Du verletzt mich! Du tust mir weh. Sehr sogar...
“Aki, tu doch nicht so, als würde dir durch eine Berührung von mir n Ei abfallen!”, provozierend, bewusst provozierend, greife ich dir herzhaft einmal in den Schritt und grinse dich an.
Das hat gesessen!
“Lauri, lass mich einfach in Ruhe, okay? Geh mir aus dem Weg oder such dir einen neuen Spielkameraden!”
Ja, das hat gesessen, denn als du die Kabine verlässt, fühle ich, wie eine einsame Träne über meine Wange kullert und ich verfluche meine verfickte Spontanität!
Seufzend lasse ich mich an der kalten Wand zu Boden rutschen und vergrabe mein Gesicht in meinen Händen.
Ich habe alles kaputt gemacht, nur weil ich nicht wollte, dass du mir weh tust.
Mit einem lauten Knall schlägt die äußere Tür der Toiletten auf und in die Kabine neben mir stürzt sich jemand.
Den Geräuschen zu Folge...weiblich...würgend...Mira?
“Mira?”, ich kraksle auf die andere Seite und warte gespannt eine Antwort ab und nach widerlichen Würgegeräuschen bekomme ich eine bejaende Antwort.
“Geht’s dir nicht gut?”
“Nein, mir war verdammt schlecht...ich habs nicht mal mehr auf die Damentoilette geschafft...”, sie lacht leise und spült dann.
“Und was suchst du hier?”
“Ich mache, dass Aki mich hasst...”, langsam erhebe ich mich, trete aus der Kabine und lehne mich neben einem der drei Waschbecken an.
“Das geht?”, da kommt sie, total rotes Gesicht, sichtlich geschafft, was ist bloß zur Zeit los mit ihr?
“Ja, das geht du weißt doch...ich kann alles...”, ein Blick in den Spiegel, das hätte ich besser sein lassen sollen.
Ich sehe so mies aus, wie ich mich fühle.
“Was hast du getan? Hast du ihm zwanghaft gezeigt, wie er sich bücken soll, damit...”
“Mira, das ist nicht witzig! Mir reichen schon die Kommentare meiner Familie...auf deine kann ich gut und gerne verzichten.”
“Tut mir leid Kleiner...”, sie dreht den Hahn auf und trinkt etwas Wasser.
“Weißt du, was dagegen hilft?”
“N Gnadenschuss? Notfalls tut’s auch n Strick, hast du einen da?”
“Laber keinen Müll...mein lieber Lauri, wir beide werden uns heute Abend so was von die Kante geben, dass wir vergessen, wie man unsere Namen schreibt...falls wir das denn jemals konnten!”, lieb nimmt sie mich in den Arm, streicht mir über den Rücken.
“Ich habe kein Geld saufen zu gehen...”
“Brauchst du auch nicht, Sara, so ne neureiche Tussi macht ne große Pool-Sauna-Party bei sich zu Hause, da ihre Alten nicht da sind. Zu mir meinte sie, ich könne gerne kommen und Freunde mitbringen!”
“Aber ich...”
“Kein Aber mein Hasi, wir werden uns das Hirn weg knallen! Denn das tun gute Freunde nun mal! Und nein, du brauchst dich nicht bei mir bedanken!”

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“Warde Mirülein! Ned weglaufen...”, stolpernd hänge ich mich in Miras Arm fest und wanke mit ihr zu Cocktailbar nahe des Pools im Keller Saras Villa.
“Was willsu denn noch su drinken Honey?”
“Ejal...”, grinse ich und kralle mich am Tresen fest. Hier ist es toll! Alkohol und mehr Alkohol! Mehr braucht man nicht, um dich zu vergessen!
Jedenfalls für einen Abend...
“LaUrü! Halt dich fest...”
“Tue ich!”, kampfbereit verstärke ich den Druck meiner Finger gegen das Kirschholz.
“Da is Agü...”
“HÄ?”, hastig schicke ich meine Blicke umher, mir wird regelrecht schwindlig bei dieser Aktion.
“Vaarscht!”, brüllend vor lachen sinkt sie zu Boden.
“Sea witzig du bis gema-hein!”
“Sei mia ned pöse...ich mein, was sollsch denn ohne dich tun? Mit Basti poppen is au ned das Wahre...”
“Wie etz? Soll das heißen, ich ...soll... mit dia?”
“Ne...NE! Bloß ned...also, ned, dassu ned at-at-attraktiv bist, aba ich schlafe aus Prinzip ned mit Minderjähri...ach egal...”, prustend hangelt sie sich an mir wieder herauf, wobei ich schwer mit dem Gleichgewicht zu kämpfen habe,
“Also, Kippis ma Schatzü!”, gesagt, getan, wir krallen uns jeweils ein neues Glas, stoßen an und trinken n paar ordentliche Schlucke.
Tja, wir sind aus Krupstahl...unerschütterlich, in allem, was wir tun!
Nur das mit dem Geradeauslaufen üben wir besser in einer stillen Minute nochmal...
“Mirü!” , Synchronumdrehen nach dieses pervers hohen Stimme.
“Scheen, dassu gekommen bist! Freut mich, dassu auch n Freund dabei hast!”, breit schmunzelnd kneift mit diese Barbie in die Wange.
Das muss ich mir ja echt mal nicht antun!
“Mirülein...ich geh mich mal n bissssssssle umschaun!”
“Is ohhkeh...!”, lachend winkt sie mir nach und ich ziehe mit großer Mühe Leine.
Die meisten Leute laufen in Badesachen bzw. Nur mit Handtuch bekleidet rum...liegt vielleicht daran, dass es ne Pool und Sauna Party ist...gut kombiniert Master Ylönen!
Ich sehe langsam an mir herab...wo zur Hölle sind meine Klamotten?
Ich kann mich nicht daran erinnern, sie ausgezogen zu haben...gut, ich kann mich auch nicht mehr dran erinnern, wie ich an das Handtuch gekommen bin, dass um meine Hüften gewickelt ist...
Waren Mira und ich schon in der Sauna?
Möglich...auszuschließen ist hier rein gar nichts mehr...
Mich würde es selbst nicht wundern, wenn mir der Weihnachtsmann vor die Füße kotzen würde.
Mehr wankend und schwankend begebe ich mich auf die Suche nach bekannten Gesichtern, denn soweit ich das bis jetzt beurteilen kann, sind hier nur Leute aus der 13. Oder welche, die schon studieren, oder zu mindest so aussehen, als würden sie dies tun.
Als ich am Pool vorbei schleiche treffen mich Tropfen des Wasser, da diverse Spielchen darin, sehr viel Bewegung erfordern...kopfschüttelnd stelle ich fest, dass ich mich nicht in der Lage befinde so rasche Handlungen zu tun...
“Laurü! Du bist ja auch hia!”, lallend fällt mir einer meiner Klassenkameraden um den Hals.
Mit voller Wucht kommen wir ins Straucheln und laden, ich mit dem Bauch voraus im Wasser.
Autsch! Klasse, jetzt brauche ich mehr Alk, um diese perversen Schmerzen an meinem Bäuchlein zu beschwichtigen.
Prustend tauchen wir wieder auf und ich klettere ohne weiter auf seine Rufe zu reagieren aus dem Wasser.
Ist ja widerlich mit so vielen Menschen drin. Ich weiß schon, wieso ich Schwimmbäder meide!
“LaurI! Verdammt nochmal!”
“Wassssss denn?” , zische ich und wende mich um.
“Dein Handtuch...”
“WAS?”, kurzer, erschütternder Blick nach unten. OH MY GOD!
Mit einem Hechtsprung rette ich mich und meine Blöße ins Wasser. Schwindel, als sich das Wasser über mir zusammen schlägt und ein ekliger Geschmack in meinem Mund, als ich diese Chlorbrühe aus Versehen schlucke.
“Hia Alda...”, breit schmunzelnd überreicht mir der Kerl das kleine weiße Handtuch.
Scheiße, wie peinlich...wenn das einer gesehen hätte! Ach egal, daran würde sich doch eh keine Sau erinnern.
Mühsam kämpfe ich mich mit dem Stoffteil in der rechten Hand zum Beckenrand.
So, Konzentration...wie komme ich hier raus, ohne, dass mich alle im Adamskostüm sehen?
“Von mia aus kannsu das Handtuch auch drinne lassn.”
Ich sehe auf. Du.
Was suchst du hier?

Part 9

“Was?”
“Ich nehm dich auch mit ohne alles!”, grinsend gehst du vor mir in die Hocke und reichst mir deine Hand.
Notdürftig wickle ich mir das Handtuch um die Hüften und lasse mich von dir aus dem Pool ziehen.
“Was guggsu so? Du siehst aus, als häddest du n Elch geknutscht!”
“Hab ich auch...nein, also ich meine...”
“Tequilla?”
“Oh yeah...büdde...”, schnauben legst du deinen Arm um meine Schulter und führst mich an die zweite Bar hier.
Du hast auch nur n Handtuch um, steht dir verdammt gu-hut.
“Laurü, lass mich ehrlich sein...isch hab dich vamisst!”
“Escht?”
“Joa...türlisch!”, hastig rettest du uns eine der Flaschen der Bar und nimmst einen großen Schluck. Dein etwas verzogenes Gesicht lässt hohe Prozente erhoffen...
“Hia! It’s jur törn schatzü!”, mit diesen ‘Worten’ drückst du mir die Flasche in die Hand und ich folge, wie zu erwarten, deiner Aufforderung. Und ich kann deinen Gesichtsausdruck nur erwidern, das brennt ja sogar im Hals! Klasse!
“Weissu...eigentlich...”, deine Hand patscht, wie die eines Kleinkindes an nem Schaufenster, an meiner noch immer nassen Brust herum.
“Eigentlich hab ich dich imma noch lüp. Und...”, du grinst so, wie ich es liebe...
“Und sollen wia denn ned lüpa unna zwei Augen diese Flasche nieder machen?”
“Und wo Hasi?”, schmunzelnd sehe ich in deine glasigen Augen, frage mich kurz, ob ich wohl den selben Anblick biete...
“Ich weiß ja, dassu da ned so gern rein gehst...aba würdest du mit mia in die Saune kommän?”
Ich packe die Flasche griffsicher und dann deine Hand, denn so etwas, lass ich mir selbst mit meinen 3000 Promille nicht zweimal sagen!
Wankend schleppen wir uns in eine der drei kleinen Saunen, die es hier gibt und du ‘wirfst’ mich sozusagen auf die Holzbank darin und verschließt die Tür hinter dir.
Ich winke dir mit der Tequillaflasche zu. Hier drin könnte man echt die Luft schneiden!
Ich hasse Saunas...aber mit dir ist das was anders...
“Es gibt nüchts scheeneres als sich mit dia alle Lichter aus zu saufen!”, lachend nimmst du mir das Gebilde aus Glas ab und trinkst wieder.
“Danggö, so schöne Komplimente kriegsch nua von dia!”
“Kein Problem, weissu, ich hab dich escht vadammt lieb...ich meine, ned nua so...sondern RICHTIG! Is halt einfach alles scheiße sur seit...”
“Vastehe.”, tue ich zwar nicht, juckt mich aber so viel, wie wenn in Honolulu einer an nem Eichhörnchen erstickt, weil er meinte es im Ganzen runter schlucken zu müssen.
“Hia, drink nochmal wasss!”, schon hälst du mir die Flasche vor die Lippen und ich tue, was du willst. Man, ich bin ja richtig hörig...hätte ich nicht gedacht...ach ja, die Sache mit dem Denken wollten wia ja lassen.
Das Flüssige Feuer bahnt sich seinen Weg in meinen Bauch und brennt tatsächlich Löcher in meine Speiseröhre...ich Weichei.
Plötzlich fühle ich eine Hand, deine Hand auf meinem Schenkel. Ich presse die Lippen auf einander, vergesse zu trinken und der ganze kostbare Alkohol fließt fröhlich über meine Brust und versickert im Handtuch.
“Sori Lauri...man sur seit verschüdde ich vadammt viel...findesu ned auch?”, kichernd stellst du die Flasche ab und streicht mit einem Finger, deiner nun freien Hand über, die feuchte Bahn auf meiner Brust.
Es kribbelt. Überall.
Dann leckst du dir genießerisch über die Lippen.
“Weissu, is doch escht Vaschwendung...”, langsam beugst du dich zu mir, senkst deinen Kopf etwas tiefer und als ich deine Zunge über meine Haut streichen spüre, dreht sich alles in nicht gerade ruhigem Tempo.
Ich presse meine Augen zusammen und lehne mich etwas nach hinten, den Kopf in den Nacken, während deine Zunge anscheinend tatsächlich alles von dem verschütteten Alk aufsuchen möchte.
Dann du wanderst weiter und weiter nach unten.
Ich stöhne , als du über meinen Bauchnabel streichst, was dich veranlasst leise zu Lachen.
Ja, wahnsinnig witzig!
Sachte schiebst du deine Hände an meinen Armen herauf, dein Kopf folgt.
“Laurü, es tut mia ehrlisch leid, dass da letztens aufm Klo passiert is...wirklisch...”, ein gehauchter Kuss an meine erhitze Wange.
“Isch wollde ned, dass das alles so zeische läuft...kannsu mia verzeihen?”, mehr Berührungen deiner Lippen auf meinen Gesicht.
“Aba sicher doch...”, vorsichtig lege ich meine Arme um dich, ziehe dich fast auf mich. Deine heiße Haut auf meiner.
“Hat der Tequilla geschmeckt?”
“Türlisch...”, lasziv leckst du dir erst über die Lippen und dann über meinen Hals.
“Etz kannsch das auch noch machen...wenn du erstmal Haare auf der Brust hast, geht das nimma...dann habsch ja Haare zwischen den Zähnen!”, lachend beißt du mir, wie letztens in der Küche in die Haut.
Ich vergehe unter dir, deinen Berührungen.
Alles lässt den Rausch des Alkohols minimal erscheinen, im Vergleich zu der Reizüberflutung, die du in mir auslöst.
“Agü, ich liebe dich. Ehrlisch!”, meine beiden Hände zittern, als ich dein Gesicht halte und in deine Augen sehe.
Würde ich nun nicht sitzen oder besser liegen, würden mir vermutlich die Beine weg sacken.
“Das is klasse Laurü...”, ein zufriedenes Lächeln auf deinen Lippen lässt mich wirklich alles Vergangene vergessen, denn der Augenblick ist jetzt und fließt wie Sand durch unsere Hände.
Jetzt.
Sachte küsse ich dich, schmecke dich, dies mal mit Tequilla und anderem Alkohol.
Fordernd schiebst du mir deine Zunge in den Mund, so, wie schon zu oft davor...wieder ist es anders.
Einige Zeit liegen wir nur so da, uns immerzu küssend und einfach nichts weiter doch...
Etwas unsicher schiebe ich meine Hand an deinem Rücken herab, du bist total nassgeschwitzt.
Schweißperlen zergehen unter meinen Finger und du seufzt genießerisch, als ich an deinem Handtuch zu nesteln anfange.
Zögernd versuche ich das Stück Stoff zu lockern, das um deine Hüften geschwungen und an der Seite zusammen geknotet ist.
Du löst deine Lippen von den meinen, siehst mich fragend an.
“Hassu Angst?”
“Weiß ned...”, ich schlucke einmal trocken, bin doch etwas nervös.
“Lass es doch einfach passieren...schlimma, als es etz is kann’s ja doch nimma kommen...”, lächelnd fängst du einen Tropfen Schweiß auf, der an meiner Schläfe herunter lief.
Du richtest dich ein wenig auf, schaust mich musternd, vielleicht auch prüfend an, grinst dann zufrieden.
Was stellt dich denn so zufrieden?
Mühsam stütze ich mich auf meinen Ellbogen ab und sehe an mir herab.
Hossa!
Joa, das, was dort in die Höhe ragt, lässt mich auch zufrieden werden.
Vielleicht liegt es ja auch nur am nassen Handtuch, oder an dieser unmenschlichen Hitze hier drin, dass er so groß ist...aussieht...wie auch immer.
“Laurü, isch hab dich escht unnaschätzt!” breit schmunzelnd, total ungeniert, streichst du einmal leicht über die Beule zwischen meinen Beinen. Ich ziehe scharf die Luft ein.
“Du willst es escht wissen..hm?”
“Joa! Gans oda gar ned...”, sachte legst du dich halb auf mich, stützt dich mit deinen Händen neben meinem Oberkörper ab und dein glasiger, von Alkohol getrübter Blick huscht über mich.
Es gefällt mir, dass du mich ansiehst.
Ich mag es, wie du meinen Körper besiehst, dir vielleicht in deinem zerstrubbelten Kopf ausmalst, was wir tun könnten.
Was du tun wirst.
Mit mir
Sachte lege ich meine Hände auf deine Schultern und ziehe dich zu mir herunter. Feuchte Küsse folgen.
Deine, doch etwas rauen Lippen, lecken über sie. Herb.
Nein, du bist einfach unbeschreiblich...
Jetzt realisiere ich, wie ungleichmäßig mein eigener Atem geht. Ich vertrage diese Hitze einfach nicht so gut...
Wieder lasse ich meine Hände über deinen Rücken wandern, würde dein Handtuch einfach wegreißen wollen, doch ich weiß nicht...traue ich mich nicht?
Aber ich will dich doch...so sehr... jetzt?
Du willst mich...jetzt.
Langsam schiebst du dein rechtes Knie zwischen meine Beine. Hoch, bis du erreicht hast, was dich so zufrieden stellt.
Reibst dein Knie an meinem Schritt. Ich stöhne. Kann und will es ehrlich nicht unterdrücken.
Und eines wird mir klar...für Zweifel haben wir morgen noch Zeit...jetzt aber...jetzt muss dein verdammtes Handtuch weg!
Mit etwas unkoordinierten Bewegungen mache ich mich ans Entknoten des Frotteestoffes um deine Hüften, zerre regelrecht daran, während du mich immer weiter mit deinen Lippen verwöhnst.
Ich kann spüren, wie sich der Knoten unter meinem Ruckeln löst.
Lauri, mach jetzt bloß nicht schlapp! Du hast Aki schon hundert mal nackt gesehen...
Ja, habe ich, doch, nicht so.
Nicht in dieser Situation und nicht in diesem Zustand...
Du löst unseren Kuss, siehst mich an.
Deine Augen...‘Worauf wartest du noch?’ kann ich darin lesen...
Ich schlucke einmal mehr und zipple dann nervös wie Sau das Handtuch von dir weg, werfe es auf den Holzboden zu unseren Füßen.
Ich traue mich gar nicht hinzusehen.
Aber, was wäre denn schon dabei?
Langsam beugst du dich tiefer, liegst letztlich fast ganz auf mir und ich kann deine Erregung deutlich an mir spüren.
Mein Herz rast, schlägt so kräftig gegen meine Brust, dass ich regelrecht befürchte, es könne im nächsten Moment raus springen und hier fröhlich durch die Sauna rennen...
Wenn ich nicht ohnehin total am Schwitzen wäre, würde ich behaupten ich habe schweißnasse Hände.
Und mit eben diesen Streiche ich über deinen Körper, über deine weiche Haut, möchte dich überall berühren.
Doch...kann ich das wagen?
Du hast selbst gesagt, ganz oder gar nicht...
Also...ganz.
“Hei Laurü...mia is ganz heiß...”
Leise kichere ich. Du schaffst es selbst in solch einer Situation deine Sprüche zubringen...
“Das is ned so luschdig, wie sich das anhört...”, ich hindere dich an weitem murmelnden Rumgenörgele, in dem ich dir sanft einige Küsse auf die Lippen hauche, die du grinsend erwiderst.
“Findest du es hia ned auch zu heiß füa n Handtuch?”, grinsend zippelst du das Handtuch von mir weg und beförderst es zu dem deinen. Chancengleichheit, so nennt man das, glaube ich zu mindest.. .
Sachte kann ich deine Hand fühlen, wie sie an meiner Seite herunter streicht und letztlich an meinem Hintern zur Ruhe kommt. Es ist unglaublich...
Vorsichtig streichst du über meine Haut, mir scheint es, du könntest mit dieser Berührung locker die Hitze der Sauna in den Schatten stellen...
“Man, ich bin escht vadammt nervös...”
“Scht...”, presse ich hervor. Wollte dich eigentlich beruhigen und bringe allerdings mich damit nur noch mehr in den Wahnsinn.
Ich merke dir keine Nervosität an, nein, du scheinst so gefasst und irgendwie...erfahren?
Ja, du bist es auch, im Vergleich zu mir...
Ich weiß, dass du schon des Öfteren was mit Mädchen hattest. Ich hingegen...
Alles Neuland...
Bei dem Gedanken daran wird mir echt anders...
Kaum merklich spüre ich deinen Herzschlag auf meinem, du ruhst mit deinem ganzen Gewicht auf mir, das Atmen fällt schwer...
Deine Lippen verwöhnen meinen Hals, du saugst daran, leckst darüber und ich tut nichts weiter, außer halbwegs meine Koordination zu erkämpfen.
“Agü...”, murmle ich und streiche durch deine nassen Dreads...nass geschwitzt.
“Du bischt escht wundervoll...”, mehr geraunt, gestöhnt und genuschelt, als sonst was, aber vielleicht ist die Message ja doch zu dir durch gedrungen.
“Samma, is die Tür eigentlisch su?”
“Welsche Tür?”
“Die Tür!”, ein Deuten in Richtung Saunaeingang.
“Nope...”
“Fafickte Zeische...warde...”, motzend erhebst du dich, ich kann dies nur mit einem missmutigen Knurren kommentieren.
Langsam torkelst du auf die Tür zu, bleibst dann plötzlich stehen, schwankst...und wendest dich schließlich um.
“Laurü...mia is escht vadammt heiß...”, deine Beine geben nach und dein Gesicht ist kreidebleich.
Ich bekomme Panik, als dein Körper auf dem Holzboden aufschlägt.
Was ist passiert?
“Scheiße!”, schreie ich und stürze zu dir, hart schlagen meine Knie auf dem Boden auf, kurzer Schmerz.
“Aki? Aki? Verdammt, AKI!”, packe deine Schultern, schüttle dich, während sich alles in meinem Kopf dreht, meine Gedanken überschlagen sich.
“Oh Gott, oh Gott ,oh Gott, oh Gott...”, murmle ich, wie ein Besessener, dem der Exorzist gegenüber steht...
Panisch schicke ich meine Blicke in dem Keller herum, such verzweifelt Mira...
Mira, ich bin mir sicher, sie kann mir helfen!
Verständnislose und vor allem belustigte Augenpaare folgen mir.
Worüber sie denn nun lachen ist mir egal. Ganz egal. Nur du bist wichtig.
Und dann endlich, nach viel zu langer Zeit, sehe ich einen schwarzen Hinterkopf, der zu ihr passt.
“Mira!”, rufe ich ihr entgegen, woraufhin sie sich umdreht. Sie sieht erschrocken aus.
“Oh mein Gott Laurü! Wasn los mit dia?”, kopfschüttelnd löst sie das Handtuch um ihre Hüften, trägt ja n Bikini drunter...
“Aki! Ich hab...Aki!”
“Gans ruhig...und etz bedecke erstmal deine Blöße...”, kichernd drückt sie mir das Stoffteil in die Hand, verständnislos sehe ich sie an.
“Bissu neuerdings Nudist, oda so was? Wenn ned, dann würde ich mia etz das verfickte Handtuch umbinden!”
Erschrocken realisiere ich, dass ich...so, wie Gott mich schuf, gerade über diese Party, durch all die Leute gerannt bin. Klasse....doch irgendwie im Moment unwichtig.
“So und was is nun mit Agülein?”
“Ich hab...hab...”, einmal tief Luft holen und den eigenen Atem und die Gedanken einzuholen.
“Ich hab Aki tot gefummelt!”
“Was?”, ich glaube, sie lacht...sie lacht mich aus!
“Das is ned witzig!”
“Was hast du getan?”
“Ich glaub, ich hab...hab...Aki tot gefummelt!”, hysterisch schreie ich sie an. Wieso rafft sie das denn nicht?
“Imma mit dea Ruhe...”
“Mira, schteck dia deine Ruhe in den Arsch und komm mit!”, ich packe ihre Hand und ziehe sie hinter mir her, zurück zur Sauna, in der ich dich liegen ließ...
Ich fühle mich so endlos scheiße!
Schwer atmend erreichen wir schließlich diesen Höllenort.
“Mach dich auf das Schlimmste gefassssssst!”, ich greife nach der Klinke und öffne langsam die Tür und...
Und da sitzt du.
Aufrecht auf der Holzbank, das Gesicht in deinen Händen vergraben.
“Tot gefummelt...ja?”, murrend zieht Mira ne Augenbraue hoch und wirft mir einen komischen Blick zu, während Lachtränen ihre Augen füllen.
“Ja...er...ich meine...er lag da...und...”, ich schnappe nach Luft.
“Aki! Was is passiert?”
“Hm?”, etwas erschrocken siehst du auf, immer noch ganz von Schweiß benetzt ist deine leicht rötliche Haut.
“Tot gefummelt?!”, lachend sinkt neben mir eine kleine schwarze Gestallt zu Boden.
“AKI? Du lagst da und...und...was zum Henker ist passiert?”
Fassungslos sehe ich dich an, der Schock hat sich tief und fest in meinen Knochen festgebissen.
“Keine Ahnung...Kreislauf?”, gleichgültig zuckst du mit den Schultern.
“Was? Mehr nicht?”, ich lasse mich neben dir auf die Bank fallen, schniefe einmal laut...
“Kreislauf...? bist du sicha?”
“Ja...denke schon...”
“Vadammt, ich hab mia solche Sorgen gemacht!”, ich schlinge rasch meine Arme um dich und drücke dich fest an mich, beiße dir, vor Aufregung sogar in die Schulter...ist mir jetzt aber alles ganz egal!
“Laurü...lass das...wenn uns einer sieht...Mira zum Bleistift...”
“Is mia egal! Ich dachte schon, du wärst tot!”
“Ich seh nüx...Agülein...nua keine Panik...”, breit grinsend rappelt sich die kleine Gothikschnapsdrossel wieder auf.
Hastig drehe ich deinen wohl etwas verwirrten Kopf zu mir und drücke dir einen Kuss auf. Ich kann es nicht fassen...Kreislauf...so ein Schmarrn!

Part 10

Wie apathisch starre ich das schnurlose Telefon auf meinem Schreibtisch an, seufze von Zeit zu Zeit in einem Anflug der Ungewissheit und würde dich so gerne anrufen.
Aber du hast nach dieser tollen Party gesagt, du meldest dich.
Verzweifelt schicke ich meinen Blick zum Wecker neben mir auf dem Nachttisch.
Knapp 13 Uhr vorbei, das heißt du müsstest schon zu Hause sein, denn montags haben wir nur bis 12 Schule.
Plötzlich frage ich mich, wieso ich eigentlich heute meine Ma angelogen habe und meinte, ich sei krank.
Ach ja richtig:
ich wollte mir die Peinlichkeit ersparen von den ganzen Leuten aus der 13. und den sonstigen Partygästen als Lachnummer abgestempelt zu werden, obwohl ich es eigentlich tatsächlich bin.
Ich kann nie wieder in die Schule.
Was mache ich denn jetzt?
Ich weiß! Ich werde Penner! Ich suche mir einfach eine nette, gemütliche Brücke und schlafe dort… das wird klasse!
Ich bin ein Idiot!
Nicht nur, dass ich mir ernsthaft erhofft hatte, nach dieser Party könnte sich etwas ändern.
Nein, ich bin ein Idiot, weil ich vor meinem Leben flüchte.
Eigentlich sollte ich aufstehen, raus in die Welt gehen und sagen, was ich will!
Ja, das wäre ein Anfang. Und irgendwann werde ich auch anfangen…aber das hat noch Zeit.
Bestimmt hat es noch eine ganze Menge Zeit. Ich runzle die Stirn. Cool, ich kann mich selbst verarschen! Ich bin ein Naturtalent!
Ein Penner mit echtem Potential! Das ist doch mal was Neues! Meine Eltern werden begeistert sein!
„Lauri?“
Gekünstelt röchle ich ein wenig und antworte dann leidend:
„Ja Mama? Was gibt’s denn?“
„Krankenbesuch!“
Besuch?
Kurz gehe ich alle Möglichkeiten durch, der Menschen, die mich noch nicht für allzu lächerlich halten und nur herkommen würden, um mich auszulachen.
Es bleiben: Mira und Aki.
Bitte, lass es Aki sein.
Bitte, lass es nicht Aki sein!
Bitte, lass es…A…
„Hei Alter! Wo warst du heute?“
…ki sein.
„Bin krank, siehst du doch.“, etwas breit schmunzelnd rücke ich ein Stück beiseite und er setzt sich neben mich auf mein Bett.
„So krank siehst du aber gar nicht aus. Du wolltest mich nicht sehen oder? Bist du wegen mir zuhause geblieben?“, wieso klingt er so besorgt? Er fühlt sich jetzt doch nicht etwa ernsthaft verantwortlich für mein Problem.
„Nein. Wie kommst du darauf?“
„Du bist echt mehr noch, als n mieser Lügner! Tut mir leid, dass du wegen mir so ne Blamage abbekommen hast.“
„Passt schon.“ Gut, mein Leben ist für immer zerstört und von meinem Ruf brauche ich erst gar nicht anzufangen, aber what ever…
„Ich hab mit Mira gesprochen.“
„Und?“, wieso kann ich nicht einmal blöde Fragen mehr zurückhalten?
„Na ja, sie hat mir alles gesagt.“
Ich schlucke trocken. Was versteht der Herr Hakala unter ‚alles’? Meint er alles, im Sinne von jedem kleinen peinlichen Detail oder meint er das gröbste?
„Alles?“
„Na ja. Sagen wir mal so. ich hatte ja schon so ne Ahnung.“
Ich schweige ihn einfach nur mit großen Augen an. Klasse, er weiß es. Dafür muss Mira bluten!!!
„Tut mir leid, dass ich immer so mit dir…wie soll ich sagen? Gespielt habe?“
„Du hast nur mit mir gespielt?“, ich hätte ihn fast angebrüllt, denn dieser Satz zerreißt mir ehrlich fast das Herz! Oder nein, noch besser, es ist, als würde Aki genüsslich 1000 Nadeln in meine Haut jagen! Helle Begeisterung…
„Nein! Gespielt war ein dummer Ausdruck! Ich wollte damit nur sagen, dass es mir leid tut, dass ich mir nicht im klaren darüber war, was meine Dummheiten in dir ausgelöst haben. Sori, Alter.“
„Davon kann ich mir leider Gottes auch nichts mehr kaufen.“, nuschle ich und lege mich der Länge nach auf das Bett, wobei ich das Laken zerknittere, dass ich heute Morgen erst vor lauter Langeweile drauf auf gezogen hatte.
Schweigend sitzt Aki auf der Bettkante und fummelt am Reißverschluss seiner Jacke rum.
Es tut mir ja leid. Aber aus irgendeinem Grund denke ich heute, ich könnte ehrlich sein, da ich ja sowieso nicht noch mehr kaputt machen kann.
„Hei, Mensch Lauri, ich kann dich ja verstehen, aber...bitte hass mich nicht.“
„Soll das ein Witz sein?“, ruckartig rapple ich mich wieder auf und sehe dich entsetzt an.
„Ich kann dich verdammt nochmal nicht hassen! Wenn Mira dir alles gesagt hat und du ihr auch noch zu gehört hast, dann sollte dir das eigentlich klar sein!“
„Ja.“, wie reumütig starrst du den Boden an. Nur, was bringt und das?
„Ja? Mehr nicht? Nur ja?“
„Nein...es ist.“
„Ja, sprich dich aus. Schlimmer kannst du es nicht mehr machen.“
„Es bin ich.“
Natürlich. Bemerkst du das erst jetzt, dass sich alles um dich dreht?
„Genau. Du bist es! Und zwar immer! Schon immer! Irgendwie, schon seit ich dich kenne!“
„Lauri, es tut mir einfach nur leid, aber es geht nicht...ich kann nicht.“
„Aki...“, ich rapple mich auf, setzte mich neben dich und mein Bein berührt das deinige.
Kurz schieß mir die Frage durch den Kopf, ob es in dir genau so kribbelt, wie in mir.
Aber ich denke...eher nicht.
„Wieso kannst du nicht? Wegen deinen Alten?“
Seufzend erhebst du dich. Siehst mich mit einem Blick an, den ich nicht deuten kann.
Einen Blick, den ich besser gar nicht deuten will. Enttäuschung. Meine Enttäuschung widergespiegelt in deinen Augen.
„Lauri, hast du denn niemals Zweifel? Hast du denn verdammt noch mal keine Bedenken?“
'Für sowas habe ich keine Nerven', würde ich dir nun gerne sagen. Lasse es aber besser.
„Lauri. Ich will, dass du einfach weiß, dass mir deine Freundschaft versammt viel bedeutet und wenn ich das kaputt machen würde, könnte ich mir das nicht verzeihen.“
„Aber...“
„Sori, aber diesmal gibt es kein 'aber' mehr.“

Part 11

Warum hat Mira es ihm erzählt? Wieso musste sie es tun?
Fein, jetzt ist es raus. Aber wollte ich das denn?
In jeder Nacht träume ich mich zu dir. Jede verdammte Nacht jagen meine Gedanken an dich meine Hoffnung auf ein 'uns' weiter weg von mir.
Du willst unsere Freundschaft nicht kaputt machen. Das kann ich verstehen. Aber ich will es nicht so.
Scheiß auf Freundschaft! Ich will dich! Und das so, nah, wie nur irgendwie möglich... und dies verbietet Freundschaft auf eine grausame Art und Weise.
„Möchtest du noch etwas Brokkoli?“, ich hebe meinen Blick, liebevoll sieht mich meine Mum an und hält mir das Grünzeug unter die Nase.
„Nein danke...“
„Du weißt, dass du viel Gemüse essen solltest... wenn du schon das Fleisch verweigerst...“
„I know...“, mit einem resignierenden Seufzen nehme ich meinen Teller in die rechte Hand und strecke ihn ihr entgegen. Und sie haut prompt eine große Portion 'Vitamine' drauf. Na danke...
„Wie geht es Aki? Er war ja heute sehr schnell wieder weg.“
„Habt ihr Streit?“
„Nein, Hanna, wie haben keinen Streit... es ist eher...“
„Ja? Was ist es?“, neugierig beugt sich meine Familie über den Tisch und stiert mich über das Essen hin weg an.
„Es ist... eine kleine Ungereimtheit... ne Meinungsverschiedenheit. So zu sagen.“
„Wie süß! Mein Bruder und sein Stecher haben ihren ersten Streit!“
Muss ich darauf was sagen? Oder besser: sollte ich darauf wirklich was antworten.
„Aki ist nicht mein 'Stecher'...“, und wird es so schnell wohl auch nicht werden. Leider.
„Hanna, das war jetzt wirklich eine total überflüssige Bemerkung.“
„Lass mal gut sein Mama...“, ich verdrehe die Augen und weiß, dass sie nicht ganz so taktlos klingen wollte, wie sie es getan hat.
„Tschuldigung... aber ich hab keinen Hunger mehr. Kann ich aufstehen?“
„Lauri, tut mir leid, ich...“
Aber ich habe keinen Bock auf Hannas Worte zu hören. Ohne ein weiteres Wort schiebe ich den Stuhl zurück, stehe auf und verlasse den Raum.
Im Flur verweile ich unentschlossen.
Dann greife ich allerdings doch entschlossen zu Schuhen und meiner Jacke.
Ich brauche frische Luft... und ich muss Mira sehen, denn ich wüsste doch zu gerne, was in ihrem Kopf war, als sie dir alles gesteckt hat. Und ich hoffe, es war mehr, als Luft...
Die Tür knallt hinter mir zu, ich seufze resignierend. Wieso liebt es das Leben eigentlich so, mit tagtäglich in den Arsch zu treten?
Ich kann das alles nicht verstehen... ich meine, hab ich mal was getan, was so schlimm war, wodurch sich dies alles nun rechtfertigen würde?
I don't think so...
Schwerfällig schleppe ich mich durch die Strassen, es scheint mir, ich komme kaum voran.
Es ist kalt. Verdammt kalt um mich herum und die Kälte, die du mir -vielleicht unbewusst- entgegenbringst, macht es noch schlimmer für mich.
Und endlich kann ich das Mehrfamilienhaus, in dem Mira und ich Arschloch von Freund wohnen sehen.
Ich kann nur hoffen, dass er nicht da ist. Durch ihn bekam Hass eine ganz neue Form, nahm eisigere Züge an, wurde manchmal schon zur Raserei.
Meine Hand, mit der ich die Klingel drücke, zittert schon leicht aufgrund der Kälte hier.
Nach kurzem Warten summt das Türschloss und springt freudig auf, als ich mich sachte gegen die Tür lehne. So, nun ein kurzes, dankendes Stoßgebet an Gott, der mich hasst, dass Mira im Erdgeschoss wohnt und los geht's.
Mira steht, im Türrahmen angelehnt und sieht mich abwartend an.
„Was gibt's Kleiner?“, sie lächelt. Das kann sie sich auch sparen.
„Wieso zur Hölle hast du es Aki gesteckt? Hm?“, rasch trete ich an sie heran.

„Was?“
„Mira, bitte tu jetzt nicht so, als ob so was von gar keine Ahnung hast!“
„Weißt du, ich... willst du nicht reinkommen?“
„Ist Basti da?“
Sie nickt.
„Da hast du die Antwort. Also, sag's mir verdammt noch mal! Ich hab echt ein recht darauf zu erfahren, wieso du mir mein Leben versauen musst!“, ich trete einige Schritte näher und spüre richtig, wie sich mein Gesicht vor Wut bei jedem einzelnen Schritt weiter verzerrt.
„Gut.“, sie atmet tief ein, ihre liebenswerten Augen, die mich nun etwas mitleidig anschauen machen mich nur noch wütender.
„Hör mal. Aki hat mir so einiges bezüglich dir erzählt und... ich dachte, wenn er wüsste, dass er genauso fühlt, wie du, dann würde es ihm helfen eher einen Schritt auf dich zuzugehen.“
„Er... fühlt wie ich?“, mein Herz tut keinen einzigen kleinen Schlag mehr. Nichts. In meinen Ohren Rauscht es und... und du fühlst, wie ich.
Fassungslos starre ich Mira an, würde sie am liebsten dazu zwingen alles noch einmal zu wiederholen.
Denn, ich kann es nicht fassen, du fühlst, wie ich.
„Er liebt mich?“
„Das weiß ich nicht Lauri.“, sachte macht Mira zwei Schritt in meine Richtung, bis sie nahe genug bei mir ist und nimmt mich dann in ihre Arme.
„Aber ich weiß, dass du ihm verdammt viel bedeutest. Und dass er keine Ahnung hat, wie er die Gefühle in sich beschreiben soll. Ich denke, dies sind genug Anzeichen. Denk dir, was du willst.“
Endlich kann ich wieder meinen Herzschlag hören. Ich lebe noch.
Wäre ja auch äußerst schade gewesen, nach dieser Nachricht zu sterben.
„Ylönen! Nimm deine Wichsgriffel von Mira!“, erschrocken lösen wir uns und ich sehe in Bastis böses Gesicht, dessen teuflischen Grimasse wesentlich mehr Ähnlichkeit mit einem Dämon aus der Hölle hat, als mit einem normalen eifersüchtigen Freund.
„Reg dich ab, Basti! Ich nehm sie dir schon nicht weg!“
„Hey! Pass auf, wie du mit mir sprichst!“
„Tue ich. Das tue ich. Glaub mir. Du A...“
„Lauri! Ich denke, du solltest jetzt gehen. Ich ruf dich mal wieder an. Ja?“
Ich nicke und blitze neben her Basti noch ein bisschen provozierend an.
„Du wirst diesen abgebrochenen Gartenzwerg nicht anrufen!“
„Doch, werde ich!“, und das sie ihm nicht noch die Zunge rausstreckt, ist alles. Ich habe das Gefühl, dass sich in diesem Moment etwas in der Beziehung der beiden etwas ganz entscheidendes verändert hat. Mira hat auf ihren freien Willen bestanden. Und ich weiß aus irgendeinem Grund, dass er sie deshalb nicht noch einmal schlagen wird.
„Bye Lauri.“
„Bis dann. Und... na ja. Tut mir leid.“
„Sollte es auch.“, neckisches Zwinkern untermauert diesen Satz noch zusätzlich.
Und dann gehe ich wieder zurück in die Kälte.
Ja, in eine Kälte, die du auch fühlen kannst, denn du fühlst ja, wie ich.
Doch, was soll ich nun mit dieser neuen Erkenntnis anfangen?
Wenn ich mich jetzt gleich auf dich stürze, mache ich alles kaputt und überfordere dich.
Dich darauf ansprechen will ich nicht. Jetzt noch nicht.
Ich wüsste nicht, was ich dir sagen sollte. Das macht mich irgendwie traurig. Ich habe in diesem Moment absolut nichts, was ich dir entgegenbringen könnte. Leere in meinem Kopf.
Ich bin ein Vakuum, ich könnte mich doch rein theoretisch mit Helium abfüllen lassen und zu dir fliegen. Schlechter Plan. Es ist viel zu windig und außerdem habe ich zu viele Löcher in mir, aus denen... ach, egal. Ich sollte aufhören, so einen Müll zu denken.
Ja, das ist vermutlich besser für meine Gesundheit. Und für meine Umwelt wahrscheinlich auch.
Jap, jap. Gute Lösung.
Erneut hetzt mir der eisige Wind um die Ohren. Es brennt richtig auf meiner Haut und ein Schaudern durchfährt mich.
Ich sollte schnell nach Hause gehen. Ist vielleicht auch besser, sonst sieht mich am Ende noch jemand aus meiner Klasse und schmiert mich bei nem Lehrer an. Das könnte ich jetzt ja mal gar nicht gebrauchen.
Und wie ich so an die Schule denke, drängt sich mir die Frage auf, ob ich morgen wieder hin gehen sollte?


Part 12

23 Uhr.
Ich kann nicht schlafen.
Gut, zur Verteidigung Meinerseits muss ich mir eingestehen, dass ich es auch nicht wirklich versucht habe.
Neben meinem Kopf auf dem Nachttisch läuft leise der Radio.
Krezip.
Ich mochte diese Band zwar nie so wirklich, aber... na ja, dieses Lied nimmt mich doch ganz schön mit.
Sachte schließe ich die Augen, denke an dich. An mich. An ein erträumtes Uns.

I hope you don't really think
that I'm better off without you

and I feel fine, yeah
I feel fine, yeah

Ja, mir geht es gut. Aber nur, wenn du da bist und sei es nur in meinem Kopf.
Und dort bist du mir so nahe, wie niemals zuvor.

take my hand, just be careful with it
I feel fine

Ich weiß, du willst nichts riskieren, aber wenn ich nun so darüber nachdenke, weiß ich, dass wir schon zu viel riskiert haben, als das noch irgendetwas schief gehen könnte.
Immerhin wissen es schon unsere Familien, Mira weiß es auch...
Also, wovor hast du Angst.
Ich hatte immer geglaubt, Liebe könnte jede Angst besiegen. Aber heute glaube ich, ich habe mich geirrt.

well, will you stick with me, you're right if you don't
'cause I ain't easy now, no
giving you a hard time
Wie viel Schaden dieser Irrglaube zwischen uns angerichtet hat, wird sich noch zeigen.
Es ist nicht leicht. Dies wird es niemals sein.
Aber... vielleicht.
Wenn ich alles tue, was in meiner Macht liegt, dann kann ich dich vielleicht noch für mich gewinnen.
Ja, daran glaube ich und ich weiß, dass ich mich in dieser Hinsicht gar nicht irren kann.

but do you feel you've won
and don't you see I'm weaker with you
i hope you don't really think
that I'm better off without you, yeah
and I feel fine...

Ein Klingeln. Hastig wühle ich mich aus der Bettdecke und hirsche wir ein Bekloppter zum Handy. Darauf abgebildet, blinkend, ist deine Nummer. Unsicher gehe ich ran:
„Aki?“
„Ja. Lauri, tut mir leid, dass ich dich um diese Uhrzeit noch anrufe, aber Mira ist bei mir.“
„Ja und weiter...?“, bitte sag mir jetzt nicht, dass du und sie...
„Basti hat sie wieder geschlagen.“
„Dieses Arschloch! Wo seit ihr? Seit ihr bei dir zu Hause?“
„Ja, aber ich weiß nicht, ob das so eine gute Idee ist, wenn du hier her kommst. Können wir zu dir?“
„Klar! Also, bis gleich!“, mein Plus geht Richtung Amoklauf. Dieser Wichser wird das noch büßen müssen.
Niemand darf Mira schlagen! Nicht meine Mira! Wutschnaubend gehe ich einige Schritte wirr in meinem Zimmer auf und ab. Was soll ich tun? Wieso nur fühle ich mich so absolut leer und machtlos ihm und ihr gegenüber?
Ich kann einfach nichts tun. Wenn ich mich mit Basti prügeln würde, weiß ich, wer den Kürzeren ziehen wird. Das wird weh tun.
Hastig treibe ich die imaginären Schmerzen aus meinem Kopf, stelle mich auf eine erneute Konfrontation mit dir ein. Hoffentlich wird diese nicht so weh tun. Missmutig lege ich mich wieder hin und seufze ich in mein Kopfkissen. Wieso überschlägt sich hier alles bloß immer? Wieso kann denn nicht mal ein Weltuntergang nach dem anderen kommen?
Warum nur alles auf einmal?
„Lauri?“
„Hm?“, mein Kopf bleibt im Kissen.
„Ich wollte mich nur entschuldigen, dass ich dich wegen Aki immer so auf die Schippe nehme.“
Okay, diese Aussage von Hanna ist es dann doch wert mich etwas in ihre Richtung zu drehen.
„Und weiter...“
„Na ja, du musst zugeben, dass es für uns alle eine völlig neue Situation ist, dass du eben... du weiß schon...“
„Das ich verdammt noch mal schwul bin!“, irgendwie tat es auf eine überraschende Art und Weise gut einmal laut auszusprechen.
„Genau. Du hast damit so ziemlich alles auf den Kopf gestellt.“, neben mir senkt sich die Matratze etwas ab, meine Schwester hat neben mir Platz genommen und streicht mir über den Rücken.
„Sie zeigen es zwar nicht, aber Mama und Papa wissen doch auch nicht so recht, wie sie nun auf gewisse Dinge reagieren sollen. Gerade, was Aki angeht. Es ist schwer für sie...“
„Ach und du denkst, für mich ist es ein Spaziergang? Soll ich dir mal was sagen? Hier in dieser Familie, lebt doch jeder seinen Egoismus... ihr memmt hier alle rum, von wegen, dieser neuen Situation, aber wie ICH mich dabei fühle ist wohl völlig egal!“
„Nein, das darfst du nicht denken... auf keinen Fall.“

„Das tue ich aber. Ich kann's auch nicht ändern. Okay?“
„Tut mir leid.“
„Na ja, passt irgendwie schon so, du bist meine Schwester, du bist dafür zuständig mir das Leben noch zusätzlich zur Hölle zu ma...“, wir schrecken beide auf. Es hat an der Tür geklingelt.
„Erwartest du noch Besuch?“
„Sieht so aus...“, mit einem genervten Stöhnen erhebe ich mich und hetzte zur Tür.
Draußen muss es heute unmenschlich kalt sein, denn selbst von Innen ist die Türklinke sehr kühl.
Als ich öffne stehen Mira und Aki in dicken Winterjacken und roten Nasen vor mir.
Aki grinst unbeholfen, in seinem Arm hält er Mira. Sie winkt mir auf eine kindliche Art und Weise und verleiht dieser Situation noch mehr Unwirklichkeit.
Wortlos treten die beiden ein, bringen die Kälte von draußen herein und gehen so gleich in mein Zimmer.
Vorsichtig, ohne zu viel Krach dabei zu machen, schließe ich die Tür und gehe ihnen nach.
Als ich zu den beiden stoße, habe sie sich bereits ihrer Jacken entledigt und von Hanna ist keine Spur geblieben. Ist besser so.
Mira hat sich auf mein Bett gelegt, starrt die Decke an, während Aki ihr den Rücken streichelt.
Absurd, gerade noch gaben Hanna und ich das selbe Bild ab.
Das Radio wimmert immer noch vor sich hin, inzwischen laufen Third eye blind mit ihrem, seit einer Ewigkeit im Radioprogramm verewigten Song, 'Semi charmed life' ...
Ich kann es nicht mehr hören und schalte endlich ab.
„Warum war er diesmal so zu dir? Ist es meine Schuld?“, ich traue mich nicht einmal Mira näher anzusehen, denn ich habe Angst Bastis Spuren der Verwüstung auf ihr zu finden.
„Nein, es ist nicht deine Schuld. Nicht einmal annähernd. Es ist alles meine eigene...“, leises Schluchzten mischt sich unter ihre letzten Worte, bis es letztlich zu einem tränenreichen Gefühlsausbruch wird.
„Sie wollte mir nicht sagen, was los ist.“, besorgt legt Aki seine Hand auf mein Bein, aber in diesem Moment darf es nicht wichtig sein.
„Mira... was ist denn...?“
„Ich bekomme ein Baby.“
„Was?“
Und da ist er schon, der nächste Weltuntergang.
Liebe Weltuntergänge, bitte stellt euch alle in einer Reihe an, jeder kommt mal dran...
„Ich mag Kinder. Du weißt ja, dass ich selbst einmal welche haben wollte.“, als ich in ihr Gesicht sehe, scheint es mir fast so, als könnte ich eine gewisse Zufriedenheit in ihren Augen entdecken.
„Ja, das weiß ich.“
„Aber Basti will das Kind nicht.“
„Ja und? Das is schließlich dein verdammter Bauch und nur DU hast darüber zu entscheiden!“, verdutzt blicke ich zu Aki, der mit geballter Faust mitten im Zimmer steht und seine Wut kaum mehr verbergen kann.
„Aki hat Recht. Lass dir von dem Arsch doch nicht reinreden...“
„Er sagt, ich sei nicht im Stande dazu ein Kind groß zu ziehen... vielleicht hat er ja Recht.“
„Und selbst wenn? Das ist doch egal!“, ich frage mich, ob Aki der Sinnlosigkeit seines Satzes bewusst ist...
„Es ist egal. Hör einfach auf das, was du fühlst. Wie heißt es denn so schön? Vernunft ist nichts, Gefühl ist alles.“, sachte schließe ich sie in meine Arme, kann fühlen, wie schwere Tränen sich auf meinen Arm verirren und kann fühlen, wie du dich zu dieser Umarmung gesellst und wie warm es wird. Wir sind nicht alleine.

Part 13

Mira schläft in meinem Bett.
Ich stehe mit einer Zigarette inmitten der eisigsten Nacht, die ich je erlebt habe und du bist dicht bei mir.
Wir wissen beide nicht wirklich, wie wir Mira helfen können.
Um ehrlich zu sein, weiß ich so gut, wie wir alle, dass wir nicht die geringste Hilfe für sie sind.
Ihre inneren Kämpfe muss sie alleine ausstehen. Dabei hilft ihr niemand.
Mira und ein Baby... hm, ob das was werden könnte? Wenn ja, was wird dann aus uns?
„Lauri, sag mal, wieso überschlagen sich die Ereignisse bei uns nur immer so? Das kann doch nicht normal sein.“
„Weißt du Aki, dafür gibt es nur eine vernünftige Lösung: Gott hasst mich, will mir mein Leben zur Hölle machen und da ihr meine Freunde seid hängt ihr automatisch mit drin.“
„Verstehe...“, du nickst nachdenklich, zeitgleich schüttelt es mich aufgrund der Kälte hier draußen regelrecht durch.
„Ich geh mal wieder rein zu Mira...“, aufmunternd versuchst du mich anzulächeln, ich scheitere es dir gleich zu tun.
Dann hauchst du mir einen Kuss auf die Lippen.
„Du solltest auch rein gehen, ehe du erfrierst.“
„Ich kann doch nicht erfrieren, wenn du mich so aufheizen tust.“, verdutzt drehst du dich wieder zu mir um. Habe ich das gerade wirklich laut ausgesprochen? Das darf doch alles nicht wahr sein.
„Ist das denn nicht gerade der Sinn von Freunden? Sie müssen einander immer vor dem Schlimmsten bewahren oder? In deinem Fall der Tod durch Erfrieren?“
„Da hast du wohl recht.“
„Ich weiß.“
Aber du weißt so verdammt wenig. Oder willst du es nicht wissen?
„Ja, das weißt du... aber weißt du, was ich mich seit Tagen frage?“
Du schüttelst den Kopf „Nein...“
„Ich frage mich, ob du weißt, dass du mir das Schlimmste antust, was möglich ist. Weißt du, auch ich kann nicht ewig so weiter machen. Ich gehe sonst kaputt.“
„Ich bin... das Schlimmste?“
„Nein, nicht du. Aber das, was du mit mir machst. Kannst du das denn nicht verstehen? Ich gehe jedes mal, wenn du da bist durch die Hölle, dabei könnte es doch so perfekt sein mit dir...“
Über deine ungläubigen Augen legt sich ein Schleier. Weinst du?
„Aki, nicht...“, vorsichtig schließe ich dich in meine Arme, drücke dich an mich und es bleibt mir nur die Angst, dass du mich von dir weist.
„Lauri, eigentlich... will ich ja. Aber was... passiert, wenn es nicht klappt? Was ist dann?“
„Was soll dann schon sein? Dann haben wir es wenigstens versucht. Aki, bitte hör doch auf uns zu quälen, ja?“, sachte lege ich meine Hand unter dein Kinn und ziehe dich etwas herauf, sodass ich dir in die Augen sehen kann.
Du schniefst einmal, kaum hörbar.
Ja, nun siehst du es... wie fertig du uns beide machst.
„Aki, du kannst dich entscheiden. Entweder, du gehst jetzt und es ist vorbei. Für immer. Ich werde dich dann nicht mehr zu irgendetwas nötigen. Oder du bleibst und gibst uns eine Chance- die wir, wie ich finde, doch verdienen.“
„Du hast mich niemals genötigt.“, und Bäche aus Tränen rinnen deine Wangen herab.
Ja, ich habe dich niemals genötigt und frage mich trotzdem, wieso du dich immer so gewehrt hast. Muss man dich mit Gewalt zu deinem Glück zwingen?
Nein.
Nein, du hast es von alleine gefunden. Du und dein Glück. Und hoffentlich ein wenig Platz für mich.
Ich beginne, sanft lächelnd, dich an mich zu drücken. Anspannung wie ich sie nicht kenne breitet sich in mir aus.
Warum? Wieso verkrampfe ich jetzt? Jetzt, wo ich bekommen habe, was ich mir so sehnlich gewünscht hatte?
Als deine Arme mich wärmend umschließen, weicht jedoch jegliche Spannung aus meinem Körper und ich kann kaum noch an mir halten.
Ich presse meine Augen, so fest, wie es mir möglich ist, zusammen. Ich will nicht auch noch weinen. Obwohl...
Wenn ich nun diesen Moment in einer Träne für immer gefangen nehmen könnte...
„Lauri?“, du schniefst erneut, löst dich etwas von mir und siehst mich mit, von Tränen aufgequollenen, Augen an.
„Mir ist kalt...“, leises Lachen folgt deinen Worten und ich nicke bejahend.
So gehen wir gemeinsam zurück ins Haus, zurück zu einem Problem, das nicht unseres ist, uns aber mehr trifft, als unser eigenes, das soeben begonnen hat.

Als wir wieder mein Zimmer wieder betreten, schläft Mira immer noch unverändert. Ihre Augen wirken selbst in geschlossenem Zustand aufgequollenen. An ihrer Wange schimmert eine verlorene Träne. Ich seufze, knie mich vor ihr nieder und streiche sie ihr fort. Mira soll nicht mehr weinen.
Sachte legt sich deine Hand, wie ein Stromschlag, auf meine Schulter. Ich blicke auf zu dir.
In deinem Gesicht kann ich erkennen, wie gerne du mir wohl jetzt helfen würdest, es aber nicht kannst. Innere Kämpfe sind nicht zum Teilen da. Sie sind immer nur für Einzelkämpfer bestimmt.
Ich greife zaghaft nach deiner Hand, du drückst zu und in diesem Moment, weiß ich, dass verdammt noch mal alles gut werden muss.
Was soll denn sonst aus uns werden? Wir haben das wirkliche Leben, die Realität bisher immer nur in keinen Dosen zu spüren bekommen. Wir wären doch einfach nur verloren.
„Wir sollten uns vielleicht auch schlafen legen.“
„Ja, vielleicht.“, ich nicke sachte und richte mich auf.
„Soll ich Schlafsäcke ausrollen?“
„Lass mal stecken. Wir können doch auf deinem Sofa schlafen... zusammen.“, flüsterst du leise und mich durchfährt es wie ein Blitz. Solange hatte ich mich nach dieser Nähe gesehnt, wieso hast du mir nicht früher verraten, dass du es auch so sehr herbei gewünscht hast?
„Okay. Gerne.“
Ich gehe an dir vorbei, ziehe aus einer Ecke meines alten Kleiderschrankes eine Decke.
Als ich mich wieder zu dir umwende, hast du gerade begonnen dich zu entkleiden. Ich versteinere und du spürst meinen ungläubigen Blick auf dir, siehst mich dann unsicher an.
„Nicht? Ich meine... soll ich besser...?“
Dein leises Stammeln lässt dich so unsagbar niedlich wirken.
„Nein, nein. So ist es in Ordnung.“
Ich gehe zur Couch und lege die Decke darauf ab. Verschämt werfe ich einen weiteren Blick zu dir.
Anschließend setze ich mich und beginne auch mich zu entkleiden. Als ich mir gerade den Pullover über den Kopf ziehe, lässt du dich neben mir nieder und lächelst mich an.
Du trägst nur noch Shorts und dein altes Lieblings-T-Shirt, welches auch schon wesentlich bessere Zeiten gesehen hat.
Deine Haut ist übersät von Gänsehaut, die nun auch auf mich übergeht, als du deine Hand auf meinen Schenkel legst.
„Lauri, aber eines musst du mir versprechen...“
„Alles, was du willst.“
„Tu mir einfach nur nicht weh. Das reicht schon.“
Für einen kurzen Augenblick weiß ich nicht recht, was ich sagen soll. Ich würde dir niemals weh tun oder dich verletzen!
„Natürlich. Niemals.“, ich lächle etwas und hauche dir dann einen kleinen, unschuldigen Kuss auf die Wange.
„Na ja, dann wollen wir wohl mal schlafen...“, deine Stimme klang irgendwie gerade so komisch, ich schmunzle und nicke leise lachend.
Ich lege mich hin und ringe innerlich mit mir, ob ich dir anbieten sollte in meinen Armen zu schlafen. Du legst dich wortlos dicht neben mich, mir den Rücken zugewandt.
Ein heißes Kribbeln zieht sich in die Mitte meines Körpers, als dein Hintern meinen Schritt berührt. Ich muss mich so beherrschen...
„Aki... darf ich?“
„Was?“, empfand nur ich dieses simple Wort als so scharf und irgendwie angespannt?
„Darf ich... ich meine... darf ich meinen Arm...“
Ohne auf eine klare Antwort von dir zu warten, schiebe ich meinen Arm unter deinen Oberkörper und ziehe dich noch näher an mich heran.
Bitte... stoß mich jetzt nicht wieder zurück. Nicht jetzt, wo ich langsam Mut bekomme.
Aber du greifst nur stumm hinter dich, nimmst meinen noch freien Arm und legst ihn um dich.
In diesem Moment frage ich mich, ob du eigentlich weißt, wie glücklich du mich mit deiner Entscheidung machst...


Part 14

Am nächsten Morgen stehe ich noch schlaftrunken vor dem Spiegel in dem kleinen Badezimmer, das ich mit meiner Schwester im oberen Stockwerk teilen muss.
Der Anblick im Spiegel sieht irgendwie so seltsam aus.
Was ist das bloß in meinem Gesicht? Ach ja: ein zufriedenes Lächeln!
Ich grinse breit, drehe den Wasserhahn auf und werfe mir eine ordentliche Ladung kaltes Wasser ins Gesicht. Kurz darauf nimmt meine Haut eine gesunde rote Farbe an. Mein Grinsen wird noch breiter.
Der Gedanke daran, dass du dort auf meiner Couch schläfst ist einfach wunderbar und die Tatsache, dass du dort bis eben noch in meinen Armen gelegen hast, macht dies alles nur noch besser.
Genüsslich strecke ich mich und reibe anschließend meinen nackten Bauch.
Kritisch stelle ich mich seitlich vor den Spiegel. Habe ich zugenommen?
Das darf doch echt nicht wahr sein... ich stöhne genervt und wohl auch sehr frustriert auf und stelle die Dusche an. Während das Wasser fröhlich vor sich hin rauscht ziehe ich mir meine Shorts aus und wende mich abermals dem Spiegel zu. Hm, okay... ich hatte noch mal Glück, es waren wirklich nur die Shorts, die meinen Bauch etwas ungeschickt hingequetscht hatten. Hoffentlich. Ich zucke nach einigen Minuten mit den Schultern und beschließe mir erst dann ernsthafte Sorgen darüber zumachen, wenn du mich darauf ansprechen wirst.
Dann steige ich unter die warme Dusche, deren durchsichtige Plastikwand und Schiebetüre vom Wasserdampf total beschlagen sind. Ich genieße das Gefühl, wie das Wasser über meinen Körper rinnt und denke dabei ein wenig an dich. Ein wenig viel... ein wenig mehr... ein wenig zu viel. In meinem Bauch sammeln sich eindeutig zu viele Glücksgefühl viel zu schnell an!
Na ja, und dann kann ich halt einfach das wohlige Gefühl an meinen Lenden nicht mehr ignorieren. Als ich meinen Blick senke kann ich das wahrhaft nackte Verlangen nach dir sehen. Wie gerne hätte ich dich nun bei mir. Aber du bist nicht hier. Nein, du schläfst noch so friedlich, wie es wohl nur die Engel und du tun können. So lasse ich meine Hände langsam aber zielstrebig an meinem Körper herunter gleiten. Mich kribbelt es am ganzen Leib, wenn ich mir vorstelle, es wären die deinen Hände, die nun an dieser pikanten Stelle ihren Dienst antreten. Ich schließe meine Augen, denke deinen Atem auf meine Haut und deine Haut auf die meine. Ich stelle mir vor, wie du dich vor mir niederkniest und... ich stöhne leise deinen Namen und lehne mich mit der Stirn gegen die kühle Kachelwand.
Plötzlich. Ein Geräusch. Weit weg, dann unmittelbar vor mir. Ich schlage die Augen auf.
Du. Du? Du!
„Aki... ich...“, ich taumle etwas und mein Körper klatscht mit einem seltsamen Geräusch gegen die Wand.
Du grinst nur breit. Sehe ich dort in deinem Blick vielleicht sogar einen Hauch von Genugtuung?
„Weiß du, ich wollte nur...“
„Glaub mir, ich kann mir denken, was du tun wolltest.“
„Oh.“, ich kann die Röte brennend in meinem Gesicht spüren. Scheiße! Wieso musst ausgerechnet du mich bei so etwas erwischen?!
„Lauri, du brauchst dich ehrlich nicht von mir stören lassen, ich wollte nur...“, du trittst etwas dichter an die Dusche heran. Irgendwie machst du mir Angst. Aber eben nur irgendwie, denn dieses Kribbeln wird durch deine Anwesenheit nur stärker. Wie gerne würde ich dich nun beten, nein, sogar anflehen, einfach zu mir in die Kabine zusteigen.
„Na ja... ich wollte eigentlich nur nach dir sehen. Soll ich wieder gehen?“
„Um Gottes Willen! Nein! Bleib doch bitte.“
Dein Lächeln, das auf diesen Satz folgt, trifft mich mitten ins Herz. Ich will dich. Am besten jetzt. Nein, noch besser: immer!
„Aki, denk jetzt bitte nichts Falsches von mir, aber ich würde mich freuen, wenn du... na ja, mit mir duschen würdest.“, ich grinse unbeholfen und verschränke die Arme hinter meinem Rücken wobei mir auffällt, dass du ja die ganze Zeit freie Sicht auf meinen eigentlichen Wunsch hast... aber meine Blöße zu bedecken würde ja jetzt auch nichts mehr bringen.
„Nichts würde ich lieber tun.“
Ich ziehe scharf die Luft ein und du entkleidest dich so unsagbar langsam. Und bei jedem weiteren kleinen Stückchen Haut, das ich zu sehen bekomme, wünsche ich mir dich schneller zu mir herein.

Als es an deiner Shorts geht wendest du mir den Rücken zu. Innerlich verfluche ich dich kurz dafür, aber deine Rückansicht ist auch nicht übel.
Ich schiebe voller Ungeduld die Duschtüre auf. Wasserdampf steigt in einer gewaltigen Wolke in den Raum an die Decke.
„Ich warte.“, verdammt. Ich habe selten so tussig geklungen.
„Und ich komme.“
„Na, aber hoffentlich.“
Grinsend drehst du dich zu mir um und gehst bestimmten Schritte auf die Duschkabine zu. Ich wage es nicht, meinen Blick von deinem Gesicht zunehmen, obwohl ich dies nur zu gerne tun würde.
Als du unmittelbar vor der Dusche bist, trete ich einen kleinen Schritt beiseite, um dir Einlass zu gewähren. Und als gäbe es nichts Normaleres stehst du plötzlich nackt, wie Gott dich schuf, vor mir.
„Hui, du duschst aber heiß.“
„Soll ich etwas kälter machen?“
„Nein, nein. Heiß ist gut...“, du lächelst so, als würdest du mich gleich anspringen. Mich durchzieht allein bei dem Gedanken daran eine Gänsehaut.
„Heiß ist sogar sehr gut.“
Du drängst mich in die Ecke der Kabine, mein Rücken klebt wieder an dieser viel zu kalten Kachelwand.
„Aki, weißt du, ich...“
„Ja, ich weiß, du willst mich doch einfach nur küssen nicht wahr?“
Wow, ich weiß zwar nicht, was dich gerade reitet, aber ich mag es! Grinsend nicke ich und lege sachte meine Hände in deinen Nacken.
Deine strahlenden Augen studieren mich. Was erhoffst du dir nur zu finden?
Dann schließt du deine Augen mich schaudert es erneut.
Als dein Gesicht dem meinen so nahe ist, dass uns nur noch ein Atemzug trennt, kann ich dich fühlen. Ich habe in diesem Moment das Gefühl, dass wir uns niemals so nahe waren wie jetzt, denn niemals zuvor waren wir uns darüber im Klaren, dass wir einander wirklich so ehrlich begehren, wie heute.
Ich schiebe meinen Kopf dem deinen etwas entgegen und dann spüre ich endlich deine Lippen.
So heiß, so einladend, so Aki.
Einfach Aki.
Ich ziehe dich noch näher an mich heran. Ich will dich auf meiner Haut fühlen.
Ich will, dass du mich fühlst. Ich will, dass du weißt, wie sehr ich dich will.
Du presst deine Lippen fester auf die meinen, dann treffen sich unsere Zungen. Es erscheint mir fast schon scheu, im Vergleich dazu, was wir bereits alles unter Alkoholeinfluss getan haben. Aber heute brauchen wir das nicht. Nein, heute wissen wir, dass wir einzig und alleine uns brauchen.
Mein ganzer Körper bebt und ich weiß einfach nicht, was ich nun alles wagen darf und was nicht.
Allzu lange muss ich daran allerdings nicht denken, denn als du deinen nassen Körper enger auf mich presst und weiter in die Ecke drängst, kann ich deine Lust genau zwischen meinen Beinen fühlen. Für einen Augenblick stockt mein Atem. Mein Herz rast. Ich kann mir ein Lächeln nicht verkneifen.
„Warum lachst du?“
„Ich lache nicht... ich freue mich nur.“, flüstere ich und lecke genüsslich über die Haut an deinem Hals. Als ich meine Zähne neckisch auf dir versenke stöhnst du leise auf. Ich könnte dir in diesem Moment nichts nennen, was mich glücklicher machen könnte als das hier.

„Hm, freuen. Hört sich gut an...“
„Sehr gut sogar...“, wispere ich und lasse meine Hände über deinen Körper wandern.
Deine Haut fühlt sich wie nasse Seide unter meinen Fingern an. Ich hauche dir nochmals einen Kuss an den Hals und wandere dann etwas tiefer.
Als ich meinen Blick kurz nach oben zu dir werfe, sehe ich, wie du deinen Kopf in den Nacken legst und dich dann mit beiden Händen über mir an der Kachelwand abstützt.
Und sowie ich meine Augen eben noch deinem Gesicht gewidmet hatte, so widme ich sie nun deiner unteren Körperhälfte.
Mir wird heiß und mein Herzschlag legt noch einen Zahn zu. Es hämmert wie wild gegen meine Brust und als ich langsam immer tiefer meine Küsse platziere, wird das Pochen schlimmer.
Ich umkreise deinen Bauchnabel, mit fast schon akribischer Genauigkeit versehe ich jeden Millimeter Haut mit Küssen.
In meinen Ohren kann ich meine eigenes Blut rauschen hören. Ich schließe meine Augen und lecke vorsichtig über deinen linken Hüftknochen; versenke meine Zähne dort.
Irgendwie weiß ich überhaupt nicht, was ich hier mache. Okay. Ich weiß es. Also, gefühlstechnisch jedenfalls. Aber... ich soll ich dies nur praktisch umsetzen?
Ich seufze leise und senke meinen Kopf.
„Was hast du?“
„Ich? Öhm nichts... ich, denke nur nach.“
„Findest du nicht, dass du das auch später machen kannst? Ich halt diese Situation für den gänzlich falschen Moment um nachzudenken...“
„Aki, hör mal.“, ich richte mich auf und bete, dass Aki jetzt gleich nicht lachen wird.
Zittere ich?
Oh ja, das tue ich. Verdammt, ich wollte es doch nicht versauen mit ihm...
„Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung, was das hier wird.“
„Nicht, ach, ich hatte da so eine Idee, du wolltest mir... na ja hoffentlich... einen bl...“
„Das weiß ich auch!“, resignierend stöhne ich und streiche mir durch die nassen Haare.
„Nein,du verstehst mich nicht.“, ich kann die Röte brennend in meinem Gesicht fühlen. Das ist mir so peinlich.
„Ich habe keine Ahnung... wie.“
„Du weißt nicht wie?“, verdutzt starrst du mich an.
Gleich wirst du lachen. In drei... zwei... eins...
„Ja, ich hab keine Ahnung. Mein Gott, ich hab das noch nie gemacht und auch noch nie... gemacht bekommen. Okay.“
Wieso lachst du nicht?
Du legst deine Hände um mein Gesicht, neigst deinen Kopf zur Seite.
„Du siehst in diesem Moment so aus, als hättest du Angst vor mir.“
„Na ja, ich warte eigentlich nur darauf, dass du lachen wirst.“
„Lachen? Warum sollte ich? Ich sehe hier viel mehr Aufholungsbedarf, als ein en Grund zum Lachen.“, mit diesen Worten grinst du mich mehr als versaut an und begibst dich langsam vor mir auf die Knie.
Das wirst du doch jetzt nicht tun, oder?
Oder? ODER?
„Aufholungsbedarf?“, stottere ich, während du nun derjenige bist, der über meine Haut leckt und neckisch in meinen Unterbauch beißt.
„Allerdings.“, und einen kurzen Augenblick später klatscht mein Körper erneut gegen die kalte Kachelwand. Ich presse meine Augen zusammen, lege nun auch den Kopf in den Nacken.
Sekunden später schießt mich deine Zunge in den siebten Himmel.
Neckisch leckst du über meine empfindlichste Stelle und es fühlt sich so gut an, als hättest du niemals in deinem Leben etwas anderes gemacht.
Mir entweicht ein raues Stöhnen; meine Stimmt bricht an meiner Erregung.
Meine Knie stehen kurz davor mir ihren standhaften Dienst zu versagen.
Ich beiße mir auf die Lippen - immer fester -, als du immer intensiver deine Bewegungen ausführst.
Ich weiß nicht wie mir geschieht, eine Woge der Lust nach der anderen treibt mich an fernere Ufer, wo es nur dich und mich gibt.
Das Kribbeln in meinem Bauch ist fast nicht mehr zum Aushalten. Ich konnte durchdrehen vor Verlagen nach dir und dem was du hier tust.
Deine Hände wandern währenddessen kratzend über meinen Körper, du krallst dich regelrecht in meine Seiten als es wohl leider zum Finale dieses 'Aufholungsbedarfes' geht.
Und so sehr ich mir wünschte, dass du nie wieder damit aufhörst, so findet alles doch sein Ende, als ich mich endgültig nicht mehr beherrschen und zurückhalten kann.

~to be continued~



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